BMW K 1600 GTL

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Intensivtest auf den Alpenpässen. Kann der Luxustourer auch mit kleinen Motorrädern mithalten?
 

BMW K 1600 GTL

Die BMWs gewinnen ja angeblich jeden Vergleichstest. Daher stießen wir die K 1600 GTL in die Löwengrube und fuhren sie bei einer Ausfahrt gemeinsam mit Ducati Multistrada 1200 und KTM 990 SM-T auf kleinen Tiroler Passtraßen

 
Irgendwie ist Größenwahn eine ganz tolle Sache. Beim 1000PS Betriebsausflug zum High-Bike Testzentrum nach Ischgl musste sich Kollege Kot 5 Stunden lang meine heldenhaften Motorraderlebnisse anhören. Die Anreise aus dem Burgenland ins neue Motorradmekka in den Alpen kann mächtig lange sein am Beifahrersitz. Doch ich weiß genau, dass er in der Lage ist, sein Gehirn auf Hohlraummodus zu schalten, um so den Schallwellen aus meinem Kehlkopf ungehinderten Durchfluss von einem Ohr zum anderen Ohr zu ermöglichen. Beim Schlendern durchs Highbike Testzentrum schmiedete ich den größenwahninnigen Plan. Ich selbst im Sattel der K 1600 GTL, Kot und der einheimische Tourguide Mattl auf Multistrada und SMT. Niemals wieder wird es Zweifel an meiner Herrschaft im 1000PS Büro geben.

Ich weiß genau, dass die K 1600 GTL eine fulminante Fahrmaschine ist. Ich selbst bin mit ihr auf den südafrikanischen Franschhoekpass Pass gestürmt (Video). Doch beim Anblick des Tourenvorschlages von Mattl zweifelte ich etwas an meinen Siegeschancen. Die Kehren der Route waren eng, sehr eng sogar und der Eingeborene hier hatte Seitentäler ausgewählt, wo bis vor kurzem vermutlich noch Cousin und Cousine miteinander mehr als nur Sandkasten gespielt haben. Welch Glück, dass aus der Audio-Anlage vom Luxusdampfer gerade „Highway to Hell“ ertönt, als wir die ersten engen Kehren attackieren.

Wie immer vertraue ich der deutschen Ingenieurskunst blind. Die K 1600 GTL ist nämlich mit allen nur erdenklichen Fahrhilfen ausgestattet. Und damit meine ich nicht „Highway to Hell“ aus den Lautsprechern. Das Fahrwerk habe ich mit dem „Wählrad“ am linken Lenkerende in die sportlichste Abstimmung getrimmt. ABS und Traktionskontrolle sind bei den Bayern auf einem hohen Niveau angelangt und die Reifen können sowohl mit dem hohen Gewicht als auch mit hohem Speed umgehen. Die erste Kehre wird hart angebremst, das Motorrad wird auf die Trittbretter gelegt und kurz nach dem Scheitel werden die Brennräume vom Sechszylinder geflutet. Ein Ruck fährt durchs Motorrad, im Cockpit gibt es ein kleines LED-Feuerwerk, der Hinterreifen meldet kurz seine Bereitschaft und schon gibt es pure und nahtlose Beschleunigung.

 
Ich versuchte mich an ein paar Kehren und stellte fest, das ein höherer Gang nicht von Nachteil ist. Die Beschleunigung wurde nur geringfügig milder, die Motorbremswirkung am Kurveneingang jedoch ebenso. In jenen Kurven, wo ich zögerte, würgte ich somit weniger Speed ab und fuhr einen saubereren Strich. Muss ein unglaubliches Bild von hinten gewesen sein. Die Passstraße mutierte zum Höllenhighway und bei der Mittagsrast gab es dann die obligatorische Triumph-Ansprache.
   

 
Leider war es so, dass auch diesmal nix klar ist. Die Kollegen attestierten mir zwar, dass sie niemals auf mich und meine dicke BMW warten mussten, sie behaupteten jedoch auch ständig irre Angst um ihr Leben sowie auch ein wenig um mein Leben gehabt zu haben. Die dicke Fuhre sieht bei herzhaften Manövern am Gasgriff einfach aus wie eine tosende Lawine, die sich ins Tal hinunter wälzt. Außerdem gaben sie ja (wiedermal) nicht Gas, sondern wollten auch die Landschaft genießen.
 
 
Ich selbst muss jedoch auch gestehen, dass es keinesfalls an meinen fahrerischen Fähigkeiten liegt, dass ich mit dem 400 Kilo Brocken so rasch die Berggipfel erobert habe.
Die Technik macht das scheinbar Unmögliche möglich.

Es ist die Technik, welche das scheinbar Unmögliche möglich macht und den Luxusliner in ein Schnellboot verwandelt. Allen voran die Traktionskontrolle! Ohne Elektronik wäre es auf schmierigen Passstraßen eine Wissenschaft sicher und flott um die Kurven zu kommen. Das 1600er Aggregat bietet zwar eine saubere Dosierung, hat aber schon im Drehzahlkeller Drehmoment im Überfluss zur Verfügung. In den engen Kehren gibt es einfach keine Möglichkeit, schräglagensparend zu fahren und wer schnell sein möchte, muss nun mal früh den Gasgriff öffnen. In beinahe jeder Kurve nutzte ich die elektronischen Helfer am Hinterrad. Beim Anbremsen gab es nur selten Situationen, wo ich das ABS benötigte, doch im Regen sieht die Sache vermutlich schon ganz anders aus. Es ist nicht wissenschaftlich belegt, doch ich wage zu behaupten, dass auch der beinahe vibrationsfreie Motorlauf für die Highspeed-Performance verantwortlich ist. Man spürt in den Griffen nichts als das direkte Feedback von der Straße über die Metzeler Roadtec zurück ans Fahrwerk. So glasklar, dass man eben sehr viel Vertrauen ins Chassis bekommt und schneller fährt, als mit irgendwelchen Rüttelkisten.
 


