Sicherheit am Motorrad 2019 – richtig Bremsen

Sicherheit am Motorrad 2019 – richtig Bremsen

Wichtige Tipps für das perfekte Bremsmanöver am Bike

Richtiges Bremsen will gelernt sein – und tatsächlich macht Übung den Meister! Damit auch bei unerwarteten Notbremsungen nichts schief läuft, kann man sich schon in der Theorie gut darauf vorbereiten, um es dann in der Praxis richtig zu machen. Denn eine Vollbremsung am Motorrad ist immer ein Kompromiss zwischen möglichst kurzem Bremsweg und nicht blockierendem Vorderrad.

Klarerweise gibt es unzählige unterschiedliche Situationen, in denen das Motorrad verzögert, also gebremst werden soll. Beim Anbremsen von Kurven etwa sollte man sich darauf einstellen, dass die Lenkkräfte bei betätigter Vorderradbremse und zunehmender Schräglage sehr hoch werden können. Deswegen sollte man besonders bei unbekannter oder anspruchsvoller Kurvenstrecke starke Bremsungen bis tief in Kurven hinein vermeiden. Auch abruptes Bremsen direkt in Kurven sollte vermieden werden, da sich das Motorrad heftig aufrichten wird. Die Ausprägung dieses Effektes ist von Motorradtyp, Lenkgeometrie und Reifenkonstruktion abhängig. Aber: Zur Unterstützung von schnellen Schräglagenwechseln kann wiederum die Vorderradbremse gezielt eingesetzt werden, um den Lenkimpuls zu unterstützen.

Allzeit bereit – vor allem an der Bremse!

Steigern Sie bei unvermeidlichen Bremsungen den Bremsdruck sanft und fangen Sie den Lenkimpuls durch bewusstes Festhalten des Lenkers oder sogar durch Gegenlenken (entgegen der Kurvenrichtung) ab. Bewahren Sie auch bei dynamischer Fahrweise genügend Schräglagenreserven, um bei sich zuziehenden Kurven möglichst ohne Bremsung den Kurvenbogen mit etwas mehr Schräglage sauber fahren zu können. Die Hinterradbremse können Sie bei Kurvenfahrt hervorragend zur Steuerung der Schräglage des Motorrades nutzen. So kann mit der Hinterradbremse stressfrei die Schräglage und der Kurvenradius korrigiert werden. Voraussetzung für eine schnelle Reaktion ist dabei, dass der Fuß bremsbereit auf dem Bremshebel liegt. Je nach den Eigenschaften der Hinterradbremse dürfen natürlich nur vergleichsweise sanfte Drücke eingesteuert werden. Probieren Sie es aus. Wenn die Schräglagenreserven des Reifens bereits voll ausgenutzt sind, sind die Bremsen aber klarerweise tabu.

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Was tun bei einer Notbremsung?

Das starke und effektive Abbremsen eines Motorrades zur Vermeidung eines Unfalls zählt zu den schwierigsten Fahrmanövern auf dem Motorrad. Dabei ist gleichgültig, ob Sie eine dynamische oder eine ausgeprägt defensive Fahrweise bevorzugen. Unvorhersehbare Ereignisse können jeden Motorradfahrer in Sekundenbruchteilen zu einer Notbremsung zwingen. Deswegen gilt: Regelmäßiges, konsequentes Üben hilft dem Fahrer, in plötzlichen Gefahrensituationen richtig zu bremsen. Diese Übungen sollen natürlich nur auf nicht-öffentlichem Gelände durchgeführt werden. Dabei beginnt man mit niedrigen Verzögerungen, die nach und nach gesteigert werden. Wer seine Bremsfähigkeiten verbessert, wird automatisch neben dem Spaß an der professionellen Bedienung des Motorrades ein sicheres und souveränes Fahrgefühl entwickeln. Auch in Paniksituationen sollten Sie den Bremshebel nicht schlagartig ziehen, sondern anfangs vergleichsweise gefühlvoll aber dennoch zügig betätigen. Andernfalls besteht die Gefahr, das unbelastete Vorderrad zu überbremsen, bevor es überhaupt hohe Bremskräfte übertragen kann. Erst wenn sich die Bremsbeläge voll angelegt haben, der Druckpunkt am Bremshebel klar zu spüren ist, und die erhöhte Vorderradlast den Reifen satt auf den Untergrund drückt, kann der Bremsdruck der Situation angepasst schnell gesteigert werden. Das ist natürlich leichter gesagt/geschrieben als getan, aber die genannten Abläufe und Beobachtungen sollten Sie immer weiter verinnerlichen und schrittweise beschleunigen, so dass das mehrstufige Bremsen zur absoluten Gewohnheit wird. Dieses Vorgehen gilt im Übrigen auch für Maschinen mit ABS. Allerdings kann der anfängliche Druckanstieg schneller erfolgen als bei Motorrädern ohne ABS.

