Ducati Diavel 2011 am Flugfeld - 1000PS TV

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Online seit: 23.05.2011

Testbericht

Ducati Diavel

Ducati Diavel

Am Flugfeld in Wr. Neustadt versucht kot mit der Diavel in den Himmel aufzufahren. Und scheitert.

Am Flugfeld in Wr. Neustadt versucht kot mit der Diavel in den Himmel aufzufahren. Und scheitert.





































































































































































 


Ducati Diavel



Wer die Diavel voll ausbeschleunigen will, der
sollte einen Flugplatz bei der Hand haben.


 

Sie kann mehr, als man glauben mag und noch mehr, als man befürchten
möchte. Doch jedes Wesen mit einem so stark ausgeprägten Charakter wie
die Diavel drängt entschlossen in ein Extrem, in eine unausweichliche
Richtung und geht den ihm vorbestimmten Weg. Mit einer Supermoto wird
man verbissen nach Kurven suchen, mit einem Nakedbike sich an Wheelies
probieren und mit einem Supersportler früher oder später die
Heraus-forderung auf der Rennstrecke annehmen. Wir Motorradfahrer sind
stärker mit dem Schicksal verbunden, als andere. Denn es ist ganz sicher
so, dass die Diavel mich auserwählt hat - und nicht umgekehrt.

Bei all seinen teuflischen Fähigkeiten zieht es Ducatis Powerbike
immer nach vorne, und der kürzeste Weg dorthin ist im nicht gekrümmten
Raum bekanntlich eine Gerade. Beim Nachdenken über die längsten
Fotokastl freien Geraden im Osten Österreichs fiel mir ein Werbesujet
aus dem Jahre 2002 wieder ein. Audi bewarb den 450 PS starken RS6 damals
treffend mit "Was Piloten fliegen, wenn sie fahren." Das passt nicht nur
ebenso gut zur Diavel, die Diavel passt auch zur Fliegerei. Denn nur auf
einer 2 km langen, kerzengeraden Start- und Landebahn kann man den 162
stampfenden Pferden rücksichtslos die Desmo-Sporen geben. Es war
allerdings höchst unwahrscheinlich, dass der Flugverkehr in Wien auf
anonyme, telefonische
Anfrage von 1000PS ("... ein paar Pakete platziert ... räumen sie lieber
schnell alles ... noch nie Stirb Langsam 2 gesehen?") für 2 Stunden
unterbrochen werden würde.






Was Piloten fliegen, wenn sie
fahren.





Doch Wien ist nicht das Zentrum meiner Welt und nicht meine letzte
Chance. Das Zentrum meiner Welt - und auch meine letzte Chance - ist in
Wiener Neustadt und heißt 1000PS. Am Ortsrand dieser manchmal schönen
Stadt ist eine weitere österreichische Firma beheimatet, die am
nationalen Markt eine Sonderstellung genießt. Diamond Aircraft ist der
einzige Flugzeughersteller der Republik. Im Jahr 1998 übernahm Diamond
den Flugplatz Wiener Neustadt-Ost (LOAN), in dessen Nähe schon 1987 eine
Produktionsstätte errichtet worden war. Die Diavel hatte ihre Bestimmung
gefunden und ich musste ihr nur folgen.

Die Landebahn macht sich
vor mir breit wie der 240er Pirelli im Heck der Ducati. Ich kann das
Ende erahnen, die Länge der Plattform aber unmöglich schätzen, weil es
kaum Anhaltspunkte gibt. 3 bis 4 Viertelmeilen vielleicht. Flugzeuge stehen Spalier und scheinen gespannt
auf die Vorstellung des flügellosen Eindringlings zu warten. Gespannt
war auch ich. Wie schnell würden mir die 162 PS den Horizont entgegen
ziehen? Werde ich ohne Traction Control rückwärts köpfeln? Oder die 3
Sekunden Marke knacken? Und wann würde die Kupplung Meier sein? Dem
Geruch nach zu urteilen war nach dem dritten Start die Kupplung im
fortgeschrittenen Endstadium. Das wusste ich aber schon vorher, weshalb
ich nie mehr als drei Versuche im Sinn hatte. Nun zählt die
Beschleunigung aus dem Stand nicht gerade zu den großen Kunststücken im
motorisierten Zweiradzirkus. Sollte man meinen.






