Brixton Cromwell 125 vs. SWM Gran Milano Outlaw 125 Test 2020

Scrambler oder Klassiker, welches 125er-Eisen taugt mehr?

Wer immer noch die 125er-Klasse belächelt, sollte diese beiden Vertreterinnen mal fahren: Solide Technik, coole Optik und gar nicht so schlechte Fahrleistungen, wie manche gerne unken. Aber: Welches 125er-Eisen taugt mehr, Scrambler oder Klassiker?

Heutzutage hat der potentielle Motorradkäufer nicht nur die Wahl, sondern schon eher die Qual der Wahl. Es gibt tatsächlich keine Kategorie, kein Segment mehr, in dem sich nicht unzählige Vertreterinnen tummeln. Einerseits ist es natürlich sehr schön und nett, wenn man eine gewisse Auswahl hat, andererseits können unentschlossene Käufer ewig gustieren bis wieder zusätzliche Traumbikes in der gewählten Kategorie auftauchen und alles nur noch schlimmschöner machen. Dementsprechend groß ist also auch das Angebot bei den 125ern, neben den üblichen Rollern gibt es tatsächlich alle Kategorien zur Auswahl also auch die Nischen Scrambler und Classic Bikes. Und genau aus diesen beiden Klassen haben wir uns je ein Modell geschnappt, um sie gegeneinander antreten zu lassen, die klassisch gestaltete Brixton Cromwell 125 gegen die scramblige SWM Gran Milano Outlaw 125.

Die SWM Gran Milano Outlaw 125 hat ein gewaltiges Leistungsplus

Bleiben wir vorerst bei den Gemeinsamkeiten, die Motoren lassen ja sowohl bei Aufbau als auch Leistung nicht allzu viel Spielraum zu. Beide Maschinchen werden von 125 Kubik großen Einzylindern angetrieben, die SWM leistet die gesetzlich maximal erlaubten 15 PS (um sie mit dem A1-, B111 oder in Deutschland B196-Schein fahren zu dürfen), die Brixton hat nur 11,3 PS, was am Papier einen gewaltigen Leistungsunterscheid von mehr als 30 Prozent zugunsten der SWM darstellt! Bei ausgewachsenen Motorrädern wäre das auch wirklich Grund genug, die stärkere der beiden Maschinen mindestens eine Klasse höher einzustufen. Bei den beiden quirligen 125ern kann die SWM ihren Leistungsvorteil allerdings nicht wirklich in eine viel bessere Performance ummünzen. Man zieht zwar in jedem der sechs Gänge ein klein wenig der Brixton davon und erreicht einen höheren Topspeed (115 km/h standen mal am Tacho), aber auch bei der Brixton sind die fünf Gänge gut abgestuft, sodass man dank ordentlichem Auswinden unerwartet flott voran kommt.

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Mit der Brixton Cromwell 125 hat man auch enorm viel Spaß

Dieser kleine aber feine Abstand zwischen den beiden Bikes zieht sich durch nahezu alle Kategorien: Das Fahrwerk der SWM gibt einen Deut mehr Rückmeldung als bei der Brixton und erlaubt somit eine etwas sportlichere Fahrweise, wobei auch die klassische Cromwell 125 einen guten Kompromiss zwischen Stabilität und Komfort eingeht. Aber die stabilere Optik der fetteren 41er-Upside-Down-Gabel der Gran Milano Outlaw 125 im Vergleich zur konventionellen Telegabel der Brixton täuscht nicht und die Tatsache, dass die beiden Stereofederbeine an der SWM in Federvorspannung einstellbar sind, unterstreicht den etwas höheren Anspruch nochmals.

Kombiniertes Bremssystem und ABS – Sicherheit geht bei beiden vor!

Die Bremse funktioniert bei beiden Modellen tadellos, auf der SWM erneut etwas druckvoller und damit sportlicher als bei der Brixton. Erfahrene Piloten müssen sich zwar erst einmal an das kombinierte Bremssystem auf der SWM gewöhnen, wer die Hinterradbremse betätigt, bremst automatisch auch vorne, Fahranfänger werden dieses sicherheitsrelevante Feature aber bestimmt nicht bekritteln. Die Brixton gibt es wahlweise ebenfalls mit kombinierter Bremse oder so wie auf unserer Test-Cromwell mit ABS. Auch hier kommt mir die Stotterbremse als (nur) spaßorientiertem Tester in die Quere (Schleiferln mit dem Hinterrad funktionieren nun mal nicht) aber auch hier denkt Brixton klarerweise an Fahranfänger so wie SWM sehr vorbildlich.

