Motorrad-Reise durch die Provence in Frankreich

Lebenslinien unterwegs durch die Provence

Unzählige Lavendelfelder, freie Blicke über karg bewachsene Bergspitzen, mit Trüffel verfeinerte Mahlzeiten und Kurven ohne Ende. Das ist der Südosten Frankreichs dessen Straßen sich wie Lebenslinien durch die Landschaft ziehen. Dabei hat diese Gegend so unheimlich viel zu bieten, dass eine Reise alleine bei weitem nicht ausreicht.

Text & Bild: Thorsten Thimm

Zuerst ein Wort zur Anreise in die Provence: Mit dem Motorrad kann man das Ganze schon direkt als Tour ausarbeiten und kommt am besten über die Berge über Grenoble und das Vercors nach Valreas. Mit dem Auto gehts über Lyon gen Süden bis Montelimar bis man ca. 30 Minuten später Valreas erreicht.

Valreas - Startpunkt der Provence-Tour mit dem Motorrad

Carmen und ich sind noch nicht richtig in der Maison DAnvers angekommen, da steht Siggi der Hausherr schon bei uns und begrüßt uns in Deutsch mit seinem belgischem Slang. Er hilft uns beim Abladen der Mopeds vom Trailer und führt uns danach in den Vorhof seines gemütlichen Anwesens. Noch sind einige Gäste zum Speisen da, aber langsam leert es sich und als wir frisch geduscht aus unserem Zimmer zurück kommen, sind wir die Einzigen. Die Bluetooth Box spielt im Hintergrund lässige Musik und die ersten belgischen Biere kühlen den Körper von innen. Es ist Mitte Juni und die Temperaturen mit 36-38 Grad im Schatten gnadenlos. Siggi und Vanessa erzählen uns ihre Geschichte, lassen uns teilhaben an ihrem Leben hier und dem, was sie sich in den letzten Jahren aufgebaut haben. 200 Jahre hat der alte Bauernhof den sie bewirtschaften hinter sich und wurde mit viel Liebe zum Detail renoviert und erhalten. Ihre Hunde und die Hofkatze treiben nebenbei noch ihre Spielchen neben uns, ansonsten ist es aber bis auf vereinzelt zirpende Grillen hier draußen zwischen den Weinbergen still. So still, dass man die Zeit und das stressige Leben, aus dem wir gerade in Deutschland entflohen sind, einfach einmal vergisst und die Seele baumeln lässt.

Nach und nach kommen mit Thomas, Marina und Jochen unsere Begleiter mit ihren Bikes an, denn die Maison ist der Ausgangspunkt unserer Tour durch die Region PACA (Provence-Alpes-Cote-Azur). Doch zuvor steht noch ein wunderschöner Abend mit den Weinen aus dem Vaucluse, und Siggis einmaliger Kochkunst im Vordergrund.

Das Leben wie Gott in Frankreich - Provence Motorradtour

Vorzüge im Übrigen, die die Menschen hier schon im Altertum schätzten, denn zwischen Rhone und den sanft ansteigenden Hügeln der Alpen wurde Gemütlichkeit schon immer groß geschrieben. So groß, dass Valreas und Gebiete drumherum von Pabst Johannes dem XXII. bereits im 14. Jahrhundert zur päpstlichen Enklave erklärt wurden. Ja mehr noch, die Päpste residierten sogar in dieser Gegend und drehten so Rom den Rücken zu.

Daneben hat Valreas noch eine ganze Menge mehr zu bieten. Denn außer der alten Kirche und dem Chateau de Simiane gibt es sehr viele historische Gassen mit kleinen Läden, die das Licht einfangen. Sucht man das Leben wie Gott in Frankreich, hier findet man es. Wir hingegen finden später an diesem Abend nur noch unsere Betten und lassen Kultur und die Maison bereits am folgenden Morgen vorerst einmal hinter uns. Nach einem reichlichen Frühstück besteigen wir unsere Bikes, verabschieden uns von Siggi und Vanessa und brechen in südwestlicher Richtung nach Puymeras auf. Die ersten Kurven fühlen sich gut an und der Boxermotor der Nine T macht schon auf den ersten Metern richtig Spaß.

