Ducati Diavel getestet von 1000PS.at

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Online seit: 23.02.2011

Testbericht

Ducati Diavel

Ducati Diavel

Teufels Werk und kots Beitrag. Satans Stuhl des Feuers findet seinen ersten Jünger.

Teufels Werk und kots Beitrag. Satans Stuhl des Feuers findet seinen ersten Jünger.










































































































































































 


Ducati Diavel



Seid nüchtern und wachet; denn euer
Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht,
welchen er verschlinge. [1.Petrus 5:8]


 

Aus den dunklen Hallen von Bologna kam etwas zu uns
auf die Welt, das keinen Namen hat und keines Gleichen. Seine
Beschreibung liest sich wie das desmodromische Necronomicon. Und es
offenbart sich nur jenen, die für sein Wesen empfänglich sind. In
Marbella schloss ich endlich den Pakt mit dem Teufel.


In letzter Zeit verfolgt mich Pferdefuß beinahe
jede Nacht in meinen Träumen. Manchmal wache ich schweiß-gebadet auf, um
kurz darauf in einem neuen Albtraum featuring the Fürst of Finsternis
gefangen zu sein. Da krabbeln Kinder an der Decke, brabbeln grausige
Greise rückwärts, tanzen fürchterliche Fratzen im Schatten der Nacht.
Ich weiß nur noch nicht, ob mich der Teufel verfolgt, oder ich ihn, aber
das ist wahrscheinlich Teil seines Spiels. Der Mensch klagt darüber, von
ihm in Versuchung geführt zu werden und sucht selbst nach der
Versuchung. Vielleicht sollte ich auch einfach abends nicht mehr soviel
essen. Es hat mich jedenfalls sehr beunruhigt, als Ducati ein Motorrad
vorstellte, bei dessen Anblick ein Mitarbeiter entsetzt ”Bösartig wie
der Teufel” ausgerufen haben soll und es auf diese unchristliche Weise
sogleich getauft hatte. 4 Monate nach unserer ersten Vorstellung muss
ich der Angst ins Gesicht blicken – oder war es umgekehrt?


Der Schaffensprozess der Diavel forderte weder
einen klaren Verstand noch eine reine Seele. Und es ist ohnehin unklar,
ob dieses Wesen geschaffen oder vielmehr heraufbeschworen wurde. Beim
Test trafen zwei verdorbene Charaktere aufeinander. Teufels Werk und
kots Beitrag.





Datenblatt der Diavel: Das
desmodromische Necronomicon.




Ich kenne Ducatisti, die die Geburt der Monster als größten Sündenfall
bologneser Zeitrechnung deuten. (Die Existenz der Multistrada leugnen
sie gänzlich.) Dass es ohne die extrem erfolgreiche Naked-Baureihe
wahrscheinlich heute kein Ducati mehr geben würde, wird ausgeblendet. Es
ist anzunehmen, dass diese Leute auch die jüngste Niederkunft nicht
begrüßen werden. Im Grunde ist es so. Der gemeine Motorradfahrer fordert
Innovation, technischen Fortschritt und eine kreative Modellentwicklung.
Außerdem möchte er, dass sich nichts ändert, verachtet technische
Fahrhilfen und zeigt sich völlig irritiert von allen Modellen abseits
lange bestehender Motorradtypen. Für all jene ist die Diavel nicht. Sie
haben meinen Segen.






Die Diavel ist grobschlächtig in ihrer Erscheinung, aber nicht roh in
ihrer Substanz. Bestückt mit der modernsten Elektronik, die wie der
1198er Testastretta aus der Superbike-Baureihe stammt, ist sie
state-of-the-art statt western-von-gestern. ABS, Traction Control und
drei jederzeit anwählbare Fahrmodi bedeuten heute die Zukunft, die wir
alle noch erleben werden müssen. Bald sitzt niemand mehr ganz allein auf
dem Motorrad. Solange die Option "abschaltbar" mit an Bord bleibt und
der Mensch immer auch die Wahl hat, Mensch zu bleiben, okay. Einige
elektronische Spielereien wirken jedenfalls so, als wollten sie uns vor
irgendwas bewahren. Nur, wovor? Vor unserer eigenen Unfähigkeit? Oder
ist die Diavel wirklich nur zu beherrschen, wenn man ihr elektronische
Fußfesseln anlegt?




