Energica Eva Ribelle RS

Unvergleichlich

Harte Testbedingungen für die Energica Eva Ribelle RS. Wir fuhren das Motorrad in der Stadt, auf der Hausstrecke aber auch am Großglockner. Am Ende dominieren immer 2 Themen die Gespräche!

Es ist immer das gleiche. Zu Beginn eines Tests sprechen bei Elektromotorräder immer alle Leute im Umfeld über die Reichweite und den Sound. Doch am Ende vom Test dominieren immer ganz andere Themen die Gesprächsrunde. Tests mit Elektromotorrädern sind also ganz besonders spannend. Denn sie sorgen für faszinierende Diskussionen und ebensolch bereichernde Fahrerlebnisse.

Die Energica schüttelt die Beschleunigung locker aus den Ärmeln

Ein besonders faszinierendes Exemplar der Gattung "Elektromotorrad" durften wir im Sommer 2021 in der 1000PS Redaktion begrüßen. Glücklicherweise sind wir auf solche Gäste mittlerweile bestens vorbereitet. Wir haben eine kräftige Wallbox samt Typ-2 Stecker in der 1000PS Redaktion installiert. Die Energica Eva Ribelle RS ist ein waschechtes Powernakedbike mit überbordender Leistung und hochwertigen Komponenten. Sie parkte in unserer Garage voller Stolz neben Super Duke R und Streetfighter V4. Genau in dieser Gattung kräftiger Bikes ist dieses Motorrad daheim. Die Maschine leistet 169PS und liefert dabei ein Drehmoment von 215 Nm ab. Dieser hohe verfügbare Drehmomentwert und die fehlenden Schaltvorgänge sorgen für eine nahtlose und radikal schnelle Beschleunigung von 2.6 Sekunden auf 100 km/h. Die eigentlich Sensation an der Sache: Während für gute Starts im Sattel eines Benziners jede Menge Talent und Erfahrung nötig ist, schüttelt die Energica diese irre Beschleunigung komplett locker aus den Ärmeln.

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Kein Elektromotorradtest ohne Reichweiten-Diskussion

Auf unserem YouTube Kanal sind in den Kommentaren immer die Reichweiten der Bikes ein Thema. Das ist klarerweise nach vollziehbar und im Segment von Reiseemotorrädern durchaus nachvollziehbar. Bei lässigen Nakedbikes stellt sich die Situation in der Praxis aber immer anders dar. Egal ob in der privaten Garage oder im Innenhof bei 1000PS - die wenigsten Sorgen über Reichweite macht man sich immer im Sattel der Energica. Denn während die Benziner meistens mit mager gefülltem Tank abgestellt werden, startet man mit der Ribelle RS die Tour immer mit vollem Tag und denkt so in der Praxis überhaupt nicht mehr über dieses Thema nach. Denn selbst bei zügiger Fahrt reicht die Akkuladung für 200 sportliche Kilometer. Im Sparmodus in der Stadt kommt man laut Energica sogar auf 420km.

Gute Komponenten sorgen für Fahrspaß

Energica geht bei der Ribelle RS einen guten und konsequenten Weg. Das faszinierende Aggregat wird von hochwertigen Bremsen und einem guten Fahrwerk komplettiert. Das nährt den Besitzerstolz und sorgt für tolle Fahrerlebnisse. Die Maschine liegt satt auf der Straße, lässt sportliche Manöver zu und bietet eine tolle Bremsleistung. Doch klarerweise bleibt bei all dem tollen Einsatz von Technik das vergleichsweise hohe Gewicht der Maschine als Bürde. Das Motorrad wiegt 260kg. Somit ist dieser Faktor der dickste Minuspunkt im Vergleich zu anderen Powernakedbikes. Vor allem bei engen Kehren die bergab gefahren werden verliert das Motorrad die typische Leichtfüßigkeit welche man an Nakedbikes sonst liebt.

Irre Beschleunigung bei der Energiva Eva Ribelle RS

Doch die Energica versteht es auch ihre Stärken punktgenau abzuliefern. Der zentrale Punkt ist hierbei natürlich der faszinierende Motor. Mittlerweile wissen auch sämtliche Motorradfahrer, dass die Drehmoment-"Kurve" eines Elektromotorrades eigentlich eine Gerade ist. Eine Gerade die am Diagramm mehr oder weniger parallel zur X-Achse läuft - beim Maximalwert. Als weitere Zutat kommt die fehlende Kupplung und fehlende Schaltung dazu. Komplettiert wird das Beschleunigungspaket von einer mittlerweile richtig guten Dosierbarkeit. Hier ist vermutlich der größte Pluspunkt der Maschine zu suchen. Die Ribelle RS bietet nicht nur ein faszinierendes Drehmoment sondern dieses wird auch sehr intuitiv und präzise ans Hinterrad serviert. Das sorgt dafür, dass sämtliche Überholvorgänge und Beschleunigungsmanöver zu einem überaus emotionalen Speedinferno ausarten. Selbst als hartgesottener Motorradjournalist brüllst Du da immer wieder vor Freude in den Helm!

Diese zugängliche und lockere Beschleunigung macht aus jeder Ausfahrt einen wirklich herzerwärmenden Motorradgenuss. Der Vorsprung den Energica hier bereits hat ist gewaltig. Der Motor samt Regelung, Ansprechverhalten und Leistungsniveau ist im Moment konkurrenzlos und Energica sammelt weiter fleißig Erfahrungen. Selbst große Hersteller werden sich in Zukunft ordentlich strecken müssen um das Niveau dieser Vorlage zu erreichen. Wir hoffen natürlich sehr, dass die großen Motorradmarken in Zukunft ebensolch faszinierende Elektro-Raketen anbieten werden. Denn dann wird hoffentlich der kritischste Punkt an der ganzen Sache etwas besser. Denn während man den fehlenden Sound sowie das Thema Reichweite nach ein paar Tagen abhakt und einfach nur noch die Beschleunigung genießt, bleibt der schmerzhaft hohe Preis des Motorrades. Hier müssen die Stückzahlen nach oben! Im Moment kostet das Fahrzeug in der D/A/CH Region rund 30.000 Euro. Förderungen und steuerliche Begünstigungen lindern den Schmerz in einzelnen Märkten ein wenig, doch am Ende ist das Preis-Leistungsverhältnis immer noch schlechter als bei einem vergleichbaren Benziner. Somit bleiben am Ende der faszinierenden Probefahrt zwei dominante Themen für den Stammtisch übrig: Die irren Beschleunigungsmanöver und die unangenehmen Anschaffungskosten.

Fazit: Energica EVA Ribelle RS

Die brutale Kraftentfaltung bei den Überholvorgängen ist immer wieder atemberaubend. Auch am Kurvenausgang genießt man die irre Beschleunigung. Bremsen und Fahrwerk fühlen sich grundsätzlich auch gut an, doch da ist leider noch die Sache mit dem Gewicht. Auch die guten Komponenten können die Pfunde des Akkus nicht wegzaubern. So verliert die Maschine doch deutlich von ihrer Dynamik und erfordert in den Kehren auch einiges an Anstrengung um die Linie zu halten.


  • Dramatische Beschleunigung
  • Stabiles Fahrwerk
  • wenig Verschleißteile
  • praxistauglicher Rückwärtsgang
  • kaum Hitzeentwicklung vom Motor
  • Schnelladesäulen in den Alpen sind noch Mangelware
  • Hohes Gewicht sorgt für Untersteuern

Bericht vom 09.08.2021 | 9.976 Aufrufe

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