Frei wählbare Motorsoundkulisse.


Die füllige Drehmomentkurve erlaubt es dir, je nach gewünschter Soundkulisse beinahe in jeder Situation zwischen 2.,3.,4. und 5. Gang zu wählen. Nur der 6. Gang ist in den Alpen nicht wirklich zu gebrauchen, er ist eine Art Overdrive für die Autobahn. Allzu häufige Gangwechsel machen ohnehin nicht so viel Freude. Denn die Schaltung ist das Einzige am Motorrad, das den 5 Sterne Superior Anspruch nicht erfüllt. Deluxe ist zum Beispiel auch die Flutlichtanlage, welche als adaptives Kurvenlicht mit Xenonscheinwerfer in die Kurve hineinleuchtet. Das macht Sinn wenn die Tour etwas länger als geplant dauert und natürlich auch in finsteren Italo-Alpentunneln. Dort erfreut sich gleich die gesamte Clique an dem einen K 1600 Fahrer, der mehr Licht in den Tunnel bringt als der Rest der Crew zusammen.
   
Je länger die Tour wurde umso größer wurde das Verlangen der Kollegen, auch mal in den Sattel der K 1600 GTL zu wechseln. Das Bild war immer ähnlich. Das dicke Motorrad war ein vollwertiges Mitglied in der Gruppe und störte das herzhafte Gasgeben kein bisschen. Die Wartezeiten waren gerade so lange, dass man sich mental von dem eben Erlebten erholen konnte. Es war dann aber auch mal an der Zeit, die Bergwelt zu genießen. In der Schweiz ist es finanztechnisch ohnehin klüger, etwas zurückhaltend zu fahren und so genossen wir die Kehren am Ofenpass mit Bedacht. Dankbarkeit machte sich breit im Sattel der K 1600 GTL. Einfach unglaublich, dass man ein solches fahrendes Luxusgerät für läppische 90 Euro am Tag beim Highbike Testcenter in Ischgl mieten kann. Mein Appell an alle Motorradenthusiasten:
 
Beim nächsten Alpenurlaub ebenfalls ausprobieren. Eure Freunde am Stammtisch werden euch die Heldensagen zwar ebenso wenig abkaufen wie mir, doch ihr selbst kennt die Wahrheit!
 

Video: BMW K 1600 GTL in den Alpen

 

BMW K 1600 GTL - Technische Daten


  K 1600 GTL
Motor
Hubraum 1649 ccm
Bohrung/Hub 72/67,5 mm
kW/PS 118/160,5 bei 7.750  U/min.
Drehmoment 175 Nm bei 5.250 U/min.
Bauart Reihen-Sechszylinder
Verdichtung/Kraftstoff 12,2:1 /Super Bleifrei (95 ROZ)
Ventil/Gassteuerung Tassenstößel
Ventile pro Zylinder 4
Ø Ein-/Auslass 29/24,8 mm
Drosselklappendurchmesser 52 mm
Gemischaufbereitung BMS-X
Elektrische Anlage
Lichtmaschine 580 W
Batterie 12/19 V/Ah
Scheinwerfer Abblendlicht Xenon / Fernlicht Halogen
Starter 0,7 kW
Kraftübertragung Getriebe
Kupplung Mehrscheiben-Ölbadkupplung, hydraulisch betätigt
Getriebe Klauengeschaltetes Sechsganggetriebe, schrägverzahnt
Hinterradantrieb Winkelgetriebe
Übersetzung 2,75
Fahrwerk
Rahmenbauart Hauptrahmen: Kokillenguss,
Heckrahmen: Aluminium, Strangpressprofile
Radführung Vorderrad Doppellängslenker
Radführung Hinterrad Paralever (Einarmschwinge), Zentralfederbein
Federweg vorn/hinten 115/135 mm
Nachlauf 106,4 mm
Radstand 1618 mm
Lenkkopfwinkel 62,2°
Bremsen vorn Doppelscheibenbremse, Ø 320 mm, radiale 4-Kolben-Festsättel
hinten Einscheibenbremse Ø 320 mm, 2-Kolben-Faustsattel
ABS BMW Motorrad ABS (teilintegral)
Räder Aluminium-Gussräder
vorn 3,50 x 17"
hinten 6,00 x 17"
Reifen vorn 120/70 ZR 17
hinten 190/55 ZR 17
Maße und Gewichte
Gesamtlänge 2489 mm
Sitzhöhe (ohne Fahrer) 750 (Serie)
780 (SA Sitzbank einteilig)
780/800 (SZ Fahrersitz
inkl. Soziussitz)
810/830 (SZ Fahrersitz inkl. Soziussitz)
Leergewicht, inkl. 90 % Kraftstoff 348 kg (inkl. Koffer, Topcase)
Zul. Gesamtgewicht 560 kg
Tankinhalt 26,5 l
Fahrdaten
Kraftstoffverbrauch  
90 km/h 4,6
120 km/h 5,9
Beschleunigung
0 –100 km/h 3,4
Höchstgeschwindigkeit > 200

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Text: Nastynils
Fotos: 1000ps

Bericht vom 19.08.2011 | 49.578 Aufrufe

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