Nur mit elektronischen Fußfesseln
beherrschbar?




Das bologneser Personal war sichtlich besorgt. Nie
zuvor in der Geschichte der Motorrad fahrenden Menschheit wurde eine 11
Kilometer lange Proberunde zum Eingewöhnen absolviert. Nie zuvor wurde
so genau geschaut, ob auch jeder heil vom Fleck kommt. Bei all der
psychologischen Einschüchterung war der Respekt natürlich groß. Mein
erster Gedanke, als ich mich einer echten, fahrbereiten Diavel auf dem
Parkplatz nähere: ”Die haben das wirklich gebaut.” Dieser Gedanke ist
nicht geprägt von Enttäuschung oder gar Mitleid, sondern von Freude über
den Sieg der Emotion über die Vernunft. Der Tag an dem alle
Motorradhersteller hundertprozentig damit aufgehört haben, hin und
wieder auszuklinken, den Markt nicht an die erste, sondern die zweite, dritte...oder letzte Stelle zu setzen und etwas Wahnwitziges auf
die Räder zu stellen, ist der Tag, an dem ich meinen Hut ziehe.


Es braucht eigentlich nur drei Eckdaten, um den
Wahn hinter dem Witz zu verstehen. 162 PS, 210 Kilo trocken und ein
240er Hinterreifen. Wer es jetzt noch nicht verstanden hat, für den habe
ich noch zwei Tipps: 770 mm Sitzhöhe, 1590 mm Radstand. In dieser
Konstellation traten diese Werte bisher wahrscheinlich noch nicht mal
bei den schwärzesten Streetfighter-Sekten auf. Und weil es das noch
nicht gegeben hat, machen sich die Italiener jetzt Sorgen um das Wohl
der geladenen Journalisten. Es wird empfohlen, im "Urban" Modus zu
starten, der nur maximal 100 PS freigibt, die noch dazu von der Traction
Control in der Stufe 5 in Schach gehalten werden. Ich konnte diesem Rat
aus reiner Selbstachtung nicht Folge leisten. Es war trocken, es war
nicht allzu kalt, also konnte ich mich gerade so dazu entscheiden, den "Touring"
Modus zu versuchen, der die volle Leistung etwas sanfter durchlässt, während die
Anti-Schlupfregelung in der Stufe 3 arbeitet.





Eckdaten, wie sie die schwärzesten Streetfighter-Sekten
nicht kennen.




Es hielt nicht lange, wozu auch? Die Fahrt wurde nach ca. 100 Metern im
Modus "Sport" fortgesetzt (Man spielt sich ja nur zu gern mit
dem TFT Farb-Informationsdisplay). Maximale Leistung, minimale Traction Control.
Das Gefühl hatte ich allerdings beim ersten vollen Einschenken nicht, -
es galt herauszufinden, ob die Italiener mit der Behauptung, die Diavel
würde von 0-100 in 2,6 Sekunden beschleunigen, Recht haben könnten - 
denn die Leistung wurde zum Teil komplett gekappt, einfach kein Druck
mehr. Es wird demnach nur den sehr geübten Fahrern möglich sein, in die
Nähe des angeblich von einem Ducati Testfahrer aufgestellten Richtwerts zu kommen.
Bei höheren Temperaturen und sauberem Asphalt wird das bestimmt leichter
fallen, als im verstaubten Spanien bei gerademal warm. In Kürze werden
wir mehr wissen, wenn wir die Diavel in Österreich in Empfang nehmen.