80 % Vorderradbremse, 20 % hinten

Mit steigender Verzögerung parallel zur Radlastverschiebung nach vorne die Bremskraftverteilung von beiden Bremsen zur Vorderradbremse verlagern. Ein blockierendes Hinterrad trägt meist wenig zur Gesamtverzögerung bei, führt andererseits aber zur Instabilität des Motorrades, die kontrolliert werden muss, und zu erhöhtem Reifenverschleiß. Deswegen sollte ein Blockieren des Hinterrads möglichst vermieden werden, auch wenn die volle Aufmerksamkeit der Vorderradbremse gilt. Bei Maschinen mit ABS kann die Hinterradbremse durchgängig betätigt werden. Bei einigen Modellen mit Kombibremse wird die Hinterradbremse ohnehin auch über den Vorderradbremshebel angesteuert. Außerdem wird die Hinterrad-Abhebe-Erkennung erst voll wirksam, wenn auch die Hinterradbremse angesteuert wird.

Bei Vollbremsungen auch gut zuhören

Bei einer Vollbremsung wird selbstverständlich zeitgleich mit der Bremsbetätigung die Kupplung voll gezogen, um das Verzögern des Hinterrades durch das Motorbremsmoment und das Abwürgen des Motors bei niedriger Geschwindigkeit auszuschließen. Während der eigentlichen Bremsphase mit hohen Verzögerungen können die Reifenreaktionen (wie Profilgeräusche oder Kratzgeräusche auf Schotter) wichtige Informationen über die Haftgrenze geben, denn schließlich ist eine Vollbremsung mit dem Motorrad immer eine Gratwanderung. Bereits bei den geringsten Anzeichen eines blockierenden Rades müssen Sie den Bremsdruck reduzieren. Nur auf rutschigem Untergrund sollten Sie die Bremse vollständig öffnen. Die verheerende Wirkung eines blockierenden Vorderrades besteht nicht nur in dem meist plötzlichen Zusammenbruch der Seitenführungskräfte am Vorderreifen, sondern auch im schlagartigen Wegfall des stabilisierenden Kreiseleffektes des nicht mehr drehenden Vorderrades. Die Bremsen von ABS-Maschinen können in dieser Phase geschlossen bleiben, da ja der Reifenschlupf geregelt und eine Blockade der Räder verhindert wird. Trotzdem müssen die Fahrzeugreaktionen beachtet werden.

Bei Notbremsungen einen Überschlag vermeiden

Auf trockenem, griffigen Straßenbelag wird meist gegen Ende der Bremsung bei niedrigen Geschwindigkeiten das Hinterrad sehr leicht, bis es schließlich abhebt. Dies gilt besonders für Motorräder mit hohem Schwerpunkt und langen Federwegen (Enduros, Supermotos). In dieser Situation, die vielfach zu spät erkannt und erspürt wird, sollten Sie den Bremsdruck geringfügig reduzieren. Wegen der meist niedrigen Geschwindigkeit verlängert sich der Bremsweg hierdurch nur wenig. Mit ansteigendem Hinterrad steigt auch der Schwerpunkt des Motorrades, wodurch eine mögliche Überschlagtendenz zusätzlich verstärkt wird. Je früher man dem steigenden Hinterrad entgegenwirken, desto unkritischer bleibt die Situation. Halten Sie Ihren Blick auch wegen der Überschlagtendenz so weit wie möglich nach vorne gerichtet. Damit erkennen Sie die Fahrzeugbewegung früher und können schneller reagieren. Unter Übungsbedingungen sind auf trockener Straße je nach Qualität von Reifen und Straßenbelag Geradeaus-Verzögerungen von bis zu 10 m/s² möglich, im realen Verkehrsgeschehen sind Verzögerungen um 8 bis 9 m/s² als hervorragende Werte zu sehen.

ABS ist nicht das Allheilmittel, die Systeme werden aber immer besser

Moderne Motorräder mit ABS haben eine fein abgestimmte und wirksame Hinterrad-Abhebe-Verhinderung, die über den Hinterradbremsdruck und die Raddrehzahl die Last am Hinterrad erkennen kann. Durch leichtes Absenken der Verzögerung kann das Hinterrad am Boden gehalten werden, wodurch die Bremsdynamik gezügelt wird. Die verbleibende Bremsdynamik um die Querachse kann meist über einzelne Modi eingestellt werden. Da nicht alle ABS-Systeme das Abheben des Hinterrades erkennen und entsprechend reagieren, sollten aber auch ABS-Maschinen besonders bei guten Gripverhältnissen und hohen Verzögerungen mit dem nötigen Respekt gebremst werden. Auch unterscheiden sich unterschiedliche ABS-Modi in der Begrenzung der Abhebetendenzen.

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Bericht vom 12.06.2019 | 1.147 Aufrufe

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