Wie E-Fuels unsere Verbrenner-Motorräder retten könnten!

Synthetischer Sprudel als rettender Strohhalm für Verbrenner-Fans

Die Klimakrise ist im Anmarsch und langsam versucht auch die Menschheit gegenzusteuern. Die Politik wendet sich in ihrer Panik an die E-Antriebe, unseren geliebten Verbrenner-Motoren droht im Gegenzug das Aus. Doch es gibt einen Silberstreifen am Horizont: Die E-Fuels. Aber sind sie wirklich die bessere Alternative zum E-Antrieb?

Rückblickend wissen wir nun, dass sich der Klimawandel schon seit einigen Jahren angekündigt hat. Doch auch heute, nach unzähligen Studien und wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Thema, bleiben die Diskussionen kontrovers und der Weg in die Zukunft ungewiss. Selbst jetzt scheint niemand so richtig zu wissen, was eigentlich getan werden muss, um die Auswirkungen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten.

Seat Mo 125 E-Roller
Alles scheint in Richtung E-Antrieb zu deuten, aber nicht alle sind von diesem Weg überzeugt.

Die Politik in unseren Breitengraden scheint bei ihrer Suche nach einer Lösung alles auf ein Pferd zu setzen und geht mit vollem Schub in Richtung E-Mobilität. Doch die Technik der E-Motoren ist von zahlreichen Problemen geplagt. Die Reichweite ist zu gering, die Ladedauer zu lang, die Lebensdauer der Batterien zu kurz und der Abbau der Rohstoffe problematisch. Trotz dieser Defizite sind schon Verbote von Verbrennermotoren im Gespräch, was uns ultimativ unser Hobby kosten, oder es zumindest stark einschränken würde. Doch trotz des vermeintlich unausweichlichen Siegeszugs der E-Motoren, sehen einige Hersteller anderswo Potential. So sieht auch KTM keine Zukunft für E-Antriebe in großen Motorrädern. Für eine der vielversprechendsten Alternativen baut Porsche um mehrere Milliarden Dollar eine Produktionsstätte in Chile. Synthetische Kraftstoffe, auch genannt E-Fuels, versprechen nicht nur emissionsloses Fahren, sondern sind auch mit den bestehenden Fahrzeugen und Motoren kompatibel. Könnte das die Rettung, nicht nur für den Verbrenner, sondern auch für das Motorradfahren wie wir es kennen, sein?

Was sind E-Fuels und wie werden sie hergestellt?

Mehr als 90 % des globalen Energiebedarf wird mit der Verbrennung fossiler Brennstoffe abgedeckt. E-Fuels könnten dieses System fast komplett ablösen, da sie dieselbeTechnik, nämlich Energie aus Verbrennungen, nutzen und nur die fossilen Brennstoffe, nicht jedoch die Maschinerie und Infrastruktur rundherum ablösen würden. Mit einer sehr ähnlichen chemischen Zusammensetzung und Energiedichte wie herkömmliche Treibstoffe brauchen Fahrzeuge nur minimale Modifikationen, um E-Fuels nutzen zu können. Diese sind aber im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen, welche erst durch Druck und im Lauf von Millionen Jahren im Boden entstehen, in unendlicher Menge herstellbar.

E-Fuels erhalten Infrastruktur
Mit E-Fuels würde in den Tankstellen das Licht an bleiben.

Vereinfacht gesagt braucht es zur Produktion von strombasierten, synthetischen Treibstoffen nur drei Dinge: Wasser, CO2 & Strom. Mittels Elektrolyse wird Wasserstoff abgespalten und mit Kohlenstoffdioxid verbunden. Nach etwas chemischer Magie auf Molekularebene entsteht aus dem Wasserstoff-Kohlenstoff-Gemisch synthetischer Diesel, Benzin oder Gas. Je nach Wunsch können die Eigenschaften des produzierten Stoffes auch Schweröl oder Kerosin ähneln. Synthetische Treibstoffe wären also so gut wie in allen Verkehrsformen, vom Jumbo-Jet bis zum kleinen Scooter, einsetzbar.

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Die Vorteile von E-Fuels

Diese Vielseitigkeit und gleichzeitige Ähnlichkeit zu den fossilen Brennstoffen sind auch die größten Vorteile von E-Fuels. Millionen Fahrzeuge weltweit haben eigentlich noch viele Jahre vor sich. Wird der Verbrenner abgeschafft, könnten sie vorzeitig auf dem Schrottplatz landen. Mit synthetischen Kraftstoffen könnten aber nicht nur die Kraftfahrzeuge an sich, von welchen es allein in Deutschland 67 Millionen und weltweit um die 1,3 Milliarden gibt, weitergenutzt werden. Die gesamte bestehende Infrastruktur, wie Tankstellen, Tankwagen, Gas-Pipelines, etc. und nicht zu vergessen auch die Arbeitsplätze der Millionen Menschen in diesem Sektor würden erhalten bleiben. Im Angesicht dieser Vorteile ist das vielleicht für uns Motorradfahrer wichtige Argument, dass mit E-Fuels das emotions- und klangvolle Fahren wie wir es kennen auch unverändert bleiben würde, fast schon unbedeutend. Aber natürlich sind E-Fuels keine eierlegende Wollmilchsau. Auch hier gibt es gravierende Nachteile und Hürden.

