Harley-Davidson Street Glide und Road Glide Limited mit VVT
Zwei Baggers, ein Anspruch: Strecke machen – egal, was kommt.
Beide Modelle gehören zur Grand American Touring Familie und richten sich klar an Fahrer, die auf langen Strecken Komfort, Laufruhe und souveräne Leistungsentfaltung schätzen. Luxus spielt dabei eine Rolle, steht aber nicht über der Funktion. Vielmehr geht es darum, wie entspannt man nach vielen Stunden im Sattel noch weiterfahren möchte.
Sehr früh im Jahr, zu einem Zeitpunkt, an dem viele Motorräder noch auf den Saisonstart warten, lud Harley-Davidson nach Málaga ein. Sonne, kühle Morgen, nasser Asphalt, Wind – also genau jene Bedingungen, unter denen sich ein echtes Touring-Bike beweisen muss. Kein Schönwetterlauf, sondern Realitätstest.
Variable Ventilsteuerung jetzt auch in den Limited Modellen
Herzstück beider Grand American Touring Limited Modelle ist der neue Milwaukee-Eight VVT 117.
Mit 1.923 cm³, 109 PS und 175 Nm bleibt Harley-Davidson bei den nackten Zahlen bewusst konservativ. Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Spitzenleistung, sondern in der variablen Ventilsteuerung, die erstmals in den Limited-Touring-Modellen zum Einsatz kommt.
Das Resultat ist eine gleichmäßigere, harmonischere Kraftentfaltung über das gesamte Drehzahlband – besonders spürbar beim schaltfaulen Cruisen, beim Überholen mit voller Beladung oder beim entspannten Dahingleiten auf der Autobahn.
Dazu kommt das überarbeitete Zylinderkopf-Kühlsystem, das vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten und hohen Temperaturen für bessere thermische Stabilität sorgt. Trotz Topcase, voller Touring-Ausstattung und ordentlich Gewicht bleibt der Normverbrauch mit 5,9 Litern/100 Kilometer auf dem Niveau der bisherigen Modelle ohne VVT.
Road Glide Limited 2026: Langstrecke in Reinform
Die Road Glide Limited positioniert sich klar als klassischer Langstrecken-Tourer. Weniger sportlicher Anspruch, dafür maximale Stabilität, Ruhe und Effizienz – besonders für Fahrer, die viel unterwegs sind und häufig zu zweit fahren.
Optisch wie technisch prägend ist die rahmenfeste Sharknose-Verkleidung. Sie entkoppelt das Gewicht der Verkleidung von der Lenkung und sorgt bei höherem Tempo für spürbar mehr Stabilität. Gerade auf Autobahnetappen oder in langgezogenen Kurven liegt die Road Glide extrem ruhig, fast stoisch auf der Straße. Die Aerodynamik wurde im Windkanal weiter optimiert, was sich nicht nur im Windschutz, sondern auch im Verbrauch bemerkbar macht.
Ein zentrales Highlight ist das neue Grand Tour-Pak. Das Topcase bietet 68 Liter Volumen, integrierte Lautsprecher, eine Sozius-Rückenlehne, Gepäckträger, 12-Volt-Stromversorgung und eine bündig integrierte LED-Leuchte. Zusammen mit den Seitenkoffern stehen 144 Liter Stauraum zur Verfügung, ohne dass sich das Bike fahrdynamisch träge anfühlt.
Mit einer Sitzhöhe von 740 mm, einem Radstand von 1.625 mm und einem 22,7-Liter-Tank ist die Road Glide klar auf Reichweite und Komfort ausgelegt. Das fahrbereite Gewicht von 417 kg verlangt beim Rangieren Aufmerksamkeit und etwas Kraft – einen Rückwärtsgang gibt es nicht. Fahrend relativiert sich das Gewicht jedoch schnell.
