BMW C 400 X 2018 Test

BMW C 400 X 2018 Test

X-zellenter Roller mit kleinen Schwächen

Mit den Maxi-Scootern C 650 GT und C 650 Sport hat der bayrische Luxushersteller bereits bewiesen, dass sie auch praktische Roller können. Jetzt versuchen sich die deutschen Ingenieure in einem weiteren Roller-Segment: den Mid-Size Scootern. Darf ich vorstellen – der BMW C 400 X, welcher in derselben Kategorie wie der beliebte Yamaha XMAX 400 spielt. Hat der BMW Scooter auch das, was es braucht, um im urbanen Schlachtfeld zu überleben?

Eines vorweg: nur weil der BMW C 400 X ein X im Namen trägt, heißt es nicht, dass er im Offorad Bereich eingesetzt werden kann, á la Honda X-ADV. Der BMW hat sich die Stadt und das ländliche Umfeld als Beuteschema ausgewählt, weshalb uns BMW in die Umgebung von Mailand eingeladen hat, um den C 400 X auf Herz und Nieren zu testen.

LED von vorne bis hinten

Der fälschlichen Annahme, dass der C400X offroadtauglich ist, wird durch den asymmetrischen LED Scheinwerfer nicht geholfen. Dieser stammt aus der F850GS und ist optional mit Tagfahrlicht erhältlich. Wieso das Tagfahrlicht nicht serienmäßig ist? BMW wird den C 400 X weltweit verkaufen, doch in 5 Märkten sind Tagfahrlichter auf Motorräder nicht erlaubt – deshalb muss das Feature bei uns als Zubehör für 100€ zusätzlich gekauft werden. Doch die GS-Ähnlichkeiten hören hier nicht auf. Unter dem Scheinwerfer findet sich ein GS-typischer Schnabel und im BMW Zubehör können Verkleidungsbügel mit zusätzlichen LED-Scheinwerfern bestellt werden. Wie auf den Reiseenduros, nur eben auf einem kompakten Stadtroller. Auch die restlichen Leuchtmittel des BMW C400X erstrahlen mithilfe von LED-Lichttechnik: die Verkleidungsblinker in der Front, sowie das Rücklicht und die Blinker im Heck.

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BMW C400X TFT Display – den Aufpreis wert?

Wenn wir schon über aufpreispflichtige Extras reden, sollte das Connectivity-Paket angesprochen werden, welches das TFT Display und den Multicontroller umfasst. Beide Teile sind bereits von der BMW F850GS bekannt und werden nun erstmals auch auf einem Roller angeboten - doch leider nicht serienmäßig. Für einen Aufpreis von 600€ wird das standardmäßige LCD-Display mit analogem Tacho durch die volldigitale Einheit ersetzt, was folglich mehr Möglichkeiten während der Fahrt bietet. Denn mithilfe der gratis BMW-App kann das Smartphone mit dem C 400 X verbunden werden, womit Anrufe, Musik hören und Navigation über das TFT-Display möglich sind. Die Skepsis über den Aufpreis war nach der Abfahrt schnell widerlegt, denn das Navigationssystem funktioniert selbst im engen Gassenwerk einwandfrei. Die Anweisungen sind klar verständlich und lassen sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesen. Zudem macht es einen schöneren Eindruck, als die zusätzliche Navigationshalterung, die Kunden ohne TFT-Display im BMW Zubehör kaufen können.

Wie die Connectivity beim BMW C 400 X im Detail funktioniert, findet ihr in dieser YouTube Playlist von BMW.

Ausreichend Leistung im BMW C 400 X

Spitzenleistung wird zwar nicht das Hauptaugenmerk vieler Rollerkunden sein, trotzdem muss die Leistung für kurze Überlandfahrten und den Ampelstart stimmen. Hier gibt es gute Nachrichten seitens BMWs, denn mit 34 PS und 35 Nm Drehmoment liegt der C 400 X beinahe gleich mit der Konkurrenz aus dem Hause Yamaha auf. Trotz des geringeren Hubraums von „nur“ 350 ccm gibt sich der Mid-Size Scooter von BMW im Verkehr keine Blöße. Der Sprint auf 50 km/h ist innerhalb weniger Sekunden geschafft und auf der Autobahn ist eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 150 km/h auf dem C 400 X möglich. Wer jedoch längere Etappen über 100 km/h plant, dem sei das hohe Windschild aus dem BMW Zubehör empfohlen.

Der Antrieb erfolgt über eine CVT Variomatik, die schon kurz nach dem Dreh am Gashahn für Vortrieb sorgt – kein langer Gummibandeffekt, den man ihn von anderen Rollern gewohnt ist. Besonders erfreulich ist den Bayern das Ansprechverhalten des Motors gelungen, das schön direkt und gleichzeitig angenehm dosierbar ist. Sollte man es doch einmal übertreiben, oder überschätzt man den Grip der Straße, ist eine ASC Traktionskontrolle an Bord, die Rutscher am Hinterrad verhindern sollte. Bei Bedarf kann sie deaktiviert werden.

