Alltags-Check: GasGas SM 700 Supermoto 2022

Wie schlägt sich die knallrote Supermoto im Alltag?

Supermotos sind in unseren Breitengraden akut vom Aussterben bedroht und so gibt es nur mehr wenige Hersteller, die kompromisslose Modelle mit Straßenzulassung anbieten. "Für die Rennstrecke zu schwer und in der Stadt oder auf Touren nicht besonders praktisch.", heißt es. Aber stimmt das auch? NoPain war einen Monat lang mit der Gasgas SM 700 auf der Landstraße, in den Bergen und in der Stadt unterwegs, um dieser Frage nachzugehen.

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Abgesehen von der roten Verkleidung und den schwarzen, um 500 Gramm leichteren Alugussfelgen, ist die GasGas nahezu ident mit der KTM 690 SMC R und der Husqvarna 701 Supermoto. Und so schlägt auch in der Spanierin das starke Herz des 693 ccm großen KTM-Einzylinders, welcher nunmehr Euro5-taugliche 74 PS mit 73,5 Nm in die Kurbelwelle wuchtet. Ein wahres Feuerwerk bei leichten 160 kg vollgetankt.

Rot ist die Farbe der Liebe und der GasGas SM 700

Abgesehen von der roten Verkleidung und den schwarzen, um 500 Gramm leichteren Alugussfelgen, ist die GasGas nahezu ident mit der KTM 690 SMC R und der Husqvarna 701 Supermoto. Und so schlägt auch in der Spanierin das starke Herz des 693 ccm großen KTM-Einzylinders, welcher nunmehr Euro5-taugliche 74 PS mit 73,5 Nm in die Kurbelwelle wuchtet. Ein wahres Feuerwerk bei leichten 160 kg vollgetankt.

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Gute Übersicht und Kontrolle dank der hohen Sitzposition und des breiten Lenkers

Die Sitzposition ist sportlich hoch, dank des ebenso hohen wie breiten Lenkers jedoch sehr aufrecht und entspannt. Durch die tief positionierten Fußrasten ist der Kniewinkel ebenso auf der komfortablen Seite. Allerdings wird die Tourentauglichkeit durch die harte und extrem schmale Sitzbank stark eingeschränkt, weshalb sich Fahrern mit zu wenig Sitzfleisch das Tragen einer Radhose mit Sitzpolster empfiehlt. Diese bitte unter der Motorradhose und anstelle der Unterflack (ugs. für Unterhose) anziehen!

Auch die Sitzhöhe von 898 mm ist vermutlich nicht jedermanns Sache, allerdings ist aufgrund der geringen Schrittbogenlänge schon ab etwa 175 cm Körpergröße ein sicheres Fahrerlebnis möglich. Die Übersicht im Straßenverkehr ist im Übrigen grandios.

Ein bisschen ärgerlich ist der spärliche Stauraum unter der Sitzbank, der nicht einmal genug Platz für ein komplettes, zertifiziertes Verbandspackerl bietet. Allerdings haben Zubehörspezialisten, wie beispielsweise SW Motech, universelle Gepäcklösungen im Programm, die sich auch für diese Supermoto eignen.

Großartig empfand NoPain das voll einstellbare Fahrwerk, das sich mit ein paar Handgriffen für mehr Komfort adaptieren ließ. Hilfreich: unterhalb der Sitzbank befindet sich eine deppensichere Anleitung, mit deren Hilfe man sich Klick für Klick an den individuellen Sweetspot annähern kann.

Big-Bore-Single is King

Zurück zum Motor: Der hubraumstarke Einzylinder ist zwar nach wie vor ein rauer Geselle, lässt sich aber dank zweier Mappings, einer guten Traktionskontrolle und der kurzen Übersetzung auch im Ortsgebiet und in der 30er-Zone mit Anstand bewegen und spielt bis Tempo 160 seine Elastizität voll aus. Darüber hinaus wird es ein wenig zäh, jedoch sind diese Geschwindigkeitsbereiche ohnehin nicht oft gefragt - geschweige denn erlaubt. Richtig begeistern kann der Quickshifter mit Blipper, der bei beherzter Fahrweise erstklassig funktioniert. Bei Bummeltempo empfiehlt sich allerdings weiterhin die hydraulische Kupplung, die nur wenig Handkraft erfordert.

Der Sound ist trotz Euro5 zwar kernig, aber dennoch voll nachbarschaftsvertäglich und der Verbrauch fällt überraschend niedrig aus. Mit randvollem 13,5 Liter Tank dauerte es Überland immer mindestens 230 Kilometer, bis die Reservelampe das erste Mal aufleuchtete.

Sogar die hypersportlichen ContiAttack SM Evo Pneus performten auf der Landstraße großartig und boten bis über den Rand ausgezeichneten Grip. Bei tiefen Temperaturen, im Regen und auf schmutziger Fahrbahn schwächelten sie zwar ein wenig - blieben aber dennoch stets kontrollierbar. Da die sportlichen Contis aber logischerweise keine Laufleistungswunder vollbringen können, wäre für längere Touren ein Wechsel auf Sport-Touringreifen anzuraten.

Fotos: Michael Meindl (@michael.meindl)

Fazit: Gas Gas SM 700 2022

Keinesfalls können wir bestätigen, dass moderne Supermotos, wie die hier vorstellte GasGas SM 700, für den Alltag ungeeignet wären. Wer vielmehr bereit ist, nur ein paar Kompromisse einzugehen, macht in der Stadt, Überland und in den Bergen eine gute Figur und hängt darüberhinaus, das entsprechende Fahrkönnen vorausgesetzt, so ziemlich alle anderen Bikes in den ersten engen Kehren gnadenlos ab.


  • Großartig auf der Landstraße
  • Großartig auf der Tagestour
  • Gut in der Stadt (das Vergnügen wird nur durch die hohe Sitzbank, die Spiegelvibrationen und den fehlenden Stauraum getrübt)
  • ebenso gut bei Reisen (vorausgesetzt man kommt mit der harten Sitzbank sowie der geringen Reifenlaufleistung zurecht und findet eine praxistaugliche Gepäcklösung)
  • Erwartungsgemäß dürftig auf der Autobahn (aber da hat ein Motorrad sowieso nichts verloren)

Bericht vom 10.09.2022 | 6.902 Aufrufe

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