GUZZI FAHRBERICHT - V11 Sport

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Unser Helmut fuhr 1000 Kilometer mit der Moto Guzzi V11 SPORT 1100 und eroeffnet damit unsere Guzzi Wochen. Die naechsten Guzzi Modelle werden demnaechst getestet.
Am 06.09.2002, Übername der V11 Sport bei der Firma Ginzinger in ST. Pölten. Der erste Eindruck der V11, sie ist kleiner und gedrungener im Gegensatz zu meiner Moto Guzzi Quota dem ehemaligen Reiseenduro von Moto Guzzi. Die Sitzposition ist sehr sportlich, flacher Lenker zurückversetzte Fußrasten sind für mich etwas gewöhnungsbedürftig.

Das letzte mal nahm ich diese Fahrhaltung vor 23 Jahren auf Tommy seiner 500er ein. Da war ich allerdings um ca. 30 kg leichter und noch etwas beweglicher. Bei der Heimfahrt dauert es etwas bis sich Mensch und Maschine aneinander gewöhnten. Die hydraulische Kupplung ist überraschend leichtgängig, nur mit den 6 Gängen habe ich so meine Probleme. Ab 60 Km/h habe ich normalerweise den 5. Gang eingelegt und schalte nur mehr wenn es wirklich notwendig ist. Wer die alten Guzzi Getriebe kennt weiß auch warum. Ganz anders das neue 6 Gang Getriebe, es lässt sich viel besser und leichter bedienen . Schalten macht richtig Spaß. Man muss zwar einen deutlichen Schaltbefehl geben aber die Gänge rasten auch präziser ein. Schalten macht Spaß bei der V11, in Kombination mit diesem Motor wird man „Schaltsüchtig“ und man schaltet öfters als eigentlich notwendig.

Der Motor ist drehfreudig und hat ausreichend Drehmoment, man kann damit sowohl in höheren Gängen bummeln, wie auch sportlich unterwegs sein. 5. und 6. Gang sollten nicht zu untertourig gefahren werden sonst wird der Motor etwas brummelig. Der 5. Gang benötigt min. 2000 U/min, und der 6.Gang min. 2500 U/min im Zweipersonen Betrieb, Solo nicht unter 1500 U/min, ja fast schon Standgas, aber der Motor zieht dennoch mächtig an. 4000 U/min im 6. Gang entsprechen 120 Km/h, das heißt man kann mit relativ niedriger Drehzahl auf kurvigen Landstraßen äußerst flott unterwegs sein. 

Wem die Beschleunigung dabei zu gering ist, der schaltet eben 1-2 Gänge hinunter und wird überrascht sein, wie vehement der 1100er Motor die Tachonadel nach oben bewegt. Es ist interessant wie blitzschnell der V2 2 Ventiler hochdreht. Eine untenliegende Nockenwelle, „gestangelte“ Ventile Kupplung samt Schwungmasse ca. 8kg . Beim alten 1000er Motor bemerkte man eine gewisse Trägheit, ganz anders der 1100er Motor 1,2,3 Gang und blitzschnell sind 150 Km/h erreicht selbst im 2 Personenbetrieb zieht es dir die Hände lang. Gebremst wird mit Bremsen der Marke Brembo „ Gold “ 320er Scheiben 4 Kolben Bremszangen vorne, hinten eine 282er Scheibe und Einkolben Bremszange. Serienmäßig sind Stahlflexleitungen !! verbaut, einstellbarer Handhebel. Die Bremserei ist über jede Kritik erhaben. Im Solobetrieb reicht ein Finger, mit Sozia zwei Finger.

Das Fahrgestell ist voll einstellbar, USD-Gabel, Zentralfederbein mit vielfältigen Einstellmöglichkeiten, die aber einen Laien schnell überfordern ( vorerst ). Die Einstellung ist sportlich, mir fast etwas zu hart, selbst bei Soziabetrieb waren die V11, meine Frau und ich mehr in der Luft als auf der Strasse. Was für Ring und ausgebaute Landstrasse gut ist reicht bei Straßen mit verschiedenen Belägen längst nicht. Ich habe die Abstimmung nicht richtig einstellen können, was aber dem Fahrspaß keinen Abbruch tut. Etwas langsamer, meine Frau und meine Bandscheiben freuten sich. Nach Studium der sehr ausführlichen Betriebsanleitung, Zug und Druckstufe der USD Gabel 2 Klick´s weniger, kommt sogar Komfort auf ohne die Straßenlage zu beinträchtigen. Die V11 fällt fast von alleine in die Kurven, Rechts-Links Kombinationen sind die reine Freude.