Mit dem Motorrad ins Trüffelland

Gerade erst so ein wenig eingefahren landen wir allerdings schon wieder direkt vor einem schwarzen Verkaufsgbäude in Puymeras. Plantin stellt so ziemlich alles aus Trüffel her, was es gibt. Doch gewährt Christopher, der Chef des Hauses, uns noch einen viel tieferen Einblick in die Materie. Er erzählt uns die Unterschiede des Trüffels, erklärt uns die Feinheiten und das nicht jeder Pilz wie der andere schmeckt. Um eine ganzjährige Produktion an frischem Trüffel zu gewährleisten, nutzt er im Herbst und Winter die französischen Knollen, in der restlichen Zeit importiert er sie aus Australien. Nach der Besichtigung seiner Manufaktur lernen wir die verschiedenen Nuancen bei einer Verkostung in seinem Shop kennen und genießen einen winzigen Teil der 100 Tonnen, die er pro Jahr produziert. Die Sonne steigt derweilen gnadenlos in den Himmel und mittlerweile zeigt das Thermometer erneut über 30 Grad an. Zeit also höher hinaufzukommen.

Die Verwandlung von der Todeszone zum Forschungszentrum

Über Sault folgen wir begleitet von bunten Lavendelfeldern der D245, die hier so gar nicht den typischen Lebenslinien entsprechen will. Sonst kennen wir die Straßen dieser Gegend eher klein, kurvig und teils im 3D-Format. Hier jedoch ist sie schnurgerade und breit, beinahe so wie eine Landebahn inmitten dieser Natur. Und in der Tat ist das ein Gedanke, der nicht an den Haaren herbeigezogen ist, denn wir sind auf dem Weg zum Monte Sirene. Heute dient er in Form eines Observatoriums der Erforschung des Weltraumes. In den 60er Jahren jedoch waren hier 18 Atomraketen gut verpackt unter zehn Meter dickem Stahlbeton zum Abschuss bereit stationiert. Wir sind uns alle einige, dass das eine sehr positive Verwandlung dieser Bergspitze ist. Weg von der Todeszone, hin zum Forschungsfeld. Und eins ist klar, die Bilder aus dem All von hier oben können sich wirklich sehen lassen. Unsere französische Führerin zeigt uns voller Begeisterung die Kuppeln mit den Teleskopen und erklärt uns dabei, dass die hohe Qualität der Bilder mit der klaren Luft hier oben und der nächtlichen Dunkelheit, denn störende menschliche Lichtquellen gibt es nicht, zusammenhängt. Wir könnten noch viel mehr von ihr erfahren an diesem Nachmittag, aber leider müssen wir schon wieder weiter. Am Abend sind wir in Sisteron eingebucht und der Weg dorthin ist noch weit.

Sisteron - Eine geschichtsträchtige Stadt

Einige Kilometer nach dem Monte Sirene kommen wir zurück auf die kleinen Straßen und es kehrt wieder Ruhe ein. Der Boxer unter mir surrt sonor durch die Kurven nach oben. Wir sparen uns heute den direkten Weg über die D946 und wählen die Strecke über den Montagne de Lure, der bei näherem Betrachten beinahe dem Ventoux ein wenig ähnelt. Die Straßen vor und unter uns dampfen noch unter den Sonnenstrahlen, denn die Gewitterfront, die vor uns liegt, hat sich erst kürzlich verzogen. So schnell wie der Regen jedoch fiel, so schnell ist davon nichts mehr zu sehen und als wir am Gipfel in 1830 Metern ankommen bietet sich uns eine perfekte Fotokulisse. Die Natur ist mächtig und der Blick rundherum sensationell. Nicht weit weg hören und sehen wir noch die im Wind treibenden Donnerwolken, denen wir gerade noch einmal ein Schnippchen schlagen konnten. Die Abfahrt dauert ein wenig und so kommen wir erst recht spät in Sisteron an. Eine Stadt, die deutlich mehr Aufmerksamkeit von uns verdient hätte, aber dafür sind wir an diesem Abend einfach zu müde.