Die einzig echte Verwandtschaft, die V-Max, hat subjektiv beurteilt mehr Druck aus dem
Stand - wobei anzumerken ist, dass die V-Max einen UNFASSBAREN Druck hat
– die Diavel beschleunigt eleganter, weniger wie ein Reaktor, mehr wie
ein Sportmotorrad. Liegt zum einen am geringeren Gewicht, zum anderen am
bekannten Testastretta Motor, der hier nicht viel weniger leistet als
in den Superbikes. Bewiesen werden kann das nur im direkten Duell oder
mit einer Lichtschrankenmessung. Doch selbst wenn die V-Max auf der
Geraden die breite Nase vorn hat, verschwindet sie
schnell im schmalen Rückspiegel der Diavel. Nicht auf der Viertelmeile,
aber spätestens in der ersten Kurve, eher schon in der Bremszone. Die
radial montierten 4-Kolben monobloc Bremsen auf zwei 320er Scheiben sind
ebenso bekannt wie wirkungsvoll. Hervorragend zu dosieren, bissfest,
präzise. Und: Bei der Diavel schieben gut 80 Kilo weniger in den
Kurveneingang als bei der V-Max.





80 Kilo leichter als eine V-Max.




In den Kurven ist die Diavel unter den Power
Cruisern sowieso ein Kapitel für sich. Das Geheimnis liegt hier vor
allem in der besonderen Bauart des eigens mit Pirelli entwickelten
Hinterreifens im Format 240/45 17, der eine stärkere Wölbung aufweist
und nicht so flach baut wie gewöhnliche Ultra-Breitreifen. So fährt sich
die Diavel im Richtungswechsel unbeschwert und leicht. Am stärksten zu
spüren ist da noch der Radstand von 1590 mm, der uns dafür an anderer
Stelle behilflich ist. Auf einem - zumindest im Geiste - abgesperrten
Autobahnabschnitt beschleunigte das Powerbike bis 240 und blieb dabei
selbst in der Kurve vollkommen stabil. Kein Wanken, kein Schwimmen, keine Unruhen. Und weil
man in der 770 mm tiefen Sitzwanne hinter dem breiten Vorbau schön ins
Motorrad integriert ist, hält man das sogar relativ gut aus. Mit der
oversized Gummiwalze im Heck lässt es sich übrigens nicht nur
hervorragend aus dem Eck schnalzen, sondern sogar wheelen.


Über eine Schwäche kann aber selbst der
eingefleischte Satanist nicht hinweg sehen. Die Bodenfreiheit ist zwar
allgemein gesprochen ausreichend, doch so sehr ich mich auch
bemühte, meine nicht billigen Bikerboots möglichst dicht an den breiten
Korpus der Diavel zu pressen, wobei meine Füße nur mehr an den
Zehenspitzen auf den Fußrasten balancierten, ich konnte nicht vermeiden,
dass meine Sohlen am Asphalt streiften und mit jeder Kurve Substanz
abbauten. Platzierung und Winkel der Fußrasten sind also suboptimal um
nicht zu sagen antichristlich und das ist nicht nur schlecht für die
Fahrerausstattung, sondern auch für die Konzentration. Schöne Lösungen
fand man hingegen bei den Beifahrerfußrasten und dem Haltegriff für den
Sozius. Beides lässt sich so einklappen, dass es die Optik in keiner
Weise mehr stört.





Stabil bei 240 km/h, Windschutz
durch Vorbau.




Was verzichtbar ist? Das Keyless-Go System. Denn zum schlüssellosen
Starten sind mehr Handgriffe notwendig als wenn man ihn einfach
reinsteckt und losfährt. Sonst hat die Diavel auf der ganzen, nicht
gerade schlanken Linie positiv überrascht. Sie funktioniert nicht nur im
aufrechten Geradeauslauf, sondern wird aus vielen Rückspiegeln
unvorbereiteter Nakedbiker nicht mehr wegzuwischen sein. Sie ist so
sportlich, dass sogar eine Anti-Hopping Kupplung an Bord ist. Und wer
nicht das Pech hat, irgendwann neben einem Bugatti Veyron Supersport an
der Ampel zu stehen, der wird auch hier nie als Verlierer vom Platz
rollen. Nur jene müssen das Teufelswerk fürchten, die nicht glauben
wollen. Ich hab schon wieder geträumt...

 



Bodenfreiheit groß, Fußfreiheit Fehlanzeige. 

Gut zu erkennen: Das Federbein sitzt fast waagrecht im Chassis.



