Yamaha Tracer 7 GT Y‑AMT Test
Automatik am Motorrad – braucht das wer?
Automatikgetriebe am Motorrad – das ist eines dieser Themen, bei denen es am Biker-Stammtisch sofort lauter wird. Die einen schütteln den Kopf, die anderen zucken mit den Schultern, wiederum andere bejubeln die neuesten Systeme. Ich hab mir die Diskussion erspart und bin gefahren. Viel. Kurzstrecke, Langstrecke, Bergstraßen, Autobahn – die neue Tracer 7 GT mit Y‑AMT musste überall ran.
Optik der Yamaha Tracer 7: Funktion vor Show, typisch japanisch
Die Tracer 7 GT bleibt sich treu: kein Design‑Feuerwerk, sondern ein klarer Sport‑Tourer mit Zweck. Die Front ist kantiger geworden, das Windschild groß, die Verkleidung breit genug für echten Wetterschutz, aber geschmeidig zart. Mit Koffern wirkt sie erwachsen, reif und bereit für Reisen. Kein Blender-Bike, sondern ein Motorrad, das genau sagt, was es sein will.
Motor: CP2 – bekannt, bewährt, passend
Der 689‑ccm‑CP2 ist kein Neuling, und das ist gut so. Die 73 PS und 68 Nm haben genügend Schmalz. Für mich braucht es nicht mehr, wenn sie so sauber anliegen wie hier. Druck von unten, kräftiger Durchzug aus der Kurve und bei nur 73 PS wird das Geldbörserl auch geschont. Mehr Leistung? Nicht nötig. Die Tracer lebt nicht von Spitzenwerten, sondern von Alltagstauglichkeit und genau das liefert der CP2 zuverlässig. Genügend Power, um aus den Ecken rauszupfeiffen oder im Kurvengeschlängel die Freunde nass zu machen.
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Fahrwerk: Komfortabel, stabil und genau richtig abgestimmt
Die Tracer 7 GT setzt auf den Klassiker, ein gut abgestimmtes Fahrwerk – kein High‑End‑Racing‑Material, dafür praxisnah und tourentauglich. Vorne arbeitet eine 41‑mm‑USD‑Gabel von KYB, bei der die Zugstufe einstellbar ist. Hinten kommt ein Zentralfederbein mit einstellbarer Zugstufe und Handrad für die Federvorspannung zum Einsatz. Ein echtes Plus, wenn man zwischen Solo‑ und Soziusbetrieb oder mit Gepäck wechselt. Auf der Straße macht das Setup genau das, was man sich von einem Sport‑Tourer erwartet: komfortabel auf schlechten Straßen, gleichzeitig stabil und präzise, wenn das Tempo steigt. Kein Wippen, kein Nervöswerden. Einfach Ruhe im Fahrwerk. Kurz gesagt: Nicht sportlich hart, die Bandscheiben werden geschont, aber auch nicht schwammig weich wie ein Schaukelpferd – sondern genau richtig fürs entspannt Reisen. Und das passt perfekt zum Charakter der Tracer 7 GT.
Y‑AMT erklärt: Kein Roller, kein DCT – ein echtes Motorradgetriebe
Wichtig: Y‑AMT ist kein stufenloses Getriebe. Technisch bleibt es ein klassisches 6‑Gang‑Getriebe, Kupplung und Schaltung werden aber elektronisch gesteuert. Zwei Modi gibt es:
- AT‑Modus (D / D+): vollautomatisch
- MT‑Modus: manuelles Schalten über Wippen am Lenker – ohne Kupplungshebel
Kein Kuppeln nötig - weder beim Losfahren noch beim Stehenbleiben. Klingt gemütlich, aber dem nicht genug schaltet die Tracer automatisch die Gänge rauf und runter. Anfangs ungewohnt, wer solche Systeme noch nicht kennt. Für mich nichts Neues, da ich schon oft elektronisch gesteuerte Getriebe testen durfte. Nach kurzer Zeit völlig normal. Ein manuelles Eingreifen per Schaltwippe am linken Lenkerstummel ist immer möglich.
Ergonomie & Handling: Leicht, sicher, zugänglich
Die Tracer vermittelt sofort Vertrauen. Man sitzt im Motorrad gut integriert, nicht extrem sportlich oben drauf. Die Sitzbank ist niedrig genug, um auch kleineren Fahrer:innen Sicherheit zu geben. Der Lenker kommt angenehm nahe zum Körper, fast mit Supermoto‑Anleihen. Dank des Lenkkopfwinkels von 25,2° lenkt sie spielerisch ein, ohne nervös zu wirken. Genau hier musste sich die Vorgängerin Kritik von mir gefallen lassen. Die japanischen Ingenieure erhörten meine Wünsche und verlängerten den Radstand auf 1.495 mm. Das macht sich bezahlt: Jetzt bleibt die neue Tracer ruhig, stabil und präzise.
Windschutz & Komfort: Endlich praxisnah
Das Windschild lässt sich problemlos verstellen – und das auch während der Fahrt dank Ein‑Hand‑Lösung. Hier hat man den Sicherheitsgedanken endlich praxisnah interpretiert. Früher ging das oft nur mit beiden Händen und im Stand. Was mich etwas stört: Bei zügiger Fahrweise und starkem Wind zeigt das Schild leichte Vibrationen. Kein Drama, aber erwähnenswert.
