Adventure 1190 2014

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Revolution! Vollbremsung bei 45 Grad Schräglage möglich. 1000PS testet die KTM 1190 Adventure 2014 mit MSC.
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KTM 1190 Adventure 2014

Dass bei KTM die Zeichen auf Vollgas stehen erkennt man nicht bloß an den Verkaufszahlen (113.000 Bikes werden 2013 anvisiert), sondern auch am technischen Fortschritt. KTM übernimmt durch eine Kooperation mit Bosch die weltweite Führerschaft in Sachen Motorrad-Fahrerassistenzsysteme. MSC

heißt das Wunderding und soll das ABS zu einer Stabilitätskontrolle machen. Papier ist geduldig, NastyNils testet auf dem Bosch Testgelände und greift bei 45 Grad Schräglage voll in den Anker!

 
KTM ist eigentlich recht spät auf den fahrenden Zug aufgesprungen. BMW und Honda hatten in Sachen ABS schon längst die Führung übernommen, währenddessen hat man bei KTM immer noch mit dem "ready to race" Spirit im Kopf auf ABS-Systeme verzichtet. Doch spätestens seit der SM-T und noch viel mehr mit der 1190er Adventure wurde klar, dass sportliches Fahren, Fahrspaß und Sicherheit nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Bei 8% Marktanteil in Europa ist man nur noch 2% Punkte von Pierers "10%" Ziel entfernt. Helfen sollen da zum einen die "kleinen" Modelle wie die Duke 390 aber auch Innovationen bei den großen Bikes.
 
Burgess sagt "unmöglich"

Hierbei entpuppte sich Bosch als kongenialer Entwicklungspartner. Der Weltkonzern hat normalerweise mit sperrigen Automobilmanagern zu tun und die Techniker der Bosch-Truppe waren begeistert. "Sie waren so unkompliziert", streute der Entwicklungsleiter Dr. Yildirim von Bosch Rosen. Bei der Präsentation in Boxberg präsentierten Techniker von Bosch und KTM Hand in Hand den wohl größten Meilenstein der letzten Jahre. Die anwesenden Journalisten schwankten zwischen "Die müssen Gurus sein" und "das funktioniert doch nie" und warteten gespannt auf den folgenden Livetest. Es galt dutzende Schwierigkeiten zu nehmen und noch vor 5 Jahren hat niemand geringerer als Rossis Cheftechniker Jeremy Burgess behauptet, dass es vollkommen unmöglich sei ein ABS zu entwickeln welches auch in Kurven zufriedenstellend funktioniert.
Der Herausforderungen waren gewaltet. Technik-Gurus unter den Lesern wird der "Kammsche Kreis" ein Begriff sein (Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Kammscher_Kreis).
 

Maximale Beschleunigung bei 40 Grad Schräglagemöglich

Die Reifen können immer nur eine bestimmte Maximalkraft auf den Asphalt übertragen. Wird viel Kraft für Seitenführungskräfte verwendet, bleibt wenig zum Beschleunigen und Bremsen übrig. Diese theoretische Erkenntnis deckt sich auch 100% mit den Erfahrungen von Motorradfahrern. Niemand würde auf die Idee kommen, in voller Schräglage voll ans Gas oder voll auf die Bremse zu gehen. Doch es beginnt kompliziert zu werden, sobald man das Gesamtsystem Motorrad dynamisch betrachtet. Der Kammsche Kreis ist gar kein Kreis, sondern viel mehr eine Elipse mit Buckeln drinnen.
 
MotoGP Bikes zum Beispiel scheinen die Gesetze der Physik auszuhebeln und können bei 40 Grad Schräglage die höchsten Beschleunigungskräfte übertragen. Das liegt zum einen an den infernalen Reifen, zum anderen aber auch daran dass in starker Schräglage der Schwerpunkt tiefer ist und das Motorrad hier weniger Wheelyneigung hat. Eine Adventure ist zwar kein MotoGP Bike, doch auch hier gilt es unzählige Sonderfälle zu berücksichtigen um ein ABS in der Kurve funktionieren zu lassen.
 

Kurven ABS wird Leben retten

Warum tut sich Bosch diese Entwicklung überhaupt an? Der Zugang ist erschreckend pragmatisch, wird aber unzählige Leben retten. 24% der Motorradunfälle auf europäischen Straßen passieren während der Kurvenfahrt. Bei 2/3 von diesen Unfällen hätte MSC einen positiven Einfluss. Also entweder könnte ein Crash / Unfall komplett verhindert werden oder zumindest die Auswirkungen könnten reduziert werden. Hier ist einfach riesiges Potential vorhanden um Menschenleben zu retten.
 

ktm 1190 adventure ktm 1190 adventure
Die KTM 1190 Adventure 2014 im Hintergrund, im Vordergrund das unscheinbare aber revolutionäre MSC - ABS Modul von Bosch. Den Durchbruch beim ABS System machte die Weiterentwicklung der Gyrosensoren welche seit letztem Jahr zur Verfügung stehen sowie intensive Arbeit an der Software.
ktm 1190 adventure ktm 1190 adventure
Weltpremiere in Boxberg: Europas Motorradjournalisten lauschen andächtig aber NOCH skeptisch. Von außen nicht von einem "normalen" ABS bzw. von einer normalen Bremse zu unterscheiden.

