Kawasaki Generationen-Duell! Ninja ZX-10R vs. Ninja GPZ 900 R

Zwei Ninjas mit 35 Jahren Unterschied! Was hat sich getan?

Es ist natürlich ein ungleicher, um nicht zu sagen unfairer Vergleich - auf der Rennstrecke wäre die Kawasaki Ninja GPZ 900 R absolut chancenlos gegen das brandneue Superbike Ninja ZX-10R. Die fast doppelt so starke ZX-10R würde die GPZ definitiv in der Pfeife rauchen. Auf der Landstraße stellt sich die alte Dame aber gar nicht so schlecht an und dieses gewisse Top Gun-Flair bringt sogar einen absoluten Legenden-Bonus für die 35 Jahre alte GPZ!

Obwohl unzählige Entwicklungsschritte sowie Technologiesprünge (und damit Welten) zwischen der brandneuen Kawasaki Ninja ZX-10R und der 35 Jahre alten Ninja GPZ 900 R liegen, sind sich die beiden sportlichen Eisen doch ähnlicher, als man glauben würde. Beide sind und waren bei ihrem Erscheinen absolute Hightech-Geräte und beide haben dieses gewisse sportliche Flair, das Kawasaki-Fans und alle, die es noch werden wollen, an ihren Maschinen so schätzen. Ach ja - und beide tragen den Beinamen Ninja!

Woher kommt der typische Kawasaki-Beiname Ninja?

Und genau zu jenem, heute nicht mehr wegzudenkenden Ninja gibt es bei der GPZ 900 R eine interessante Geschichte - sie war nämlich die erste Kawa, die diesen Beinamen tragen durfte. Allerdings war es nicht ganz einfach für die damalige Marketingabteilung, diesen Begriff den japanischen Entscheidungsträgern schmackhaft zu machen - denn das Image dieser wendigen und schnellen Krieger war in der japanischen Kultur nicht immer positiv behaftet, sondern oftmals als hinterlistig und ehrlos verpönt, weshalb es doch eine ziemliche Überzeugungskunst brauchte, um den Namen imageträchtig zu verwursten. Aus heutiger Sicht kann man aber durchaus festhalten - es war bestimmt kein Fehler!

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Der Film-Klassiker „Top Gun“ machte die Kawasaki Ninja GPZ 900 R berühmt

Einen weiteren Imageschub bekam die Ninja GPZ 900 R, die 1984 auf den Markt kam, klarerweise durch den äußerst erfolgreichen Film Top Gun aus dem Jahre 1986, bei dem der gerade mal 24 Jahre alte Tom Cruise auf einer damals brandneuen Hightech-Kawa saß. Und die war noch nicht einmal als solche zu erkennen! Denn wegen einiger Streitigkeiten zwischen der Filmproduktionsfirma und Kawasaki wurde das Motorrad zwar für die coolen Szenen verwendet, allerdings absolut inkognito, also ohne jeglichen Kawasaki-Schriftzug darauf. Nun ja, auch das sollte der Bekanntheit der Ninja GPZ 900 R nicht schaden, offenbar war sie tatsächlich zu ihrer Zeit ein absoluter Technologieträger, der die versammelte Konkurrenz in den Schatten stellte.

Warum war die Kawasaki Ninja GPZ 900 R so beliebt?

Und wie wir alle wissen, spricht es sich schnell herum, wenn ein Motorrad gut funktioniert oder sogar die Messlatte höher legt. Der Grund dafür waren eine ganze Menge an Innovationen, die an der damals neuen 900er-GPZ verbaut wurden. Erstmals kehrten die Grünen dem inzwischen, selbst damals veralteten luftgekühlten Vierzylinder-Reihenmotor mit 8 Ventilen den Rücken zu und verbauten stattdessen einen neuen, hochmodernen wassergekühlten 16 Ventil-Motor mit 908 Kubik Hubraum und erstmals außenliegender Steuerkette, der es auf ordentliche 115 PS bei 9500 Umdrehungen sowie 79 Newtonmeter Drehmoment bringt. Und das soll schon damals bei 257 Kilo fahrfertigem Gewicht für 240 km/h gereicht haben - zu der Zeit ein absolut beeindruckender Wert.

Die neue Kawasaki Ninja ZX-10R verdeutlicht, was ein modernes Superbike kann

Wieviel sich allerdings in den letzten 35 Jahren getan hat, merkt man an der neuen Kawa Ninja ZX-10R, die vor allem auf der Rennstrecke vollstrecken will und tatsächlich kann. Nicht nur die Tatsache, dass der mehrfache Superbike-Champion Jonathan Rea seit Jahren auf die homologierte Version dieses Superbikes vertraut und auch heuer wieder ganz vorne mitmischt, ist Garant für die ausgezeichnete Performance. Überrascht war ich eher davon, dass sich solch ein Kraftpaket mit stolzen 203 PS bei 13.200 Umdrehungen und 115 Newtonmeter Drehmoment bei 11.400 Touren auch auf der Landstraße erstaunlich unkompliziert bewegen lässt. Klar, das souveräne Ride-by-Wire-System in Verbindung mit den vielen unsichtbaren Helferlein macht alles sehr transparent, aber es bedarf schon einer ordentlichen Ingenieursleistung, solch eine Rakete auch alltagstauglich zu machen. Selbst das Handling ist trotz bärenstarkem 1000er-Motor fast schon spielerisch, immerhin sind 207 Kilo fahrfertig 50 Kilo weniger als die alte Ninja GPZ 900 R.