Strenger Kupplungsgeruch nach 3
Versuchen.





D für Ducati.


Spontane Ampelduelle haben nichts mit echter Beschleunigung zu tun. Wer
stolz darauf ist, auf der Triester einen E36 mit 400.000 Kilometern von 8
Vorbesitzern und vier Insassen vom Bosporus zu verblasen, der kennt
nicht die wahre Welt des Speeds. Und wer behauptet, er käme mit seinem
Supersportler tatsächlich an die 3 Sekunden Marke heran, der ist
entweder ein richtiger Rennfahrer oder paranoid. Ein Testfahrer von
Ducati soll mit der Diavel eine Zeit von 2,6 Sekunden von 0 auf 100
markiert haben, bei entsprechenden Tests in Deutschland lag man deutlich
darüber.

Das Powerbike aus Bologna scheint die besten Voraussetzungen für die
Viertelmeile mitzubringen. Lange Schwinge, breiter Reifen, massig
Muskeln und eine regelbare Traktionskontrolle. Leider hilft dir die
Elektronik Null, weil du dich auf dem schmalen Grat zwischen Durchziehen
und Durchdrehen nur alleine bewegen kannst. Ein bisschen Schlupf
schluckt die DTC (Ducati Traction Control) in der kleinsten Stufe zwar,
sobald dieser aber zu groß wird, regelt sie so stark, dass du sofort
verloren hast. Da ist es besser, mit dem geschulten Handgelenk das Gas
minimal zurückzunehmen und den Schlupf zu verringern, um den Druck nicht
abfallen zu lassen. Leichter gesagt, als getan, denn immerhin reicht das
Leistungsspektrum von 0 bis 162, was man über ein paar Grad Winkelweg
abrufen kann - oder eben nicht.






Der schmale Grat zwischen
Durchziehen und Durchdrehen.




Wie schwierig es ist, die maximale Leistung aus dem Ruhezustand auf die
Straße zu bringen und wie sehr es auch hier mehr auf den Fahrer als auf
sonstwas ankommt, zeigte ein Beschleunigungsvergleichstest einer
österreichischen Motorradzeitschrift vor einigen Jahren. Der Rennfahrer
war auf fast jedem Motorrad - egal ob 180 PS R4 oder 60 PS Einzylinder -
am schnellsten auf Tempo Hundert. Danach verschiebt sich das Feld
natürlich wieder der Leistung entsprechend. Doch auf den ersten Metern
entscheidet die Kunst an der Kupplung und die glaubt man nur zu
beherrschen. So richtig beschleunigt man nämlich erst, wenn man voll
eingekuppelt hat und nur mehr am Gasgriff ziehen muss. Was sich davor
abspielt, ist eher erbärmlich und fühlt sich so an, als würde man unter
Wasser losrennen wollen.

Unter großer Angst zieht sich der Mensch
gerne in die Embryonalstellung zurück. Beim Motorradfahren bedeutet das
die geistige und motorische Zurückversetzung in das Fahrschulalter. Das
vermeintlich in Fleisch und Blut übergegangene Zusammenspiel von Gas und
Kupplung gleicht nun dem Entschärfen einer Bombe mit Boxhandschuhen. Der
Tunnelblick wird plötzlich zum notwendigen Focus aus Mangel an einem
konkreten Ziel. Bis 250 schiebt die Diavel druckvoll nach vorne, dass
die Augäpfel kurz die Form einer Halbkugel annehmen. Das Gesäß fest in
der Sitzwanne verankert, stemme ich meinen Körper mit aller Kraft gegen
die Faust im Nacken. Nach 200 Metern scheint der Horizont unverändert,
nach 400 auch. Mit zunehmender Geschwindigkeit zieht sich der riesige
Betonstreifen immer mehr zusammen.






Die Brembos haben den Horizont
angehalten.