Sitzposition auf den 125ern? Eigentlich immer sehr komfortabel…

Ein riesiges Plus bei den 125ern ist in der Regel, dass jede, im wahren Leben noch so radikale Kategorie relativ bequem ist auf Supersportlern etwa sitzt man immer noch viel bequemer als auf den großen Vorbildern. Bei Klassikern und Scramblern gibt es ja schon bei den großen Geschwistern keine Komfortprobleme und so machen sowohl die italienische SWM als auch die österreichische Brixton beim Sitzkomfort alles richtig. Die SWM mit ihrem breiten Lenker erneut etwas fahraktiver, die Brixton allerdings auch nicht unsportlich.

Arger Preisunterschied zwischen Brixton Cromwell 125 und SWM Gran Milano Outlaw 125

Über die Armaturen möchte ich nicht allzu viele Worte verlieren, Lob gibt es da nämlich keines von mir für beide nicht. Kann ich das LCD der Italienerin noch einigermaßen gut ablesen (abgesehen vom Drehzahlmesser), erkenne ich auf der Österreicherin nicht einmal mehr die Mini-Geschwindigkeitsanzeige. Naja, 16-jährige haben ja noch bessere Augen als ich 25-jähriger… Besonders seltsam finde ich den Blinkerhebel an der Brixton, der zwar vorbildlich am linken Lenkerende montiert ist, allerdings so filigran scheint, dass man ihn nur ganz vorsichtig berühren möchte. Außerdem muss man ihn jedes Mal wieder selbst in die Mittelposition schieben für Grobmotoriker bestimmt keine einfache Aufgabe. Also auch hier wieder die SWM um das Quäntchen besser, wobei sie der Brixton in keiner Disziplin entscheidend davonziehen kann. Womit man die Entscheidung für die Eine oder Andere tatsächlich vom Preiszettel abhängig machen kann: Die SWM steht derzeit (Stand Oktober 2020) mit ziemlich exakt 4000 Euro in der Liste, gegenüber der Brixton um etwas weniger als 2500 Euro schon ein stolzer Aufpreis. Wer also die Bessere der beiden braucht, auf die eigenwillige Scrambler-Optik steht und die Kohle dafür hat keine Frage, die SWM Gran Milano Outlaw 125 ist Dein Traumbike! Wirklich schlecht macht aber auch die Brixton nichts, vor allem beim Spaßfaktor sind die beiden 125er ziemlich ebenbürtig. Wer also auf die Klassikschiene abfährt, mit ein paar kleinen Schrulligkeiten leben kann und auch noch 1500 Euro sparen will, kann mit ruhigem Gewissen zur Brixton Cromwell 125 greifen.

Fazit: Brixton Cromwell 125

Die österreichische Marke Brixton mausert sich zum Vollanbieter, das Kerngeschäft bleiben vorerst aber die 125er – und da ist die Cromwell 125 ein richtig gelungenes Classic Bike! Solide verarbeitet macht der kleine 125er-Einzylinder ordentlich Laune, für Sicherheitsbewusste gibt es entweder ein kombiniertes Bremssystem oder gleich gegen einen geringen Aufpreis ABS. Die Sitzposition ist richtig komfortabel und die Fahrwerksabstimmung geht auch für längere Etappen in Ordnung. Die Optik ist äußerst stimmig und der Preis ist ein Hammer!


  • agiler Motor
  • gute Bremse, kombiniertes System oder mit ABS (kleiner Aufpreis)
  • sehr komfortabel
  • gelungene Optik
  • Armaturen kaum ablesbar
  • Blinkerhebel filigran und muss selbst rückgestellt werden

Fazit: SWM Gran Milano Outlaw 125

Die SMW wirkt in allen Belangen sehr erwachsen, obwohl sie nur ein 125er-Einzylinder antreibt. Doch auch der nutzt die gesetzlich maximal erlaubten 15 PS (um die SWM mit dem A1-, B111 oder in Deutschland B196-Schein fahren zu dürfen) voll aus und macht das Beste aus der Kubatur. Die fette 41er-USD-Gabel und in Federvorspannung verstellbare hintere Stereo-Federbeine ergänzen den hochwertigen Eindruck. Das kombinierte Bremssystem ist für erfahrene Biker gewöhnungsbedürftig, für Anfänger aber sicher hilfreich. Und auch die Scrambler-Optik mit vielen modernen Features hat ihren ganz speziellen Reiz. Das alles hat zwar seinen Preis, wer sich aber eine grundsolide 125er gönnen möchte, macht mit der SWM nichts falsch.


  • kräftiger Motor
  • ausgewogenes Fahrwerk
  • fette USD-Gabel
  • bequeme Sitzposition
  • gute Bremsen samt CBS
  • hochwertige Verarbeitung
  • coole Optik
  • hoher Preis
  • Drehzahlmesser schwierig abzulesen

Bericht vom 08.10.2020 | 6.324 Aufrufe

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