Das Showa-Fahrwerk ist konsequent auf Komfort und Stabilität abgestimmt. Unebenheiten werden souverän geschluckt, besonders auf schlechten Straßen oder auf langen Etappen spielt das Setup seine Stärken aus. Hinten kommen Showa-Emulsionsfederbeine zum Einsatz, deren Federvorspannung hydraulisch und werkzeuglos eingestellt werden kann. Die Gabel ist nicht einstellbar, dafür aber gut auf das Heck abgestimmt und bietet ein stimmiges, ausgewogenes Gesamtgefühl ohne Nervosität oder Durchschlagen. Mit einer maximalen Schräglagenfreiheit von rund 31 Grad geht die Road Glide Limited überraschend besser ums Eck, als es Optik und Gewicht vermuten lassen – sportlich ist sie nicht, aber berechenbar und stabil.
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Die Ergonomie ist klar touring-orientiert: breiter, hoher Lenker, entspannter Kniewinkel, großzügige Trittbretter. Beheizte Griffe, beheizte Fahrer- und Soziussitze sowie serienmäßige Highway Pegs unterstreichen den Langstreckenanspruch. Das große TFT-Touchscreen-Display mit Skyline OS ist gut ablesbar, wirkt durch die Positionierung weit vorne sehr großzügig. Die Bedienung ist logisch, wenn auch umfangreich – für ein kurzes Antesten blieb schlicht nicht genug Zeit, um jedes Untermenü im Detail zu erkunden.
Akustisch bleibt die Road Glide Limited zurückhaltend. Im Stand unaufdringlich, während der Fahrt ein tiefer, angenehmer V2-Sound. Präsent, aber nie störend, genau passend zum Charakter des Bikes.
Unterm Strich fährt sich die Road Glide Limited ruhig, stabil und vertrauenerweckend. Die Bremsen sind kräftig und gut dosierbar, Koffer und Topcase wirken sich kaum negativ auf das Fahrverhalten aus. Sie überzeugt weniger durch Emotionen als durch Souveränität.
Die Road Glide Limited gibt es in sieben verschiedenen Farben und mit silbernem oder schwarzem Motorfinish. Die UVPs beginnen in Deutschland bei 35.600 Euro, in Österreich bei 42.900 Euro und in der Schweiz bei 33900 CHF.
Street Glide Limited 2026: der agilere Bruder
Die Street Glide Limited bleibt dem klassischen Touring-Gedanken treu, setzt aber auf ein etwas anderes Fahrgefühl. Der zentrale Unterschied zur Road Glide liegt in der gabelmontierten Batwing-Verkleidung und dem niedrigeren, sportlicheren Lenker.
Technisch ist die Street Glide Limited nahezu identisch: gleicher Motor, gleiche Leistungsdaten, gleiches Fahrwerk, gleiche Elektronik, gleicher Verbrauch. Auch hier kommt das neue Grand Tour-Pak mit insgesamt 144 Litern Stauraum zum Einsatz.
Mit 740 mm Sitzhöhe und identischer Geometrie bietet sie ebenfalls eine entspannte Sitzposition und sicheren Stand. Das fahrbereite Gewicht liegt bei 405 kg – rund 12 Kilogramm weniger als bei der Road Glide Limited. Dieser Unterschied ist auf dem Papier klein, im Fahrbetrieb aber durchaus spürbar.
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Durch die Batwing-Verkleidung wirkt die Street Glide direkter und agiler, besonders bei niedrigem Tempo und in Wechselkurven. Das Cockpit ist näher am Fahrer positioniert, der Lenker vermittelt mehr Feedback, das gesamte Motorrad fühlt sich etwas kompakter an.
Der Motor verhält sich identisch: kräftiger Durchzug aus niedrigen Drehzahlen, saubere Gasannahme, kein aggressiver Charakter. Das Showa-Fahrwerk bietet auch hier viel Komfort. Dank der hydraulischen Vorspannungseinstellung lassen sich bis zu 45 kg mehr Gepäck oder ein Beifahrer mitnehmen, ohne dass zur Anpassung Werkzeug benötigt wird oder dass man den Seitenkoffer dafür abnehmen muss.