Die Fahrbahnränder rücken näher zusammen, die Umgebung entfernt sich und
verschwindet irgendwann in der Bedeutungslosigkeit. 250. Alles fließt,
sagt Heraklit, ohne Windschutz ziemlich laut. Hätte man mehr Zeit, man
könnte tatsächlich zu philosophieren beginnen. Aber da vorne ist
irgendwann Ende, nur hat man keine Ahnung, wo. Sobald man von der
Orientierungslosigkeit in die Panik kippt, geht man in die Eisen, viel
zu früh, denn die 4-Kolben-Radial-Monoblock-Bremszangen mit zwei 320 mm
Scheiben liegen auf Supersportniveau. Kurze Atemlosigkeit, dann
Stillstand. Die Brembos haben den Horizont angehalten. Ich drehe im
großen Bogen um und erkenne jetzt wieder, wie breit und lang dieser
Streifen tatsächlich ist. Ich habe bei Weitem nicht die gesamte Länge
der Bahn genutzt. Die Kupplung stinkt, mein Körper zittert. Irgendwo da
vorne ist das andere Ende. Mal schauen, wie nahe ich ihm diesmal
komme...


































































Technische Daten
Ducati Diavel

Motor 90°-V2 4-Takt-11°-Testastretta-Motor,
Wasserkühlung

1198,4 ccm - 106,0 mm Bohrung - 67,9 mm Hub - Verdichtung 11,5:1
(±0,5)
Ventilsteuerung
4-Ventil-DOHC-Desmodromik, Ventilhub: 12,2 mm (E) - 11,2 mm (A)


Ventildurchmesser: 43,5 mm (E) - 35,5 mm (A)

Einlass öffent 4° v.o.T., schließt 58° n.u.T. - Auslass öffnet
58° v.u.T., schließt 7° n.o.T.
Leistung 162 PS - 119 kW bei
9.500 Umin / 127,5 Nm Drehmoment bei 8.000 Umin
Kraftübertragung hydraulisch betätigte
”Anti-Hopping” Mehrscheiben-Kupplung im Ölbad mit Servo-System


Antriebskette 530 (5/8” x 3/8”)
Rahmen ChroMo Stahlrohrrahmen
(ALS 450), 35° Einschlag, 28° Lenkkopfwinkel

Aluminium-Einarmschwinge
Gabel Marzocchi USD-Gabel
mit DLC Beschichtung einstellbar in Zug-, Druckstufe und
Vorspannung

50 mm Standrohrdurchmesser, 120 mm Federweg
Federbein Progressives Sachs
Mono-Federbein verstellbar in Zug-, Druckstufe und Vorspannung


120 mm Federweg
Reifen 120/70-ZR17 vorne,
240/45-ZR17 hinten
Bremse vorne
Zweischeibenbremsanlage mit Brembo-Bosch ABS-System, 320 mm
Bremsscheiben (schw.)

Brembo M4.34A 4-Kolben-Radial-Monoblock-Bremszangen, Brembo
Radial-PR18/19 Bremszyl.
Bremse hinten Einscheibenbremsanlage
mit Brembo-Bosch ABS-System, 265 mm Bremsscheibe (schwimmend)


Brembo PF30/32 2-Kolben-Bremszange, Brembo PS13 Bremszylinder
Gewicht 207 Kg (210)
Trockengewicht , 400 Kg Höchst zulässiges Gesamtgewicht
Abmessungen 2.257 mm Länge, 945 mm
Breite, 1.192 mm Höhe, 1.590 mm Radstand, 770 mm Sitzhöhe
Tank 17 Liter
Service 1.000 und alle 24.000
Km (Ölwechsel alle 12.000 Km) oder Jahresservice




Video: Ducati Diavel - 1000PS TV













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Text: kot

Fotos: volli


 

 

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1000PS testete die Beschleunigung der Diavel bis an ihre Grenzen. Eine Straße hätte nicht gereicht - 162 PS bei 127,5 Nm - das Flugfeld in Wiener Neustadt war die perfekte Location. Hier der Bericht zum Video: http://www.1000ps.at/testbericht-2352337-Ducati_Diavel