Am kommenden Morgen allerdings holt uns Marie vorm Hotel ab und führt uns durch die Stadt hinauf zur Zitadelle. Sie erzählt uns reichlich über die Gegend und vor allem das alte Grenzgerangel zwischen den Departments Provence und Dauphine, deren Gebietsgrenze die Stadt unter uns bildet. Der Ausblick ist grandios und man kann sehr gut verstehen, warum man es hier aushalten und leben kann. Das Alter der umfangreich auf dem Felsen thronenden Zitadelle kann uns Marie nur grob nennen, denn schon Kelten und Römer nutzten diese markante Stelle zur Überwachung, bevor der Rest der Stadt im Mittelalter mit einer Stadtmauer und Türmen umschlossen wurde. Doch das ist bei weitem noch nicht alles. Denn neben der nördlichsten Grenze für Olivenbäume in Frankreich erlangte Sisteron weitere Berühmtheit durch einen gewissen Korsen, der Ende Februar 1815 nach seiner Flucht von Elba die Wege der Stadt kreuzte. Hier hätte man Napoleon mit seinen gerade mal 900 Mann noch aufhalten und Waterloo verhindern können. Das wusste auch Napoleon, aber der königstreue Gouverneur hatte aus lauter Furcht das seine Leute überlaufen könnten die Zitadelle räumen lassen. Er konnte also ungehindert weiter gen Norden ziehen und der Rest ist Geschichte. Geschichte, die hier erlebbar ist, in einer Stadt und einem Landstrich, der so viel zu bieten hat.

Lange Täler, kleine Pässe - Motorrad-Reise in der französischen Provence

Vallee Sauvage so heißt das langgezogene Tal östlich von Sisteron das wir auf unserem Weg zum Col dHysope auf der D3 durchqueren. Doch zuvor werfen wir einen letzten wehmütigen Blick zurück auf die Zitadelle und die Stadt zu ihren Füßen, die mittlerweile ein ganzes Stück entfernt unter uns liegt. Die Sonne steht bereits wieder hoch am Himmel und erneut wird es ein heißer Tag. Doch solange man in Bewegung ist, fallen einem immer neue Wegpunkte, Berge und Orte rechts und links neben der Lebenslinie D3 ins Auge. Wir passieren Saint Geniez und gelangen durch eine malerische Landschaft auf den Col, der mit seinen 1236 Metern nicht unbedingt der höchste, dafür aber einer mit einer genialen Aussicht ist. Mit Blick auf das Cardaiers Tal und die umliegende Bergwelt ruhen wir hier einen Moment aus, bevor wir die Motoren erneut starten und wenig später die Hochebene von Valensole erreichen. Noch hält sich der Lavendel gegenüber dem blühenden Mohn ein wenig schüchtern zurück. In ein paar Tagen jedoch wird sich das ändern und die Bienen werden eine Menge zu tun bekommen. Spektakulär ist es trotzdem, wie sich Reihe an Reihe schmiegt, fast wie mit einem Lineal gezogen. Uns zieht es von dort oben aus erst einmal nach Moustiers-Sainte-Marie, einem verträumten kleinen Ort kurz oberhalb des Lac de Saint Croix. Erneut kommen wir erst kurz vor dem Abendessen im Hotel an, was man anhand der Distanzen, die wir täglich zurücklegen, gar nicht so auf dem Schirm hat. Aber die Lebenslinien dieser Gegend haben einfach zu viele Kreuzungen und Sehenswertes zu bieten, sodass die Zeit wie nichts verfliegt.