 
Auf dem Spiel stehen nicht nur Menschenleben, sondern die gesamte Motorradbranche wie wir sie kennen. Bürohengste in Brüssel schmiedeten bereits Pläne den Motorradverkehr in Europa auf automatikgetriebene Fahrzeuge mit maximal 650 ccm zu beschränken. Hintergrund hierfür waren natürlich die Unfallzahlen. In Wahrheit würde die Auswahl dadurch auf rollerähnliche Konzepte beschränkt werden. Nur durch einen starken Eigenantrieb innerhalb der Motorradbranche das Thema Sicherheit voran zu treiben, hat die Branche eine Chance drakonische Schranken in Brüssel zu vermeiden. Hier gibt Bosch mit KTM ebenso Gas wie BMW aber auch Honda.
 

>>>Bildergalerie KTM 1190 Adventure 2014 mit Kurven ABS


 
Bei Bosch war das ABS früher einmal ein PKW ABS - wo unnütze Teile einfach weggelassen wurden. Aus dieser Zeit stammt auch das teilweise negative ABS-Image in den Kreisen von Motorradkennern. Richtig gute Piloten brachten damals auch ohne ABS, zum Beispiel bei Reibwertsprüngen (Zebrastreifen) oder auf welligen Belag sowie in Kurven, bessere Bremswerte zustande als mit ABS. Ab 2007 begann man mit einer echten Motorrad-Entwicklung und nun im Jahr 2013 hat man einen Standard der auch den erfahrensten Piloten gerecht wird.
 

KTM Adventure 2014 mit MSC: Was (kann) arbeitet das System in der Praxis?

Es war schon ein grausames Gefühl als wir die Testbikes von KTM auf dem Bosch Testgelände in Boxberg bestiegen. Man verlangte von uns nichts Geringeres als eine harte Vollbremsung bei hoher Schräglage. Man versicherte uns jedoch, dass beim gesamten Entwicklungsprozess nicht ein einziger Sturz zu vermelden war. Den Anfang machte mein Kollege von der Zeitschrift MOTORRAD. Er beschleunigte die Adventure auf rund 50 km/h bog in die Kurve, die Rasten nur noch 2 cm über dem Asphalt. Dann der Griff in die Eisen! Wir kniffen die Augen zusammen und sahen - NICHTS. Die Fuhre blieb komplett entspannt stehen als würde es den Kammschen Kreis nicht geben. Doch Vorsicht! Bosch kann hier die Grenzen der Physik nicht aushebeln sondern hilft uns lediglich so nahe wie möglich an die Grenzen zu kommen.
 

Ich steig selbst in den Sattel und fuhr in die Kurve. Erstmals mit wenig Schräglage und vorsichtigem Bremsdruck. Ich spürte sofort dass die Adventure wie von Geisterhand geführt die Linie hielt. Das System misst Schräglage, Neigungswinkel, Beschleunigung und sämtliche Parameter vom Motorrad wie Bremsdruck, Motordrehzahl usw. Dann reguliert das MSC den Bremsdruck auf der Vorderbremse genau in jenem Maß um ein Blockieren zu verhindern und bremst hinten mit einem entkoppelten System - genau mit jenem Maß mit um das Fahrzeug zu stabilisieren. Bosch richtet die KTM quasi genau in jenem Maß auf um am Kammschen Kreis jenes Maß an Verzögerung zur Verfügung zu haben um eine sicheres Bremsmanöver sicherzustellen.

 

Vollbremsung mit den Rasten am Boden

In Runde zwei nahm ich all meinen Mut zusammen. Voll in die Kurve rein, Fußrasten auf den Boden und mit voller Wucht in die Bremsen. Ich spürte ein leichtes Pulsieren in der Bremse und gespenstische Ruhe im Fahrzeug. Es war der absolute Wahnsinn. Nie zuvor wurde technischer Fortschritt so einfach nutzbar und erlebbar gemacht. Als nächstes kamen wir zur Kreisbahn. Dort fuhren wir zuerst mit 60, dann mit 80 und später mit 100 Sachen im Kreis. Auch hier führten wir Bremsmanöver in tiefer Schräglage durch. Es ist einfach unbeschreiblich wie viel mehr Sicherheit dieses System in Vergleich zu herkömmlichen ABS Systemen bietet. Zum einen fällt es viel leichter die Spur zu halten, das Motorrad hat ein deutlich reduziertes Aufstellmoment. Zum anderen sind echte Vollbremsungen mit irre kurzem Bremswegen auch bei voller Schräglage möglich.
 

