Honda Gold Wing Tour DCT 2019 Test

Honda Gold Wing Tour DCT 2019 Test

Sorgt der Tourer bei jungen Leuten für Begeisterung?

Die Honda Gold Wing steht für entspanntes Reisen, egal wie lange die Fahrt auch sein mag. Meist findet man sie in Händen von Motorradfahrern mit etwas längerer Lebenserfahrung und nicht in denen eines jungen Bikers. Genau deshalb hat sich Horvath die neue Gold Wing Tour DCT geschnappt, um herauszufinden, ob sie auch bei jungem Publikum für Begeisterung sorgt!

So viel sei zu Anfang gesagt: grundsätzlich begeistert mich jedes Motorrad. Egal welche Macken es hat, irgendetwas spricht doch immer für ein Modell, was in mir eine Freude auslöst. Doch zahlreiche Internetkommentare zur Honda Gold Wing haben eine Skepsis in mir aufkommen lassen. Angeblich sei sie mehr Auto als Motorrad und die Ausstattung sei auf einem Zweirad doch gar nicht nötig. Da das Internet aber voll mit Leuten ist, die einfach nur trollen, oder ihren Frust loswerden möchten, musste ich mich selbst überzeugen und nahm auf dem Technik-Schiff, das auf den Namen GL 1800 Gold Wing Tour DCT hört, Platz.

Honda Goldwing Tour DCT - kompakter als ihre Vorgängerinnen

Doch das Wort 'Schiff' ist inzwischen nicht mehr angebracht, wenn man über die neue Goldwing spricht. Klar, im Vergleich zu Nakeds oder Supersportler ist sie immer noch ein mächtiges Motorrad, doch betrachtet man ihre Vorgängerinnen wurde sie doch eindeutig kompakter. Deshalb wiegt sie in der Tour Version, was der Vollausstattung entspricht, "nur" 383 Kilogramm, was deutlich unter den früheren 400 + Kilogramm liegt. Doch wie lautete der Diätplan der GL 1800? Ganz einfach: sie wurde vollkommen neu entwickelt. Neues Chassis, neues Fahrwerk, überarbeiteter Motor, sowie kompaktere Ausmaße sorgen für deutliche Gewichtseinsparungen.

Im Fahrbetrieb profitiert man von den geschrumpften Ausmaßen. Sobald die Gold Wing einmal ins Rollen kommt, vergisst man schnell den Koloss, den man unter sich bewegt und sie fühlt sich viel mehr wie ein Cruiser mit gutem Windschutz an. Schließlich baut der Sechszylinder Boxermotor sehr flach, was dem niedrigen Schwerpunkt zugute kommt. Erst der Anblick im Stillstand erinnert, dass es sich um ein sehr ausgewachsenes Tourenmotorrad handelt. Apropos Touren: was ist einer der wichtigsten Verkaufspunkte der Honda Gold Wing? Ihr Stauraum. Dieser ist im neuen Modell mit einer Aufteilung von je 30 Liter in den Seitenkoffern und 50 Liter im Topcase von ehemaligen 150 Liter auf 110 Liter geschrumpft. Eine leichte Enttäuschung, da ich mit dem Gold Wing Namen doch immer immensen Stauraum verbunden habe. Klar, für ein Motorrad reden wir hier immer noch von viel Platz, aber es handelt sich um keinen Schritt nach vorne.

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Sechszylinder Boxer mit DCT - traumhafte Mischung in der Gold Wing Tour

Dicke Bikes brauchen dicke Motoren und gute Getriebe - die Honda Gold Wing Tour DCT liefert definitiv beides! Der 1833 ccm große Sechszylinder Boxermotor ist mit seinem sanften Lauf und der brachialen Power ein wahres Gedicht, obwohl die 126 PS bei 5.500 U/min am Blatt nicht sehr vielversprechend klingen. Das Geheimnis des Aggregats liegt im geballten Drehmoment von 170 Nm bei 4.500 U/min. Somit lässt sie sich sehr angenehm bei niedriger Drehzahl bewegen und bietet auch beim Überholen immer genug Dampf von unten heraus. Denn auch wenn der Sechszylinder bei hoher Drehzahl eine herrliche Geräuschkulisse von sich gibt und ganz spielerisch mit den fahrbereiten 383 Kilogramm umgeht - es passt meiner Meinung nach nicht zum sänftenartigen Gefühl auf der Goldwing.

