Honda Deauville

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Discount Cruising! Die Deauville kann fast alles, was auch die fetten und teuren Reisedampfer können. Nur eben ein bisserl zurückhaltender.

   

Kein Bike fürs Titelblatt

Es gibt Bikes die schaffen es sehr selten aufs Titelblatt. Dazu gehört seit Jahren auch die Deauville von Honda. Ruhm und Ehre ernten Fireblade und Co., die Deauville kommt mit weniger Ruhm aber dafür mit einer sehr treuen Anhängerschaft aus.

Eigenständiges Konzept

Kardanantrieb, komplette Verkleidung, perfekt integriertes Gepäcksystem, echte Soziustauglichkeit, volle Reisetauglichkeit bei viel Komfort bedeuten im Normalfall mindestens 15.000 Euro über den Ladentisch zu schieben. Das man die oben genannten Kriterien auch mit 9.500 Euro erfüllen kann, beweist Honda mit dem eigenständigen Konzept Deauville.


Am Semmering herrscht immer noch tiefer Winter. Zumindest auf den Pisten!

Man muss kein Meteorologe sein um das Debakel vorherzusehen. 7 Uhr morgens auf  1000 Meter Seehöhe sind auch bei guter Wettervorhersage eine Garantie für Frostbeulen.

Keine Gegner

Das Motorrad hat eigentlich keine Gegner, ausser den Vorgänger. Die Fangemeinde ist mit dem V2-Reisebike sehr zufrieden, schenkt dem neuen Eisen aber viel Aufmerksamkeit. Ich bin es ja gewohnt, das die neuesten Eisen der Saison bei meinen Testfahrten teilweise für Aufsehen sorgen, aber bei dem biederen Strassenschlitten Deauville hätte ich es nicht erwartet. So zogen beim Parkplatz der Firma Mayerhofer die Deauville Fans ihre Kreise um das Moped. "Bin in den letzten 8 Monaten 30.000 Kilometer mit meiner 650er Deauville gefahren. War damit in den Alpen, in Sardininien und in Korsika. Immer mit Sozia, immer mit Gepäck. Die neue hat genau die 10 PS mehr, welche meinem Bike fehlen. ", berichtete der Deauville Pilot.

Altherrengerät?

Ich selbst fuhr mit der Deauville eine kleine aber feine Tour nach Kärnten. Bei den Vorbereitungen für unsere 1000PS Roadshow im Süden des Landes musste ich einen morgendlichen Termin um 9 Uhr im Rosental einhalten. Unsere 1000PS Garage war zum Glück voll mit lässigen Radeln und die Deauville war auch noch da. Keiner meiner jugendlichen Kollegen wollte das vermeintliche Altherren-Gerät bewegen, so fasste ich es für meinen Termin in Kärnten aus. Der Wetterbericht versprach perfektes Wetter für den Schönwetterfahrer und ich stieg leicht bekleidet auf den Tourenbock.


Kardanantrieb in der Klasse unter 1000ccm.

Die hintere Federvorspannung ist hydraulisch verstellbar.

Schnorrerbekleidung

Doch um 7 Uhr morgens im April ist es auch bei gutem Wetter am Semmering recht kalt. Der Körper konnte beim perfekten Windschutz der Deauville zwar in Deckung gehen, doch die klammen Pranken mit den luftigen Racing-Handschuhen hängten hilflos im Wind. Als Zubehör erhältlich gibt es für die Deauville zwar Windabweiser vor den Griffen aber ich musste mich mit der Schnorreralternative begnügen. Die Dieselhandschuhe an der Tankstelle stopfen zumindest die gröbsten Löcher im coolen Handschuh. 

Guter Eindruck bei 160

Einen besonders guten Eindruck hinterlässt die Deauville bei einem Reisetempo von ca. 160. Der Motor muss hier noch nicht ausgewunden werden und das Bike findet die Linie auf der Semmering Schnellstrasse wie von selbst. Dieser Spruch "findet die Linie wie von selbst" war mir bisher immer extrem unsympathisch. Lag vermutlich daran, das ich nicht genau kapierte, was er eigentlich bedeut. Nun weiss iches. Bei der Deauville behält man einfach die Fahrbahn möglichst weit vorne im Auge und die Maschine fährt tatsächlich spielend leicht eine wunderbar geschmeidige Linie in Richtung Horizont.


ABS / CBS an der Honda. Bremst man vorne, wird hinten leicht mitgebremst und umgekehrt.

Guter Windschutz! Im Zubehör gibt es noch Windabweiser welcher auch die Pfoten in den Windschatten stellt.

