Die beste rote Supermoto? GasGas SM 700 im Test 2024

Supermoto-Freudenspender auf der gefährlichsten Straße der USA

Der Mulholland Drive ist eine der bekanntesten Straßen Kaliforniens. In den Hügeln über Hollywood, Los Angeles gelegen, erschließt er die Nobelviertel der Reichen und Schönen. Er ist aber auch eine verdammt gute Motorradstrecke. Wir erfahren ihn im Sattel der GasGas SM 700.

Der Mulholland Drive im Sattel einer Supermoto

Als Motorradjournalist ist man in der glücklichen Lage ab und an auch an außergewöhnlichen Orten Motorradtest-Abenteuer zu erleben. Dieses Mal begebe ich mich auf den legendären Mulholland Drive, eine Straße, die bei Motorradfahrern und Autofans aufgrund ihrer spektakulären, aber auch gefährlichen Streckenführung Berühmtheit erlangt hat. Meine Mission? Die GasGas 700 Supermoto auf diesem anspruchsvollen Asphaltband zu testen.

Der Mulholland Drive, oft liebevoll als "The Snake" bezeichnet, ist nicht nur für seine atemberaubenden Aussichten auf die schillernde Metropole Los Angeles und den majestätischen Pazifik bekannt, sondern auch für seine extrem engen Kurven, unerwarteten S-Kurven und steilen Abhänge. Für uns Motorradfahrer bietet diese Straße eine Art Paradies, jedoch eines, das auch Gefahren birgt.

Die schier endlosen Kurvenkombinationen und unvorhersehbaren Straßenbedingungen machen den Mulholland Drive zu einer ernsthaften Herausforderung für jeden Fahrer, selbst für die Erfahrensten. Ich habe euch die knackige Route auf Calimoto mitgetrackt. Hier ist keine Toleranz für Fehler, und die Straße kennt keine Gnade. Die Gefahr von Abstürzen und Unfällen ist stets präsent, und es erfordert höchste Konzentration und Fahrkunst, um diese Strecke zu meistern.

Der Mulholland Drive - 100 Jahre geschichtsträchtiger Fahrspaß

Der originale Mulholland Drive schlängelt sich als kurvenreiche, zweispurige Straße durch die östlichen Santa Monica Mountains. Sein Ausgangspunkt im Osten liegt am U.S. Highway 101 in den Hollywood Hills, und der erste Abschnitt gewährt einen atemberaubenden Blick auf Los Angeles. In dieser Gegend sind einige der teuersten Villen des Großraums Südkalifornien zu finden, die vor allem von prominenten Persönlichkeiten der Filmindustrie bewohnt werden. Die Straße führt durch Hügel, vorbei an locker bebauten Wohngebieten und mehreren öffentlichen Parkanlagen. Sie überquert den Interstate 405 am Sepulveda Pass und setzt sich nach Westen fort in der Santa Monica Mountains National Recreation Area bis zum San Vincence Mountain Park. Ein Abschnitt des Mulholland Drive im Osten durchzieht das Gebiet des Griffith Park in den Hollywood Hills. Dieser Abschnitt besteht aus einem unbefestigten Sandweg, der sich zwischen Mt. Hollywood Drive im Osten und Mt. Lee Drive im Westen erstreckt. Die Nutzung dieses Weges ist für den öffentlichen Fahrzeugverkehr untersagt.Westlich des Parks wird der Mulholland Drive wieder zur Straße und endet schließlich am Highway 101 bei Calabasas. Kurz vor dem westlichen Ende des Mulholland Drive zweigt der Mulholland Highway ab. Dieser verläuft ebenfalls zweispurig durch die Santa Monica Mountains National Recreation Area in den zentralen Santa Monica Mountains und endet wenige Kilometer westlich von Malibu am Küstenhighway California State Route 1.

Der größte Abschnitt der heutigen Straße wurde im Jahr 1924 dem Verkehr übergeben. Es handelte sich dabei um ein Landerschließungsprojekt, das darauf abzielte, eine höhere Lebensqualität, frischere Luft und den Panoramablick von Hollywood Freeway bis zur pazifischen Küste zu ermöglichen. Die durchweg zweispurige Straße folgt im Wesentlichen dem Rücken der Santa Monica Mountains und hat aufgrund ihrer verschlungenen und kreuzungsreichen Streckenführung heute verkehrstechnisch eher geringe Bedeutung. Ihre Hauptfunktion besteht in der Erschließung luxuriöser Wohngebiete und dem Freizeitverkehr.