Sänfte ist das Stichwort, denn auch das DCT-Getriebe in der Honda hat überzeugt. Während der Fahrt muss man sich nicht um nervige Schaltvorgänge kümmern, sondern lässt einfach die Technik für sich arbeiten. Auf anderen Motorrädern bräuchte ich es vielleicht nicht, doch auf dem Wellness-Bike namens Gold Wing ein echter Genuss. Im Automatik-Modus schaltet das DCT-Getriebe je nach Fahrmodus früher oder später hoch und schafft es meistens auch im Bremspunkt vor der Kurve die richtige Fahrstufe zu finden. Sollte man mit der Wahl nicht zufrieden sein, kann man selbst im Automatik-Modus mit den Schaltwippen nachkorrigieren. Besonders angenehm: der siebte Gang wurde als Overdrive ausgelegt. Somit sind auch längere Autobahnetappen ohne hohe Drehzahlorgien möglich.

Honda Gold Wing Tour DCT - neuer Doppel-Querlenker sorgt für königlichen Komfort

Während die Einarmschwinge mit Prolink-Aufhängung im Heck nichts außergewöhnliches ist, hat Honda in der Front einen neuen Weg eingeschlagen, um den Komfort des Piloten nochmals zu erhöhen. So wurde statt einer herkömmlichen Gabel ein Doppelquerlenker verbaut, der mit einem zusätzlichen Federbein jegliche Unebenheiten in der Straße verschwinden lässt. Aus dem Fahrersitz sieht man sogar die Aufhängung arbeiten, was beinahe hypnotisch wirkt! Zwar beobachtet man, dass das Fahrwerk hart arbeiten muss, im Lenker bekommt man davon aber beinahe nichts zu spüren.

Abgesehen vom Federkomfort bietet der neue Doppelquerlenker einen weiteren Vorteil: das Vorderrad federt senkrecht, anstatt schräg nach oben - was eine kompakte Bauweise zulässt. Somit befindet sich der breite Boxer-Motor nahe an der Front, was eine schmale Sitzbank ermöglicht. Deshalb habe auch ich mit meinen unglaublich hohen 175 Zentimeter (Sarkasmus) kein Problem, die Gold Wing aus ihrer 745 mm hohen Sitzbank zu dirigieren. Rangieren fällt dank dem Retourgang sowieso kinderleicht.

4 Fahrmodi stehen zur Verfügung - 3 braucht es in der Realität

Mit dem Ride-by-Wire System an Bord haben die Ingenieure nicht an elektronischen Helferlein, sowie den Fahrmodi gespart. Insgesamt stehen vier Einstellungen zur Verfügung, die während der Fahrt per einfachem Knopfdrück geändert werden können: Tour-Sport-Rain-Econ. Rain und Econ ähneln sich sehr in der Abstimmung, denn während die Einstellung des elektronischen Fahrwerks äußerst komfortabel ist, werden die Schaltzeitpunkte früh gewählt, die Leistung wird gedrosselt und die Traktionskontrolle setzt lieber etwas früher ein, als zu spät. Der Tour Modus ist sozusagen die Standardeinstellung und ist bei jedem Start der Honda Gold Wing Tour DCT automatisch aktiv. Hier wird noch nicht die volle Leistung ausgereizt, die Schaltzeitpunkte sind nicht zu früh aber auch nicht zu spät und das Fahrwerk lässt eine dynamische Fahrweise zu.

Dem Sport-Modus stehe ich aber etwas skeptisch gegenüber. Zwar habe ich ihn für einige Sprints von 0-100 km/h verwendet, um die volle Leistung von 126 PS zu entfesseln und sein Vorhandensein macht die GL 1800 komplett - während der normalen Fahrt kam er aber nie zum Einsatz. Aus zwei Gründen:

