Honda Rebel Sommerausfahrt

Honda Rebel Sommerausfahrt

Horvaths Gedanken über die kleine Rebel

Hondas erste Vorstellung der CMX 500 Rebel war eine ziemliche Überraschung. Die Japaner haben einen Cruiser auf die Beine gestellt, der mit wenig Hubraum und niedrigem Preis erfahrene Motorradfahrer, aber vor allem Neueinsteiger überzeugen soll. Ein Konzept, das schon in den 1990er Jahren mit diversen Rebel Modellen gut funktionierte. Und heute? Hat Honda Retro richtiggemacht?

Ich kann mich noch genau an die ersten Bilder der Rebel erinnern, die wir Ende 2016 zu Gesicht bekommen haben. In mattsilberner Lackierung und mit kleiner Nummerntafel, fotografiert auf einem alten Pier. Ich war sofort überzeugt. Ein kompakter und unkomplizierter Cruiser, der trotzdem cool genug ist, um mit den ganz großen mitzuhalten - und das zu einem überschaubaren Preis. So etwas hat das A2-Segment schon lange gebraucht. So etwas habe ich schon lange gebraucht. Im Spätsommer 2017 war es dann soweit. Hinter dem 1000PS Büro stand eine Honda Rebel und vor mir der wohlverdiente Feierabend.

Baukastenprinzip gut genutzt

Bevor es auf unerforschtes Terrain geht, zuerst einmal zu den bekannten Daten. Der Reihenzweizylinder mit 471ccm stammt aus der CB-Familie, bestehend aus CB 500 F, CB 500 X und CBR 500 R. Die Leistung wurde minimal auf 46 PS gesenkt, um mehr Drehmoment im niedrigen und mittleren Drehzahlbereich zu geben. Dort, wo es für einen Cruiser zählt. In der Praxis überzeugt der Motor mit hoher Laufruhe und sanftem Ansprechverhalten, sodass sich sehr bald pure Entspannung auf der Honda einstellt. Auch der Sound ist sehr dezent. Zwar blubbert die kleine Rebel im Stand satt vor sich hin, während der Fahrt ist sie angenehm zurückhaltend. Will man mehr, hält der Zubehörmarkt bestimmt viele Möglichkeiten offen.

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Handlich, aber auch Sportlich?

Nach den ersten Tests, wie z.B. von Chefredakteur K.OT, kam in mir bald der Gedanke auf, dass die Rebel ein sportliches Motorrad sein muss. Flink und handlich waren zwei häufig verwendete Adjektive, um die Rebel zu beschreiben. Aber bedeutet das auch gleich sportlich? Herausgefunden habe ich das auf meiner Hausstrecke, in der Nähe von Eisenstadt im Burgenland. Dort wo sonst Supersportler und Naked Bikes ihr Unwesen treiben, machte ich mich mit der CMX 500 auf Zeitenjagd.

Und ja, die Honda Rebel ist wirklich sehr flink und lässt sich herrlich im Slalom bewegen. Aber kann sie mit den Großen mithalten? Naja. Das Fahrwerk ist typisch auf Komfort ausgelegt und besonders im Grenzbereich macht sich das bemerkbar. Zwar fährt die Rebel sauber durch jeden Radius, kommen dann noch Bodenwellen dazu, zeigt die Honda deutlich, dass sie auf Entspannung ausgelegt ist. Die Bremsen sprechen dieselbe Sprache. Bei normaler Fahrt absolut ausreichend, lassen sie bei voller Belastung etwas zu wünschen übrig.