Griffheizung: Pflicht, nicht Kür
Ein Traum ist die serienmäßige Griffheizung. Nicht nur, um den Männerschnupfen zu vermeiden, sondern ganz klar aus Sicherheitsgründen. Mit eingefrorenen Fingern sind progressives Bremsen und sauberes Gasgeben nur schwer möglich. Für ein Tourenbike ein absolutes Muss.
Automatik in der Praxis: Entspannt – mit Einschränkungen. Was richtig gut funktioniert
Stammtisch‑Thema: Automatik – ja oder nein? Hier spalten sich sogar die besten Biker‑Buddys. Ich bleibe – typisch österreichisch – neutral. D‑Modus, Gang einlegen, losfahren. Kein Kuppeln beim Losfahren oder Stehenbleiben nötig. Dazu schaltet die Tracer die Gänge automatisch rauf und runter. Die Tracer schaltet sauber und schnell. Die Gangwechsel sind blitzartig und unauffällig. Egal, welcher Fahrmodus – die Gangwahl ist klar aufs Reisen ausgelegt, angenehm und nicht übernervös.
Kritik bei sportlicher Gangart
Wenn man im Automatikbetrieb zügig unterwegs ist, gefallen mir aus fahrtechnischer Sicht zwei Dinge nicht: Punkt eins: Motorbremse. Die Motorbremse kommt oft zu spät. Beim Anfahren einer Kurve wird der Schaltpunkt manchmal verpasst, man muss stärker mitbremsen. Hier würde ich manuell früher zurückschalten. Punkt zwei: Unerwartetes Schalten in Schräglage. Öffnet man in der Kurve etwas sportlicher das Gas, kann es passieren, dass das System spontan zurückschaltet. Lastwechsel in Schräglage mag ich nicht – und genau hier hat ein manuelles Getriebe Vorteile.
Warum mich das Y‑AMT trotzdem überzeugt hat
Leiwand ist das gediegene Dahingleiten. Keine Eingriffe nötig. Die Fahrer:in kann sich voll auf die Fahrlinie konzentrieren und die Umgebung genießen. Und genau hier sind wir beim entscheidenden Punkt: Wenn ich mir ein Tourenbike kaufe, dann mit der Absicht, meine Ausfahrt in allen Belangen zu genießen. Hier gehört das Y‑AMT‑Getriebe dazu – genauso wie Griffheizung und Windschild. Aktiv schalten in der Stadt oder am kurvigen Bergpass? Nein. Schalten am Supersportler am Track, mit der Reiseenduro im Gelände oder dem sportlichen Naked Bike? Ganz klar ja.
Extras & Zubehör – Yamaha Tracer 7 GT Y‑AMT
- Akrapovič Slip‑On Titan Auspuff mit Carbon‑Endkappe: Straßenzugelassen (ECE‑homologiert), Satterer Klang bei moderater Lautstärke, Gewichtsersparnis gegenüber Serie
- Komfort‑Sitzbank (Fahrer & Sozius): Hochwertigere Polsterung, Spürbar angenehmer auf langen Etappen, Optional auch als niedrige Sitzbank (ca. –20 mm) erhältlich
- Seitenkoffer‑System: Hartschalen‑Koffer, farblich abgestimmt, erweiterbar mit Topcase
- Hauptständer: Erleichtert Kettenpflege, Sicherer Stand beim Beladen
- Höheres Touring‑Windschild: Besserer Windschutz auf Langstrecke, Besonders angenehm auf der Autobahn
- Griffheizung (GT-serienmäßig): Mehrstufig regelbar, Direkt ins Bordnetz integriert, Sicherheits‑ und Komfortplus
Kurz zusammengefasst
Die Tracer 7 GT Y‑AMT lässt sich mit Original‑Yamaha‑Zubehör sauber aufwerten – vom Akrapovič‑Sound über Komfort‑Sitzbank bis hin zum echten Reise‑Setup mit Koffern und Hauptständer. Alles homologiert, alles praxisnah, nichts Show‑Blabla.
Fazit: Yamaha Tracer 7 GT Y-AMT 2026
Die Diskussion über Automatik-Technologien am Motorrad wird bleiben. Aber eines ist fix: Den Tourenbikes mit Automatikgetriebe gehört die Zukunft. Die Yamaha Tracer 7 GT Y‑AMT ist komfortabel, stabil, alltagstauglich und technisch sauber umgesetzt. Das Automatik‑System ist nicht perfekt für sportliche Attacken, aber sehr gut fürs Reisen. Und genau dafür ist dieses Motorrad gemacht. Positives Gesamturteil: Ja.- Toller, druckvoller Motor
- williges Einlenkverhalten
- Zugängliche Ergonomie
- Echte Touring-Qualitäten
- Automatik-Getriebe Y-AMT funktioniert in den meisten Fahrsituationen ausgesprochen gut
- Guter Windschutz
- Y-AMT schaltet manchmal unerwartet in Schräglage
- leichte Lastwechsel beim Gas-Anlegen
Bericht vom 31.03.2026 | 3.109 Aufrufe