Stabil bis 200

Steigert man das Tempo weiter wird man positiv überrascht. Nicht vom Motor, der arbeitet mit seinen 66PS zwar brav, hat dann aber im Bereich von Tacho 200 seine Grenzen erreicht, sondern vom Fahrwerk. Sehr spurstabil und trotzdem wendig genug ist das günstige Tourenmotorrad auch noch in den Scheinkiller Regionen unterwegs. 

Wo ist die Griffheizung?

Mittlerweile sind wir längst auf steirischen Strassen unterwegs und die Fahrbahntemperaturanzeige mit "-1 Grad" lässt meine rechte Hand blitzartig einfrieren - und zwar bei Standgas! Beim Bergabrollen finde ich nun etwas Zeit, mich mit den praktischen Dingen an der Deauville auseinanderzusetzen. Das übersichtliche Cockpit bietet alle Infos aber keine Spielereien. Verbrauch, 2 Tageskilometerzähler, Drehzahlmesser, Leerlauf-Lamperl, ABS Leuchte und Tacho - das war es. Eine Griffheizung wäre angesichts der tiefen Temperaturen lässig, und ist für die Deauville im Honda Zubehör auch erhältlich. Sehr praktisch sind die 2 Fächer, eines davon absperrbar, an der Honda Front. Papiere, Handy und Moneten haben hier einen perfekten Platz gefunden. Hier bleiben keine Wünsche offen.


Nicht zu viel und nicht zu wenig!

Serienmässig ohne Aufpreis: Hochwertiges und schön integriertes Gepäcksystem.

Kofferraum inklusive!

Apropos Gepäck: Normalerweise ein Fall für ein paar Hunderter extra, hat man in der Deauville den Kofferraum gleich eingebaut. Serienmässig gerade gross genug um das Gepäck für eine Dreitagstour mitzunehmen. einen Helm in üblicher Grösse schluckt das serienmässige Teil jedoch nicht. Im Honda Zubehörprogramm gibt es auch für die neue Deauville wieder die weiter ausgestellten Seitendeckel für den Koffer. Dann ist die Deauville zwar etwas breiter, eignet sich aber vom Laderaum her fast schon als Kastenwagen.

Linear und einfach

Bei der Bremse wurde an der neuen Deauville klarerweise das Honda ABS / CBS System montiert. Für die potentiellen Kunden dieses Eisens sicherlich ein grosser Pluspunkt. Bei langen Touren herrschen am anderen Ende des Tunnels manchmal andere Wetterverhältnisse als bei der Einfahrt. Die Bremse wie auch alle anderen Bedienelemente wurden sehr leichtgängig und durchschaubar gestaltet. In den Kennlinien finden sich keine Buckeln und Zacken. Alles läuft linear und einfach ab.


Kein schlankes Heck, aber wesentlich besser als angeschraubte Wandschränke.

Zu uncool für den Einsteiger

Eigentlich wäre die Deauville ein perfektes Einsteigerbike. Dafür ist sie aber etwas zu uncool. Mit dem Bike sind keine Standing Ovations vor dem Eiscafe zu erwarten. Der typische Deauville Besitzer wird sich aber auch selten vor der Eisdiele herumtreiben, sondern eher auf diversen Passstrassen zu finden sein. Keine Schwächen zeigt die 680ccm Maschine trotz der relativ breiten Front im Stadtverkehr. Wieselflink und wendig genug für den Ampelslalom ist sie auch ein gutes Teil für den Weg in die Arbeit.

Schwer unterschätzt!

Bewegt man sich auf den Websites der Motorradhersteller, wird man schon bald feststellen, dass die Deauville eigentlich keine Gegner hat. Die anderen Bikes in dieser Liga haben mindestens 50 PS mehr und bewirken 5.000 Euro weniger am Konto. Deauville Besitzer wissen es ohnehin: Ein tolles Allroundmotorrad mit einem fairen Preis / Leistungsverhältnis. Wer mit 66 PS das Auslangen findet, wird nach einer Probefahrt sicherlich ebenfalls überzeugt sein. Das Motorrad wird schwer unterschätzt!

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Deauville Besitzer wissen es ohnehin: Ein tolles Allroundmotorrad mit einem fairen Preis / Leistungsverhältnis. Wer mit 66 PS das Auslangen findet, wird nach einer Probefahrt sicherlich ebenfalls überzeugt sein. Das Motorrad wird schwer unterschätzt!


  • Eigenständiges Konzept
  • keine Konurrenz
  • Reisetauglichkeit
  • geringer Kaufpreis
  • resistenter, kräftiger Motor
  • stabiles Fahrwerk
  • Kofferraum inklusiv
  • ABS
  • Zu uncool für den Einsteiger
  • wirkt optisch sehr brav

Bericht vom 09.05.2006 | 73.775 Aufrufe

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