Bridgestone Battlax R11 Test

Bridgestone Battlax R11 Test

Profilreifen für die Rennstrecke - für alle Hubräume

Das Paradies! 40 aktuelle Sportmotorräder hier auf der traumhaften Rennstrecke bei Sevilla. Alle bereift mit dem nagelneuen R11 Supersport Pneu. Mächtiges Anrauchen!

Ja er hat Strassenzulassung! Nein man soll ihn nicht auf der Strasse fahren. Diese Frage und diese Antwort hörte man oft beim Test vom neuen Bridgestone R11. Der profilierte Rennreifen von Bridgestone hat zwar eine Zulassung für die Strasse, aber das dient nur dazu um den FIM Regeln Genüge zu tun. Der Reifen benötigt Reifenwärmer und hat einen ähnlichen Mischungsaufbau wie der Slick V02.

Bridgestone R11 Supersportreifen - Erste Erfahrungen

Viele Kollegen meinen, dass man nach dem ersten Turn noch nicht viel berichten kann. Dem muss ich widersprechen. Meistens erlange ich beim ersten Turn mit einem neuen Motorrad oder Reifen die meisten Erkenntnisse. Danach gewöhne ich mich an die Defizite und kompensiere sie mehr oder weniger automatisch durch eine Änderung vom Fahrstil. Der erste Turn war aufschlussreich und machte klar, dass der Reifen eine interessante Positionierung hat. Auf der Geraden fühlte sich das Vorderrad an wie bisher. Auch bei harten Bremsmanövern blieb das Fahrzeug stabil und man fasste viel Vertrauen. Die Reifen konnten am Kurveneingang ganz klar mehr wie die Bremsen der meisten Serienmotorräder hier. Doch dann beim Einlenken wird aus dem steifen Pneu plötzlich ein geschmeidiger Kumpane. Er liegt im Radius satt und bietet mehr Feedback als früher. Plump gesagt erinnerte er beim Anbremsen an einen Dunlop und beim Einlenken an einen Pneu von Pirelli. Wie ist das möglich?

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Sie gelten als das Paradies auf Erden. Präsentationen von neuen Supersportreifen. Denn dort findet man als Testpilot die wohl besten Bedingungen vor: Sonniger Süden, geile Rennstrecke, perfekte Vorbereitung, einheitliche Reifen und 40 Stück aktuelle Supersport-Motorräder samt Crew. So war es auch diesmal. Bridgestone präsentierte den neuen Profilreifen Battlax R11. Der Pneu ersetzt den R10 und profitiert von den letzten Entwicklungen der Bridgestone Racingteams. Getestet wurde in Monteblanco, einer Rennstrecke in der Nähe von Sevilla.

R11 - Zwei verschiedene Reifen in einem Produkt

Wir kannten die Sache mit den unterschiedlichen Gummimischungen schon. Das ist mittlerweile für uns Redakteure eine klare und logische Sache. Doch der neue Pneu hat ein ähnliches Feature auch beim Karkassenaufbau. Diese besteht aus einem endlos gewickelten Stahldraht. In der Mitte ist der Draht sehr eng gewickelt und wird dann in einem geschmeidigen Übergang zur Flanke hin mit mehr Abstand gewickelt. Damit wird der Karkassenaufbau variabel. Das griffige Marketingkürzel dafür: V-MS Belt (Variable Mono Spiral Belt) Diese Technologie hat die Bridgestone Crew beim Testen übrigens so überzeugt, dass sie in Zukunft auch in weitere Reifen einfließen wird. Zum Beispiel in die nächste Slickgeneration.

Zu wenig Grip am Hinterrad? Werft mal einen Blick auf den Asphalt!

Zu Mittag hörte ich einige Kollegen über zu wenig Grip am Hinterrad maulen. Das Thermometer zeigte mittlerweile 33 Grad und ich bin fest davon überzeugt, dass sie dem Reifen hier zu Unrecht verurteilen. Denn die Strecke bringt viel mehr die Serienfahrwerke gehörig in Bedrängnis und der Reifen macht einen phantastischen Job. Man hat hier teilweise heftige Bodenwellen und auch Schäden im Asphalt. Im Sattel der GSX-R 1000 und auch der Fireblade (beide Standardmodelle), hatte ich am Kurvenausgang auch immer wieder mal Gripprobleme. Doch dann kam die R1M und sie zeigte auf, dass der Unterschied am Preiszettel klare Auswirkungen auf die Rundenzeit hat. Das elektronische Öhlinsfahrwerk kam mit den schwierigen Bedingungen perfekt zurecht und nun konnte man den Reifen wirklich auskosten. Auch hinten überzeugte er nun voll und ganz.

