Zweitakt Supermoto

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KTM 300 EXC SMC-R 1000PS Umbau

Wie fährt die KTM 300 SMC-R von 1000PS in der Praxis? NastyNils fährt die Maschine intensiv auf der bekannten Hausstrecke. Sehr intensiv!

Schon beim Rangieren in der Garage erfreut man sich an der Leichtigkeit der 300er KTM. Selbst im direkten Vergleich zu einer auch nicht gerade fetten KTM 350 EXC-F Viertakt Enduro wirkt so nochmal kompakter und leichter. Die Maschine gleitet spielerisch über den Garagenboden und kann auch einfach verschoben und angehoben werden. Den Motor erweckt man zum Glück mit einem E-Start zum Leben. Zu Beginn läuft der 2-Takter mit Einspritzung dann etwas zaghaft und störrisch. Die ersten paar Gasstöße müssen noch mit Gefühl und Verständnis angelegt werden. Doch auch wenn die Maschine im lauwarmen Zustand abgewürgt wird, springt sie danach wieder problemlos an. Hier erfreut man sich an den Vorzügen der modernen Einspritzelektronik.

Zweitakt Supermoto: Man geht mit Respekt ans Werk

Beim Losfahren wirkt die Maschine sehr agil, etwas nervös und auch wenn noch nicht wirklich viel Leistung anliegt geht man sofort ehrfürchtiger ans Werk als sonst. Das liegt bestimmt an der klaren und direkten Verbindung vom Gasgriff zum Motor. Man fühlt sofort, dass man hier auf sich alleine gestellt ist und die dynamischen Vorgänge im Motor eben keine klinisch perfekten Prozesse sind.

Die ContiAttack SM EVO Reifen, passen perfekt ins Bild der extravaganten Diva. Auf den ersten Metern vermitteln sie noch wenig Vertrauen und brauchen etwas Betriebstemperatur. So sind die ersten Meter insgesamt dann immer eine etwas vorsichtige und hölzerne Angelegenheit.

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Zweitakt Supermoto - Auch in der Nachbarschaft kein Problem

Erste Freude kommt jedoch in den ersten Beschleunigungszonen auf. Klar drücken auch andere Motorräder in dieser Leistungsklasse ordentlich an. Doch die Drehfreudigkeit von dem quirligen 2-Takter ist unerreicht. Das butterweich zu schaltende Getriebe wird gerne eifrig genutzt um den hektischen Vortrieb weiter auszukosten. Der kompakte Motor ist zwar kräftig, doch das interessante Drehzahlband ist relativ schmal. So kommt es, dass man deutlich öfter als mit 4-Taktern in dieser Liga schalten muss. Andererseits ist es aber auch so, dass man im Bummelmodus problemlos im Drehzahlkeller unterwegs sein kann. Auch hier erfreut man sich an der tollen Einspritzanlage und tuckert beinahe geräuschlos durch die Nachbarschaft. So kann man, wenn man das möchte, die grelle und aggressive Maschine sehr konfliktfrei bewegen. Denn auch die Abgasbelastung ist im Vergleich zu Vergasermodellen fast nicht mehr vorhanden. Nostalgiker werden den Geruch der blauen Abgase vermissen, doch die Nachbarn werden sich am modernen und kaum wahrnehmbaren Abgas des kleinen Motors erfreuen.

KTM 2-Takt Supermoto - erstmal langsamer als eine massentaugliche 790 Duke!

Sobald man die interessanten Passagen der Hausstrecke erreicht, wird man jedoch wieder mal Boden der Realität zurückgeholt. Hier im Sattel ist man als Fahrer wieder mal gefordert. Viele Dinge hat man in den letzten Jahren ja leider fast schon vergessen und verlernt. Die 300er braucht in den Kurven wohl dosiertes Stützgas um danach präzise aus dem Kurvenausgang gefeuert werden zu können. Denn ansonsten erwartet Dich am Kurvenausgang erstmal eine kurzer Durchhänger beim Ansprechverhalten. Auch beim Zurückschalten sollte man der Maschine präzises Zwischengas spendieren um das hyperagile Kunstwerk nicht unnötig ins Wanken zu bringen. Und am Ende sollte dann auch noch der richtige Gang ausgewählt werden. All diese Dinge erscheinen am ersten Blick wie Banalitäten. Doch ich fuhr die Maschine im direkten Vergleich mit der aktuellen 790 Duke. Dort fällt alles viel leichter und offen gesagt ist man mit ihr erstmal auch deutlich schneller.

