Honda Reisemotorräder im Vergleich: Goldwing, NT1100, Africa Twin

Genusstour mit dem Doppelkupplungsgetriebe DCT durch den Taunus

Es klingt für die, die es immer noch nicht probiert haben irgendwie falsch. Honda’s Dual Clutch Transmission ist seiner Zeit weit voraus. Dabei wird das Doppelkupplungsgetriebe seit mittlerweile 12 Jahren angeboten! Tibor und Juliane hatten ihr erstes Mal mit DCT!

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Drei Mal Reise - Drei unterschiedliche Zugänge bei Honda, aber alle mit DCT

Das 1000PS Genuss-Team Juliane, Poky und ich trafen uns in Frankfurt bei Honda Deutschland. Poky, hat als einziger Teil des Trios Erfahrung mit Hondas einzigartigem DCT, sowohl für Juliane als auch für mich war es absolutes Neuland. Selbiges gilt für die legendäre Goldwing, so waren wir in dieser Angelegenheit nicht nur jungfräulich sondern auch etwas skeptisch, jedenfalls aber unglaublich neugierig.

Bei den ausgewählten Hondas handelte es sich um eine Goldwing Tour Airbag DCT, eine NT1100 DCT und die Africa Twin Adventure Sports 1100 DCT. Drei Reisemotorräder, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Natürlich bedarf dieser Schwung an ersten Malen und neuer Information, einer kleinen Einschulung, die uns Poky gerne zukommen lässt. Schließlich hat die Gebrauchsanweisung einer Goldwing fast gleich viele Seiten wie das Motorrad Gewicht in kg hat.

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Die Honda NT1100 DCT - universeller Alleskönner im unaufdringlichen Kleid

Juliane fuhr zu Beginn die graue NT 1100 DCT, die Dank ihrer zugänglichen Sitzhöhe von 820 mm auch für Piloten unter 1,70 Meter eine ausgezeichnete Wahl darstellt. Sie ist das neueste Mitglied der Hond-Reisefamilie, wie sie schon in Pokys erstem Test unter Beweis stellen konnte. Der Windschutz auf der NT ist unerreicht, das DCT passt perfekt zu dem straßenorientierten Tourer. Die serienmäßigen Seitenkoffer, die mit etwas Geduld auch einen Integralhelm schlucken, sowie der Tempomat und die fünfstufigen Heizgriffe runden das Bild ab.

Dass die Basis der NT1100 die geländetaugliche Africa Twin ist, verwundert auf den ersten Blick. Zu perfekt scheint der Tourer ausbalanciert, zu wuchtig ist sein Auftreten. Tatsächlich teilen sich die beiden ungleichen Schwestern neben dem kraftvollen Parallel-Twin, auch Großteile des Rahmens und die komplette Bedieneinheit inklusive 6,5 Zoll TFT Touchscreen mit Apple Carplay- und Android Auto-Integration.

Honda NT1100 2022
Dass die Basis der NT1100 die geländetaugliche Africa Twin ist, verwundert auf den ersten Blick. Zu perfekt scheint der Tourer ausbalanciert, zu wuchtig ist sein Auftreten.

Die deutlichste Unterscheidung ergibt sich beim Radsatz und den Federelementen. 150 Millimeter Federweg stehen auf der NT1100 zur Verfügung, was aber auch auf schlechteren Straßen ausreichend ist. Die Dämpfung bietet ein komfortables Grundsetting, das lediglich in der Vorspannung auf den Beladungszustand des Tourers angepasst werden kann. Verzichten muss man im Sattel der NT1100 (noch?) auf ein elektronisches Fahrwerk, das dem Tourer jedoch richtig gut zu Gesicht stehen würde. Die Reifendimensionen erlauben es dem Piloten, sehr sportliche Pneus aufzuziehen und somit die Agilität noch weiter zu steigern. Jedenfalls kann die Honda NT1100 auch sportlich - einfach ein solides Paket ohne Schwächen.

Honda Africa Twin - der Name einer Legende

Als Honda die Africa Twin 2016 (als 1000er) wieder auferstehen ließ, war der Hype riesig. Dieser Name ist der einer Legende und man sollte ihn nicht leichtfertig gebrauchen. Honda war sich dieses Umstandes offenbar bewusst und so brachte die CFR1000L ihre Kritiker rasch zum Schweigen. Der Erfolg spricht für sich und auch die neueste und am reichhaltigsten ausgestattete Ausformung, die von uns getestete Honda CFR1100L Africa Twin Adventure Sports DCT schließt sich diesem Siegeszug an.

Das Herzstück teilt sich die Africa Twin, wie bereits erwähnt mit der straßenorientierten NT1100. Im Sattel der Reiseenduro fühlen sich die 105 Nm Drehmoment und 102 PS Spitzenleistung aber noch ein wenig stärker an. Bedingt wird das zum einen durch das niedrigere Gewicht und zum anderen durch den kernigeren Klang des Klappenauspuffs.