Sportliches Fahrwerk mit Abzügen im Komfort

Wie man es von BMW Motorrädern kennt, setzten die Deutschen an jedes ihrer Modelle einen gewissen sportlichen Anspruch – so auch beim C 400 X. Sind die Straßen leer und die Kurven sauber, freut man sich über die sportliche Abstimmung im Fahrwerk. Zackig lässt sich der BMW Roller von Kurve zu Kurve werfen, ohne jemals nervös zu wirken. Liegt also auf dem täglichen Weg zur Arbeit eine kurvenreiche Strecke, wird man sich freuen, den BMW C 400 X unter dem Hintern zu haben. Abhilfe schafft auch der Pirelli Angel Scooter Reifen, der als Serienbereifung auf dem C 400 X montiert ist und in Vaulis Test gute Noten eingefahren hat.

Wird der Asphalt jedoch rau, zollt die sportliche Abstimmung ihren Tribut. Während die 35mm breite Telegabel in der Front mit Schlaglöchern gut zurecht kommt, zeigen sich die zwei Federbeine im Heck von ihrer straffen Seite. Die Sitzbank schafft es zwar, die härtesten Schläge zu dämpfen, auf lange Dauer wird das sportliche Fahrwerk aber im Rücken spürbar. Doch zum Glück sind die Straßen in Österreich größten teils in gutem Zustand, weshalb dieses Manko bei uns wahrscheinlich nicht von solch großer Relevanz ist.

BMW C 400 X Stauraum: mehr dank Flexcase

Neben den Fahrleistungen ist der praktische Nutzen das wichtigste Kriterium für einen Stadtroller. Deshalb befinden sich in der Verkleidung des C400X zwei elektronisch verschließbare Handschuhfächer, die genügend Stauraum für Handy und Geldbörse bieten. Im rechten Fach ist sogar serienmäßig eine 12V-Steckdose verbaut, mit der das Handy während der Fahrt (und der Verwendung der Connectivity) geladen werden kann. Das große Staufach befindet sich selbstverständlich unter der 775mm hohen Sitzbank (niedrige Sitzbank mit 760mm Sitzhöhe ebenfalls erhältlich), wo während der Fahrt zwei Jethelme Platz finden. Im Stand kann jedoch der Stauraum unter dem Soziussitz erweitert werden, indem das Fach in den Radkasten erweitert wird. Dieses Feature, das Flexcase genannt wird, wirkt zwar wie ein Seitenständer, wodurch sich der Roller nicht starten lässt, bietet aber die Möglichkeit, einen Vollvisierhelm unter der Sitzbank zu verstauen. Bei Bedarf auf noch mehr Raum, bietet BMW im Zubehör eine Gepackbrücke und zwei Topcasegrößen an.

Verbrauch überzeugt, Bremse enttäuscht

BMW gibt passend zum Hubraum von 350 ccm einem Verbrauch von 3,5l/100km an. Während unserer Ausfahrt mit dem C 400 X, die aus einer Mischung aus Stadt, Überland und Autobahn bestand, haben wir einen Verbrauch von 3,9l/100km erreicht. Trotzdem ein sehr guter Wert, der durch eine sanftere Gashand bestimmt noch gesenkt werden kann. Weniger beeindruckend war jedoch die Bremsanlage. In der Front sind zwei Scheiben mit 265mm Durchmesser montiert und im Heck eine Einzelscheibe mit ebenfalls 265mm Durchmesser. Die Bremszangen stammen von Brembo, welche sogar durch Stahlflexleitungen unterstützt werden. Zwar darf keinesfalls gesagt werden, dass der BMW C 400 X schlecht bremst, doch die Vorderbremse könnte für den sportlichen Anspruch des Rollers etwas schärfer sein. Kombiniert man beide Bremsen, ist die Verzögerung mehr als ausreichend, doch das Feedback der Vorderbremse wird dem sportlichen Charakter nicht zu 100% gerecht.

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BMW made in China

Die Entwicklung des BMW C 400 X fand selbstverständlich in München im Hause BMW statt, die Produktion wurde jedoch nach China ausgelagert. Vielen stolzen Kundinnen und Kunden mag das vielleicht sauer aufstoßen, doch ich kann euch versichern, dass die Verarbeitung des C 400 X den höchsten deutschen Ansprüchen entspricht. Wie die Qualität im Longrun auf mehrere tausend Kilometer aussieht, können wir jetzt natürlich noch nicht sagen, aber wir hoffen auf euer Feedback, sobald ihr monate- oder jahrelange Erfahrung mit dem Roller gemacht habt.

Fazit: BMW C 400 X

BMW ist mit dem C400X bestimmt gut im Mid-Size Scooter Segment angekommen. Der Vortrieb stellt dank konkurrenzfähiger Leistung vollkommen zufrieden und lässt in Kombination mit dem sportlichen Fahrwerk sogar echte Fahrfreude aufkommen. Außerdem kann man sich (gegen Aufpreis) den Roller sehr hochwertig ausstatten und schon fast auf Motorrad-Niveau heben. Leider macht die sportliche Abstimmung der Federbeine aber auf schlechten Straßen wenig Spaß und auch die Vorderbremse wird dem Charakter des Rollers nicht gerecht.

1
Vorteile
  • Guter Durchzug
  • sauberes Ansprechverhalten
  • sportliches Fahrwerk
  • hochwertige Ausstattung möglich
  • LED-Lichttechnik
  • Staufach variierbar
1
Nachteile
  • Federbeine bei schlechten Straßen zu hart
  • Vorderbremse könnte mehr Biss haben
  • teures Zubehör

Bericht vom 23.06.2018 | 11.776 Aufrufe

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