Sieben Farben, zwei Motorfinishes: Die Street Glide Limited startet preislich wie die Road Glide Limited in Deutschland bei 35.600 Euro, in Österreich bei 42.900 Euro und in der Schweiz bei 33900 CHF.
Fazit aus Málaga – mit Licht und Schatten
Der Testtag in Málaga war in Summe großartig, das Wetter aber nicht makellos – doch genau das gehört bei einem echten Touring-Test auch dazu. Sowohl die Road Glide Limited als auch die Street Glide Limited überzeugten mit hoher Souveränität, Stabilität und einem beeindruckend entspannten Fahrgefühl auf langen Etappen und trockenen Straßen. Motor, Fahrwerk, Ergonomie und Assistenzsysteme funktionieren als Gesamtpaket sehr stimmig und genau so, wie man es von Grand American Touring erwartet.
Die Road Glide Limited richtet sich dabei klar an Fahrer, die maximale Ruhe, Stabilität und Langstreckenkomfort suchen. Wer viele Autobahnkilometer abspult, häufig zu zweit unterwegs ist und Wert auf ein möglichst souveränes, gelassenes Fahrgefühl legt, findet hier den konsequentesten Tourer im Vergleich. Besonders bei höherem Tempo, auf langen Geraden und in weiten Kurven spielt sie ihre Stärken aus.
Die Street Glide Limited spricht hingegen Fahrer an, die neben Komfort auch ein direkteres, etwas agileres Fahrgefühl schätzen. Durch die gabelmontierte Batwing-Verkleidung, den niedrigeren Lenker und das geringere Gewicht wirkt sie kompakter und verspielter – vor allem auf kurvigen Landstraßen und bei niedrigerem Tempo. Sie ist der bessere Kompromiss für all jene, die lange Strecken fahren wollen, dabei aber nicht auf ein klassischeres Motorradgefühl verzichten möchten.
Kritisch zu sehen ist die Hitzeentwicklung beider Modelle im Stand. An den Unterschenkeln baut sich spürbar viel Wärme auf – so viel, dass man aktiv darauf achten muss, sich nicht zu verbrennen. Gerade im Stadtverkehr oder beim Rangieren ist das unangenehm und für empfindlichere Fahrer eventuell ein Thema.
Reifen als Schwachstelle im Touring-Konzept
Der größte echte Kritikpunkt an beiden Limited-Modellen ist jedoch die serienmäßige Bereifung. Zum Einsatz kommen Dunlop Harley-Davidson Series Diagonalreifen, die im Test zwei sehr unterschiedliche Gesichter zeigten.
Bei trockenen Bedingungen am Nachmittag schlugen sich die Diagonalreifen deutlich besser als erwartet. Selbst auf den eher schlechten, durch Unwetter stark verschmutzten Straßen rund um Málaga boten sie ordentlichen Grip, viel Stabilität und ließen eine überraschend sportliche Fahrweise zu.
Bei Regen und kühlen Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad kippte das Bild jedoch komplett. Traktion, Feedback und Sicherheitsgefühl fielen massiv ab – Vertrauen kam kaum auf. Für Touring-Fahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind oder in Regionen mit solchen Bedingungen fahren, ist das ein klarer Schwachpunkt.
Ob es sich um eine grundsätzliche Nässe-Schwäche der Dunlop Harley-Davidson Series handelt oder um eine ungünstige Kombination mit den regennassen, bitumenreichen Straßen rund um Málaga, lässt sich nicht eindeutig klären. Fakt ist jedoch: Die Serienbereifung stellt einen Kritikpunkt dar, den man kennen sollte – und den es vor einer großen Reise gegebenenfalls zu optimieren gilt.