Honda Africa Twin Adventure Sports DCT 2022
Ein besonderes Lob verdient sich das großartige semi-aktive Showa-Fahrwerk der Africa Twin Adventure Sports.

Skeptisch war ich bei der offroad-orientierten Maschine, ob das DCT meine Ansprüche im Gelände (in unserem Fall, mussten wir mit einer etwas ausgewaschenen Schotterstraße Vorlieb nehmen) erfüllen würde. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hatte ich den Dreh jedoch schnell raus und die Vorurteile über Bord geworfen. Insbesondere Offroad-Neulingen wird das DCT, das in der Africa Twin in seiner letzten Ausbaustufe dank IMU auch Schräglagen ins Schaltschema miteinkalkuliert, eine Hilfe sein. Schließlich ist Motorabwürgen damit so gut wie unmöglich. Für längere Bergab-Passagen lassen sich die Gänge mittels des manuellen Modus auch sperren. Die Motorbremswirkung ist dreistufig einstellbar.

Ein besonderes Lob verdient sich das großartige semi-aktive Showa-Fahrwerk der Africa Twin Adventure Sports. In Bruchteilen einer Sekunde passt sich die Dämpfungs-Charakteristik dem Untergrund an. Das schafft kein konventionelles Fahrwerk! Natürlich kann auch die fortschrittlichste Technik Federwege von 230 mm vorne und 220 mm hinten nicht wegzaubern. Die Africa Twin taucht beim scharfen Anbremsen vor Kehren am stärksten ein. Hat man sich aber einmal daran gewöhnt, kann man trotz der Reiseenduro-typischen Bereifung einen erstaunlich flotten Strich fahren. Die Schräglagenfreiheit ist beeindruckend und man traut sich dank des überkompletten Elektronikpakets samt schräglagenabhängigen Sicherheitssystemen (ABS und Traktionskontrolle) ein ordentliches Reisetempo zu.

In dem von uns getesteten Trio ist die langbeinige Schönheit zudem mit Abstand die Zuladungs-Königin. Bei satten 220 kg dürfen selbst Tibor und Poky noch ordentlich Gepäck im (optionalen) Koffersystem mitführen. Ein echt tolles Allround-Motorrad!

Das beste kommt zum Schluss - die Honda Goldwing als Krönnung der zweirädrigen Schöpfung

In strahlendem Blau steht sie vor uns. Der Motorrad gewordene Traum eines Luxustourers. Angetrieben von einem 1833 ccm großen Sechszylinder-Boxermotor, bietet das perfekt passende DCT Getriebe sieben Gänge (und einen Rückwärtsgang) um die vollgetankt 390 kg schwere Maschine souverän zu bewegen. Bei 180 km/h wird das Ende des Vortriebs elektronisch eingeläutet, man will sich ja nicht hetzen. Auch der Verbrauch von locker über 7 Liter/100km ist für ein Motorrad nicht wenig, für dieses Motorrad aber absolut angemessen. Nur in Ausnahmefällen finden die Finger der linken Hand den Weg zu den +/- Tasten am linken Bedienelement des Lenkers, die einen manuellen Gangwechsel einleiten. Die Goldwing ist perfekt ausbalanciert und scheint bereits im Rollen zentnerweise Gewicht zu verlieren. Unglaublich, dass ein 130er Vorder- und 200er Hinterreifen ein dermaßen spielerisches Einlenken ermöglichen.

Am Parkplatz mache ich es mir zur Aufgabe das Dickschiff auf kleinstem Raum zu bewegen und die Handlichkeit mit dem DTC zu testen. So gelingt es mir mit der Goldwing zum Beispiel mühelos, einhändig mit leicht schleifender Hinterbremse bei vollem Lenkeinschlag Kreisel zu fahren. Bei flotterem Tempo mahnt einen die schleifende Fußraste alsbald zu einer standesgemäßeren Fahrweise. Gleiten statt Heizen ist angesagt.

Honda Goldwing
Die Goldwing ist perfekt ausbalanciert und scheint bereits im Rollen zentnerweise Gewicht zu verlieren.

Dann hat man auch besser Zeit um die Fahrt auf der Goldwing zu genießen. Was darf es sein? Liebliches Vogelgezwitscher, dass Dank ausladendem Windschild gut zu hören ist? Oder doch lieber astreiner Sound aus dem performanten Soundsystem? Jeder erdenkliche Luxus, von Navi über Sitzheizung ist hier verbaut. Der Sozius thront hier so entspannt wie in der Businessclass hinter dem Fahrer. Einzig bei den verbauten Sicherheitsfeatures merkt man der Grand Dame an, dass sie nicht mehr taufrisch ist. Der Luxusdampfer muss mangels IMU auf schräglagenabhängige Traktionskontrolle und ABS verzichten. Dennoch, die Honda Goldwing ist mit einem Wort beschrieben: Einzigartig.

Genussvolles Motorradfahren mitten in Deutschland - das geht!