Laufleistung Bridgestone R11 - Bei Hitze schwer in Ordnung

Klarerweise werden bei Rennstreckenpneus keinerlei Angaben zum Thema Laufleistung gemacht. Aber beim Test hier in Monteblanco fuhren wir pro Gruppe 6 Turns über den Tag verteilt. 2 Gruppen waren unterwegs. Das macht 12 Turns mit jeweils 20 Minuten. Die Rahmenbedingungen waren heftig: Es war heiß und der Asphalt war rau. Er bot also ausgesprochen viel Grip. Die Vorderreifen hielten den gesamten Tag über durch. Die Hinterreifen wurden in der Mittagspause getauscht. Dabei war es so, dass ich sie bei meinem Privatmotorrad natürlich noch problemlos weiter verwendet hätte, aber die besten Zeiten hatten sie eben hinter sich. In Kombination mit der einfachen Handhabung und der tadellosen Performance auf den unterschiedlichen Motorrädern sind die neuen Reifen ein sorgenfreier Tipp für eine große Auswahl von Motorrädern.

Medium oder Soft - Welchen Bridgestone R11 soll ich nehmen

Ganz pauschal kann gesagt werden: Je heißer es ist und je rauer der Asphalt, desto eher zum Medium greifen. Insider meinen, dass man eigentlich das ganze Jahr über mit dem Medium gut auskommt. Nur wenn es sehr kalt ist, könnte man vorne einen Soft nehmen. Die Bevorratung in der Hobbyracer Garage ist aber bestimmt sehr einfach. Eine Garnitur Soft für spezielle Fälle und der Rest vom Jahresvorrat in Medium sollte passen.

Slick oder Profilreifen - Welchen Bridgestone soll ich nehmen?

Die Antwort auf diese Frage könnte 2017 teilweise schwierig sein. Dort wo man Profilreifen nehmen muss, ist ohnehin klar wie die Entscheidung ausfällt. Dort wo man die freie Auswahl hat, kann man entsprechend der Vor- und Nachteile der Reifen entscheiden. Der V02 ist beim Karkassenaufbau insgesamt härter als der R11. Damit hat der V02 bei optimalen Rahmenbedingungen eine höhere Lebensdauer. Der R11 könnte jedoch dann punkten, wenn man mit dem V-02 kein perfektes Setup hinbekommt. Die Reifen sind gutmütiger und einfacher in der Handhabung. Pauschal würde ich sagen: 600er Supersportler und Nakedbikes eher mit R11 bereifen, 1000er Superbikes in Kennerhänden eher mit V-02.

Neue Strategie von Bridgestone bringt klare Vorteile für Otto-Normalverbraucher

In der Vergangenheit war Bridgestone in der höchsten Motorradsport-Kategorie exklusiver Reifenlieferant. Die Konzernleitung dachte, dass sich die sportlichen Pneus dann an die Endkunden wie von alleine verkaufen. Das großartige Image müsste doch reichen. In der Praxis war es so, dass Dunlop und Pirelli immer die besseren Pneus für die Rennstrecke boten. Doch Seit 1-2 Jahren wendet sich das Blatt. Bridgestone engagiert sich nun in Klassen wie der Langstrecken WM wo auch Kundenteams mit Reifen versorgt werden müssen. Diese benötigen die feinste Ware und nicht bloß feines Image. Über diesen Umweg kommen wir Normalverbraucher dann in den Genuss der laufenden Weiterentwicklung. Das Yamaha Austria Racing Team ist Entwicklungsteam für Bridgestone und bekommt exklusives Reifenmaterial zur Verfügung gestellt. Diese Pneus sind natürlich teurer und bieten noch tieferes Rundenzeitenniveau wie Serienprodukte. Doch auch hier profitieren wir Nasenbohrer von dem Engagement. Die nächste Generation vom V-02 Hinterrad zum Beispiel basiert ganz stark auf den Factory Reifen und soll nochmal deutlich besser werden.

In jede Fall ist es großartig, dass Bridgestone nicht auf die 600er Fahrer vergisst. Diese können ab Januar 2018 auf technologisch modernstes Material mit den perfekten Dimensionen zurückgreifen. Und für 1000er und Nakedbike Piloten erhöht sich die Auswahl nun ebenfalls ordentlich.

Bridgestone Battlax R11 Dimensionen

RadDimensionSoftMedium
Vorne120 / 70 / 17XX
Hinten160 / 60 / 17X
Hinten180 / 55 / 17X
Hinten190 / 55 / 17XX
Hinten200 / 55 / 17XX
Vorne110 / 70 / 17X
Hinten140 / 70 / 17X
Hinten150 / 60 / 17X

Verfügbare Dimensionen Bridgestone R11

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Bericht vom 05.10.2017 | 3.261 Aufrufe

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