Bridgestone AT41 Test

Offroad Look mit Onroad Performance

Gut sieht er aus! Doch wie ist sein Charakter? Der neue Bridgestone AT41 sieht aus wie ein wilder Offroadbursche. In der Praxis fährt er jedoch wie ein praktischer Straßenreifen. Hier der Test und die Erfahrungen mit verschiedenen Reiseenduros.

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Was für eine intensive Woche. 6 Testevents wurden von der 1000PS Crew gleichzeitig besucht. Als Chef des Ladens bin ich zwar einerseits zur Stelle wenn das Einfahrtstor wieder mal klemmt, auf der anderen Seite darf ich mir aber auch Rosinen aus dem Testprogramm rauspicken. Reifenpräsentationen von Bridgestone sind so eine Rosine. Bridgestone bietet bei den Testevents immer eine besonders abwechslungsreiche Auswahl an Testmotorrädern. Für mich als Redakteur ist das natürlich ganz besonders spannend, jede Menge Reiseenduros auf dem gleichen Reifen zu probieren. Bridgestone geht aber auch immer sehr selbstbewusst an die Sache ran. Der neue Pneu soll nicht bloß oberflächlich ausprobiert werden. Der brandneue AT41 soll 2 Tage lang auf unterschiedlichsten Straßen gefahren werden. Dabei können wir jede Menge tolle Erfahrungen sammeln und es sollte möglich sein potentielle Schwachpunkte ausfindig zu machen.

Traumhafte Tour - Hier die Details

Unsere Tour führt uns durch die wunderbar rauhe und abwechslungsreiche Region rund um San Sebastian im Norden Spaniens. Ich habe hier die gefahrene Route als Routenvorschlag auf der Calimoto Website für euch.

Das Revier passt großartig zum Charakter des neuen Pneus. Und das Revier passt auch toll zu den Reiseenduros welche wir vor Ort fahren durften.

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Die Motorräder beim Bridgestone AT 41 Reifentest

  • Honda CRF1100 L Africa Twin Adventure Sports mit Schaltgetriebe
  • Husqvarna Norden 901 voll ausgestattet
  • BMW R 1250 GS ohne Dynamik Paket
  • Yamaha Tenere 700
  • KTM 890 Adventure R voll ausgestattet
  • KTM 1290 Super Adventure R
  • BMW F 850 GS

Die verfügbaren Reifendimenstionen vom Bridgestone AT 41

Der neue Reifen kann je nach Motorrad mit und ohne Schlauch gefahren werden. Er kommt mit einer M+S Kennzeichnung auf den Markt und ist seit Februar 2022 beim Reifenhändler verfügbar. Der Preis vom Reifen liegt in der Praxis vor Ort im Handel auf dem Niveau vom A 41.

Reifendimensionen Bridgestone AT41

vornehinten
100/90-19150/70-17
110/80-19170/60-17
120/70-19150/70-18
90/90-21140/80-17
-130/80-17

Verfügbare Dimensionen ab Februar 2022

Geheimtipp im Nassen: Bridgestone AT41

Reifen mit einem starken Focus auf das Gelände haben in der Praxis ihre größte Schwäche immer auf nassem Asphalt. Die Bridgestone Crew machte mir vor Ort auch wenig Hoffnung, dass sich das jemals ändern wird. Ein Reifen welcher im Gelände richtig gut ist, wird auf nasser Straße niemals wirklich gut sein. Diese beiden Dinge werden auch langfristig nicht vereinbar sein, lautete das offene Feedback. Wobei hier von echten Offroadreifen die Rede ist. Insofern waren wir auf den ersten Kilometern froh, dass der neue AT41 nur so aussieht wie ein Geländepneu. In Wahrheit ist er ein Straßenreifen - ein richtig guter sogar. Auf nassem Asphalt durfte er sich sogar als überdurchschnittlich guter Pneu in Szene setzen. Die spanische Atlantikküste bekommt relativ viel Regen ab. Dadurch präsentiert sich die Landschaft saftig grün und wir können uns beim Reifentest von der Qualität des Pneus im Nassen überzeugen. Er vermittelt Vertrauen am Kurveneingang und gibt gutes Feedback am Kurvenausgang. Auch bei niedrigen Temperaturen war er sofort zur stelle und schüttelte das hölzerne Fahrverhalten schon nach wenigen Kurven ab.

Kratzende Fußrasten mit Stollenreifen?

