Fahrbericht Yamaha Tracer 9 und Tracer 9 GT

Standard- und GT-Version im ersten Test!

Zwei Nullen weniger im Namen - nicht die einzige Veränderung der Tracer 9 im Vergleich zur Tracer 900. Zum Euro 5-Update hat Yamaha mächtig am Sporttourer gefeilt und ihn mit einem umfangreichen Elektronikpaket ausgestattet. Die GT Version bietet noch einige zusätzliche Schmankerl für extra viel Fahrkomfort ohne Kompromisse beim sportlichen Fahren einzufordern.

Yamaha hatte es bestimmt nicht leicht die Presseveranstaltung in der Toskana umzusetzen. Aber es hat sich gelohnt. Man könnte sich kein besseres Terrain als die verlassenen Straßen um Siena vorstellen, um die neuen Modelle Tracer 9 und Tracer 9 GT auf Herz und Nieren zu untersuchen. Also verlieren wir keine Zeit, schwingen uns zuerst aufs Standardmodell und los gehts.

Motor und Chassis

Herzstück des Fahrerlebnisses ist nach wie vor zweifellos der Dreizylinder. Druckvoll schiebt er bereits bei niedriger Drehzahl an, gefällt dabei mit angenehmer Laufruhe. Steigt die Drehzahl, legt der Triple dann richtig los und stürmt vehement voran. Die Tracer 9 wird wie die MT-09 vom komplett überarbeiteten 889-Kubik Dreizylinder-Motor (CP3) befeuert. Kurz die Eckdaten: 1,7 kg leichter und 4 PS stärker, maximal sind es 119 Pferde bei 10.000/min. Das Spitzendrehmoment von 93 Nm liegt bei 7000/min an. Auf der Straße ergeben diese Zahlen einen vielseitigen Antrieb, der sowohl sportliches Angasen als auch entspanntes Cruisen zum Genuss macht.

Auch das Chassis hat sich radikal verändert. Der steifere Rahmen, ein überarbeiteter Aluminium Deltabox-Rahmen, ist leichter, kompakter und steifer. Um das Gefühl für die Front zu verbessern wurde der CP3 in einem 52,3-Grad-Winkel (vorher 47,5 Grad) verbaut. Die Schwinge wurde ebenfalls durch eine neu gestaltete steifere und zugleich leichtere Aluminiumschwinge ersetzt, die zugunsten der Stabilität 64 mm länger geworden ist. Der Radstand von 1.500 mm bleibt im Vergleich zur Tracer 900 allerdings unverändert. Auch an den Rädern wurde Gewicht gespart. Die 10-Speichen-Räder sind 700 Gramm leichter als zuvor und kleiden sich in Bridgestone Battlax T32 Sporttouring-Reifen (120/70ZR17 und 180/55ZR17).

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Auspuff und Sound der Tracer 9 und Tracer 9 GT

Ein dumpfer, satter Sound sorgt bei der Ausfahrt für die musikalische Untermalung und besonders das Ansauggeräusch ist eine wahre Ohrenweide. Und gewissermaßen ist der neue Under-Engine-Auspuff auch eine Augenweide. Auf den ersten Blick könnte man meinen, da ist gar kein Auspuff mehr dran. Das neue System ist gut versteckt und verhindert so, dass es dem als Zubehör erhältlichen bzw. bei der GT als Standardausstattung verbauten Koffersystem im Weg steht. Das komplette System ist nun 1,4 Kilogramm leichter, aber leider liegt das Standgeräusch nun bei 96 dB(A) - Tirol muss leider gemieden werden.

Elektronik und Ausstattung

Tracer 9 und Tracer 9 GT haben eine 6-achsige IMU, die ursprünglich für den sportlichen Einsatz der R1 entwickelt wurde. Sie befähigt die 3-Modi-Traktionskontrolle (TCS), das Slide Control System (SCS) und das ABS zu schräglagensensitivem Regeln und füttert auch das Vorderrad-Lift-System (LIF). Auch ein Tempomat ist bei beiden Modellen Standard und einfach zu bedienen.

Im D-Modus-Menü kann zwischen vier verschiedenen Fahrmodi gewählt werden: von 1, also aggressiv bis 4, was sanft und leistungsreduziert bedeutet. Bei Yamaha gilt im Allgemeinen, je niedriger die Zahl, desto sportlicher/aggressiver.

Im Vergleich zur Tracer 900 hat sich auch das Display geändert. Beziehungsweise sind es jetzt zwei. Vauli beschrieb die Optik liebevoll als Taucherbrillen-Look, ich finde es hat etwas von Thaddäus Haus (Spongebobs Nachbar, gerne mal googeln). Design ist das eine - Bedienbarkeit das andere. Die 3,5-Zoll-Farb-TFT-Bildschirme sind zwar übersichtlich und die Anzeigen darin lassen sich individuell einstellen, die Steuerung über ein Rad neben dem Gasgriff ist allerdings während der Fahrt recht umständlich.

Auf schlecht-beschaffenen Straßen, wir hatten einige davon auf der Ausfahrt in der Nähe von Siena, gibt die Tracer 9 Bodenwellen und Asphaltrisse relativ direkt zum Fahrer durch. Bedeutet aber auch direktes Feedback. Die Tracer 9 hat eine voll-einstellbare Kayaba USD 41-mm-Gabel, die 30mm kürzer ist als bisher und ein in der Vorspannung einstellbares Mono-Federbein mit neuer Aufnahme. Gabel und Federbein führen das Motorrad sicher und die Tracer fühlt sich auch bei hohen Geschwindigkeiten stets stabil an.

