KTM 1290 Super Duke R 2022 Test im Alltag

Leben mit dem Biest

Schon oft hatten wir die KTM 1290 Super Duke R im Test. Doch selten bewegten wir sie im Alltag - egal bei welchem Wetter. Genau das haben wir nun nachgeholt, mit dem Biest des Jahrgangs 2022.

180 PS, 1.301 ccm Hubraum. Um die unbändige Kraft der Super Duke voll auszuschöpfen, braucht es perfekte Bedingungen. Diese hatten wir bereits bei zahlreichen Tests auf der Landstraße und der Rennstrecke, doch das ist leider nicht die Realität des Motorrad Alltags. Regen, verschmutzte Straßen und langweiliges Pendeln gehört auch dazu. Genau diese Erfahrungen durfte ich - wenn auch nicht ganz freiwillig - über eine Woche lang in Spanien sammeln.

Neuerungen an der KTM 1290 Super Duke R 2022

Bevor wir zu den Eindrücken rund um unsere Zeit in der Nähe von Barcelona kommen, legen wir erst einmal die Fakten auf den Tisch. Für 2022 wurde die Super Duke R nur zart überarbeitet, schließlich haben die Mattighofner mit der EVO ein vollkommen neues Modell mit semiaktivem Fahrwerk präsentiert. Die Änderungen am Standard-Biest belaufen sich also lediglich auf einen neuen Kurzhub Gasgriff, der die Drehung um 7 Grad auf 65 Grad verringert. Damit soll nicht nur die Gasannahme spontaner werden, auch das Handgelenk des Super Duke Piloten soll entlastet werden. Auf Seiten der Optik sind neben einer neu erhältlichen silber-orangenen Lackierung nun die Felgen orange pulverbeschichtet.

Für Vollausstattung muss in PowerParts Regal gegriffen werden

KTM stattet die Super Duke R mit einem umfangreichen Elektronikpaket aus, möchte man jedoch die volle Ladung - die uns zur Verfügung gestellt wurde - muss man zum optionalen Tech Pack greifen, das mit 933,48 Euro zu Buche schlägt. Dieses umfasst das kleinere Track Pack mit 9-stufigen Traktionskontrolle, anpassbarer Gasannahme, abschaltbarer Wheelie-Kontrolle, Launch Control, sowie den Fahrmodi "Track" und "Performance" und packt noch den Quickshifter+, die einstellbare Motorbremse, sowie ein adaptives Bremslicht oben drauf.

Die Fahrmodi der Super Duke 1290 R im Dauerwechsel

Die Wahl der Fahrmodi, von denen Wet, Street und Sport serienmäßig sind, erfolgt über das 5 Zoll TFT-Farbdisplay und wurde über unsere Testphase intensiv genutzt. Der Modus Wet kam dabei am Häufigsten zum Einsatz. Mag in erster Sekunde traurig wirken, dass man die Kraft des Biests zähmen muss, doch es zeigte uns wie sanft die Elektronik dem Fahrer unter die Arme greift. Auf feuchter Fahrbahn blinkt die Leuchte der Traktionskontrolle in weihnachtlicher Vorfreude, doch im Sattel erfährt man nur ein Gefühl: Permanenten Vortrieb. Gleichzeitig bleibt das Vorderrad fest mit dem Boden verankert und der serienmäßige Bridgestone S22 führt spursicher durch den Radius. Die Komponenten arbeiten dermaßen souverän zusammen, sodass man sich selbst bei widrigen Bedingungen stets geborgen fühlt.

Glücklicherweise ließen es das Wetter auch zu in den Sportmodus zu wechseln, wo das ganze Potential der 1290 Super Duke R entfesselt wird.

KTM 1290 Super Duke R 2022 Motor und Leistung

Das Potential des Biests bleibt für den Jahrgang 2022 nämlich unangetastet. 180 PS bei 9.500 U/min und 140 Nm Drehmoment bei 8.000 U/min treffen auf 209 Kilogramm fahrbereit. Bei beherztem Zug am Gashahn will dieses Bike nur eines: Marschieren! Doch als jemand, der schon länger keine Super Duke gefahren ist, gib es eine Überraschung: Das Biest kann auch zahm! Befindet man sich nicht im schärfsten Fahrmodus, sondern wählt Road, spricht der LC8 V2 gediegen auf Befehle der rechten Hand an, wodurch auch langsame Passagen durch den innerstädtischen Verkehr entspannt möglich sind. Eine willkommene Charaktereigenschaft, da es genügend Naked Bikes gibt, deren Setup auf permanenten Angriff getrimmt ist.

Wenn man es jedoch wissen will und die Drosselklappenstellung auf über 50 Prozent bewegt, spürt man wie 1.301 Kubik Hubraum scheinbar die Erdrotation beschleunigen. Der Horizont kommt näher, die Umgebung verschwimmt und das Vorderrad richtet sich Richtung Himmel. Hubraum lässt sich eben doch nur durch mehr Hubraum ersetzen!

