MV Agusta Brutale 800

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Handlich wie die Kleinen, kräftig wie die Großen. Brutale 800 mit 125 PS aus 798 Kubik.
mv agusta brutale 800
 

MV Agusta Brutale 800

Die neue 800er-Brutale ist viel mehr als eine etwas größere Brutale 675, mit der sie sich Chassis, Geometrie und Verkleidung teilt. Sie ist zwar ebenso handlich und agil, bietet von der Leistung her aber auch den großen Naked Bikes Paroli.

   

Beinahe hätte mein erstes Erlebnis mit einer nackten MV Agusta in der Botanik vor dem Hotel geendet, als ich zur Präsentation der neuen Brutale 800 bei den Superreichen im französischen Cannes zu Besuch war. Ich führte aber wirklich nichts Böses im Schilde, immerhin war die Straße noch überflutet von den Regengüssen in der Nacht und ich bin ja auch ein sehr, sehr vernünftiger Motorradfahrer...

Als der Guide vor mir also nach wenigen Metern langsamer wurde um auf die Gruppe zu warten, drehte auch ich ganz brav den Gashahn wieder zu. Die Brutale 800 wollte aber nicht so abrupt das Gas wegnehmen wie ich es erwartet hatte und so musste ich hart in die Eisen greifen – sehr sportliche Eisen, wohlgemerkt. Es ging noch mal gut und die angriffslustige Meute hinter mir hielt plötzlich einen ordentlichen Respektabstand – der Vorteil, wenn man sich bereits in den ersten Sekunden der Ausfahrt als Kasperl outet.

mv agusta brutale 800


Gewöhnungsbedürftiges Gasgriffgefühl.

Der Grund für das etwas gewöhnungsbedürftige Gasgriffgefühl ist das Ride-by-Wire-System, auf das die Techniker bei MV Agusta ganz stolz sind – und das teilweise zu Recht. Hätte ich daran gedacht, gleich in den R-Modus – Rain nicht Racing! – umzuschalten, hätte ich die vorher beschriebene Problematik vermutlich nicht gehabt. Allerdings ist das Umschalten zwischen den drei Modi (Rain, Normal und Sport) nicht unbedingt intuitiv, ohne Anleitung kann man die vielen Funktionen zwar durch Herumprobieren auskundschaften, sollte dafür aber eine Menge Zeit haben – die mir natürlich fehlte. Ein italienisches Motorrad muss aber nun mal verspielt sein, da sind die drei Knöpfe, mit denen man die Traktionskontrolle (8-fach justierbar), Schaltautomat und Gasannahme verstellen kann, mehrfach mit Funktionen belegt und ob das ganze funktioniert, ist auch noch abhängig davon, wie lange man das jeweilige Knopferl drückt.

Bildergalerie MV Agusta Brutale 800


 
Egal, vergeben und vergessen, denn was dann in der kurvigen Gegend rund um Cannes passierte, war ein unglaubliches Erlebnis. Die MV Agusta Brutale 800 geht gut, sehr gut sogar. Im Sport-Modus ist die Gasannahme besonders direkt und aggressiv – eine MV Agusta mag man eben, oder nicht. Dazwischen ist kein Platz für vielleicht, wenn und aber. Wer allerdings besonderen Wert auf ein agiles Triebwerk legt, wird die Brutale 800 lieben. Denn der Motor mit 125 PS bei 11.600 Touren und einem maximalen Drehmoment von 81 Newtonmetern bei 8600 Umdrehungen ist wahrlich ein Spektakel. Schon von weit unten schiebt der Dreizylinder-Murl akzeptabel an, bei 7000 Touren kommt dann die absolute Erleuchtung, da öffnet sich förmlich das magische Tor. Kommt man nämlich in diesen Bereich, kann man bei beherzter Fahrweise auch im zweiten Gang noch den Vorderreifen schonen. Kein Vergleich also mit der kleineren Schwester Brutale 675 und eigentlich auch nicht mit der Triumph Street Triple. Eher noch mit der Speed Triple, der sie eben auch bei der Leistung ganz nahe kommt. Allerdings ist die Brutale 800 um einiges handlicher und agiler, das Trockengewicht von 167 Kilo ist ein echter Hammer.

Deutlich mehr Druck als Brutale 675 und Street Triple.