Tiefe Schluchten und mächtige Natur - Mit dem Motorrad in die Provence

Die Nacht geht bei weitem schneller vorbei als gedacht und am Morgen steht nach dem Frühstück die Stadtführung an erster Stelle. Dabei zählt Moustiers-Sainte-Marie zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs und das zeigt dieser im 5. Jahrhundert von Mönchen gegründete Ort auch. Der rauschend durch den Ort fließende Gebirgsbach hat ehemals diverse Mühlen angetrieben und schon früh dafür gesorgt, dass die Bewohner mit Strom versorgt wurden. Einer Szene aus den Herrn der Ringe gleich steht die alte, zum Teil mit Pflanzen bewachsene Dorfkirche und die alten Häuser drumherum, gerade so als wäre das Mittelalter vor kurzem erst geendet. Über uns hängt zwischen den Ort umgebenden Bergspitzen der blitzende Stern, der Moustiers über die Grenzen hin bekannt macht. Der Legende nach war es ein gefangen genommener Kreuzritter, der diese Weihgabe an die Jungfrau Maria gegeben hat, weil er Gnade fand und seine Familie und Heimat wiedersehen durfte. Wir schlendern mit unserer Stadtführerin noch ein wenig durch den Ort und lassen uns die wichtigsten Stellen zeigen, bevor wir unsere Reise gut bepackt mit Speck, Salami und Käse fortsetzten.

Vorbei am Lac de Sainte-Croix führt uns dabei die D71 hinaus aus der Wärme und mitten hinein in die Verdonschlucht. Spektakuläre Ausblicke verbinden sich mit sensationellen Kurven und das alles verpackt in eine beinahe übermächtige Natur aus Kalkstein. Einfach hindurchfahren, völlig unmöglich, denn dazu gibt es viel zu viele Stellen, die ein Foto, oder zumindest einen Blick wert sind. Wir genießen es, halten mehrfach an und nehmen uns einfach die Zeit, die wir brauchen, um die tiefe Schlucht zu erleben und zu durchqueren. Erst gegen Mittag erreichen wir daher Castellane, wo leider das Citroen Museum bereits geschlossen hat. Die beiden 2 CVs davor lassen vieles erahnen, doch das war es auch für uns an diesem Tag. Also nutzen wir die frei gewordene Zeit fürs Picknick und machen es uns am nahegelegenen Fluß bequem. Das fließende Wasser kühlt die Umgebung etwas ab und erneut lassen wir uns Zeit, bevor Jochen der Tourguide zum Aufbruch mahnt.

Kunst und Kultur in der Provence

Nach Castellane und den Bergen der Hochprovence kommen wir im Department Var an. Frederic, ein ortsansässiger Mitarbeiter des Tourismusverbandes, erwartet uns schon und beginnt sogleich uns seine Heimat zu zeigen. Erstes Ziel ist der malerische Ort Bargeme, in dem Elsa als Künstlerin tätig ist. In ihrem kleinen Atelier zeigt sie Kunst von befreundeten Künstlern, aber auch ihre eigenen Kunstwerke aus Schiefer. Man kommt dabei nicht umhin sich diese Werke näher anzuschauen, denn etwas ähnlich Filigranes und fein Gearbeitetes sieht man selten. Dabei lächelt Elsa, wenn du sie nach ihren Ideen fragst und sagt, dass es ganz klar der Stein bzw. das Material ist, was ihr den künstlerischen Weg zum Ergebnis vorgibt. Das Ergebnis für uns ist, dass sowohl das Dorf wie auch Elsas Atelier einen Ausflug wert sind, bevor wir entlang des Flüsschens LArtuby in Comps-sur-Artuby ankommen.

Erneut zeigt uns Frederic einen Künstler, aber einen der besonderen Art, denn das Altelier de Chamay hat sich auf Leder spezialisiert. Wie üblich in diesen verträumten Dörfern ist Jean-Paul aber gerade kurz mal nicht da und so genießen wir erst einmal einen kühlenden Minzsirup, bevor wir den zweiten Versuch bei ihm starten. Frederic erzählt uns dazu noch ein paar passende Geschichten aus der Gegend, sodass die Zeit wie nichts vergeht. Nach dem Sirup ist vor dem Besuch bei Jean-Paul und beim zweiten Anlauf klappt es. Er zeigt uns seine beengten Räumlichkeiten, seine vollen Regale und was noch viel wichtiger ist, seine Arbeiten. Schuhe, Jacken, Taschen und Gürtel, alles ist bei ihm individuell und handgemacht zu haben. Fasziniert von seinen Möglichkeiten packen wir uns aber nach der Besichtigung zum letzten Mal für diesen Tag auf die Maschinen. Trigance heißt das nun nicht mehr weit entfernte Ziel für die Übernachtung. Wer die Unterkunft ebenso fürstlich und stilvoll wie wir haben möchte, kann das im Chateau de Trigance direkt buchen und bekommt (versprochen) ein einmaliges Erlebnis in Sachen essen, trinken und Übernachtung geboten. Wir genießen die warmen Abendstunden zum Abschluss des Tages auf einer der Freiterrassen des alten Gemäuers und bei einem Glas Wein lassen wir den Tag noch einmal an uns vorüberziehen.