Tracer 9 GT - Mehr Komfort ohne Kompromisse einzugehen

Umstieg aufs GT-Modell. Da bleiben wir gleich beim Kapitel Fahrwerk. Die Edel-Tracer verfügt nämlich über ein semi-aktives Dämpfungssystem (KADS genannt). Wählbar sind zwei Modi. 1 ist auch hier die sportliche Abstimmung und 2 die komfortablere. Auf den zum Teil sehr rissigen und unebenen toskanischen Straßen konnte das elektronische Fahrwerk seine Vorzüge unter Beweis stellen. Es gleicht Unebenheiten aus und gleicht Unebenheiten auch in Schräglage souveräner aus. Etwas ungewohnt am Anfang ist das schon, wenn man gewohnt ist direktes Feedback über den Straßenzustand zu erhalten. Aber die Anpassung des Fahrwerks schenkt durch die Reduzierung der Unruhe nicht nur Komfort sondern auch Sicherheit. Die Vorspannung des Federbeins kann nicht elektronisch verstellt werden, aber einfach über ein Handrad hinten auf den Beladungszustand des Fahrzeugs eingestellt werden. Auch bei der Gabel bleibt die Vorspannungsanpassung Handarbeit.

Ein weiterer Unterschied ist der bei der GT serienmäßige Quickshifter mit Blipper. Er funktioniert astrein und lässt die Gänge nur so reinflutschen. Die Standard-Tracer 9 lässt sich mit diesem Spaß-Element aber selbstverständlich nachrüsten. Weitere GT-Extras: Das adaptive Kurvenlicht, das sich auf eine zunehmende Schräglage anpasst, die zehnstufig (!) einstellbaren Heizgriffe und das Koffersystem mit zwei Seitenkoffern.

In Letztere gehen 30 Liter Gepäck und die Koffer sind so geschnitten, dass je Seite zum Beispiel ein Helm Platz findet. Allerdings erhöht das komplette Koffersystem das Gesamtgewicht des vollgetankten Fahrzeuges mit Side-Cases auf 230 Kilogramm, also 17 kg mehr als die Tracer 9 mit 213 kg.

Ergonomie und Komfort der Yamaha Tracer 9 und Tracer 9 GT

Im Sattel der Yamaha Tracer 9 und 9 GT stellt sich sofort ein gutes Gefühl der Kontrolle ein. Der gut gepolsterte Sattel ist 15 mm niedriger als bei der Vorgängerin (nun 810 mm) und lässt sich ohne Werkzeug auf eine höhere Position von 825 mm einstellen. Der Lenker ist breit und nahe am Rumpf (er kann um 9 mm nach vorne und um 4 mm nach oben verstellt werden) und die Fußrasten lassen sich ebenfalls anpassen, um 15 mm nach oben oder unten. So kann ich mir das Motorrad genau auf mich einstellen und bin optimal für die lange Tour gewappnet.

Nicht nur die Heizgriffe der GT sondern auch das Windschild lässt sich in 10 Stufen verstellen. Dieses allerdings manuell und erfordert auch etwas Handkraft. Beim Versuch auf der Autobahn die Klemme zusammenzuzwicken um die Scheibe weiter nach oben zu stellen, entscheide ich mich das lieber später im Stand nochmal zu versuchen. Dort stellt es keine Probleme dar. Bei der Fahrt hatte es mich doch etwas abgelenkt.

Design, Farben und Preis der Tracer 9 und Tracer 9 GT

Erhältlich ist die Standard-Tracer 9 in zwei Farbvarianten: in dem Redline-Rot, kräftig und leuchtend und Tech Kamo, ein mattes Dunkelgrün. Die GT ist zusätzlich noch in der schwarz-blau-silbernen Icon Performance-Lackierung erhältlich, das auch die R1M ziert.

Das Standard-Modell kostet zum aktuellen Zeitpunkt (Stand März 2021) in Deutschland 11.599 Euro und in Österreich 12.499 Euro. Die GT-Variante liegt bei 13.999 Euro (DE) und 14.999 Euro (Ö).

Fazit: Yamaha Tracer 9

Absolute Kaufempfehlung für Fahrer/innen, die gerne sportlich fahren aber auch auf die Vorzüge eines Tourenfahrzeugs nicht verzichten wollen. Ob GT oder Standard-Version ist eine Geschmacksfrage: wer gerne Gas gibt, hauptsächlich auf guten Straßen unterwegs ist und dem ein straffes Fahrwerk taugt, der wird mit der Standard-Tracer 9 sehr gut bedient sein. Wer gerne noch etwas Komfort obendrauf hätte und auch hin und wieder längere Touren fährt, der wird den Komfort und die Zusatzausstattung der GT wertschätzen.


  • Druckvoller und starker Motor Leichtes Handling
  • stabiles Fahrgefühl
  • Umfassendes Elektronikpaket
  • Umständliche Bedienung des Displays
  • Standgeräusch >95 dB (96 dB)

Fazit: Yamaha Tracer 9 GT

Absolute Kaufempfehlung für Fahrer/innen, die gerne sportlich fahren aber auch auf die Vorzüge eines Tourenfahrzeugs nicht verzichten wollen. Ob GT oder Standard-Version ist eine Geschmacksfrage: wer gerne Gas gibt, hauptsächlich auf guten Straßen unterwegs ist und dem ein straffes Fahrwerk taugt, der wird mit der Standard-Tracer 9 sehr gut bedient sein. Wer gerne noch etwas Komfort obendrauf hätte und auch hin und wieder längere Touren fährt, der wird den Komfort und die Zusatzausstattung der GT wertschätzen.


  • Druckvoller und starker Motor Leichtes Handling
  • stabiles Fahrgefühl
  • Umfassendes Elektronikpaket
  • Umständliche Bedienung des Displays
  • Standgeräusch >95 dB (96 dB)

Bericht vom 29.03.2021 | 11.470 Aufrufe

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