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Harley Davidson Street Rod 2017 Test

Das neue Fohlen im Harley Stall

Bisher ist die Street Modellreihe bei Harley Davidson noch relativ klein. Die Street 750 bildet die Basis und den günstigsten Einstieg in die uramerikanische Marke. Mit der Street Rod baut Harley nun auf der Street Plattform auf und will besonders Freunde des Customizing ansprechen. Wir testen den neuen Cruiser auf den kurvenreichen Straßen Spanien. Mutig, Mutig.

Persönlich haben mir Harley Davidsons ja schon immer gefallen und ich pflege eine sehr emotionale Bindung zu der Marke. Die erste Erinnerung auf einem Motorrad war nämlich auf einer Harley Davidson Road King, die ich als kleiner Junge mit meinem Vater bei einer Tankstelle bewundert habe. Der Besitzer hat meine strahlenden Augen gesehen und ich durfte mich tatsächlich auf den Koloss aus Blech setzen. Es war jedoch der Moment, in dem er den Startknopf drückte und den V2 befeuerte, der mein Leben von Grund auf verändert hat. Das satte Harley Blubbern und die Vibrationen, die meinen Körper durchliefen, werde ich nie vergessen.

Erster Eindruck Harley Davidson Street Rod

Dementsprechend aufgeregt war ich, als ich erfahren habe, dass ich auf meine erste Harley Davidson Präsentation fliegen darf. Über die Jahre habe ich mehr Gefallen an der kompakten Sportster Modellreihe gefunden, wieso die Street Rod auf den ersten Blick sehr ansprechend war. Denn das schafft die Amerikanerin: steht man vor ihr, ist sie zweifellos eine Harley Davidson. Die überschaubaren Ausmaße lassen auf wendigen Fahrspaß hoffen, im Straßenbild steht sie bullig da. Der erste Eindruck passt schon mal.

Sitzposition – Chopper oder Naked Bike?

Einmal Platz genommen auf der Street Rod, könnte leichte Verwirrung aufkommen. Chopper untypisch sind die Fußrasten relativ nahe am Körper, sodass von ausgestreckten Beinen keinesfalls die Rede sein kann. Der Kniewinkel ist recht spitz, könnte fast schon sportlich bezeichnet werden und erinnert eher an ein klassisches Naked Bike. Der Oberkörper befindet sich währenddessen aber voll und ganz auf einem Cruiser. Mit 870mm Breite macht der Drag Style Lenker einen gewaltigen Eindruck und schreit nach Custom Bike. So muss sich eine Harley Davidson anfühlen. Ein breiter Griff, gepaart mit Lenkerendspiegeln, die einen hervorragenden Blick nach hinter gewähren – einfach herrlich.

Die Sitzposition lässt sich also am besten als Hybrid beschreiben. Die Beine sind nah genug am Körper, um sich in Kurven sportlich am Tank festklammern zu können. Die Arme hingegen bilden eine breite Einheit mit dem Lenker, um noch die restliche Arbeit in der Schräglage zu übernehmen. Definitiv gewöhnungsbedürftig, mit ein wenig Übung aber sehr harmonisch.

Leistung Harley Davidson Street Rod

Leistung nimmt Harley Davidson ja bekanntlich nicht so ernst. Drehmoment und das Gefühl des Motors stehen bei den Amerikanern an erster Stelle. Deswegen findet man am Datenblatt auch 71 PS, während die Entwickler von 69 PS sprechen. Beim Drehmoment sind sie sich aber einig, 65 Nm bei 4.500 U/min legt die Street Rod auf den Asphalt. Genau in diesem Bereich will man die Harley auch bewegen. Zwar wurde der Revolution X Motor mit seinen 749ccm optimiert, dass er bis 9.000 U/min dreht, oben raus lässt der Druck aber nach. Trotzdem marschiert die Street Rod sehr brav voran, im Alltag geht keine Leistung ab. Auch die Höchstgeschwindigkeit lässt sich sehen. 180 km/h standen zu einem Zeitpunkt auf der Uhr. Die Stabilität bei dieser Geschwindigkeit lässt man lieber außen vor.

In der Kurve eine echte Harley?

Eine Harley Davidson hört man bevor man sie sieht. Entweder erkennt man sie am satten Blubbern des Auspuffs, oder am Schleifen der Fußrasten. Oder an beidem. Hier überrascht die Street Rod in zweierlei Hinsicht. Das klassische Blubbern einer Harley fällt dank Euro-4 leider weg, der Zubehörkatalog sollte das aber lösen können. Trotzdem überrascht die Serienanlage mit gelegentlichem Knallen bei geschlossenem Gashahn. Da wird der verhaltene Klang im Stand schnell verziehen.