 

Langgezogene schnelle Kurven sind „ein Gedicht“, die schnelle Landstraßenfahrt ist eindeutig das Revier der Guzzi. Hier fühlen sich Mensch und Maschine wohl. Bei Soziusbetrieb muss allerdings etwas mit Nachdruck gearbeitet werden. Da will die Signorina gebeten werden, es artet allerdings nie in Arbeit aus. Die V11 ist eher ein Fahrzeug für Solisten, die Beifahrerin drückt selbst bei motorischer Bremsung fast mit ihrem ganzen Gewicht gegen den Fahrer, der wiederum gegen Tank und den für mich etwas zu tiefen Lenker gepresst wird. Für „frisch Verliebte“ ist das eine lockere Art sich näher kennen zu lernen. Du reißt die Guzzi auf, sie klammert sich fest, Motorbremse oder Brembo- stopper und sie erdrückt dich fast. Wenn da nicht der Tank und der Lenker wäre... Das Gelenk der Gashand schmerzt nach einiger Zeit. 

Empfehlenswert wäre da ein um ca. 4-5 cm höherer Lenker, der mindest das Handproblem minimiert. Optisch gibt die V11 einiges her. Klassisch sportlich ist sie immer ein Hingucker. Leuchtende Augen bei der Tankstelle, verstohlene Blicke aus den Pkws wenn du vorbei „bollerst“. Ich weiß daß die Blicke nicht mir gelten, ich habe ja einen Spiegel zu Hause. Bei einer 480 Km Tour nur einer einzigen Moto Guzzi begegnet, einer California. Bedeutet mit der V11 äußerst exklusiv unterwegs sein. Selbst ein Ducati Fahrer, der beim Mittagessen vorbeifuhr, wendet, kam zurück „schauen“ und fuhr dann weiter. Oben auf dem Bild der Streetfighter von unserem „ Leithammel“ dem Klaus, leichter Umbau, die Guzzi original-aber ihre klassische Linie braucht sich nicht zu verstecken.

Mit der V11 Sport schließt Moto Guzzi erfolgreich an die legendäre Modellreihe der V7 Sport aus dem Jahr 1972 an.

Damals:
gesunde 52 Ps. bei 6300 U/min, 748,8 ccm, 5 Gang Getriebe, Trommelbremsen, 206 Kg und mit kleinem, leichten Fahrer fast 190 Km/h schnell. .

Heute:
Gesunde 91 Ps. bei /8000 U/min, 94 Nm. bei 6000 U/min, 1064 ccm, Einspritzung, Digitale Zündanlage, 6 Gang, Hydraulische Kupplung, Marzocchi 40er USD, Cantilever Schwinge mit WP Federbein, Brembo „Gold“ Bremsen 320mm und 4 Kolben Bremszange vorne, 282mm und 2 Kolben Bremszange hinten. Gussräder 3,5*17,5,5*17, vorne 120/70-17 58W hinten 180/55-17 73W Bereifung, Tankinhalt 22 Liter, Leergewicht 221 Kg, ca. 210 km/h Verbrauch ca. 6,5 Liter Super, Wartungsintervall 10000 Km.

Was ist mir noch aufgefallen: fast ein jeder möchte mit ihr fahren, mit einer Guzzi bis du absolut exklusiv unterwegs, die Kupplung rasselt noch immer, die Ventile klickern. Wenn du ordentlich „Stoff“ gibst und die Fuhre beschleunigt, zweifelst du nicht im mindesten daran, daß dieser Motor „LEBT“-im wahrsten Sinne des Wortes . Das ideale, klassisch sportliche Motorrad für Landstraße und Winkelwerk.

Tipp: Kratzschutzpad am Tank ab der Sitzbank anbringen, Superbikelenker (Mg Lenkerklemmung wird an die Gabelbrücke geschraubt ) + Motor 
+ Optik 
+ Bremsen, Fahrgestell 
- Lenker 
- Beifahrertauglichkeit 
( außer bei frisch Verliebten ) 
Preis 13074.- Euronen

Wir danken der Firma Ginzinger für dieses wirklich hervorragende Testmotorrad!

Helmut, 11.9.2002

Bericht vom 11.09.2002 | 49.038 Aufrufe

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