Die GasGas SM 700 als Motorrad der Wahl

Welches Bike könnte besser geeignet sein, als eine Supermoto, um diese Straße in Angriff zu nehmen? Da ich mich aufgrund der Präsentation der GasGas Moto 1&2 in Kalifornien befand, lag es nahe die Supermoto der frechen roten Marke durch diese Achterbahn zu manövrieren. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an alle beteiligten Personen der Pierer Mobility AG in Österreich und den USA, die das ermöglicht haben.

Von meinem Quartier in Huntington Beach geht es zunächst über einen 5-8 spurigen Freeway Richtung Nord-Osten um zum Einstieg des Mulholland Drives zu gelangen. Die 700 SM ist schon für europäische Verhältnisse eine leichte und kompakte Maschine, hier in den USA verkommt die leichte Supermoto gar zu einem Fahrrad mit (zugegeben, sehr potenten) Hilfsmotor. So gesehen, bin ich froh den Freeway nach ca. 50 Minuten verlassen zu können. In den engen Kehren und Wechselkurven kennt die 160 kg schwere Maschine nämlich keinen Gegner. Es ist immer wieder beeindruckend, wie spielerisch sich die 700 SM von einem Radius in den nächsten dirigieren lässt.

KTMs Super Single ist immer noch eine Macht

Den 693 Kubikzentimeter großen Einzylinder teilt sich die GasGas 700 SM bekanntermaßen mit Husqvarna 701 und KTM 690 SMC-R. Der Motor ist zwar zwischenzeitlich schon etwas in die Jahre gekommen und musste kürzlich seinen Titel als stärkster Serieneinzylinder der Welt an Ducati abgeben, er ist aber immer noch der größte und hat das meiste Drehmoment, ist also verdammt beeindruckend. Hat man sich einmal an den etwas rauen Motorlauf gewöhnt und weiß, in welchem Drehzahlbereich man den Eintopf bewegen muss, damit die Post abgeht, gibt es kein Halten mehr. In Kombination mit dem serienmäßigen Quickshifter (inkl. Blipper) und dem schärferen Modus 2 kann der Riesen-Single sein volles Potenzial ausschöpfen.

Die feine Elektronik (neben dem Quickshifter gibt es Kurven-ABS und schräglagenabhängige Traktionskontrolle serienmäßig) bietet eine wunderbare Basis, um auf der 700 SM sicher Spaß zu haben, die Systeme sind allerdings nur im Modus 1 vollumfänglich aktiv.

GasGas 700 SM: Ergonomie und Alltagstauglichkeit

Die Sitzposition der GasGas 700 SM ist sportlich hoch, aber aufgrund des gleichzeitig hohen und breiten Lenkers äußerst aufrecht und entspannt. Dank der tief positionierten Fußrasten ist der Kniewinkel angenehm komfortabel. Allerdings wird die Tourentauglichkeit durch die harte und extrem schmale Sitzbank erheblich eingeschränkt. Hier braucht man schon ordentlich Sitzfleisch, um eine Tagestour im Sattel zu überstehen.

Die Sitzhöhe von 898 mm mag nicht jedermanns Geschmack sein, aber aufgrund der geringen Schrittbogenlänge ist bereits ab einer Körpergröße von etwa 175 cm ein sicheres Fahrerlebnis möglich. Mit meinen 187 cm hatte ich keinerlei Probleme. Die Übersicht im Straßenverkehr ist übrigens hervorragend.

Ein kleiner Wermutstropfen ist der begrenzte Stauraum unter der Sitzbank, der nicht einmal ausreichend Platz für ein vollständiges, zertifiziertes Verbandspaket bietet. So ist man auf Gepäcklösungen aus dem Zubehör oder einen Rucksack angewiesen, um auch nur das Notwendigste zu transportieren.

Im Alltagsbetrieb hat sich der softere Modus 1 als die bessere Wahl erwiesen. Er verhindert Wheelies und Stoppies, man ist also stets auf der sicheren Seite unterwegs. DIe schräglagenabhängige Traktionskontrolle hat aufgrund der guten Bereifung (Conti SM EVO) nur zu tun, wenn man sie provoziert.

