Burt Munro - Der Gott des Speeds

Burt Munro - Der Gott des Speeds

Eine Hommage an die Legende!

Legendäre Motorrad-Fahrer gibt es einige. Doch niemand verkörpert die Suche nach Top-Speed, nach dem Extremen, das Verlangen nach Adrenalin wie Burt Munro. Am Montag war es 52 Jahre her, dass Munro als 68-jähriger den Speed-Rekord von 295.453 km/h auf seiner selbstgebauten Indian aus den 20ern aufgestellt hat. Und der Rekord wurde bis heute nicht gebrochen. Was für ein Teufelskerl! Aber nicht nur sein Top-Rekord war spektakulär, Munros gesamtes Leben ist von Anfang an von Speed und Motorrädern geprägt.

Ein Motorrad für die Ewigkeit

„Es ist etwas schwer die Geschichte eines Motorrads, welches ich 1920 um 140 Pfund gekauft habe und das ich seit 1926 beständig weiterentwickle, in einem einzigen Brief zusammenzufassen.“, schreibt Burt Munro 1970 an den befreundeten Motorrad-Enthusiasten John Andrew in England. Diese Aussage ist sehr wahr, und nebenbei noch eher bescheiden formuliert. Denn Munros Leben ist voller Wahnsinnstaten auf zwei Rädern.

Burt Munro, geboren 1899 als Herbert James Munro in Invercargill am südlichen Ende Neuseelands, ist von Anfang an begeistert von allem was schnell ist. Zuerst muss das schnellste Pferd auf der Farm seiner Eltern herhalten, daneben bieten im Kindesalter auch noch Zugfahrten einen gewissen Geschwindigkeitsrausch. Doch Munro will selbst ans Steuer und so kauft er sich bereits 1915 sein erstes Motorrad, eine Douglas. Der Speed dieser Maschine reicht ihm jedoch nicht und so spart er, um sich 1919 eine Clyno mit Beiwagen um 50 Dollar zu kaufen. Der Beiwagen ist bald entfernt und schließlich stellt Munro seine ersten Geschwindigkeitsrekorde in Neuseeland auf.

Im Jahr darauf sieht er in einem Shop ein Motorrad, welches ihn sofort in seinen Bann zieht. Ein American V-Twin mit 600ccm Hubraum, 3-Gang-Getriebe per Hand geschalten und eine per Fuß betätigte Kupplung – die Indian Scout 1920. Munro kauft sie an Ort und Stelle und beginnt damit eine Partnerschaft die bis zu seinem Tod im Jahr 1978 währt.

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Von Siegen und Stürzen - ein Leben für die Geschwindigkeit

Die 55 Meilen pro Stunde (88,5 km/h) Höchstgeschwindigkeit der Indian sind Munro bald nicht mehr genug und so beginnt er selbst an ihr herumzuschrauben. In bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen und lebend, bleibt ihm nichts anderes übrig als Tuning-Teile selbst herzustellen. In einem kleinen Schuppen baut er sich eine Werkstatt. Schrottteile und alte Auto-Karosserien schmelzt er ein und verwendet das Material für neue Kurbelwellen, Zylinder, Pleuel und mehr. Anfangs gießt er diese Teile im Sand am Strand, später baut er sich aus Dosen und Stahlrohren eine Schmelze und Schmiede in seiner Werkstatt. Da er tagsüber auf der Farm und später als Motorradverkäufer arbeitet, muss Munro in der Nacht an seiner Maschine herumbasteln, sodass er häufig kaum bis gar nicht schläft. Das geht 22 Jahre lang so.

Doch seine Mühen tragen bald Früchte. Schon 1929 hält Munro Rekorde in Hill-Climb- und Viertelmeilen-Rennen. Auch Offroad-Rennen sind nicht vor ihm sicher. Bei diesen hoch riskanten Hochgeschwindigkeitsrennen gehören Stürze dazu. 1927 muss Munro bei 90 mph (144,8 km/h) von seiner Indian abspringen, nachdem ein tiefes Loch in der Straße ihn zuerst aus der Bahn wirft und er mit seinem übergroßen, unkontrollierbaren Vorderrad auf einen Zaun zusteuert. „Den 10.000 Zuschauern wurde gesagt ich sei unverletzt. Doch in Wirklichkeit lag ich ein oder zwei Wochen im Bett und erholte mich von einer Gehirnerschütterung und Prellungen von Kopf bis Fuß.“, schreibt Munro.

Sein schwerster Unfall ereignet sich 1940. Bei 56 mph (90 km/h) kollidiert er mit einem nassen und daher festen Schotterhaufen und kommt von der Straße ab. Es gelingt ihm nahe am Zaun die Kontrolle über das Motorrad zurückzuerlangen, doch bevor er den Gashahn schließen kann, rutscht er in die Böschung neben einem Farmhaus. Die gegenüberliegende, steigende Seite der Böschung katapultiert ihn in die Luft und zurück auf die Straße. Dort bleibt er eineinhalb Stunden bewusstlos liegen. „Als ich aufwachte war ich blind, weil getrocknetes Blut auf den Augen klebte. Die Folgen des Crashs waren eine Gehirnblutung und eine einwöchige Gehirnerschütterung. Ich konnte fast ein Jahr lang nicht arbeiten.“, erzählt er. Dieser Crash kostet ihn dann auch seinen Job als Motorrad Verkäufer.