Fetter Vorbau, LED Technik in Scheinwerfer und Blinkerstreifen.

Der Auspuff der Diavel spricht in fremden Zungen,
das Motorrad fährt aber nicht rückwärts.



Teufels Heck. Einzigartig und nur echt mit Soziusabdeckung .

Einarmschwinge ist Pflicht,  die kreative Nummernschildhalterung
Geschmacksache.


Eine Ducati Diavel in der Carbon Version beschleunigt
laut Werk von 0-100 in 2,6 Sekunden und kostet mit 22.495 Euro relativ
viel. Ein Bugatti Veyron Super Sport (der stärkere) beschleunigt laut
Werk von 0-100 in 2,5 Sekunden und kostet mit 1,6 Millionen Euro soviel
wie eine burgenländische Gemeinde mit 3000 Einwohnern. Eine Diavel
kostet also nur relativ viel. 1.577.505 Euro für 0.1 Sekunden? Bitte net
deppat sein.






































































Technische Daten
Ducati Diavel

Motor 90°-V2 4-Takt-11°-Testastretta-Motor,
Wasserkühlung

1198,4 ccm - 106,0 mm Bohrung - 67,9 mm Hub - Verdichtung 11,5:1
(±0,5)
Ventilsteuerung
4-Ventil-DOHC-Desmodromik, Ventilhub: 12,2 mm (E) - 11,2 mm (A)


Ventildurchmesser: 43,5 mm (E) - 35,5 mm (A)

Einlass öffent 4° v.o.T., schließt 58° n.u.T. - Auslass öffnet
58° v.u.T., schließt 7° n.o.T.
Leistung 162 PS - 119 kW bei
9.500 Umin / 127,5 Nm Drehmoment bei 8.000 Umin
Kraftübertragung hydraulisch betätigte
”Anti-Hopping Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad mit Servo-System


Antriebskette 530 (5/8 x 3/8)
Rahmen ChroMo Stahlrohrrahmen
(ALS 450), 35° Einschlag, 28° Lenkkopfwinkel

Aluminium-Einarmschwinge
Gabel Marzocchi USD-Gabel
mit DLC Beschichtung einstellbar in Zug-, Druckstufe und
Vorspannung

50 mm Standrohrdurchmesser, 120 mm Federweg
Federbein Progressives Sachs
Mono-Federbein verstellbar in Zug-, Druckstufe und Vorspannung


120 mm Federweg
Reifen 120/70-ZR17 vorne,
240/45-ZR17 hinten
Bremse vorne
Zweischeibenbremsanlage mit Brembo-Bosch ABS-System, 320 mm
Bremsscheiben (schw.)

Brembo M4.34A 4-Kolben-Radial-Monoblock-Bremszangen, Brembo
Radial-PR18/19 Bremszyl.
Bremse hinten Einscheibenbremsanlage
mit Brembo-Bosch ABS-System, 265 mm Bremsscheibe (schwimmend)


Brembo PF30/32 2-Kolben-Bremszange, Brembo PS13 Bremszylinder
Gewicht 207 Kg (210)
Trockengewicht , 400 Kg Höchst zulässiges Gesamtgewicht
Abmessungen 2.257 mm Länge, 945 mm
Breite, 1.192 mm Höhe, 1.590 mm Radstand, 770 mm Sitzhöhe
Tank 17 Liter
Service 1.000 und alle 24.000
Km (Ölwechsel alle 12.000 Km) oder Jahresservice
Preise Ö carbon-matt schwarz
schwarz/poliert 22.495,00 €

carbon-matt/rot schwarz schwarz/poliert 22.995,00 €






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Text: kot

Fotos: Ducati


 

 

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Die Ducati Diavel kommt mit 162 PS Testastretta, ABS, Traction Control und 3 Fahrmodi: Sport, Touring und Urban. Mit einer langen Schwinge und einem 240er Gummi imn Heck beschleunigt die Diavel laut Werk in 2,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Am meisten beeindruckt aber hat uns das Handling des Power Cruisers.

Zum Testbericht: http://www.1000ps.at/testbericht-2351753-Ducati_Diavel