Die zweite Überraschung findet sich in der Kurve selbst. Das Fahrwerk mit 43mm Durchmesser Upside-Down Gabel sollte zwar nicht mit dem von Naked Bikes vergleicht werden, es findet aber einen sportlichen Kompromiss für einen Cruiser. Was aber mehr für Verwunderung sorgt, ist die Schräglagenfreiheit, die die Street Rod bietet. Man muss natürlich im Hinterkopf behalten, dass man sich auf einer Harley Davidson befindet, über 40° Schräglage sind hier nicht möglich. Wählt man aber die richtige Linie, schafft man es, die Fußrasten die meiste Zeit vom Asphalt fernzuhalten. Sollte das nicht gelingen, ist es auch halb so wild, Spaß macht es allemal.

Für viele Jahre hätte man meinen können, Bremsen seien auf Harley Davidsons nur verbaut, weil es Pflicht sei. Die Verzögerung war mäßig und musste weit vorausgeplant werden. Die Street Rod steht mit Doppelscheibenbremse vorne und einer Scheibenbremse im Heck da, mit jeweils 300mm Durchmesser. Zugepackt wird mit Zweikolben Bremssätteln und serienmäßigem ABS. Sieht man das Positive der Bremsanlage, könnte man sagen, dass sie niemanden überfordern wird. Die Verzögerung ist ausreichend und gut dosierbar. Bis die Bremssättel aber einmal zupacken, muss viel gearbeitet werden. Bei sportlichem Anbremsen berührt der Hebel beinahe die Finger, packt man noch fester zu, kommt es eindeutig zur Berührung. Über die Zeit gewöhnt man sich bestimmt daran und man kalkuliert das Bremsverhalten mit ein, im ersten Moment wird man sich aber wundern.

Reifen der Street Rod

Die Bereifung liefert Michelin mit dem Scorcher 21, der speziell für die Street Rod entwickelt wurde. Erkennen kann man ihn an den eingravierten Harley Davidson Logos, die ein sehr schönes Detail für einen Reifen sind. Die Perfomance vom Pneu kann keinesfalls kritisiert werden, auf den gripreichen Straßen Spaniens hat er über den ganzen Tag einwandfrei und handlich funktioniert.

Bremsen und die Suche nach dem Leerlauf

Wirklich negativ an der Street Rod fällt nur das Getriebe auf. In Bewegung arbeitet es sehr unauffällig und gibt keinerlei Anlass zur Aufregung. Es ist der Stillstand, der die Frustration im Fahrer hervorruft. Erster Gang, zweiter Gang, erster Gang, zweiter Gang. Wo ist der Leerlauf? Man könnte dieses Spiel für Minuten spielen, ohne zum erwünschten Ziel zu kommen. Das ist schlichtweg ärgerlich und nervt auf Dauer. Die einfachste Lösung: Motor abschalten, dann findet man den Leerlauf gleich aufs Erste. Ob man das auch bei jeder Ampelphase machen will? Das bezweifle ich stark.

Made in India. Na und?

Wie bereits erwähnt ist die Street Rod zweifelsfrei eine Harley Davidson. Die Optik geht wie bei der gesamten Street Baureihe in eine andere Richtung, bleibt der Linie der Marke aber gleichzeitig treu. Blinker und Rücklicht leuchten in LED, hier geht man mit der Zeit. Die Verkleidung über dem Scheinwerfer ist bis 100 km/h sehr funktionell und sieht dabei auch noch sehr sportlich aus. Ein Argument spricht aber für viele Motorradfahrer gegen die neue Street Rod: Made in India. Denn es stimmt: Modelle für den amerikanischen Markt werden in Amerika gebaut, für die restlichen Märkte übernimmt Indien die Produktion. Mir ist dieses Argument aber kein wichtiger Faktor, Indien ist bereits einer der größten Motorradproduzenten weltweit. Viele Hersteller setzen auf Indien als Produktionsstandort. Besonders die Aussage „Sie ist keine echte Harley Davidson“ verstehe ich nicht. Was ist eine echte Harley? Sollten wir uns nicht lieber freuen, dass jetzt mehr Menschen die Möglichkeit haben, Teil dieser traditionsreichen Marke zu werden?

Harley Davidson Street Rod Preis und Farben

Genau der Preis ist nämlich der Punkt, wieso die Street Rod für breite Massen interessant werden kann. Für genaue Preise besucht ihr am besten die Harley Davidson Website, aber egal wo man nachsieht, sie wird unter 10.000 Euro beginnen. Eine eindeutige Ansage. Vor allem, da zu diesem Preis die Verarbeitung stimmt und man viel Metall für sein Geld bekommt. Abstriche muss man bei den Bedienelementen machen, die einen etwas billigen Eindruck machen.

Farblich ist die Street Rod in drei Varianten erhältlich. Neu für 2017 sind Olive Gold und Charcoal Denim (grau), für alle die es klassisch wollen, steht auch Vivid Black zur Verfügung.

Bericht von Der Horvath am 25.04.2017 Aufrufe: 15.741

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