Berge, Steingut & faszinierende Plätze im Departement Var

Die abendlichen Gewitterwolken haben längst das Weite gesucht und zurück bleibt ein faszinierender Sonnenaufgang, der das Chateau und die dort ausgestellten Kunstwerke von Christel Schlierkamp in ein Bild voller spektakulärer Farben hüllt. Und auch wenn der gemeinsame Abend zuvor mit Christel und den anderen noch lang dauerte, dass frühe Aufstehen hat sich für diese einmalige Szenerie gelohnt. Langsam erwacht auch das Dorf unterhalb der Festung und die ersten Hähne beginnen zu krähen. Mich zieht es noch einmal zurück ins Fürstenlager, bevor das Frühstück folgt.

Ein weiteres Mal treffen wir an diesem Morgen auf Frederic der uns über Chateaudouble mit seinen hoch oben thronenden Burgen und Tourtour nach Villecroze führt. Alles zusammen sehenswerte Anlaufpunkte bei einer Tour durch das Department Var. Denn sowohl der Blick von den Burgen herab in die Täler wie auch die Parkanlage inklusive Wasserfall und riesigen Magnolienbäumen bieten Platz zum Entspannen und Verweilen.

Eine Stille, die man hören kann

Ehe wir es uns versehen, ist es schon wieder Mittag und Frederic lädt uns in Salerne zum Essen ein. Im Schatten der alten Kirche lässt es sich selbst in Motorradbekleidung gut aushalten zumal genügend kaltes Wasser die Kehlen hinunterläuft und auch von innen heraus kühlt. Salerne hat aber noch mehr zu bieten, denn es ist eine alte Töpferstadt und Matthias führt zusammen mit seiner Frau diese Tradition fort. Seine kleine Töpferei, seine Ducati Monster steht einladend davor, ist eine Sammlung an Töpferkunst, Ton, den dazugehörenden Brennöfen und seiner Leidenschaft zur Musik. Denn seine Gitarre, so sagt er, hat er immer dabei und zeigt uns auch direkt was er damit so darauf hat.

Wir verabschieden uns danach langsam von Frederic und auch von Salerne und beginnen die letzte Etappe des heutigen Tages, die in Saint-Antonin-sur-Bayon mitten im Wald endet. Umringt vom Bergmassiv des Montagne Ste-Victoire verbringen wir die vorletzte Nacht der gemeinsamen Reise nach einem typisch deftigen Abendessen und der einen oder anderen Flasche Rotwein in einer Stille, die man hören kann.

Oliven & Motorräder in der Provence

Der letzte Fahrtag beginnt früh und bringt uns erneut auf den schmalen Lebensadern voran. Mitten durch eine gewaltige Natur, ins Tal der Durance. Ein Abstecher in eine der hier ansässigen Olivenölmühlen lohnt sich, denn die Früchte sind so vielfältig wie die Gegend, in der sie wachsen. Wir landen bei Juli in der Bastide du Laval, die neben Oliven auch ausgezeichneten Wein produzieren. Bei einer Führung erklärt uns Juli den hochmodernen Ablauf des Kelterns und Pressens und zeigt uns danach beim Tasting, wie vielfältig Olivenöle und Pasten sein können. Für praktische jede Geschmacksrichtung ist etwas dabei, was man in dieser Qualität und Auswahl in Deutschland so nicht findet. Wir finden zum Glück noch rechtszeitig den Absprung, bevor wir den Laden leer gekauft haben und setzen unsere Reise fort.

