Naked Bike Vergleich 2018: Ducati Hypermotard 939

Naked Bike Vergleich 2018: Ducati Hypermotard 939

HYPER, HYPER!

Der Naked Bike Vergleich 2018. Wir haben die besten Motorräder organisiert, um gegen die neue Waffe aus Mattighofen anzutreten: die KTM Duke 790. Eine Testerin und sechs Tester nehmen Naked Bikes aus der gehobenen Mittelklasse unter die Lupe, um herauszufinden, ob das Skalpell seinen Namen wirklich verdient hat.

Ich höre schon die Rufe: „Die Ducati Hypermotard ist gar kein Naked Bike!“. Und da habt ihr Recht, sie ist durch und durch eine Supermoto. Doch Ziel unseres Vergleichs war, Funbikes zu finden, die in der Liga der KTM 790 Duke spielen. Deshalb wurden es Großteils Nakeds, aber auch die beiden Supermotos Aprilia Dorsoduro 900 und Ducati Hypermotard 939 sind ernstzunehmende Anwärterinnen auf den Funbike Thron. Jetzt, wo diese Frage aus dem Weg geschaffen ist, sehen wir uns die Ducati einmal genauer an.

Ducati Hypermotard 939 – Motor und Leistung

Wie es sich für Ducati gehört, verfügt auch die Hypermotard 939 über ein 937ccm großes V2-Testastretta Aggregat. Die Leistung liegt bei 110 PS und 95 Nm Drehmoment – 5 PS und 8 Nm mehr als bei der Konkurrenz aus Mattighofen. Zahlen sind aber bekanntlich nicht alles, auf die Emotionen kommt es an, denn von denen hat die Ducati reichlich. Tibor und Vauli loben die Ducati für ihren rauen Charakter und sprechen von einem charaktervollen Motorrad. NastyNils, König der Pragmatiker, empfindet das Aggregat jedoch zu unkultiviert und ist im Vergleich zu den anderen Bikes kein Fan des V2. Mir ist beim Anfahren im kalten Zustand die komplizierte Kupplung aufgefallen. Lange passiert nichts, bis plötzlich die Kupplung zu 100% greift und die Hypermotard bei zu wenig Gas abwürgt. Einfache Dosierbarkeit sieht anders aus, unser Tipp ist also, die Maschine für ein paar Minuten laufen zu lassen, bevor man losfährt (die Nachbarn wird’s freuen). Echte Ducatisti wird sowas aber vielleicht nicht stören, insbesondere, wenn sie mit einem so herrlichen Klang (selbst aus dem Serienendtopf) belohnt werden.

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Ducati Hypermotard 939 Fahrverhalten – echte Supermoto

Dass die Ducati Hypermotard 939 eindeutig KEIN Naked Bike ist, hat sie auch in ihrem Fahrverhalten gezeigt. Die Sitzposition ist Supermoto-typisch nahe am Lenker, weshalb sie auch entsprechend bewegt werden will: Lenker drücken und Fuß Richtung Straße. Dann ist die Hypermotard in ihrem Element und fühlt sich wohl. Ganz so wohl haben sich manche unserer Tester aber nicht gefühlt. Tibor ist die Gabel zu weich gefedert, Juliane und Nils ist sie in längeren, bzw. schnelleren Kurven etwas zu nervös. Mir haben diese Eigenschaften hingegen gut gefallen – kleine Unebenheiten in Kurven wurden sofort merkbar, man muss auf der Hypermotard also immer zu 100% konzentriert sein. Sie gibt den Eindruck einen wilden Bullen zu reiten, hat man ihn aber bezwungen, sind die Glücksgefühle unbeschreiblich.

Bullenkampf hin oder her, die Hypermotard 939 schafft es, sich im Vergleich zur Dorsoduro 900 deutlich handlicher anzufühlen. In der Front arbeitet eine Kayaba Upside-Down Gabel mit 43mm Durchmesser und im Heck ein Sachs-Monofederbein. Zwar ist die Gabel, wie Tibor erwähnt hat, zu weich gefedert, dennoch gibt es aus den Rängen der Testcrew keine weiteren Beschwerden zu den Fahrwerkskomponenten. Allerdings darf man sich erwarten, mit der Hypermotard 939 ein Motorrad für lange Strecken zu kaufen, wie Mex völlig richtig bemerkt.