Bewegt haben wir die drei Reisemotorräder auf den kurvigen Straßen des wunderschönen Taunus-Gebietes. Mittelgebirge bieten zwar nicht die spektakulären Ausblicke, wie wir sie aus Bayern oder Österreich kennen, sind zum Motorradfahren jedoch wunderbar geeignet. Die kupierte Landschaft rund um den Feldberg bietet herrliche abwechslungsreiche Straßen. Die Route durch den Taunus haben wir mit Calimoto für euch zum Nachfahren festgehalten.

Fazit Honda Reisemotorräder mit DCT 2022 - was für eine Vielfalt

Nach unserer zweitägigen Erfahrung mit Africa Twin, NT1100 und Goldwing können wir festhalten, dass diese drei Motorräder bei vielen Gemeinsamkeiten doch total verschieden sind und jedes einzelne somit seine Berechtigung hat. Honda hat es durch klare Positionierung der drei Modelle geschafft, eine enorm breite Masse an Motorradreisenden anzusprechen. Das DCT präsentiert sich als optimale Wahl für all jene denen der Genuss beim Motorradfahren ein Anliegen ist. Auch unser Testtrio war von der ausgereiften Funktion des Doppelkupplungsgetriebes angetan. Die gemeinsame Ausfahrt hat unter den Testern unterschiedliche Favoriten hervorgebracht: Welche Maschine Juliane, Poky und ich jeweils bevorzugen, erfahrt ihr im YouTube-Video!

Fazit: Honda GL 1800 Goldwing Tour DCT 2022

Die Honda Gold Wing ist ein großer Wurf, sowohl in Sachen Ausstattung als auch Fahrdynamik. Der Motor bleibt ein herrlich sanfter Sechsylinder-Boxer, der seine Bestimmung nach wie vor in der Souveränität von unten heraus findet. Sie mag zwar sportlicher als ihre Vorgängerinnen sein, bleibt im Herzen aber ein gemütlicher Tourer. An Bequemlichkeit mangelt es nicht, der Sitzkomfort ist herrlich, der Windschutz ausreichend, vor allem auf den Gold Wing Tour-Modellen mit höherem Scheibe und Topcase. Das Elektronik-Paket fällt auch sehr üppig aus, hier machen sich die Jahre seit dem letzten großen Update jedoch bemerkbar. Gold Wing Fans werden trotzdem ihre Freude mit ihr haben, aber es gibt zeitgemäßere Tourer auf dem Markt.


  • sanfter Sechszylinder-Boxermotor
  • guter Sound - sowohl Motor als auch Boxen
  • elektrisch verstellbares Windschild
  • 4 Fahrmodi
  • serienmäßiges Navi
  • Rückwärtsgang
  • Heizgriffe
  • Tempomat
  • Apple CarPlay
  • Elektronik nicht mehr auf dem modernsten Stand
  • Motor wird laut im oberen Drehzahlbereich
  • Recht begrenzte Schräglagenfreiheit

Fazit: Honda CRF1100L Africa Twin Adventure Sports DCT 2022

Die Legende ist für 2022 noch besser geworden. Das DCT kommt in der aktuellsten Version, dank IMU-Uunterschtützung der Perfektion verdammt nahe. Manuelle Eingriffe sind die absolute Ausnahme. Das EERA-Fahrwerk arbeitet großartig, kann die langen Federwege im Straßenbetrieb aber nicht wegzaubern. Dennoch ist die Africa Twin ein sehr sportlich fahrbares Motorrad. Ihr Einsatzgebiet ist beinahe grenzenlos.


  • unglaublich viel Platz dank perfekter Offroad Ergonomie für den Fahrer
  • perfekt für große Fahrer
  • breiter Lenker mit perfekter Kröpfung
  • neuestes DCT ein echter Gewinn
  • kerniger Sound
  • Front taucht auch im straffsten Federungssetting beim scharfen Anbremsen stark ein
  • Bedienkonzept und Schaltereinheit am linken Lenker etwas mühselig

Fazit: Honda NT1100 DCT 2022

Die Honda NT1100 fährt unaufgeregt, gut und komfortabel. Sie erfordert wenig Energie und bietet ein hohes Maß an Praxistauglichkeit. Der Motor und die tolle Honda-Connectivity sowie der großartige Wind- und Wetterschutz bereiten viel Freude. Das Motorrad ist vor allem in der DCT Variante ein ausgesprochen universell einsetzbares Fahrzeug.


  • Wind- und Wetterschutz großartig
  • Tolle Ergonomie und hoher Fahrkomfort
  • Tolles Softwareangebote mit Google and Apple Lösung an Bord
  • Niedrige Geräuschkulisse im Sattel
  • Niedriger Verbrauch
  • Tolle Antriebseinheit mit Motor und komfortabler DCT Einheit
  • Praxistaugliches Fahrzeug mit dem man gerne täglich unterwegs ist
  • hakelige Seitenkoffer
  • Bedienkonzept und Schaltereinheit am linken Lenker etwas mühselig
  • Motorrad kommt ohne IMU aus - somit kein Kurven ABS

Bericht vom 11.07.2022 | 18.535 Aufrufe

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