Fazit: Harley-Davidson Road Glide Limited FLTRXL 2026
Die Road Glide Limited 2026 ist der Inbegriff eines souveränen Langstrecken-Tourers. Ihr Charakter ist nicht auf Dynamik getrimmt, sondern auf Ruhe, Stabilität und Effizienz über viele Kilometer. Die rahmenfeste Sharknose-Verkleidung sorgt gerade bei höherem Tempo für ein sehr neutrales Fahrverhalten. Auf Autobahnetappen liegt sie stoisch, in langgezogenen Kurven wirkt sie satt und berechenbar. Der neue Milwaukee-Eight VVT 117 überzeugt weniger durch Spitzenleistung als durch seine gleichmäßige Kraftentfaltung. Besonders beim schaltfaulen Cruisen oder bei voller Beladung spielt das variable Ventilsteuerungssystem seine Stärke aus. Das Showa-Fahrwerk ist klar komfortorientiert abgestimmt. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, selbst schlechte Asphaltpassagen verlieren ihren Schrecken. Trotz 417 Kilogramm fahrfertig relativiert sich das Gewicht in Fahrt erstaunlich schnell – beim Rangieren verlangt es allerdings Respekt. Mit 144 Litern Stauraum, beheizten Komponenten und durchdachter Ergonomie ist die Road Glide Limited ein Motorrad für Fahrer, die lange Strecken ernst nehmen. Emotional zurückhaltend, funktional stark – Souveränität statt Show.- Sehr hohe Fahrstabilität bei Tempo
- Harmonische Leistungsentfaltung dank VVT
- Hoher Langstreckenkomfort für Fahrer und Sozius
- Großzügiger Stauraum (144 Liter)
- Gute Windabschirmung
- Hydraulisch einstellbare Federvorspannung
- Hohes Gewicht beim Rangieren
- Spürbare Hitzeentwicklung im Stand
- Serienbereifung mit deutlichen Schwächen bei Nässe
Fazit: Harley-Davidson Street Glide Limited FLHXL 2026
Die Street Glide Limited 2026 verfolgt denselben Touring-Ansatz wie die Road Glide Limited, fühlt sich aber spürbar anders an. Durch die gabelmontierte Batwing-Verkleidung und den niedrigeren Lenker wirkt sie direkter, kompakter und bei niedrigen Geschwindigkeiten agiler. Mit rund 12 Kilogramm weniger Gewicht als die Road Glide Limited ist sie auf dem Papier nur leicht im Vorteil – im Fahrbetrieb macht sich dieser Unterschied jedoch bemerkbar. Besonders im Winkelwerk und bei Wechselkurven vermittelt sie mehr Feedback und ein aktiveres Fahrgefühl. Motor, Fahrwerk, Elektronik und Stauraum entsprechen dem Schwestermodell. Auch hier liefert der Milwaukee-Eight VVT 117 kräftigen, gleichmäßigen Durchzug ohne aggressive Spitzen. Die Street Glide Limited spricht Fahrer an, die Langstrecke mit einem etwas lebendigeren Handling kombinieren möchten. Sie bleibt klar ein Touring-Bike, zeigt aber mehr Bereitschaft, auch auf kurvigen Landstraßen engagiert bewegt zu werden.- Spürbar agileres Handling als die Road Glide Limited
- Direktes Lenkgefühl durch Batwing-Verkleidung
- Harmonische Leistungsentfaltung dank VVT
- Hoher
- Langstreckenkomfort für Fahrer und Sozius
- Großzügiger Stauraum (144 Liter)
- Gute Windabschirmung
- Hydraulisch einstellbare Federvorspannung
- Hohes Gewicht beim Rangieren
- Spürbare Hitzeentwicklung im Stand
- Serienbereifung mit deutlichen Schwächen bei Nässe
Bericht vom 11.02.2026 | 310 Aufrufe