Cavaillon heißt unser nächstes Ziel und dort verbinden wir das Thema Motorradtour mit dem Thema Motorradbau. Wir fühlen uns schon recht weit in der Zeit zurückversetzt, als wir die Werkstatt von Renaissance Motorcycle betreten. Maschinen aus den 1920er, 30er und 40er Jahren stehen hier in den Regalen. Manche in einem erbärmlichen Zustand, andere im gebrauchten Look und wieder andere komplett neu aufgebaut. Wer möchte, kann sich eins der Exemplare aus den Regalen aussuchen und als sein Bike neu aufbauen lassen. Unikat garantiert, denn wer kennt heute schon Motorräder der Marke Gnome Rhone, oder eine der anderen altfranzösischen Hersteller? Wir sind jedenfalls hin und weg und wer ein Herz für Motorräder hat, sollte die kleine Bikeschmiede auch einmal besuchen.

Über Gordes, die Abtei de Senanque und Venasque, nehmen wir schließlich die letzte Etappe des Tages zurück nach Valreas unter die Räder. In Anbetracht der Zeit müssen wir uns aber leider etwas sputen und so bleiben Gordes und Venasque dieses Mal nur Schatten in unseren Rückspiegeln, obschon sie viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Siggi und Vanessa erwarten uns schon in ihrer malerischen Maison DAnvers und neben einem kühlenden belgischen Bier kehrt auch die Gemütlichkeit des ersten Abends schnell wieder ein. Die Bluetooth Box spielt erneut Siggis Playlist und wir genießen den Abend mit gutem Essen und Wein unter Freunden, sinnierend über das nächste große Abenteuer.

Fünf Tage mehr bei Valreas

Am folgenden Morgen verlassen Thomas, Marina und Jochen uns, denn die Reise ist für sie beendet. Carmen und ich bleiben allerdings noch ein paar Tage länger und lernen so das Umfeld und die Gegend um Valreas noch besser kennen. Neben Grignan mit seinem einmaligen Schloss und dem davor stattfindenden Wochenmarkt besuchen wir auch Nyons und weiter im Süden L Isle-sur-la-Sorgue. Alles zusammen Orte mit viel Geschichte, Sehenswertem und vor allem Punkte um die Selle baumeln und das Leben einmal Leben sein zu lassen. Zum Abschluss unserer Reise nimmt Siggi uns noch mit zum Weingut Domaine Roche-Audran. Hier gibt es neben Bio Weinen auch reine Naturweine zu kaufen. Beim Spaziergang durch die Weinberge, einige Reben sind bereits 60 Jahre alt und älter, erzählt uns Vincent Rochetter, der Chef, wie es zum Bioanbau kam und welche Auflagen es zu beachten gibt. Wie er tatsächlich schmeckt, erfahren wir bereits kurze Zeit später gemeinsam mit Siggi und seiner Familie in einem der Weinberge der Domaine. Und natürlich kommt hier auch Siggis geniale Küchenkunst nicht zu kurz, ganz zu schweigen vom Ausblick, der es uns wirklich schwer macht am nächsten Tag wieder nach Hause zu fahren.

Fazit zur Motorradreise in der Provence in Frankreich

Wer sich Zeit nimmt, hat mehr vom Leben, denn eine Kreuzung mehr oder weniger auf den Lebenslinien der Hände machen den Bock nicht fett. Für das, was wir auf der Rundreise ER-fahren haben, waren die fünf eingeplanten Tage auf jeden Fall zu kurz, denn man möchte ja auch schöne Erinnerungen mit zurück nach Hause bringen. Sei's drum, das nächste Mal wissen wir es besser und für euch ist es vorab schon eine interessante Information. Als Ausgangspunkt eignet sich Valreas jedenfalls für vieles, denn sowohl der Mont Ventoux, wie auch der Col du Rousset und Combe Laval liegen von hier aus in Reichweite. Alles lohnende Ziele, die mit den Städten und Dörfern zu ihren Füssen viel zu bieten haben. In diesem Sinne: Genießt das Leben und die Zeit im sonnigen Süden Frankreichs und lasst es euch dabei gut gehen.

Bericht vom 23.02.2023 | 14.843 Aufrufe

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