Angriff nicht nur im Retro-Segment! Peugeot Roller der Zukunft

Interview mit Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles

Bei der statischen Präsentation des New Django 125 in Paris blickt Poky gemeinsam mit Peugeot Produktchef Laurent Lilti in die Zukunft.

Poky: "Wir befinden uns hier in einem feinen Pariser Stadthaus bei der statischen Präsentation des New Django. Wohin entwickelt sich Peugeot Motorcycles?"

Laurent Lilti, Globaler Product, Marketing & Kommunikations Direktor, Peugeot Motorcycles: "Das Portfolio von Marken und Produkten unter dem Peugeot-Dach wächst und wächst. Neben der Übernahme der traditionsreichen Marke BSA, unserer neuen Elektromotorradmarke DAB Motors und eben Peugeot Motorcycles, wird der starke Name Django künftig für sich selbst stehen, ohne den Zusatz Peugeot. Wir differenzieren also unsere Marken und auch die Kunden die wir ansprechen wollen, bei einer gleichzeitigen Ausweitung des Angebotes."

Poky: "Sprechen wir von den nächsten Jahren: Wird die nähere Zukunft elektrisch sein oder spielt der Verbrennungsmotor nach wie vor eine bedeutende Rolle bei diesen Plänen?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Der Verbrennungsmotor ist immer noch mehr als wichtig, er ist entscheidend für uns. Elektrische Antriebe machen aus unserer Sicht aktuell vor allem im urbanen Raum Sinn. Aber die Lebensrealität vieler Zweiradfahrer geht darüber im wahrsten Sinne des Wortes hinaus, weil viele Menschen auch im Umland von Städten oder in ländlichen Gegenden wohnen. Die Elektrifizierung ist wichtig und wir entwickeln hier, aber der Verbrennungsmotor ist unser Fokus für die nähere Zukunft."

Poky: "Das aktuelle Peugeot Portfolio bietet Zweiräder von 50 über 125 bis 400 Kubik. Welches Segment ist das wichtigste in Europa?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "In Europa ist der wichtigste Markt die A1 Klasse, auch wenn wir mit Produkten wie dem XP 400 aggressiv in neue Märkte vordringen wollen und da eine gewisse Priorität liegt."

Poky: "Peugeot Motorcycles produziert und vertreibt Produkte in vielen asiatischen Ländern, wie China, Vietnam und Indien. Wie unterscheidet sich die Situation in Asien?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Wenig. Die Roller für den asiatischen Markt bauen auf der gleichen Plattform wie die für den europäischen auf, haben aufgrund der Rahmenbedingungen dort allerdings 150 Kubikzentimeter. Aber auch in Asien wird das Big GT Segment (Modelle zwischen 300 und 400 ccm) immer wichtiger."

Poky: "Europa ist in zwei Lager geteilt, wenn es ums Thema Roller fahren geht. Im DACH Raum und nördlicher gibt es eine Saisonen, während südlicher ganzjährig gefahren wird. Interessanter Weise sind insbesondere im Süden dreirädrige Fahrzeuge, wie der Peugeot Metropolis deutlich erfolgreicher als in Nordeuropa, woran liegt das?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "In Städten und Metropolregionen mit einer Verkehrslage wie Paris (lacht) haben viele Personen das Autofahren aufgegeben, weil man einfach nicht vorankommt. Ich habe ein schönes Auto in der Garage, das ich maximal 7 Mal pro Jahr nutze. Vielen Autofahrern geht es ähnlich und weil man (zumindest) in Frankreich dreirädrige Fahrzeuge auch mit dem Autoführerschein bewegen, wenn sie mehr als 125 Kubik haben, sind diese hier so beliebt."

Einwurf Poky: "Das ist in Deutschland und Österreich rechtlich nicht anders."

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Der zweite Grund für den Erfolg ist, dass wir mit diesem Angebot neben den Autofahrern, auch Ex-Biker die die Motorradwelt aufgrund von Sicherheitsbedenken verlassen haben, ansprechen. Das dritte Rad spendet Vertrauen und der holt somit Personen zurück in den Sattel."