Wie lebt es sich mit der 1290 Super Duke R?

Natürlich könnte ich jetzt über die Performance auf kurviger Landstraße schwärmen. Erzählen, wie transparent das WP APEX Fahrwerk agiert und welchen Druck die Brembo Stylema Bremsanlage vor der Kurve liefert. Doch das haben bereits meine Kollegen in zahlreichen Tests übernommen: KTM 1290 Super Duke R Tests auf Landstraße und Rennstrecke. Für 2022 hat sich daran jedoch nichts geändert, also will ich einen einen anderen Sichtpunkt hinzufügen.

Während unserer Produktionswoche waren wir tagtäglich unterwegs - egal bei welchem Wetter. Um dem Regen zu flüchten, führte uns unser Weg über längere Autobahnetappen und durch den engen Stadtverkehr von Barcelona an unsere Ziele. Hier lernt man die Schwächen so mancher Motorräder kennen, die man bei der emotionalen Kurvenjagd vielleicht übersieht. Hier ein paar Eindrücke:

Lenkeinschlag der Super Duke:

Wie so viele Hyper Nakeds leidet auch die KTM 1290 Super Duke R unter einem relativ geringen Lenkeinschlag. Während der Fahrt kein Problem, doch kommt es zum Rangieren, braucht es ein wenig Geduld im Sattel. Glücklicherweise lässt sich die Sitzhöhe von 830 mm selbst für einen 175 cm großen Fahrer wie mich leicht managen.

Blinken sollte einfach sein, oder?

Als nächstes fiel ein Schalter der Bedieneinheiten auf, der wohl so häufig verwendet wird, wie sonst kein anderer: Der Blinker. Dessen Bedienung ist so fummelig ausgefallen, dass das Ausschalten leider nicht so leicht von der Hand geht wie gedacht. Man denkt er sei deaktiviert, doch so ist es nicht. Beim normalen Abbiegen stellt das kein ganz so großes Problem dar, da er sich nach kurzer Zeit selbst deaktiviert, auf der Autobahn ist man jedoch nach einem Spurwechsel mit wenig bis keiner Schräglage oft länger blinkend unterwegs, als man das eigentlich möchte.

KTM 1290 Super Duke R Bliinkerhebel
Dieser kleine Blinkerhebel hat für so manchen Ärger gesorgt.

Achte auf den Lack des Biests:

Zuletzt war auf unserer blauen Super Duke der untere Teil der Tankverkleidung in glänzend Schwarz lackiert. Ein optischer Kontrast, der die obere Form des 16 Liter großen Tanks definitiv hervorhebt. Doch leider konnten wir bereits auf dieser neuen Maschine, die gerade einmal knapp über 1.000 Kilometer auf der Uhr hatte, bereits erste Kratzer im Plastik entdecken, die wohl vom Auf- und Absteigen diverser Pressevertreter entstanden sind. Eine Lackschutzfolie wäre somit angebracht.

KTM 1290 Super Duke R 2022 Verbrauch

Zu einem wahren Alltagstest gehört auch das Thema Verbrauch, auch wenn dies vor allem am Motorrad für viele eher zweitrangig ist. Nichts desto trotz wollen wir Euch informieren, dass sich unser Durchschnittsverbrauch um die 6 Liter Marke bewegt hat - je nachdem wo wir uns mit jener Tankfüllung bewegten, variierte es um 0.2 bis 0.4 Liter. Somit sind mit vollem Tank zwischen 250 und 260 Kilometer möglich. Wer längere Touren fahren möchte, ist aber mit der verkleideten 1290 Super Duke GT sowieso besser beraten.

Preise der KTM 1290 Super Duke R

Je nach Markt kann bereits für rund 10.000 Euro eine gebrauchte KTM 1290 Super Duke R besitzen. Je nach Ausstattung und Kilometer variiert dieser Wert. Aktuelle Preise aller angebotenen Super Dukes findest du hier: KTM 1290 Super Duke R kaufen

Fazit: KTM 1290 Super Duke R

Die KTM 1290 Super Duke R behält auch für 2022 ihren brachialen Charakter, wenn man das Biest bei den Hörnern packt. Doch auch im Alltag kann das Hyper Naked aus Mattighofen überzeugen und stellt sich als ausgereifter Allround-Begleiter dar. Kleinigkeiten könnten ein wenig Liebe vertragen, aber nichts, was den positiven Gesamteindruck der 1290 Super Duke R trübt.


  • brutale Leistung
  • zugängliches Fahrverhalten
  • voll einstellbares und stabiles Fahrwerk
  • hochwertige Serienbereifung
  • bequeme Sitzposition
  • akzeptabler Verbrauch
  • Vollausstattung will bezahlt werden
  • fummelige Blinkerbedienung

Bericht vom 14.03.2022 | 28.635 Aufrufe

Du hast eine Neue?

Verkaufe dein Gebrauchtmotorrad im 1000PS Marktplatz.

Inserat erstellen