Burt Munro steht immer wieder auf

Allen Stürzen zum Trotz - keiner ist so schnell zurück auf dem Motorrad wie er. Nach dem Verlust seines Jobs widmet er sich vollends seinen Motorrädern und zieht zeitweise sogar zu ihnen in die Garage. Mit den Jahren wächst die Anzahl seine Motorräder und deren Leistung, allen voran die Indian Scout, die in Sachen Power und Hubraum mächtig zulegt. Am Ende hat die Indian 950 ccm, statt der serienmäßigen 600 ccm. Auch eine spezielle Verkleidung baut er ihr. Zuerst aus Aluminiumblech gehämmert, später dann aus Glasfaser gegossen. Mit diesen Modifikationen bricht Munro viele Geschwindigkeitsrekorde in Australien und Neuseeland. Die „Munro Special“, wie Burt sein Bike nennt, ist „die schnellste Indian Down Under“. Beflügelt von diesen Erfolgen, verfolgt Munro einen großen Traum: die Bonneville Speed Week.

Bonneville Speed Week - ein Traum der Wirklichkeit wird

Die Bonneville Speed Week: Geschwindigkeitswahnsinn in der Salzwüste Utahs. Meilenweit nicht als weißer, harter Boden ohne jegliche Hinternisse. Das Mekka für Speedfreaks schlechthin. Und Anfang der 60er eine der wenigen Möglichkeiten um Geschwindigkeiten genau messen zu lassen. Doch seinen Heimatort Invercargill trennen zu diesem Spektakel über 12000 Kilometer. Um dem mittellosen Munro seinen Traum dennoch zu ermöglichen, spenden die Leute aus Invercargill und Fans aus ganz Neuseeland Geld. So verlässt er Anfang der 60er Jahre Neuseeland per Schiff in Richtung Vereinigter Staaten.

Nach einer wochenlangen Schiffreise und aufwendigen Fahrt durch die USA kommt Burt Munro 1962 endlich bei den Bonneville Salt Flats an. Nur um vor dem nächsten Hindernis zu stehen. Anmeldeschluss für die Teilnahme an der Speed Week war Monate zuvor. So kurz vor dem Erreichen seines Ziels gibt er aber bestimmt nicht auf. Von vielen belächelt, sowohl wegen seines Alters als auch wegen des Alters seiner Indian, bleibt der 63-jährige so lange hartnäckig, bis die Organisatoren der Speed Week ihn einen Probelauf fahren lassen. Die staunen dann auch schön, als die 1920er Indian ihnen bei 110 mph locker davonzieht. Dadurch sehr beeindruckt geben sie Munro die Starterlaubnis.

Burt Munros Rekorde bei der Bonneville Speed Week

Insgesamt startet Burt Munro 9 mal bei der Bonneville Speed Week. Er stellte dreimal Weltrekorde auf: 1962 mit 178.95 mph (288 km/h) in der 883cc-Klasse, 1966 mit 168.07 (270 km/h) in der 1000cc-Klasse und 1967 mit 183.59 mph (295 km/h) in der unter 1000cc-Klasse. Vor allem dieser letzte Weltrekord ist beeindruckend: Schon beim Qualifikations-Durchlauf soll Munro sogar die berüchtigte 200mph-Marke überschritten haben, doch der Probelauf zählte nicht. Beim gültigen Durchlauf stellt Munro mit 68 Jahren, auf seiner 47 Jahre alten Indian Scout 1920, die er selbst in einem Schuppen in Süd-Neuseeland weiterentwickelt hat, mit knapp 300 km/h den Weltrekord für Benzin-betriebene Streamliner auf. Und dieser Rekord ist ungebrochen. Bis heute! Burt Munro – the God of Speed

Munros Tod und Vermächtnis

Bis zu seinem Tod bleibt Munro seinem Hobby treu. In den letzten Jahren kämpft er gegen sein Herzleiden und stirbt schlussendlich im Alter von 78 Jahren daran. Aber sein Geist bleibt erhalten und inspiriert Nachahmer. Sein Grossneffe Lee Munro fährt heute noch bei den Bonneville Speed Weeks mit und versucht Rekorde zu brechen. Auf einer modifizierten Indian Scout mit dem Namen „Spirit of Munro“ versucht er die 200mph-Marke zu knacken. Seine bisherige Höchstgeschwindigkeit: 191.286 mph. Burt Munros Geist lebt weiter.

2005 wurde Burt Munros Geschichte unter dem Titel „The Worlds Fastest Indian“ (Auf Deutsch: Mit Herz und Hand) auf die große Leinwand gebracht. Anthony Hopkins gibt den alten Burt glaubhaft und brilliant wieder. Der Film beschäftigt sich mit den Schwierigkeiten und Herausforderungen der ersten Amerika-Reise 1962 und ist toller Film über das Älterwerden und das Erfüllen der Lebensziele. Am besten schaut ihr den Streifen auf Englisch, da nur hier der neuseeländische Akzent Munros richtig rüberkommt. Den Trailer zum Film findet ihr hier.

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Bericht vom 28.08.2019 | 8.710 Aufrufe

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