Spaniens Norden
Pflichtbewusst testeten wir den Reifen auch auf nasser Strecke

Etwas dicker war die Blockade im Kopf da schon auf den folgenden trockenen Passagen. Unser sportlicher Guide Barbara Collet fuhr früher mal Rennen in der Langstrecken WM. Sie molk die KTM 890 Adventure richtig aus und die Schräglagen in den Kurven waren beängstigend. Es war für mich offen gesagt immer wieder eine Herausforderung ihrem prächtigen Speed folgen zu können. Ihr Vorteil: Sie kannte die Strecke und wusste mittlerweile ganz genau was in dem Reifen steckt. Ich selbst war mir noch nicht ganz sicher. Haben die wuchtig wirkenden Profilblöcke wirklich keine Nachteile bei knallharter Schräglage?, dachte ich mir. Doch nach prüfenden Blicken beim Cafestopp verlor ich sämtliche Hemmungen. Nicht etwa gegenüber Barbara sondern natürlich gegenüber dem Reifen. Denn die Pneus waren auf den Motorrädern überall fein säuberlich bis an die Kante abgefahren und an einigen Motorrädern waren auch die Fußrasten ordentlich angekratzt. Danach genoss ich den Reifen in vollen Zügen. Der Bridgestone AT41 fühlt sich auf trockenem Asphalt an wie ein ganz normaler Straßenreifen. Am Kurveneingang ist er präzise und bietet tollen Grip, am Kurvenausgang wirkt er nicht teigig sondern liefert jede Menge Traktion ab. Dabei macht er die Reiseenduros zu erstaunlich stabilen Fahrzeugen.

Yamaha Tenere 700 mit Bridgestone AT41

Wirklich lässig war die Fahrt mit der Yamaha Tenere 700. Die herzerwärmende Maschine sieht mit einem Straßenreifen einfach richtig lausig aus. Doch der AT41 wirkt optisch wirklich würdig und verursachte an den Cafestopps niemals eine rümpfende Nase. Das Fahrwerk wurde super straff eingestellt und schon wurde aus der wilden Enduro ein echtes Funbike für die Straße. Das Motorrad war plötzlich präzise, stabil und fuhr echt kranken Kurvenspeed. Es war erstaunlich wie das Motorrad hier in der Runde mithalten konnte. Im direkten Vergleich konnte sie durch das starke Fahrwerk und das niedrige Gewicht tüchtig mitfahren.

Irrer Entwicklungsaufwand - Unterschiedliche Karkassen für unterschiedliche AT41 Dimensionen

Es war sinnvoll, dass wir den Reifen an den beiden Tagen in den verschiedenen Dimensionen testen konnten. Denn während die Optik des Pneus immer gleich ist, hat man beim Karkassaufbau die jeweils beste Lösung installiert. Manche Dimensionen werden mit einem Stahlgürtel ausgeliefert anderen jedoch mit einem Aramidgürtel. Im Sattel fühlte sich der Pneu auf jedem Fahrzeug richtig an - die Ingenieure und die Testcrew haben offenbar einen guten Job gemacht.

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Bridgestone AT41 - Hat das faszinierende Konzept auch Nachteile?

Beim Pressetest hat Bridgestone immer wieder offen und ehrlich ausgesprochen, dass der Reifen kein Reifen mit großen Offroad-Ambitionen ist. Er ist ein Reifen für Menschen die vom großen Offroad-Abenteuer träumen, gerne mal eine Schotterpassage fahren aber im Alltag keine Einbußen auf Asphalt akzeptieren möchten. Das alles bei einer coolen und wilden Abenteuer-Optik. Doch draussen an der Front werden möglicherweise nicht alle Käufer das Produkt richtig einsortieren können. Daher hier ein paar klare Ansagen zum Reifen.

KTM 1290 Super Duke R NastyNils auf Schotter
Die Schotterpassagen waren für den AT41 natürlich kein Problem. Doch für gröberes Gelände empfiehlt Bridgestone nach wie vor den AX41.

Wie gut ist der Bridgestone AT41 im Nassen?

Der Reifen wirkte beim Test im Nassen richtig gut und war bei internen Bridgestone Tests sogar dem A41 Straßenreifen überlegen.

Wie gut ist der Bridgestone AT41 im Gelände?

Der Reifen verhält sich im Gelände wie ein klassischer 90% / 10% Reiseenduroreifen. Auf trockenem Schotter kommt man sicher ans Ziel aber der Reifen ist kein Wunderding und ist im Gelände einem AX41 natürlich deutlich unterlegen.

Hat der AT41 praktische Nachteile?

