Yamaha Tenere 700 Supermoto Test 2022

Das herrliche Funbike von Yamaha Schweiz!

Die Schweizer lassen sich selten, eigentlich sogar nie lumpen - wenn schon das verrückte Projekt Yamaha Tenere 700 Supermoto gestartet wird, dann ordentlich! Ein 17 Zoll-Radsatz mag ja noch Pflicht sein, Öhlins-Fahrwerk, Stahlflex-Bremsschlauch und gekürztes Heck sind hingegen absolute Kür! Aber wie fährt sich die Supermoto-Tenere im Vergleich mit einer normalen Tenere 700?

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Verrückte Ideen nehmen oftmals einen besonderen Lauf und manchmal kommen dabei richtig coole Sachen heraus. Die Yamaha Tenere 700 Supermoto ist ein solches Projekt und schafft sogar die Hürde der Frage, ob dieses Projekt eigentlich sinnvoll oder völlig entbehrlich ist - ja, dieses Motorrad ist sinnvoll. Denn selbst wenn man meinen könnte, dass eine Offroad-taugliche Reiseenduro durch Straßenreifen ihrer innersten Bestimmung beraubt wird, so kann man es auch ganz anders betrachten: Die Tenere 700 Supermoto wird zum herrlichen Funbike, das auf der Landstraße fast schon perfekt wildern kann und somit einen ganzen Haufen Naked Bikes und sogar Sportler bezwingen kann. Da kann man doch eigentlich schwer von Sinnlosigkeit sprechen!

Was wurde für die Yamaha Tenere 700 Supermoto geändert?

Natürlich darf man von Yamaha Schweiz nicht erwarten, dass für das Supermoto-Projekt lediglich irgendein 08/15-Felgensatz eingebaut wurde. Nein, die Eidgenossen schaffen es nun mal nicht, Projekte halbherzig anzugehen - alles oder nichts heißt in der Regel die Devise. Wobei sie es bei der Optik für meinen Geschmack fast schon zu dezent belassen haben. Ein cooler Sticker-Kit hätte dem Supermoto-Style schon ganz gut getan. Das ist aber auch schon die einzige Kritik, denn abgesehen vom Stahlflex-Schlauch für die Bremse kommt ein edler OZ Racing-Felgensatz in herrlichem Mattglanz-Effekt zum Einsatz und das Heck wurde behutsam gestutzt. Damit kann man sich schon sehen lassen und damit auch beim Fahrwerk nichts anbrennen kann, setzen die Schweizer gleich auf feinste Ware in schwedischem Gold - hinten ein Öhlins-Federbein, vorne ein Cartridge-Kit von Öhlins in der regulären Gabel.

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Wie fährt sich die Supermoto-Tenere 700?

Das Resultat der Arbeit ist verblüffend, die Tenere 700 Supermoto fährt richtig gut! Der hohe Sattel (die Sitzhöhe von 880 Millimeter bei der normalen Tenere 700 mit den kleineren Felgen nur minimal gesenkt) fällt dank dessen schmaler Silhouette nicht negativ auf. Ebenso verhält es sich mit dem Gewicht, das sich nicht maßgeblich von jenem der normalen Tenere 700 unterscheidet - über 200 Kilo fahrfertig sind grundsätzlich kein Fliegengewicht, auf der Supermoto-Tenere fallen sie aber nicht wirklich auf, so agil und behände lässt sich dieses Ding von einer auf die andere Seite schupfen. Die Pirelli Diablo Rosso III picken dabei nicht nur ausgezeichnet am Asphalt, sie lenken auch absolut neutral ein und im Zusammenspiel mit dem hochwertigen Fahrwerk machen einfach alle Radien einfach nur Spaß.

Die Elektronik wurde gegenüber der Tenere 700 nicht geändert - kaum vorhanden!

Eine Sache, die Yamaha Schweiz nicht geändert hat, nicht ändern wollte und vermutlich von den zukünftigen Fans der Tenere 700 Supermoto auch nicht gewünscht, betrifft die Elektronik - sie ist schlicht und ergreifend kaum vorhanden. Ein abschaltbares ABS reicht schon der normalen Tenere 700, da braucht auch die Supermoto-Version nicht mehr. Obwohl man bei dem herrlichen CP2-Triebwerk, das ebenfalls unverändert von der Tenere 700 adaptiert wurde, schon darüber diskutieren könnte, ob eine Traktionskontrolle nicht Sinn machen würde. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass der Motor mit seinen 73 PS bei 9000 Umdrehungen und 68 Newtonmeter Drehmoment bei 6500 Touren zwar herrlich direkt ans Gas geht, aber dabei absolut kontrollierbar bleibt. Zumindest auf trockener Piste gibt es so wie bei der normalen Tenere 700 keine Probleme.

Man kann es auch mit der normalen Yamaha Tenere 700 krachen lassen

Die Bremsleistung der Supermoto-Version befinde ich für durchaus gut und ausreichen, große Unterschiede zur normalen Tenere erkenne ich dabei nicht. Könnte aber auch daran liegen, dass ich mit der normalen Tenere 700 auch weitaus defensiver unterwegs war. Die großen Räder (90/90-21 vorne, 150/70-18 hinten) gebieten doch etwas mehr Respekt am Asphalt, wenn auch die montierten Pirelli Scorpion Rally STR dermaßen gut funktionieren, dass man es auch mit der Reiseenduro erstaunlich krachen lassen kann. Offroad macht die Supermoto-Version der normalen Tenere 700 klarerweise keine Konkurrenz, das kann wirklich nur die mit den großen Rädern - und das eben richtig gut.

Die Tenere 700 Supermoto ist kein Schnäppchen, der Gegenwert ist aber hoch

Da es sich bei der Supermoto-Tenere (vorerst) um ein penibel mit edlen Teilen aufgebautes Einzelstück handelt, bei dem klarerweise die Arbeitszeit miteinberechnet werden muss, ist die Tenere 700 Supermoto kein Schnäppchen. Knapp 19.000 Schweizer Franken muss man für dieses exklusive Funbike hinblättern - es steht demnächst tatsächlich zum Verkauf. Der Gegenwert ist mit all den hochwertigen Komponenten aber ebenfalls hoch, die Blicke der interessierten Bewunderer ist ohnehin unbezahlbar. Außerdem muss es meiner Meinung nach gar nicht unbedingt das Fahrwerk von Öhlins sein, so mancher Fan fände sicher auch mit dem herkömmlichen Fahrwerk sein Auslangen. Schon alleine damit kann man einige Tausender einsparen. Am besten bei Yamaha Schweiz vorstellig werden, die Jungs und Mädels sind erstaunlich empfänglich für noch so verrückte Ideen.

Vaulis Fazit zum Test der Yamaha Tenere 700 Supermoto:

Yamaha zeigt mit der Tenere 700 Supermoto, was mit dieser Basis alles möglich ist und wie erstaunlich viel Spaß dieses Konzept am Ende macht. Klarerweise kostet dieses Funbike unter anderem wegen der hochwertigen Öhlins-Komponenten und der einkalkulierten Arbeitszeit eine Menge Geld, der Gegenwert in Form reinster Freude ist aber in der aktuell ohnehin Tristen Zeit fast unbezahlbar. Und geht es beim Großteil von uns Bikern nicht ohnehin um den reinen Spaß an der Sache? Na also…

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Bericht vom 18.07.2022 | 9.936 Aufrufe

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