Die Nachteile von E-Fuels

Das Grundproblem von E-Fuels ist grob gesagt, dass sie zu viel Strom zur Produktion brauchen. Die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Es fehlt an effizienten Produktionsanlagen, welche E-Fuels in Massen und dadurch auch günstiger herstellen könnten. Auch der Produktionsprozess an sich benötigt mit dem derzeitigen Stand der Technik extrem viel Strom. Um mit E-Fuels 100 Kilometer zurückzulegen braucht man die gleiche Menge Strom, wie um ein Elektro-Auto 700 km weit zu bewegen.

Durch den massiven Strombedarf ergibt sich ein weiteres Problem für die synthetischen Treibstoffe: Sie sind teuer. E-Fuels kosten derzeit mehr als doppelt so viel wie eine vergleichbare Menge fossiler Treibstoff. Die Antriebstechnologie der Zukunft sollte umweltverträglich und klimaneutral sein, doch wenn sie nicht wirtschaftlich ist, wird sie sich nie durchsetzen. War es das also schon wieder mit den E-Fuels?

Erneuerbare Energieträger
Windräder, Photovoltaik-Anlagen und andere erneuerbare Energieträger sollten den Strom für E-Fuels produzieren. Doch sie sind unzuverlässig!

Und hinzu kommt noch, dass man nicht nur unfassbar viel Strom bei einem kompletten Umstieg auf synthetische Kraftstoffe bräuchte, sondern dieser Strom für wirklich emissionslosen Verkehr auch umweltfreundlich und damit durch erneuerbare Energiequellen produziert werden müsste. Massig Windräder und Photovoltaik-Anlagen wären einerseits riesige und teure Infrastrukturprojekte und bieten andererseits auch nicht die Stabilität und Zuverlässigkeit anderer Stromerzeugungstechnologien.

Eine Zukunft mit Verbrenner-Motoren? - Die Chancen von E-Fuels

Es gibt Hoffnung für die E-Fuels. Um und Auf für eine mögliche Etablierung von synthetischen Kraftstoffen ist eine Verbesserung des Wirkungsgrades der Prozesskette. Auf gut Deutsch: Ein größerer Anteil der zur Produktion aufgewendeten Energie muss am Ende auch am Rad des Fahrzeugs ankommen. Derzeit liegen E-Fuels bei bei einem Wirkungsgrad von nur 10 bis 15 Prozent. Zum Vergleich: Beim E-Auto sind es 70-80 %. Eine Verbesserung des Wirkungsgrads würde nicht nur die notwendige Menge an umweltfreundlichen Stromerzeugern, sondern auch die Kosten senken. Derzeit würde ein Liter E-Sprudel ca. 4,50€ kosten, doch eine Prognose des Wuppertal Instituts rechnet mit einem Preis von 2,29€/Liter im Jahr 2030. Auch andere Studien gehen von einer eklatanten Kostenminderung bei E-Fuels aus. Die Technik wird noch verfeinert und der Produktionsprozess effizienter werden und auch mit der Nutzung der weltweit optimalen Standorte zur Stromproduktion durch erneuerbare Energieträger würden die Kosten sinken. Genau deshalb baut Porsche auch gerade in Chile eine große Produktionsanlage für E-Fuel. Durch die relativ konstanten und starken Winde eignet es sich ideal zur Nutzung der Windkraft. Technisch wäre es laut Prognosen absolut möglich, synthetische Treibstoffe wirtschaftlich herzustellen und den Preis auf 1,20-1,70€/Liter zu senken. Doch nicht die Technik, sondern das Commitment ist die größte Hürde.

Auch politisch braucht es Initiative und aktive Maßnahmen, wenn E-Fuels je relevant werden sollen. Gerade der Bau von Produktionsstätten bildet eine große finanzielle Hürde, die genommen werden muss bevor sich E-Fuels groß etablieren können. Also zuerst investieren und deutlich später profitieren. Ein schweres Unterfangen für unsere in 4-5 Jahresschritten denkenden Politiker und Staatslenker.

Motorräder auch in Zukunft?
Ob Motorräder in unserer grünen Zukunft noch Platz haben werden? E-Antrieb oder E-Fuels bleiben vorerst Zukunftsmusik.

Aber der komplette Umstieg auf E-Fuels wäre laut vieler Experten, wie auch ein kompletter Umstieg auf E-Antriebe, keine gute Strategie. So meint Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn, dass E-Fuels garantiert Fuß fassen, sich aber letztendlich nur in bestimmten Bereichen etablieren werden. E-Fuels könnten dort einspringen, wo E-Antriebe keine Option sind. Zum Beispiel könnte der Flugverkehr und die Schiffsfahrt der Zukunft mit synthetischen Treibstoffen laufen, aufgrund des Gewichts der Akkus ist hier an E-Flugzeuge und -Schiffe nicht zu denken. Auch Gerfried Jungmeier von Joanneum Research sieht in einer klugen Kombination aus verschiedenen Antriebsarten, wo jede Technologie in gewissen Bereichen ihre Stärken ausspielen kann, den vielversprechendsten Weg in die Zukunft. Auf Lebenszyklus-Analysen basierende Szenarien zeigen laut Jungmeier, dass mit einem Mix aus E-Fuels und batterieelektrischen Fahrzeugen die Klimaneutralität in Österreich bis 2040 möglich wäre. In Städten werden E-Antriebe mit ziemlicher Sicherheit die dominante Antriebstechnik werden, doch außerhalb könnten sich in unterschiedlichen Bereichen des Transportwesens die E-Fuels und damit auch die Verbrenner-Motoren halten. Und vielleicht ist in dieser Zukunftsmusik auch der liebliche Klang eines hochdrehenden Motorrads zu hören.

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Bericht vom 16.06.2021 | 7.520 Aufrufe

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