Geniale Innovationen der GPZ 900 R lösen sich in Luft auf!

Lediglich die vergleichsweise tief angebrachten Lenkerstummel der ZX-10R können den unerwarteten Komfort schmälern, was allerdings auch nur im direkten Vergleich mit der GPZ so stark auffällt, weil vor 35 Jahren eben selbst noch Supersportler eine gewisse Alltagstauglichkeit an den Tag legen mussten. Und selbst wenn das damals neue Fahrwerk mit mittig gelagerter Schwinge und erstmals praktischen Exzentern am Hinterrad in Kombination mit dem sogenannten Diamond-Frame-Brückenrahmen Maßstäbe setzte, ist natürlich kein Kraut gegen die superstabile neue ZX-10R gewachsen. Interessant ist wiederum, wie sich rückblickend scheinbar geniale Innovationen schon sehr bald in Luft auflösten. Das Anti-Dive-System AVDS (Automatic Variable Damping System) an der Telegabel, das beim Betätigen der Bremse per elektrischem Stellmotor ein Ventil in der Vorderradgabel schloss und somit das Öl am Durchfluss hinderte um ein allzu tiefes Eintauchen beim Bremsen zu verhindern, wurde schon wenig später erbarmungslos, weil viel effektiver durch progressive Federn ersetzt.

Bei den Bremsen setzt die brandneue Ninja ZX-10R eine wahre Duftmarke

Enorme Weiterentwicklungen erkenne ich schließlich immer an den Bremsanlagen - und dies eigentlich auch schon bei viel jüngeren Alten, als es die Ninja GPZ 900 R mit ihren 35 Jahren ist. Da verwundert es noch weniger, dass die Doppelscheibe mit 300 Millimeter Durchmesser zwar gar nicht mal so schlecht dimensioniert ist, aber die aufzuwendende Handkraft ist schon enorm. Da lobe ich mir diese unfassbar geschmeidige 330er-Bremboanlage mit radialen Monoblock-Vierkolbensätteln an der neuen Ninja ZX-10R, die einerseits ultragiftig auf der Rennstrecke zupacken kann, aber selbst beim gemütlichen Cruisen auf der Landstraße niemanden erschreckt.

Gebrauchte und neue Kawasaki Motorräder

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Ohne Ninja GPZ 900 R gäbe es keine Ninja ZX-10R!

Außer Frage steht jedoch, dass die alte Ninja GPZ 900 R einen maßgeblichen Einfluss auf die Richtung hatte, in die sich Sport-Motorräder entwickelt haben - also verdanken wir solche Hightech-Raketen wie eine neue Ninja ZX-10R in Wahrheit den damaligen Ingenieuren. Denn die brachten uns schließlich dorthin, wo wir heute stehen - im Schlaraffenland mit überschäumender Leistung, einfachem Handling und Elektronik-Features, die am Ende alles im Zaum halten. Beeindruckend ist allerdings wie sich auch eine (gepflegte) 35 Jahre alte Ninja GPZ 900 R völlig normal und weitestgehend unkompliziert bewegen lässt. Das lässt hoffen, dass die aktuelle ZX-10R in 35 Jahren auch noch so viel Spaß macht, wie heute!

Fazit: Kawasaki Ninja ZX-10R

Kawasaki offeriert mit der Ninja ZX-10R im Modelljahr 2021 ein ausgereiftes Gesamtpaket, das mit der neuen Front auch richtig nach 2021 aussieht. Das Motorrad bietet ein überraschend gutes Raumangebot für den Piloten und man fühlt sich wohl im Sattel. Der drehfreudige Motor lässt keine Wünsche offen - außer vielleicht noch mehr Disziplin im Teillastbereich. Um das Projekt zum Erfolg zu führen, setzt Kawasaki auf hochwertige Zutaten: Showa Fahrwerk, Öhlins Lenkungsdämpfer, Brembo Bremsen mit 330er Scheiben sowie eine hochwertige Elektronik. Die Ninja ZX-10R macht durch die gute Elektronik und den souveränen Motor sogar auf der Landstraße eine ganz gute Figur - sofern man in Sachen Sitzposition konzeptbedingt etwas leidensfähig ist.


  • hochwertige Verarbeitung
  • starke Komponenten
  • drehfreudiger und kräftiger Motor
  • toller Windschutz samt guter Aerodynamik
  • gute Sitzposition auch für große Piloten
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • kräftige Bremsen
  • gut ausbalanciertes Chassis
  • Lastwechselreaktionen im Teillastbereich
  • etwas langsamer Quickshifter
  • etwas kleines Display

Bericht vom 28.08.2021 | 11.166 Aufrufe

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