Harley-Davidson Softail Street Bob Test 2018

Harley-Davidson Softail Street Bob Test 2018

Der Einstieg in die Welt der neuen Softails!

Irgendwer muss ja den Anfang machen - bei Harley-Davidson übernimmt die Street Bob die Rolle des "Einsteigerbikes" in die Softail-Liga. Allerdings ist sie alles andere als langweilige Basis, die vielen schwarzen Teile, der coole Tacho, der starke Motor und das völlig neue Chassis machen einiges her und küren die Street Bob zu einer absolut würdigen Softail!

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Aller guten Dinge sind vier, nicht drei - zumindest bei Harley-Davidson, obwohl es ja eigentlich insgesamt 12 gute Dinge sind... Aber eines nach dem anderen. Die Amerikaner rüsten sich für die Zukunft und bringen eine neue Softail-Generation für 2018, die sich durch weit mehr als nur kleine Retuschen von den Vorgänger-Modellen unterscheidet und somit die größte Weiterentwicklung seit mehr als drei Jahrzehnten darstellt. Neuer Motor, neues Chassis, neues Design - da bleibt nicht mehr viel übrig, was von den alten Softails übernommen werden könnte.

Genügend Punch bei der Harley-Davidson Softail Street Bob

Insgesamt 12 Neuheiten resultieren daraus, dass vier der acht neuen Modelle zusätzlich zum "kleinen" Motor mit 107 Cubik Inch (1745 Kubik Hubraum) auch noch mit einem größeren und stärkeren Motor mit 114 Cubik Inch (1868 Kubik) geordert werden können. Und den Einstieg in diese vielfältige Truppe markiert nun die Softail Street Bob, die es lediglich mit dem Standard-Triebwerk ohne Hubraumvergrößerung gibt. Aber keine Sorge, an Punch, Leistung und typischer Harley-Charakteristik mangelt es keineswegs, denn sogar beim schweren Touren-Schiff Heritage Classic plädiere ich für das schwächere Tiebwerk, das zum komfortablen Stil der Maschine meiner Meinung nach fast besser passt und trotzdem ordentliche Fahrleistungen ermöglicht.

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Harley-Davidson gibt Gas, gleich 8 neue Softail-Modelle mit völlig neuem Rahmen, moderner Aufhängung und kräftigeren Motoren stehen für den Jahrgang 2018 bereit. Eines von vier Modellen, die ich fahren durfte, ist die neue Fat Bob mit dem stärkeren 114er-Motor - ein besonderes Erlebnis mit diesem betont grimmigen Muscle Bike! Die Softail Breakout 114 mit ihrer fetten Hinterrad-Walze fährt dafür überraschend handlich und die Heritage Classic ist das Reisemobil unter den neuen Softails. Die Street Bob markiert schließlich den Einstieg in die Softail-Familie.

Die leichteste Softail Street Bob ist immer noch ein fester Brocken

Bei der Street Bob hat das Triebwerk zusätzlich noch am wenigsten Gewicht zu "stemmen", mit 297 Kilo fahrfertig ist sie die leichteste unter den Softails und die einzige, die es unter 300 Kilo schafft. Natürlich immer noch ein fester Brocken, aber dank der 87 PS bei 5020 Umdrehungen und dem ordentlichen maximalen Drehmoment von 145 Newtonmeter bei nur 3000 Touren aus dem Harley-typischen 45°-V2-Aggregat der Milwaukee-Eight-Generation mit Doppelzündung, Teil-Flüssigkühlung, Vierventiltechnik und moderner EInspritzung geht schon von weit unten die Post ab.

Harley-Davidson Milwaukee-Eight-Triebwerk mit coolen Vibrations

Anders als die Touring-Modelle, bei denen die Triebwerke gummigelagert und mit nur einer Ausgleichswelle verbaut werden, bekommen die Milwaukee-Eight 107-Motoren der Softails zwei Ausgleichswellen und werden starr im Rahmen verschraubt, um die angenehmen und durchaus erwünschten Vibrationen zu spüren. Daher poltert auch die Softail Street Bob im Standgas wie eine typische Harley, während sie bei der Fahrt keine unangenehmen Rütteleien veranstaltet.

Bequeme Sitzposition auf der Harley-Davidson Softail Street Bob

Aber nicht nur der Motor sorgt für eine sehr angenehme, flüssige Fahrerei, auch die Sitzposition und das neue Chassis können sofort überzeugen. Zwar gefällt nIcht jedem der sogenannte "Mini Apehanger"-Lenker, an Bequemlichkeit ist diese Bauweise aber kaum zu überbieten. Aufsteigen, auf die niedriege Sitzhöhe von nur 680 Millimeter fallen lassen und gerade nach vorne greifen, um in herlich aufrechter Sitzposition die Fahrt in Angriff zu nehmen. Das Wort Angriff ist dabei auch nicht ganz falsch, denn so sportlich ließ sich noch keine Street Bob fahren.