Dementsprechend leichtfüßig geht die Mittel-Brutale um die Ecken, da muss man eigentlich nicht allzu viel dafür tun, die Maschine legt wie von selbst um, ohne dabei nervös oder instabil zu werden. Bei der Fahrwerksabstimmung haben die Techniker einen hervorragenden Job erledigt, die vordere 43-Millimeter-Upside-Down-Gabel von Marzocchi ist genauso wie das hintere Sachs-Federbein voll verstellbar, aber schon das Grundsetup ist durchaus mehrheitsfähig. Denn auch die Franzosen haben nicht mehr so viel Geld, in der hügeligen Gegend rund um Cannes sind so manche Straßen in schlechtem Zustand – auf der MV Agusta Brutale 800 dennoch kein Problem. Grobe Stöße werden gut herausgefiltert, ohne bei der Sportlichkeit Einbußen hinnehmen zu müssen. Da stört es auch gar nicht, dass der Sattel nur super Grip bietet und sportlich geformt ist, bei der Polsterung aber ziemlich spart – die Brutale 800 will sportlich sein, zum Touren nimmt man besser etwas anderes.
 
mv agusta brutale 800

Das i-Tüpfelchen ist die wunderschöne Optik.

Dabei würde der Motor sogar einem Touren-Motorrad gut zu Gesicht stehen. Selbst im sechsten Gang kann man extrem untertourig dahin cruisen, Die Elektronik macht es möglich, dass sich das Triebwerk nicht mit lästigem Ruckeln beschwert, sondern souverän hoch zieht und sonor aber nicht aufdringlich mit dem typischen Dreizylinder-Sound Gänsehaut auf den Rücken des Fahrers zaubert. Ganz im sportlichen Stil zeigt sich auch die Bremsanlage. Die Handkraft ist sehr gering und die Dosierbarkeit geht voll in Ordnung, wer aber beim ersten Betätigen nicht mit sehr viel Fingerspitzengefühl hineingreift, wird (so wie ich) über die scharfe Wirkung staunen.

Als besonderen Trumpf hat die Brutale auch noch ihr Aussehen im Talon: Schönheit ist relativ, wer dieses Motorrad aber als hässlich bezeichnet, hat schon einen sehr eigenwilligen Geschmack. Es sind vor allem die vielen wunderschönen Details wie die Einarmschwinge, die hübschen Zehnspeichenfelgen, der dreiflutige Auspuff und das schlanke Heck, die den besonderen Reiz ausmachen. Oder auch solche Kleinigkeiten wie der vordere Bremsflüssigkeitsbehälter in der gleichen Nierenform wie das Display. Das benimmt sich im Übrigen von der Funktion her tadellos, bekleckert sich bei der Ablesbarkeit aber nicht mit Ruhm. Der digitale Drehzahlmesser ist weitestgehend unbrauchbar, die restlichen Daten sehr klein geraten, lediglich die Geschwindigkeit und die Ganganzeige kann man bestens ablesen. Zur weiteren Versöhnung gibt es als praktisches Gimmick ein oranges Lämpchen im Cockpit, das bei ausgeklapptem Ständer leuchtet – und so den Fahrer schon vor dem erfolglosen Startversuch darüber informiert.

Fazit:
Die Brutale 800 wird somit bestimmt auch im Reich der großen Naked Bikes wildern, ihre Leistung passt bestens in das Segment, in Sachen Handlichkeit steckt sie aber fast alle Maschinen dieser Kategorie in die Tasche. Der Vergleich mit Vierzylinder-1000ern liegt somit nahe, die Honda CB1000R etwa leistet exakt das gleiche wie die MV, allerdings baut ihr Triebwerk eher auf Drehmoment und wirkt damit doch um einiges sanfter. Das will die MV aber auch gar nicht, sie ist sportlich, agil und ein absoluter Angreifer. Insgesamt ist die MV Agusta Brutale 800 also ein grundehrliches Motorrad - wer Sport will, bekommt auch Sport. Wer Cruisen und reisen will, sieht sich besser woanders um.
mv agusta brutale 800
Technische Daten MV Agusta Brutale 800
Motor
Bauart Reihendreizylinder
Kühlung Wasser / Öl
Hubraum 798 ccm
Bohrung x Hub 79,0 mm x 54,3 mm
Verdichtung 13,3 : 1
Ventilisierung DOHC
Ventile 12
Nennleistung 92 kW (125 PS) bei 11.600 U/min.
Max. Drehmoment 81 Nm bei 8.600 U/min.
Gemischaufbereitung Drive-by-wire, drei Einspritzdüsen
Fahrwerk
Rahmentyp Gitterrohr
Abmessungen (LxB) 2.085 mm x 725 mm
Radstand 1.380 mm
Sitzhöhe 810 mm
Tankinhalt 16,6 l
Gewicht 167 kg
Bremsen vorne 2 x 320 mm; Radial-Bremssättel mit 4 Kolben, 32 mm
Bremsen hinten 220 mm
Federung vorne USD 43 mm, einstellbar
Federweg: 125 mm
Federung hinten Zentralfederbein, einstellbar
Federweg: 125mm
mv agusta brutale 800

Interessante Links:

Text: vauli
Fotos:
1000ps

Bericht vom 10.12.2012 | 106.738 Aufrufe

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