Honda NT1100 im Praxistest

Nachfolge von CBF1000 und Deauville?

Sie einzuordnen fällt nicht leicht. Doch bei den Testfahrten präsentiert sie sich zugänglich und sie steht im Fuhrpark hoch im Kurs. Hier die Erfahrungen mit der neuen Maschine im Detail.

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Fahrendes Motorrad

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Honda hat bei Tourenmotorrädern nicht nur aktuell eine große Auswahl sondern auch eine große Historie. Auch wenn die eigenständige NT1100 nicht gerne in eine Schublade gesteckt wird, muss man im Sattel der faszinierenden Maschine an viele Honda Modelle denken. Aktuell werden bei Honda mit DCT Getriebe auch noch die Goldwing, die Africatwin und auch die NC750 Modelle als Alternativen angeboten. Klar spielen die erwähnten Bikes in einer anderen Liga. Doch das DCT Getriebe ist ein gemeinsamer Nenner der auch in diesem Test ein eigenes Kapitel bekommt. Hier findest Du jedenfalls alle aktuellen Honda Modelle im 1000PS Marktplatz welche mit DCT Getriebe angeboten werden.

Tourenmotorrad ohne DCT - Wer will das noch?

Als Kenner des Honda DCT-Getriebes fragt man sich nach wenigen Kilometern: Wie kommen die Fahrer anderer Marken auf ihren Tourenmotorrädern bloß ohne dieses DCT Getriebe aus?. Das harmonisch arbeitende Getriebe ist auf einem touristisch geprägten Motorrad einfach punktgenau richtig platziert und fühlt sich im Sattel auch harmonisch an. In der aktuellsten Ausbaustufe reagiert das automatische Doppelkupplungsgetriebe in fast allen Situationen richtig.

Fahrer der aktuellsten Africa Twin werden möglicherweise leichte Unterschiede zwischen der NT1100 und der Africa Twin feststellen. Denn die Africa Twin kann auf eine 6-Achsen IMU zurückgreifen. Dementsprechend sind die Regelalgorithmen für die Fahrhilfen aber auch für das DCT noch feinfühliger als bei der NT1100.

Doch nicht nur während der Tour genießt man das DCT Getriebe. Auch im Alltag macht das automatische Doppelkupplungsgetriebe das Fahren mit dem Motorrad noch zugänglicher. Ich persönlich schätze auch die Präzision im Fahrbetrieb. Egal ob beim Wenden oder beim Schalten in der Kurve. Die Feindosierung wird mit der Hinterbremse erledigt und um Kupplung und Schaltung kümmert sich die DCT-Einheit.

Honda NT1100
Egal ob auf großer Tour oder im Alltag - Das DCT Getriebe macht das Motorradfahren noch einfacher und komfortabler.

Bei den Testfahrten mit der NT1100 musste ich auch an unsere Tests mit der CBF1000 und auch an die geschätzte Deauville denken. Klar fehlt im Vergleich zur Deauville der damals so beliebte Kardanantrieb. Und im Vergleich zur CBF1000 ist die NT1100 eine geradezu verwegen coole Fuhre. Doch am Ende des Tages reiht sich das Motorrad hier in eine Liga von zugänglichen, praktischen und treuen Tourenmotorrädern von Honda ein. Sie ist ein Motorrad welches man gerne und intensiv nutzt und welches in wirklich vielen Situationen wunderbar passt.

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Honda NT1100 im Test - Toller Wind- und Wetterschutz