  • Einerseits stellt sich das DCT-Getriebe darauf ein, mir immer die volle Performance zu liefern. Perfekt, wenn ich durch Kurven schlängle und dann mit weit aufgerissenem Hahn aus dem Radius beschleunigen möchte. Doch sobald das Winkelwerk endet und ich auf weitläufigen Landstraßen einfach nur dahingleiten will, wird es nervig, da das Getriebe nicht und wieder nicht automatisch den nächsten Gang wählt. Wie ein aufgedrehter Welpe will es immer mehr, doch du bist schon längst bereit die Beine hochzulegen und dich wieder zu entspannen.
  • Andererseits beschreibt Punkt 1 bereits alles, was ich auf dieser Honda nicht machen möchte: schnell fahren. Selbstverständlich genieße ich die Kurvenjagd auf Bikes wie der CB650R (um im Honda-Haus zu bleiben), doch die Gold Wing schaltet in meinem schlichten und ungezügelten Hirn einen bestimmten Schalter um. Ich will gleiten, anstatt zu pressen. Ich will genießen, anstatt zu jagen. Ich will jede Kurve in mir aufnehmen, anstatt bereits an den nächsten Bremspunkt zu denken. Kurz gesagt: ich suche die pure Entspannung.

Honda Gold Wing Tour DCT Austattung - mehr geht nicht - echt nicht

Airbag-Westen kennen wir ja bereits von vielen verschiedenen Herstellern. Doch einen Airbag am Motorrad? Diese Innovation kann nur von Honda kommen und das bereits mit dem Vorgängermodell! Nicht, dass ich ihn jemals testen wollen würde, doch er ist ein Aushängeschild dafür, wie viel Technik bereits in heutigen Motorrädern stecken kann. So findet man wie gewohnt eine Vielzahl an Knöpfen vor sich, die im ersten Moment überwältigend wirken können. Nach einigen ruhigen Minuten und ein paar Trial & Error Momenten findet man sich aber bald im Meer an Funktionen zurecht. Denn alles was man sich auf einem Motorrad wünscht - oder nicht gewusst hat, dass man sich es wünscht - findet man in der Elektronik der Goldwing. Tempomat, Navigationssystem, Smartphone-Connectivity, Sitz- und Griffheizung, sowie ein Radio sind unter anderem bei der Tour-Version an Bord.

Einzig das Fehlen von Android-Auto hat mich als Android Benutzer ein wenig gekränkt. iPhone Besitzer können schließlich auch ihr Handy mithilfe von Apple Car Play perfekt am Bildschirm anzeigen lassen. Meckern auf einem Niveau, das ich nie auf einem Motorrad erwartet hätte - doch wäre es mein Geld, das ich für diese Honda hinlegen würde, wäre das bestimmt ein Kritikpunkt. Für deutlich mehr Frust sorgte die Menü Navigation im gut ablesbaren Bildschirm. Während man sich im Hauptmenü noch mit dem Steuerkreuz frei nach oben, unten, links und rechts bewegen kann, kann man in den Untermenüs nur mit den oben und unten Tasten navigieren - obwohl sich der gewünschte Menüpunkt rechts vom Cursor befindet. Im Video gehe ich konkret darauf ein.

Honda GL1800 Gold Wing Preise

Fazit: Honda GL 1800 Goldwing Tour DCT

Zu Anfang dieses Tests habe ich mich gefragt, ob die entspannte Honda Gold Wing Tour DCT auch bei einem jungen Biker wie mir Begeisterung auslösen kann. Die Antwort: ein klares Ja! Sie ist ein absoluter Technologieträger der Motorradwelt, denn außer Kurven-ABS findet man auf ihr alles, was auf einem Zweirad erdenklich ist. Außerdem löst sie während der Fahrt ein tiefes Gefühl der Entspannung aus, wenn man dank der ausgeklügelten Federung kaum Straßenunebenheiten spürt und der mächtige Sechszylinder selbst im sechsten Gang noch mit viel Drehmoment anschiebt. Sie begeistert mit ihrer Kombination aus intelligenter Technik in Kombination mit perfekter Verarbeitung und absoluter Wohlfühlatmosphäre - auf langer Tour und im Alltag.

1
Vorteile
  • seidig weicher Sechszylinder Boxermotor
  • herrlicher Sound
  • hohes Drehmoment
  • gut arbeitendes DCT Getriebe
  • hoher Fahrkomfort
  • 4 Fahrmodi
  • Tempomat
  • Sitz- und Griffheizung
  • Radio
  • Navigationssystem
  • elektrisch verstellbares Windschild
  • Apple Car Play
1
Nachteile
  • weniger Stauraum als Vorgängerin
  • Menüführung zum Teil nicht intuitiv
  • Apple Car Play ist vorhanden, Android Auto nicht

Bericht vom 30.07.2019 | 6.873 Aufrufe

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