Kommt darauf an womit man den Pneu vergleicht. Wer bisher wegen der Optik 80/20 Pneus fuhr aber kaum im Gelände unterwegs war, wird die Präzision und den Grip vom Reifen lieben. Doch man spürt auch, dass der Reifen in der Praxis weniger Eigendämpfung bietet als ein Reifen der 80/20 Liga. Das ist ein durchaus erwähnenswerter Punkt. Denn wer insgesamt eher gemütlich unterwegs ist, der kommt auch mit einem klassischen 80/20 Pneu auf der Straße nicht ans Limit und kann die Vorteile des tollen Pneus nicht ausschöpfen. Auf der anderen Seite verliert man auf schlechten Straßen aber etwas an Fahrkomfort.

An der forderndern R 1250 GS prüfte ich die Verschleissbilder an der Front. Erstaunlicherweise war an keinem der Testmotorräder ein überdurchschnittliches Verschleissbild zu entdecken. In der Praxis darf man sich zum Beispiel an der BMW R 1250 GS eine Laufleistung von ca. 7.000 - 9.000 km erwarten.

Im Test zeigte der Reifen ausschließlich am Hinterrad der Multistrada Änsätze von stärkerem Verschleiß. Das lag möglicherweise an den herzhaften Duellen bei einem komplett kranken Geschwindigkeitsniveau samt grobmotorischer Gasgriffbedienung.

Nach den ersten Tests sieht es also so aus, als hätte die wilde Optik insgesamt keinen negativen Einfluß auf Laufleistung oder Verschleiß.

8 Motorräder im Test - Die schönsten Momente

Besonders herzhaft lachte ich unterm Helm als die Fußrasten der Honda Africatwin schön angekrazt wurden. Das gute Fahrwerk vom Motorrad harmonierte Großartig mit dem hochwertigen Reifen und es war einfach leiwand wie man mit dem Motorrad durch die Kurven ballern konnte. Im Sattel der Multistrada V4S beeindruckte mich das Handling und die Präzision. Insgesamt verlangt die Optik der Maschine eigentlich keinen Offroadreifen. Auch ein Straßenreifen steht der Maschine insgesamt gut. Doch es war auch diesmal wieder herrlich wie mächtig die Multistrada den Innenstrich frisst und wie unfassbar schnell dieses Motorrad aus den Kurven fährt. Sie war insgesamt das schnellste Motorrad an diesen 2 Tagen.

Fußrasten Honda Africa Twin
Bis ans Limit! Mit dem AT41 kann man die Schräglage-Reserven der aktuellen Reiseenduros voll auskosten.

Insgesamt ist der Reifen sicher eher auf der stabilen Seite. Motorräder welche also eher ein Handling- als ein Stabilitätsproblem haben können nicht so profitieren. Die F 850 GS zum Beispiel fuhr ganz nett, wirkte aber etwas träge und zäh. Sie wäre vermutlich ein Kanditat für einen Reifen mit radikalerer Karkassenform. Die KTM 890 Adventure R jedoch wirkte mit dem Pneu jedoch immer wieselflink und trotzdem nicht nervös. Die KTM 1290 Super Adventure R wirkte am Kurveneingang ein wenig behäbig. Insgesamt überzeugt der Reifen jedoch trotzdem. Denn die Fahrleistungen waren beeindruckend dank des guten Fahrwerks war auch der Fahrkomfort OK.

2 Mischungen beim AT41

Auch der neue AT41 vertraut auf die bei Straßenreifen bekannte Strategie bei der Gummimischung. Bridgestone setzt dabei auf eine harte Gummibasis welche in der Mitte des Reifens auch bis zur Lauffläche reicht. Im äußeren Bereich der Lauffläche ist die harte Mischung mit einer weicheren Mischung für besseren Grip in Schräglage überzogen. Bridgestone nennt diese Technik Cap and Base 3LC.

Gut möglich, dass einige Leute da draussen den Reifen als Mogelpackung betrachten und nur echte Offroadreifen als eine würdige Besohlung empfinden. Bridgestone bietet hier mit dem AX41 eine moderne Alternative an. Der AT41 ist ein hochmoderner Reiseenduro Reifen von Bridgestone. Sämtliche Größen werden in einer Bridgestone Fabrik in Japan gefertigt. In der Praxis führt das seit Jahren zu einer konstant hohen Produktqualität. Er überzeugte beim Test auf der Straße voll und ganz. Wobei der Test diesmal besonders intensiv war. Auf Schotter bewirkt er keine Wunder sondern wirkt nur einen Hauch präziser als ein A41. Doch möglicherweise war das eine reine Kopfsache und die grobe Optik hat auch etwas Mut am Kurveneingang serviert. Insgesamt ist der Reifen empfehlenswert und wir freuen uns auf erste Erfahrungen unserer 1000PS Community auf unserem YouTube Kanal.

Bericht vom 18.05.2022 | 5.755 Aufrufe

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