Im Alltag durften wir im Frühjahr 2022 besonders auch den Wetterschutz genießen. Der Verstellmechanismus ist, typisch für Honda, eher auf der sicheren Seite. Also sehr stabil, eher schwergängig dafür bombenfest. Er lässt sich auch nur im Stillstand bedienen. Idealerweise steht man dabei vor dem Motorrad um die gigantische Scheibe nach oben oder unten zu schieben. Doch ist die Scheibe mal in Position offenbart sie ihre prachtvolle Wirkung. Die gesamte Front des Motorrades wird zu einer richtig gut gemachten Wetterscheide. Diese reicht von den Stiefeln bis zur Helmspitze. In der obersten Position ist selbst bei Körpergröße 185cm ein Autobahntempo von 170 km/h möglich - komplett windstill und absolut entspannt. Doch auf der anderen Seite lässt das Windschild in der untersten Position einen präzisen Windzug durch und sorgt für angenehme Kühlung. Piloten der aktuellen Adventure Sports werden diesen riesigen Verstellbereich mit neidigen Blicken unter die Lupe nehmen. In Sachen Windschutz stellt die NT1100 alle mir aktuell bekannten Motorräder in den Schatten. Selbst deutlich teurere Modelle wie eine K 1600 GT von BMW und sämtliche Reiseenduros am Markt kommen hier nicht ran.

Verschiedene Meinungen wird es zur Integration von Apple CarPlay und Android Auto geben. Einerseits hat man damit eine wirklich gut funktionierende Plattform welche unzählige Software-Pakete in das Motorrad integriert. Gängige Navigationslösungen, Musikplayer usw. werden ins Display und auch in die Bedienlogik des Fahrzeuges integriert. Google Maps zum Beispiel habe ich mir im Alltag auf Apple CarPlay intensiv angesehen. Die Befehle werden teilweise über die Schaltereinheit am linken Lenkerende sowie über Sprachbefehle über Bluetooth übermittelt. Wer bei den Worten Sprachbefehle und Bluetooth schon Magenkrämpfe bekommt sei beruhigt. Im Praxistest klappte das Pairing mit einem SENA System in unter einer Minute. (Wichtiger Tipp: Das SENA System in den Kopplungsmodus für GPS Geräte bringen und die NT1100 quasi als Navi mit dem SENA koppeln). Und die Sprachsteuerung basiert im Falle von Google Maps natürlich auf der Spracherkennung von Google. Die Sache funktioniert richtig gut.

Leider fühlt sich die Schaltereinheit am linken Lenkerende für mich immer noch nicht logisch an. Ich bin neuen Technologien immer sehr aufgeschlossen und meist jemand der sich sehr schnell in neue Motorräder reindenken kann. Doch bei den aktuellen Hondas will mir persönlich das leider nicht so richtig gut gelingen. Am Ende des Tages empfinde ich den Weg von Honda trotzdem als den richtigen Weg. Die Integration der beiden Tech-Giganten Apple und Google sorgt für eine tolle Auswahl an Softwareangeboten im Display und die Sache funktioniert einfach gut. Und die Auswahl an Navigationslösungen wird immer größer. Calimoto zum Beispiel arbeitet bereits mit Hochdruck an einer iOS Version der beliebten Navigationslösung - womit die Plattform für Motorradfahrer nochmal deutlich aufgewertet wird.

Die Seitenkoffer sind elegant ins Gesamtdesign integriert. Eigentlich bin ich selbst ja ein Fan von einem Topcase und wurde bei der NT1100 wieder einmal daran erinnert, warum ich bei Seitenkoffern immer etwas skeptisch bin. Damit Seitenkoffer mich persönlich zufriedenstellen müssen diese in wirklich hoher Qualität daher kommen. Denn der Schließmechanismus wird hier deutlich mehr gefordert als bei einem Topcase und das Beladen und Entladen ist immer etwas mühsamer. Da muss einfach alles fluffig und präzise passen. Doch leider ist die Bedienung vom Schließmechanismus etwas hakelig und die kleinen Gurte im Seitenkoffer nerven beim Schließen der Deckel. Im Sattel einer Honda habe ich offen gesagt immer besonders hohe Ansprüche an mechanische Perfektion. Wer hier ähnlich anspruchsvoll ist wie ich, wird mit den Seitenkoffern nicht glücklich werden. Ich freue mich schon auf das Topcase samt Rückenlehne aus dem Zubehör für mein Testmotorrad.

