Honda NM4 Vultus Test

Honda NM4 Vultus Test

Das spacige Raumschiff Honda NM4 Vultus von Kot & Vauli getestet

Mainstream ist nicht jedermanns Sache, wer anders als die anderen sein möchte, sollte sich eine Partnerschaft mit der Honda NM4 Vultus überlegen. Das futuristische Äußere im Batbike-Stil passt übrigens durchaus auch zu den Innereien - ein hochmodernes Doppelkupplungsgetriebe ist fix dabei!

Notorische Kritiker und Aufreger, die sich grundsätzlich über alles Neue beschweren, werden mit Honda nicht glücklich werden: Wer die Honda NM4 Vultus völlig unnötig oder schrecklich häßlich findet, stößt bei den Japanern auf taube Ohren. Es scheint sogar, als wäre die Vultus absichtlich so abartig gestaltet, damit man über sie redet - egal, ob gut oder schlecht. Und Geschmäcker sind bekanntlich verschieden, was dem einen gefällt, geht für den anderen gar nicht - und umgekehrt.

Vaulis Meinung zur Honda NM4 Vultus:

Für mich besteht in Bezug auf Motorräder ein großer Unterschied zwischen "gefällt mir" und "möchte ich haben". Die Honda NM4 Vultus etwa gefällt mir wegen ihres einzigartigen Designs, wegen des Muts, den Honda damit an den Tag legt und wegen dieser unglaublichen Skurrilität äußerst gut. Falls jemand sagt: "Das kann Honda doch nicht ernst meinen!" kann ich nur sagen: Eh nicht wirklich! Zumindest erwarten die Japaner keine großartige Rendite durch das seltsame Cruiser-Modell. Eigentlich ganz schlau, immerhin verursacht die Vultus keine großartigen Kosten, basiert sie doch auf der NC-Einsteiger-Plattform, die sogar einen spritzigen Roller umfasst. Der Motor passt daher meiner Meinung nach auch nur bedingt in den Vultus-Cruiser. Die Leistung von 55 PS, der Hubraum von 745 Kubik und das höchste Drehmoment von 68 Newtonmeter bei nur 4750 Touren würden schon stimmen, allerdings benimmt sich das Triebwerk zu brav, hat zu wenig Eigenleben. Dafür passt es mit dieser einfachen Handhabung bestens zum Ein-, Um- und Aufsteiger-Image der Baureihe - trotz mächtigem 200er-Hinterreifen läßt sich die, mit fahrbereiten 245 Kilo Gewicht vergleichsweise leichte Vultus sehr einfach umlegen und wird niemanden überfordern. Bei ihr gilt mehr als bei allen anderen Cruisern: Draufsetzen, losfahren, sicher fühlen. Verstärkt wird dieser Effekt auch noch durch das DCT (Dual Clutch Transmission) genannte Doppelkupplungsgetriebe, das im reinen Automatikmodus für gemütliches Cruisen so richtig Sinn macht und eben Anfänger nicht überfordert. Der Schaltmodus, bei dem man über Wippen am linken Lenker die Gänge manuell wechselt, ist eigentlich, zumindest für mich, gar nicht notwendig - Sport hat auf der Vultus ohnehin nichts verloren. Und will ich die Honda NM4 Vultus auch haben? Ehrlich gestanden nicht unbedingt, für mich ist die Kombination von supermodernem Doppelkupplungsgetriebe, Cruiser-Sitzposition und ultra-futuristischem Design nicht ganz schlüssig. Ich kann aber sehr gut nachvollziehen, dass gerade diese Schrulligkeit genau das ist, worauf einige schon lange gewartet haben.