Poky: "Kommen wir zurück zum Django. Der New Django entfernt sich mit TFT Display und dem modernen, stärkeren flüssig gekühlten Motor etwas vom Retrogedanken. Ist das ein Abgesang auf die Retrowelle und wird der New Django den Django mittelfristig ersetzen oder ist Retro auch nach 2024 noch wichtig?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Retro ist immens wichtig, das Angebot am Markt nimmt auch eher zu als ab. Bei den Rollern hat eine italienische Marke hier quasi Monopolstellung, die wir natürlich angreifen wollen. Vor allem da Peugeot eine wirklich lange Zweiradgeschichte zu bieten hat. Wir produzieren Motorräder seit 1898. Der Vorfahre des Django geht auf 1955 zurück! Der New Django ergänzt das Django Line-Up, der Django (Classic) wird aber auch über die Euro 5+ Hürde gehoben und bleibt uns als wichtiges Produkt im Segment sicher noch lange erhalten."

Poky: "Heute durften wir neben den verschiedensten Django-Modellen noch einen Blick in die Zukunft werfen. Das SPx Konzept zitiert ebenfalls einen Klassiker der Peugeotgeschichte: den 103, quasi das Pendant zum österreichischen Puch Maxi. Dieses Konzept soll ja schon nahe der Serienreife sein und ist elektrisch angetrieben. Wird städtischer Verkehr in Zukunft automatisch E-Moped bedeuten?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Je näher man den (historischen) Zentren der Städte kommt desto höher wird die Chance stehen, dass hier nur noch Elektro-Fahrzeuge fahren wird (dürfen). An diesen Orten reichen Kleinfahrzeuge mit entnehmbaren Akkus und weniger Reichweite. Will man mit dem Fahrzeug auch außerhalb unterwegs sein, kommt man um festverbaute Akkus nicht herum. Um eine zufriedenstellende Reichweite zu erzielen sollte die Akkukapazität bei mindestens 10, besser 14 kWh liegen. Akkus dieser Größenordnung sind teuer und schwer. Folglich werden Fahrzeuge die das bieten kaum unter 10.000 Euro angeboten werden können.

Wir könnten dieses Produkt bauen. Manche Mitbewerber, wie BMW mit dem CE04, machen das ja schon, aber wenn man sich den ansieht, kommt er realistisch rund 100 km weit, das ist dem Kunden zu wenig. Wir arbeiten an Technologieträgern, die hier eher die Kundenwünsche erfüllen, das wird aber noch ungefähr 4-5 Jahre dauern, bis diese marktreif sind."

Poky: "Die Toprange bei Peugeot beim Thema Roller bildet aktuell der XP400 bzw der XP400GT. Ich konnte das Fahrzeug schon sehen aber nicht test-fahren. Etwas schockiert war ich beim Gewicht von 231 kg fahrfertig. Die Konkurrenz wie der Honda ADV 350 ist knapp 50 Kilo leichter. Warum?"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Der XP400 wurde mit dem Ziel entwickelt, das robusteste und einsatzfähigste Fahrzeug seiner Art zu sein. Die Peugeot-Ingenieure haben viel Arbeit und Zeit investiert um ein verrückt widerstandsfähiges Fahrzeug mit ausgeklügelter Technik zu entwickeln. Einen Sturz aus einem Meter Höhe überlebt das Chassis problemlos, das haben wir getestet. Einfach aufsteigen und weiterfahren.

Es gibt aber noch einen anderen Grund für das höhere Gewicht: Wenn man sich die Federung im Heck ansieht, wird man feststellen, dass hier durch ein innovatives System 40 mm mehr Federweg als in einem Roller üblich entsteht: Die Zweiarm-Triebsatzschwinge des XP400 ist über ein u-förmiges Gestänge mit einer Querstrebe verbunden, die das Federbein beaufschlagt. Nach außen ist davon kaum was sichtbar, da die Konstruktion hinter der rechten Seitenverkleidung verborgen ist. Das Ergebnis spricht für sich der XP400 fährt spurstabil, ohne träge zu sein. Außerdem hat man dadurch echte Offroad-Eigenschaften.

Den ADV 350 sehe ich nur bedingt als Konkurrenz, da er seiner Forza-Basis nicht leugnen kann, auch wenn er optisch auf Adventure getrimmt ist. Zudem fehlen da doch 50 Kubik und über 7 PS Leistung. Der XP400 dagegen ist eine echte Mischung aus Motorrad und Roller."

Poky: "Da hoffe ich doch, dass wir bald eine Probefahrt mit dem XP400 machen können. Der Test fehlt uns nämlich noch! Vielen Dank für das Gespräch!"

Laurent Lilti, Peugeot Motorcycles: "Jederzeit gerne! Danke ebenfalls!"

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Bericht vom 30.04.2024 | 5.311 Aufrufe

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