Pragmatismus kann so schön sein

Fahrdynamisch ist die Honda Rebel also nicht mit Naked Bikes in derselben Klasse vergleichbar. Na und? Ein Blick auf den Cruiser genügt, um ihm nicht mehr böse zu sein. Denn im Design bleibt die Rebel zu 100% pragmatisch. Kein Firlefanz, kein Glitter. Einfach nur was man zum Motorradfahren braucht. Neben dem simplen Rundscheinwerfer, der scheinbar nicht mehr rund sein muss (wie es die Harley-Davidson Modelle von 2018 beweisen), sticht besonders das Rücklicht heraus. Während andere Hersteller das Rücklicht auf ihren Retrobikes perfekt in die Form des Motorrads einarbeiten, läuft bei Honda der Hase etwas anders. Man nimmt ein viereckiges Rücklicht, montiert es am Kotflügel und fertig. Kein LED, keine ausgefallenen Designs. Vielleicht wollte man damit Kosten sparen, oder Customizern das Leben vereinfachen. Egal – das Motorrad hat ein Rücklicht gebraucht, also wurde ihm eines gegeben. Ganz simpel, ganz pragmatisch.

Trotzdem hat Honda nicht ganz auf den Einsatz moderner Technik verzichtet. Der hübsche Tacho ist komplett digital und negativ gehalten. Somit passt er sich perfekt an das Ensemble an schwarzer Teile auf der Rebel an. Einzig eine Ganganzeige wird vermisst. Wie schon bei einigen Einsteigerbikes von Honda, wird auch hier auf den Einsatz dieses hilfreichen Gadgets verzichtet. Konsequent, aber nicht sehr benutzerfreundlich.

Wieso ist die Rebel so gut?

Auch wenn die Honda Rebel, wie bereits erwähnt, nicht als sportlich bezeichnet werden kann, bringt sie unheimlich viel Spaß. Egal ob man gerade entspannt dahingleitet, oder ein paar flinke Kurven fährt – die Rebel versprüht durchgehende Freude am Fahren. Aber wie hat Honda das geschafft? Zunächst sind die Reifendimensionen nicht aufs Protzen ausgelegt. Vorne fährt die Rebel auf der Dimension 130/90-16, hinten auf 150/80-16. Eine vergleichsweise hohe und schmale Bereifung, die ihr auch einen gewissen Bobber-Auftritt verschafft. Dazu kommt das relativ niedrige Gewicht von 190 kg fahrbereit. Das ist genau ein Kilogramm weniger als das A2-Bike CB 500 F – und das auf einem gemütlichen Cruiser!

Nicht zu vergessen ist die entspannte Geometrie, die gleichzeitig sehr viel Vertrauen in die Rebel schenkt. Die Position der Fußrasten ist natürlich aufs Erste ungewohnt, nach einigen Ampelstopps ist das aber schnell vergessen.

Die Honda Rebel passt von Kopf bis Fuß

Als Gesamtpaket ist die Honda Rebel wahnsinnig stimmig. Das beginnt schon damit, dass man das Zündschloss vergebens beim Tacho sucht. Nein, es ist auf der linken Seite montiert, während das Lenkerschloss auf der rechten Seite sitzt. Das gibt schon beim Aufsteigen das richtige Flair, welches während der Fahrt einfach nicht verloren geht. Am besten fährt die kleine Rebel, wenn man sie entspannt laufen lässt. Zwar ist sie im Winkelwerk potenter als Anfangs gedacht, das Cruisen ist aber (neben der gelungenen Optik) zweifelsfrei ihre Stärke.

Fazit: Honda CMX500 Rebel

Der Horvath

DER HORVATH

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Wir alle streben für Vielfalt und die Honda Rebel bringt eben jene Vielfalt in die A2-Führerscheinklasse. Sie ist eine wunderbare Erweiterung des Honda Modellprogramms und kann nicht nur Einsteiger überzeugen. Motor- und Fahrwerkabstimmung machen sie zu einem sehr entspannten Cruiser, mit dem Dahingleiten zum Genuss wird. Die Optik ist rein pragmatisch, sie glänzt praktisch vor Minimalismus. Ein stimmiges Gesamtpaket für leistbare Motorradentspannung.

1
Vorteile
  • spritziger Motor
  • gute Fahrwerksabstimmung
  • großartige Optik
  • niedrige Sitzhöhe
  • 190kg vollgetankt
  • flinkes Fahrverhalten
1
Nachteile
  • Schräglagenfreiheit begrenzt
  • kleiner Tank

Bericht vom 18.09.2017 | 10.598 Aufrufe

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