Doch andererseits erreicht man mit einem einfach zu fahrenden Motorrad wie der Duke auch schnell das Limit. Das Vertrauen ist groß, die Maschine fährt einfach und schon fährt man mit hohem Kurvenspeed und geiler Schräglage durch die Ecken. Bei der 2-Takter muss man sich den Speed hart erarbeiten und hat am Ende der Ausfahrt aber immer noch das Gefühl das Prachtstück nicht ansatzweise ausgekostet zu haben. Das Potential ist also gewaltig.

KTM 300 SMC-R - Intensiv!

Genau hier liegt auch der Reiz dieser Maschine. Die Betonung liegt hier wirklich auf “Maschine”. Das Fahren ist intensiver, direkter und ein ständig sich weiter entwickelnder Prozess. Selbst die kürzeste Hausstrecke wird total intensiv und jede Kurve ist immer wieder eine Herausforderung. Es macht viel Freude sich gemeinsam mit der Maschine zu entwickeln, zu lernen und wieder mal viele Dinge gleichzeitig zu machen. Schalten, kuppeln, bremsen, Linie korrigieren, Gas anlegen - alles muss perfektioniert und optimiert werden. Egal wie kurz die Ausfahrt auch war. Am Ende steigt man begeistert ab und denkt über die Geschehnisse nach.

2-Takt Supermoto - Punktet in engen Kehren und Wechselkurven

Doch bietet die Maschine auch pragmatische Vorteile? Der erwähnte Gewichtsvorteil ist in der Tat ein großer Komfortgewinn im Alltag. Auf der Hausstrecke punktet man mit wenig Übung überall dort wo es sehr eng und unübersichtlich ist. Je höher die Geschwindigkeiten werden umso größer wird der Nachteil der kurzen Übersetzung und vom schmalen Drehzahlband. Das irre Handling ermöglicht in Spitzkehren und in Wechselkurven jedoch Manöver welche man so mit keinem anderen Fahrzeug machen kann.

Und die Möglichkeiten den Speed zu steigern sind enorm. Denn sobald der grandiose Conti Reifen auf Temperatur ist, kann erschreckend früh ans Gas gegangen werden. Wheelies werden am Kurvenausgang auch in Schräglage zum Normalzustand. Und das Vertrauen ins Vorderrad ist bei diesem modernen Supermoto Pneu von Conti nahezu grenzenlos.

Zweitakt Supermoto mit Straßenzulassung?

Vor allem die deutschen Follower auf meinem Instagram Kanal nerven ein wenig mit der laufend gestellten Frage nach der “Zulassung” und der “Legalität”. Ja die Maschine hat ein Kennzeichen! Möchte ich mit der Maschine in eine strenge Verkehrskontrolle geraten? Nein! Denn die Maschine ist mit rund 14 PS zugelassen. Alles klar?

Eine echte Kaufempfehlung kann ich für diese Maschine insgesamt natürlich nicht abgeben. Ich hab für mich aber im Jahr 2018 einfach die letzte Chance gesehen einen 2-Takter mit Kennzeichen auf die Straße zu kriegen. Alte ausgelutschte Mitos oder RS Aprilias sind nicht mein Ding und so hab ich zu einem nagelneuen KTM TPI Modell gegriffen. Sie ist in meiner gut sortieren Garage eine echt leiwande Abwechslung zu den anderen Bikes und ich freue mich und die Maschine weiter entwickeln zu können. Aber wer hier ähnlich gestrickt ist wie ich, kann seine Bestellung bei KTM Hauthaler gerne abgeben. Wie viel die Maschine kostet weiß ich offen gesagt noch nicht. Das Projekt ist noch nicht fertig - bleibt dran! Weitere Infos zum aktuellen Projektstand präsentiere ich in unserer 1000PS Liveshow auf YouTube.

KTM 300 SMC-R 1000PS Supermoto Umbau

Bericht vom 21.08.2018 | 3.947 Aufrufe

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