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Kots Meinung zur Honda NM4 Vultus:

Wir bei 1000PS sind ja schon etwas älter. Bei den Sängerknaben würden wir nicht mehr genommen, bei Hollister auch nicht und beim Springbreak will uns sowieso keiner mehr sehen. Zwischen 20 und 30, da waren wir noch verrückt und innovativ, so wie die jungen, japanischen Designer der Vultus, auch wenn’s nicht allen gefällt. Honda hat kreative Nachwuchstalente rangelassen und die haben sich sichtlich ausgetobt, das Ergebnis heißt Vultus, was Gesicht/Antlitz bedeutet. Man kann annehmen, dass sich die Japaner von Mangafiguren haben inspirieren lassen, mich erinnert die Formensprache etwas an das Hinterteil der Suzuki B-King, bei der sich ebenfalls die Frage nach Kunst oder Katastrophe stellt. Nun, ich mag Extreme, weil ich Gleichförmigkeit nicht ertrage. Deshalb bin ich auch froh, dass es sich Konzerngiganten wie Honda leisten können, so etwas wie die Vultus zu bauen. Sie wirkt wie die Weiterentwicklung der DN-01, jenem Motorrad-Roller-Hybriden, der kurz für hochgezogene Augenbrauen sorgte und plötzlich wieder verschwand – was keine Überraschung war. Aber er war ein neues Konzept und wie man sieht, führt Honda diesen Gedanken weiter. Doppelkupplungsgetriebe, Reihenzweizylinder, sehr niedrige Sitzbank, Farbdisplay in 25 Nuancen, LED-Beleuchtung. Die Vultus fährt sich wie ein Gleiter, ich fühle mich darauf ein bisschen wie in Star Wars, es geht erfreulich druckvoll zur Sache, man würde hier mehr als 55 PS und 68 Nm vermuten. Dafür hätte ich das Gewicht niedriger als 245 kg vollgetankt geschätzt. Mit einer Sitzhöhe von lediglich 645 mm muss sich aber niemand Sorgen machen, dass das Ding irgendwann mal umkippen könnte. Trotz der sehr tiefen Schulter konnte ich mich über zu wenig Schräglagenfreiheit nicht beschweren und auch nicht über mangelnde Beweglichkeit, obwohl der Radstand 1645 mm beträgt. Nur beim Umdrehen geht einem schnell mal die Straße aus, weil der Wendekreis dann doch etwas länger ist. Etwas bescheiden sind die 11,6 Liter Tankinhalt, doch der Zweizylinder ist ein sehr sparsames Aggregat, man sollte im Alltag also nie trocken laufen. Auf Reisen würde ich mit dem Batbike ohnehin nicht gehen. Da genieße ich lieber die erstaunten, faszinierten und schockierten Blicke der Passanten in der Stadt, die so etwas noch nie gesehen haben – und vielleicht auch nie wieder sehen werden.

Fazit: Honda NM4 Vultus

Die Honda NM4 Vultus ist ein Motorrad, das bestimmt niemanden kalt läßt - ob man sie nun mag oder nicht, der atemberaubende Stealth-Look sorgt definitiv für gesteigerte Aufmerksamkeit. Typisch Honda hat das tuturistische Design auch praktische Aspekte: Ein abschließbares Fach auf der linken Seite bietet neben einem 1-Liter Stauraum eine Bord-Steckdose, das zweite Fach auf der rechten Seite bietet sogar drei Liter Fassungsvermögen. Der Soziussitz läßt sich ganz einfach zur Fahrerlehne umfunktionieren und das Display im Cockpit des Stealth-Jets kann die Farbe 25-fach wechseln. Tolle Spielereien dominieren also die NM4 Vultus, die Technik ist aber solide. Als Basis dient die NC-Einsteiger-Plattform mit einem braven Parallel-Zweizylindermotor, stabilem Chassis und sogar serienmäßig DCT (Doppelkupplungsgetriebe) samt Automatikfunktion. Das beschert der Vultus den Status eines besonders angenehm und einfach zu fahrenden Cruisers - der sich mit seinem Äußeren allerdings an besonders Extrovertierte richtet.

1
Vorteile
  • einzigartiges Design
  • leichtes Handling
  • unkomplizierter Motor
  • bulliger Antritt
  • DCT (Doppelkupplungsgetriebe)
  • niedrige Sitzhöhe
  • Staufächer an den Seiten
  • kräftige Bremsen
1
Nachteile
  • Polarisierendes Design
  • Motor ohne cruisertypische Eigenvibrationen
  • hoher Preis

Bericht vom 17.10.2014 | 41.959 Aufrufe

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