Kurvenhatz mit der GasGas 700 SM

Raus aus dem Alltag, rein in die Kurven. Ab Minute 1 wird einem im Sattel der 700SM auf engen kurvigen Straßen klar: Genau dafür ist dieses Motorrad gebaut. Leichtigkeit und extreme Agilität vereinen sich in dieser feuerroten Spaßbringerin. Man wirft die GasGas dermaßen leicht von einem Radius in den nächsten, dass es eine wahre Freude ist. Hier spielen die, im Vergleich zu den Konzernschwestern von KTM und Husqvarna, die auf Speichenfelgen setzen, leichteren Gußfelgen eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Die durchaus kräftig zupackende Bremse brauche ich dabei äußerst selten, zum einen ist die Motorbremswirkung des Rieseneintopfs massiv, zum anderen genügt es in der Regel die schlanke Supermoto über den breiten Lenker noch weiter in Schräglage zu drücken. Die GasGas lässt sich neben dem drückenden Fahrstil aber auch gut legend und sogar im Hang-off bewegen, da die Sitzbank dem Piloten viel Bewegungsspielraum lässt.

Das Fahrwerk ist voll einstellbar und im Auslieferungssetting bereits sportlich straff abgestimmt. Doch auch wenn man Zug- und Druckstufe weiter öffnet, wird aus der GasGas keine Sänfte, hier darf man sich trotz der langen Federwege nicht zu viel Komfort erwarten. Dafür bietet die Federung bei flotter Fahrweise echte Reserven und auch in schnellen Kurven läuft die GasGas absolut stabil.

Eine Supermoto in Amerika fahren

In den USA denken die wenigsten an Supermotos, wenn es um sportliche Motorräder geht. Der Markt der Superbikes ist hier wesentlich bedeutender als in Europa, Modelle die bei uns schon lange aus den Schauräumen verschwunden sind, wie z.B. die Suzuki GSX-R 1000 können hier aufgrund lascherer Abgasnormen noch neu gekauft und zugelassen werden. Dieses Angebot nutzen die Kunden auch und so sieht man, wenn man an Bikertreffs, wie dem berühmten Rock Store am Mulholland Highway hält, für europäische Augen ungewöhnlich viele Bikes mit Vollverkleidung. Die dazugehörigen Piloten tragen von diversen Asphaltkontaken gezeichnete Leder-Einteiler mit abgschliffenen Knieschleifern. Und sie machen große Augen, denn der Typ den sie über die letzten 15 Kilometer nicht abschütteln können, erklärt ihnen gerade, dass die GasGas 700SM nicht einmal halb so viel Leistung hat, wie ihre R1en und Fireblades. Eine Enduro bzw. Supermoto mit knapp 700 Kubik sorgt für überraschte Gesichter, so etwas kennt hier kaum jemand.

GasGas ist in den USA noch sehr unbekannt und auch KTM wird hauptsächlich in der Offroad-Szene gefahren. Enduros haben zudem teilweise den Ruf von zweifelhaften Typen gefahren zu werden, werden sie doch im urbanen Gebiet gelegentlich als Fluchtfahrzeug bei Raubüberfällen oder sonstigen Straftaten missbraucht. Hier ist also noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten, damit die Bikerszene in den USA den leichten Freudenspendern eine Chance gibt. Meinen Beitrag dazu habe ich geleistet, einige der staunenden haben gleich noch an Ort und Stelle eine Probefahrt beim nächsten Händler vereinbart.

Fazit: GASGAS SM 700 2024

Immer noch zaubert der kraftvolle Einzylinder ein Grinsen ins Gesicht des Piloten. Je enger die Radien werden, desto besser funktioniert die SM 700. Das sportliche Fahrwerk bietet eher Performance beim Kurvenwetzen, als Komfort auf der Langstrecke. Die GasGas ist ein tolles Beispiel für den Reiz den der Besinnug aufs Wesentliche innewohnt. Ein echtes Spaßgerät, schön, dass so etwas noch gebaut wird.


  • kraftvoller Einzylinder
  • extrem agil
  • sehr viel Platz, um sich am Motorrad zu bewegen
  • leicht
  • Quickshifter Serie
  • leichte Vibrationen sind allgegenwärtig
  • kein komfortables Fahrwerkssetup möglich

Bericht vom 06.05.2024 | 8.588 Aufrufe