Beim Thema Fahrverhalten und Fahrkomfort gab es für mich offen gesagt keine dramatischen Überraschungen. Das Fahrzeug kommt ohne Einstellmöglichkeiten bei der Dämpfung vom Fahrwerk aus. Die Bremsen sind in Sachen Hardware guter Durchschnitt. In der Praxis präsentiert sich das Motorrad stabil und komfortabel. Am Kurveneingang benötigt sie etwas Druck am Lenker. Trotz der fehlenden IMU sind die Regeleingriffe sanft. Doch natürlich ist die Traktionskontrolle eher konservativ ausgelegt und sportliche Piloten werden in ihrer Euphorie immer wieder mal gebremst.

Positiv fällt die Sitzbank und die gesamte Ergonomie vom Fahrzeug auf. Wer Fan der Marke Honda ist und am Ende des Tages zwischen einer Africa Twin Adventure Sports und einer NT1100 schwankt dem helfe ich sehr gerne bei der Kaufentscheidung. Die NT1100 bietet den besseren Wind- und Wetterschutz, hat eine tiefere Sitzhöhe und ist auf längeren Strecken erstaunlicherweise noch komfortabler. Die Africa Twin hat sowohl mit dem mechanischen Fahrwerk als auch mit dem elektronischen Fahrwerk die bessere Lösung am Start. Wer hier sensibel ist muss zur Africa Twin greifen. Auch die elektronischen Fahrhilfen sind bei der Africa Twin hochwertiger.

Sitzbank Honda NT1100
Tolle Sitzbank: Honda NT1100 2022

Im Sattel der NT1100 wird man auch als reifer und vernünftiger Pilot immer wieder mal zu schnell unterwegs sein. Das liegt an dem niedrigen Geräuschniveau im Sattel, dem seidenweichen DCT Getriebe und dem tollen Windschutz. Wenn man dann noch ein wenig in den Tiefen vom Apple CarPlay rumspielt, findet man sich bei lockeren 120 in der 70er Zone wieder und könnte schwören eigentlich nur dahinzurollen. Das spricht grundsätzlich für die hohe Qualität des Fahrzeuges aber man muss vor allem im Ortsgebiet und in 70er Zonen verdammt aufpassen. Am Ende des Tages hat mich die NT1100 mit ihrer zugänglichen und praxistauglichen Art verzaubert. Ich ertappte mich täglich dabei bei der Auswahl am 1000PS Schlüsselkasten zur vermeintlich biederen NT1100 zu greifen. Es ist einfach schön ein Fahrzeug zu fahren, wo man mit sehr wenig Energieaufwand wunderbar harmonisch und wie von Geisterhand getragen durch die Landschaft gleitet. Wer gerne viel fährt und sich durch die unaufgeregte Art der NT1100 angesprochen fühlt wird zufrieden sein.

Bild von NastyNils
NastyNils

"Man gleitet mit wenig Energieaufwand - wie von Geisterhand getragen - durch die Landschaft."

Fazit: Honda NT1100 DCT 2022

Die Honda NT1100 fährt unaufgeregt, gut und komfortabel. Sie erfordert wenig Energie und bietet ein hohes Maß an Praxistauglichkeit. Der Motor und die tolle Honda-Connectivity sowie der großartige Wind- und Wetterschutz bereiten viel Freude. Das Motorrad ist vor allem in der DCT Variante ein ausgesprochen universell einsetzbares Fahrzeug


  • Wind- und Wetterschutz großartig
  • Tolle Ergonomie und hoher Fahrkomfort
  • Tolles Softwareangebote mit Google and Apple Lösung an Bord
  • Niedrige Geräuschkulisse im Sattel
  • Niedriger Verbrauch
  • Tolle Antriebseinheit mit Motor und komfortabler DCT Einheit
  • Praxistaugliches Fahrzeug mit dem man gerne täglich unterwegs ist
  • hakelige Seitenkoffer
  • Bedienkonzept und Schaltereinheit am linken Lenker etwas mühselig
  • Motorrad kommt ohne IMU aus - somit kein Kurven ABS

Bericht vom 22.05.2022 | 17.114 Aufrufe

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