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Bild oben: 50km/h, relativ hohe Schräglage - und jetzt voll in die Bremsen
Bild unten: Nach der Bremsung, kurzer Bremsweg, keine Schrammen
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Doch wir wollen auch nicht verpassen zu erwähnen was das System NICHT kann. Wer zu schnell in die Kurve fährt dem kann auch vom MSC nicht geholfen werden. Denn es reduziert Geschwindigkeit nicht aktiv, sondern immer nur in jenem Ausmaß wie man durch die Bremse vorgibt. Auch kann es nicht mehr Grip herzaubern als vorhanden ist. Wer mit einem 100er in eine Kurve fährt welche selbst Rossi nur mit 60 fahren kann ist verloren.

 

Die Grenzen der Physik werden nicht verschoben

Was auch nicht klappt ist in der Kurve den Speed immer weiter zu steigern bis man die Haftungsgrenze überschreitet. Das System nimmt dich auch hier nicht an die Leine und lässt dich von der Leine. Die Traktionskontrolle verhindert zwar ein Ausbrechen des Hinterrades, das Vorderrad jedoch rutscht irgendwann mal einfach weg. Ebenso kritisch sind sehr hohe Reibwertsprüngen. Ein Beispiel: Man fährt zügig und mit hoher Schräglage in eine nicht einsehbare Kurve. Eine große Wasserlacke taucht auf, man bremst und kommt vor der Lacke zum Stillstand - so weit so gut, genau für solche Zwecke wurde das MSC entwickelt. Das System kann auch noch damit umgehen wenn man während dem Bremsmanöver mit einem sogenannten "Reibwertsprung" auf den nassen Fleck kommt und hier weiter voll auf der Bremse steht. Ein Sturz ist jedoch vorprogrammiert, wenn die Linie mit einer Geschwindigkeit über den nassen Fleck führt welche auch ohne jegliches Bremsmanöver zu einem Sturz führen würde.
 

Praxistest bei erster Ausfahrt

Kritische Stimmen mögen nun anmerken, dass dieser Elektronik-Overkill doch ziemlich uncool am Motorrad ist. Wo bleibt da der Geruch von Abenteuer und Benzin. Ich kann euch versichern, dass in der Praxis der Fahrspaß nicht im Geringsten getrübt wird. Bei der folgenden Ausfahrt auf öffentlichen Straßen wurden die KTMs mit KTM PR Mangager "Kutte" Kuttruf an der Spitze würdig bewegt. Wir bremsten spät, legten kräftig um und machten all die lustigen Sachen die wir beim Motorradfahren so lieben. Das ABS / MSC hat in der Praxis nicht einen einzigen Nachteil zu bieten.
 

Als hätten die KTM PR-Leute ihn bestellt, wurden wir aber von einem geistesabwesenden Autofahrer aus unseren Kurventräumen gerissen. Kutte nahm eine wunderbare Kurve beinahe auf den Rasten als der A6 als Linksabbieger plötzlich von der Gegenfahrbahn in unsere Fahrbahn schoss. Wir schlossen mit Kuttes Leben ab und er tat das was jeder Motorradfahrer macht. Er griff vor Schreck voll in die Bremse. Man hörte sogar ein leichtes Quietschen, Kutte reduzierte den Speed dramatisch, wich ganz entspannt aus und fuhr weiter als wäre das Manöver komplett alltäglich gewesen. Berzerk, knapp hinter Kutte und mir war klar: Hier wurde vom MSC soeben das erste Leben oder zumindest die ersten Knochen gerettet. Ohne MSC wäre er mit 100% Sicherheit auf der Fresse gelegen.

 
1000PS Fazit: Keine KTM Adventure sollte ohne MSC über den Ladentisch gehen. Der Aufpreis beträgt gerade mal 399 Euro. Die beste Info zum Schluss. Alle 2013er Adventure Fahrer können ebenso für 399 Euro Aufpreis ab Dezember ihre 1190er auf exakt das gleiche System aufrüsten. KTM bewies hier echte Treue zu ihren Kunden und legte keinen Wert auf billigere Geschäftemacherei. Gute Nachrichten aber auch von Bosch: Die Entwicklung bleibt nicht stehen. In den nächsten Jahren werden immer weitere Features entwickelt um den Fahrspaß am Motorrad zu erhalten aber gleichzeitig die Sicherheit zu erhöhen. Wir bleiben dran.
 

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Text: NastyNils
Fotos:
Buenos Dias

Bericht vom 25.09.2013 | 53.904 Aufrufe

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