Harley-Davidson Softail Street Bob - neuer Name, neues Fahrgefühl

Die Vorgängerin war zwar noch eine Dyna Street Bob, stammt also aus der Dyna-Reihe, die mit mehr Dynamik und Fahrspaß aufwarten konnte, da die neuen Softails aber allesamt sportlicher wurden, konnte die Dyna-Reihe getrost in die Softails integriert werden - daher auch der neue Name Softail Street Bob mit dem internen Code FXBB statt Dyna Street Bob FXDB. Anders als die restlichen neuen Softails, die bis zu 17 Kilo gegenüber ihren Vorgängerinnen einsparen, konnten die Techniker der Street Bob daher auch "nur" 7 Kilo abtrainieren.

Ein Gefühl von Sport auf der Harley-Davidson Softail Street Bob

Für eine spürbar gesteigerte Fahrdynamik ist dennoch gesorgt, das neue Chassis mit dem anders positionierten Mono-Federbein unter dem Sattel und der sensibler ansprechenden 49 Millimeter Dual-Bending-Valve-Gabel an der Front geben enorme Stabilität und lassen sogar ein Gefühl von Sportlichkeit aufkommen. Selbst die Bremsanlage mit nur jeweils einer Scheibe an Front und Heck verzögert die fast 300 Kilo Lebendgewicht anständig und angemessen. Klar, wenn man sie mit der vorderen Doppelscheibenanlage der Fat Bob vergleicht, ist die Street Bob in Sachen Performance haushoch unterlegen, für sich gesehen kann man aber sogar bei beherzter Fahrweise gut mit der vorderen 300er-Einzelscheibe samt Vierkolbensattel leben.

Harley-Davidson ist eine Lebensphilosophie, nicht nur ein Motorrad

Schön also, dass die neuen Softails durch die Modernisierung auch fahrtechnisch viel gewonnen haben, wer sich mit seiner Maschine aber nicht nur ein Motorrad, sondern gleich eine ganze Lebensphilosophie kauft, will auch optisch mehr als nur Einheitsbrei. Und da hat sich die Softail Street Bob stark gemausert, den Einstieg in die Softail-Klasse sieht man ihr nicht wirklich an. Coole Farben, viele grimmig schwarz gefärbte Teile, LED-Schweinwerfer und edles Finish machen einen absolut hochwertigen und würdigen Eindruck.

Die Instrumente der Softail Street Bob brauchen kein Tuning

Vor allem die Armaturen machen die Tuning- und Zubehör-Industrie arbeitslos, herrlich in die Lenkerklemmung integriert zeigen ein kleines LCD und darunter ein noch kleineres Feld für die Warnlämpchen alle wichtigen Daten an. Selbst auf Tankinhalt, Ganganzeige und einen digitalen Drehzahlmesser (wer ihn unbedingt braucht) muss man nicht verzichten. Minimalismus pur also, der sich am Heck im Verzicht auf einen Sozius-Sitz fortsetzt (kann aber auf Wunsch nachgerüstet werden). Dass der Einstieg in die Softail-Reihe nichts mit herkömmlichen Einsteiger-Bikes zu tun hat, ist neben Optik und Performance auch am Preis erkennbar. In Deutschland kostet die Harley-Davidson Softail Street Bob ab 14.495 Euro, in Österreich ab 17.495 Euro und in der Schweiz ab 15.900 Franken. Viel Kohle für ein Motorrad, aber bestimmt nicht zu viel Kohle für eine ganze Lebensphilosophie!

Fazit: Harley-Davidson Softail Street Bob FXBB

Die Street Bob war vormals eine Dyna Street Bob, durch die vielfältigen Änderungen der neuen Softail-Modelle ist die Integration in diese Baureihe voll und ganz legitim. Das kräftige und moderne Milwaukee-Eight-Triebwerk sorgt für ordentlich Punch und das neue Chassis samt besserer Federelemente gibt Stabilität. Lediglich die Einzel-Bremsscheibe an der Front ist gut, könnte aber besser sein. Dafür kann die Optik mit LED-Scheinwerfer und vielen schwarzen Teilen voll und ganz überzeugen - ein gelungener Einstieg in die Softail-Familie.

1
Vorteile
  • starker Motor
  • bequeme Haltung
  • vergleichsweise agiles Handling
  • coole Optik
  • herrliche Mini-Instrumente
1
Nachteile
  • Bremsen könnten bissiger sein

Bericht vom 20.10.2017 | 6.944 Aufrufe

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