Die Naked Bike Vergleich 2018 Testcrew

Während ihr den Großteil der 1000PS Testcrew bereits kennen solltet, hatten wir auch einen Neuzugang beim Naked Bike Vergleich. Tibor Simai, früherer BMX und Mountainbike Experte hat die Pedale hinter sich gelassen und setzt nun auf motorisierte Zweiräder. Die Links zu den Instagram Accounts unserer Testcrew findet ihr hier:

Hübsches Design mit Nachteilen für kurze Beine

Sowohl die Aprilia Dorsoduro 900, als auch die Ducati Hypermotard 939 sprechen die Designsprache stolzer Supermotos. Hohe Schulter, flache Linie und eine hohe Sitzbank. Der letzte Aspekt sorgt bei kleinen Fahrerinnen und Fahrern, wie Juliane (169cm) und mir (175cm) für Kopfschmerzen. Mit einer Sitzhöhe von 870mm teilt sie sich den Thron mit der Aprilia und liegt spürbar über der 825mm hohen KTM 790 Duke. Zwar haben Julianes und meine Zehenspitzen den Boden berührt, abschüssige Parkplätze wurden jedoch zur Herausforderung. Speziell, da sich ein fahrbereites Gewicht von 210 Kilogramm auf Zehenspitzen nur sehr schwer rangieren lässt. Persönlich finde ich das eine echte Schande, denn mit dem Design der Ducati Hypermotard kann man sich wie ein echter Hollywood Star fühlen. Laut imdb (International Movie Database) wurde die Hypermotard Familie nämlich schon in 21 Filmen, bzw. TV-Serien verwendet - meist von den Bösewichten mit ganz brutaler Wheelie-Action.

Ducati Hypermotard 939 – umfangreiches Elektronikpaket

Der Charm vieler Supermotos ist ihre einfache Technik. Keine Fahrhilfen, sondern nur ein Motor mit zwei Rädern. Nicht bei Ducati, denn die Italiener spendieren der Hypermotard 939 ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen, die den Charakter der Maschine wandeln. Zum einen kommt die Hypermotard mit drei Fahrmodi (Sport, Touring, Urban), die für verschiedene Bedingungen auf der Straße konzipiert wurden. Plant man Ausflüge auf die Rennstrecke, könnte sich das Upgrade zur SP-Version lohnen, die mit den Fahrmodi Race, Sport und Wet ausgestattet ist. Außerdem verfügt die SP-Variante über ein 3-stufiges ABS, anstatt den zwei Stufen in der normalen Version. Beide ABS-Systeme sind aber für motivierte Supermoto-Piloten deaktivierbar.

Es wäre alles perfekt, aber…

Wie bereits besprochen, hat uns die Optik der Ducati Hypermotard 939 voll und ganz überzeugt. Ein Teil der Testcrew hat sie sogar als eines der schönsten Motorräder am heutigen Markt bezeichnet. Doch ein Bauteil versalzt die Minestrone. Vielleicht der Kennzeichenhalter, oder ein Stück Verkleidung? Nein. Genau das Teil, das man während der Fahrt am häufigsten sieht: das LCD-Display. Zum einen ist die Auflösung wie aus einer anderen Zeit und erinnert mich an den Gameboy Color, mit dem ich vor 20 Jahren groß geworden bin. Zudem lässt die Lesbarkeit zum Wünschen übrig, was Vauli negativ ins Auge sticht. Schon klar, gegen moderne Varianten wie dem TFT-Display der KTM hat es die Ducati schwer, doch so einen groben Schnitzer hätten wir uns nicht von den designbewussten Italienern erwartet.

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Naked Bike Vergleich 2018 Preise

Die Preise für alle getesteten Naked Bikes findest du hier:

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Fazit: Ducati Hypermotard 939

Die Ducati Hypermotard 939 ist ein echter Hollywood-Star, der bereits in 21 Filmen bzw. TV-Serien mitgespielt hat. Auch am Set des Naked Bike Vergleichs 2018 hat sie mit ihrer Optik den meisten Bikes die Show gestohlen. Wie es sich für ein Hollywood-Sternchen gehört, kann die Ducati aber von Zeit zu Zeit etwas zickig sein. So ist das Anfahren im kalten Zustand nur schwer möglich und auch in schnellen Kurven wird sie durch ihre weiche Gabel etwas nervös. Bezwingt man jedoch den Bullen, sind die Glücksgefühle unbeschreiblich und man wird mit herrlichem V2-Testastretta Sound belohnt. Das vielleicht größte Manko: ihr veralteter LCD-Display, der ganz und gar nicht zur italienischen Designkomposition passt.

1
Vorteile
  • charaktervoller Motor
  • viel Drehmoment
  • grandioser Sound
  • wunderschöne Optik
  • Star-Potential am Motorradtreff
  • spaßige Supermoto mit viel Technik
1
Nachteile
  • Gabel zu weich
  • hohe Sitzbank
  • Anfahren im kalten Zustand schwierig
  • veraltertes LCD-Display

Bericht vom 29.05.2018 | 20.354 Aufrufe

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