Royal Enfield Continental GT 535 EFI Gebrauchtberatung

Cafe Racer im Gebrauchtcheck

Die Ankunft der Continental GT im Jahr 2014 markierte einen neuen Weg für Royal Enfield, der letztendlich zu den beliebten 650ccm Parallel-Twin Modellen Interceptor und Continental GT geführt hat. Die 535er GT ist weit mehr als nur eine aufgemotzte Bullet. Sie wurde entwickelt, um den europäischen Markt anzusprechen und Erinnerungen an Bikes aus den 1960er Jahren zu wecken.

Mit einem hubraumstärkeren Motor, einem ausgeklügelten Fahrwerk und einem coolen Retro-Café-Racer-Look war die Continental GT, zumindest für Enfield, ein ziemlich großer Schritt nach vorne. Wenn ihr auf der Suche nach einer coolen Retro-Maschine mit einem günstigen Preisschild und einfacher Wartung zu Hause seid, könnte die Einzylinder Continental GT eine Überlegung wert sein.

Royal Enfield Continental GT (2014-2019) Preis

In unseren Kreisen ist die Royal Enfield Continental GT ein relativ seltenes Motorrad. Man muss vielleicht etwas länger suchen, um ein Exemplar am Gebrauchtmarkt zu finden. Preislich ist sie für ein Retro Bike dennoch attraktiv. Hier die aktuellen Angebote: Royal Enfield Continental GT kaufen.

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Leistung und Drehmoment des Enfield Einzylinders

Mit nur 29 PS und 44 Nm fühlt sich die Enfield beim Fahren ziemlich asthmatisch an. Sie kann sicherlich nicht als schnell bezeichnet werden und aufgrund ihres simplen Motors, der gerne mal die Zahnfüllungen herausvibriert, wird man von der Leistung nicht sonderlich beeindruckt sein. Er kann sich bis zum legalen Tempolimit hocharbeiten, aber er fühlt sich an und reagiert wie ein ziemlich altmodischer, (und man muss sagen) nicht besonders inspirierender, Einzylinder. Was er auch ist.

Motor, Getriebe und Auspuff

Der Continental GT verwendet Enfields Unit Construction Engine (UCE), der 2009 als großes Update in die Baureihe eingeführt wurde. Für die GT wurde der Einzylinder auf 535 ccm aufgerüstet. Der Rest des Motors, abgesehen von einem ECU-Remap und einem leichteren Schwungrad, ist im Grunde derselbe, den auch die Bullet verwendet. Das bedeutet bewährte Technik! Größere Probleme sind selten, abgesehen davon, dass das Finish leidet, wenn es nicht gut gepflegt wird. Das Gleiche gilt für das Getriebe, das serienmäßig furchtbar klobig, aber solide ist und dasselbe gilt auch für den Auspuff. Viele Enfield-Besitzer neigen dazu, die Wartung selbst zu übernehmen, was in der Regel nur aus einem Öl- und Filterwechsel besteht, also erwartet nicht viel in Bezug auf die Servicehistorie.

Wenn das Motorrad aber nur 5.000 Kilometer zurückgelegt hat, gibt es keinen Grund zur Sorge, da die Wartungsintervalle alle 6.000 Kilometer sind. Wenn es um Routinearbeiten wie Luftfilter und Zündkerze geht (man muss nicht einmal den Tank abnehmen, um an diese Dinge heranzukommen), geht es nicht viel einfacher und alles in allem sollte ein kompetenter Mechaniker weniger als zwei Stunden brauchen, um eine GT komplett zu warten.

Royal Enfield Continental GT: Handling, Fahrwerk und Gewicht

Während der Motor eine kleine Enttäuschung ist, ist das Fahrwerk der GT eine angenehme Überraschung - vor allem wegen des Konstrukteurs. Dank des Inputs von Harris Performance (die jetzt Enfield gehören) ist die GT bemerkenswert agil und kurvengierig. Das niedrige Gewicht von 184 kg im fahrbereiten Zustand ist sicherlich hilfreich, aber man muss Harris zugestehen, dass sie ihr Handwerk wirklich verstehen. Das Fahrwerk ist akzeptabel, die nicht einstellbare Gabel und das Doppelfederbein (mit einstellbarer Vorspannung) erfüllen unter den meisten Bedingungen ihre Aufgabe. In der Stadt ist die GT leicht und wendig, aber auf der offenen Straße beeindruckt sie am meisten. Wenn ihr ein gebrauchtes Exemplar kauft, solltet ihr die Speichenräder sorgfältig inspizieren, denn sie korrodieren sehr leicht. Während rostige Speichen kein großes Problem darstellen, sind angeschlagene Felgen ein Problem und können ein schönes Motorrad wirklich schäbig aussehen lassen.

Die Einzelscheibe und ein Zweikolben-Sattel, der von Brembos fernöstlichem Ableger ByBre hergestellt wird, bieten eine akzeptable Leistung, aber es fehlt ein ABS und ein wenig an Gefühl.

Komfort und Sitzposition der Continental GT

Aufgrund des Café-Racer-Stylings ist die GT kein sehr komfortables Motorrad. Der Sattel ist recht fest und der Lenker ziemlich niedrig, was zu einer etwas unbequemen Haltung führt. Es überrascht nicht, dass bei den 650er Modellen die aufrechtere Interceptor das besser verkaufte Motorrad ist, was beweist, dass die meisten Fahrer eine entspannte Sitzposition bei ihren Retro-Motorrädern wünschen. Wenn man die Vibrationen des Einzylinders in die Gleichung einbezieht, bedeutet das, dass Touren zwar nicht völlig ausgeschlossen sind, aber wahrscheinlich nicht empfohlen werden.

Bietet der Royal Enfield Cafe Racer jegliche Fahrhilfen?

Nein, keine einzige. Bei der GT gibt es keine Fahrerassistenz, aber dank der Popularität der Bullet gibt es ein paar Zubehörteile auf dem Markt. Es gibt mehrere Firmen, die sich auf Royal Enfield spezialisiert haben und somit kann man Old-School-Blinker, Ersatzsitze, einen lauteren Auspuff, ein Windschild, verstärkte Stoßdämpfer, Lenkerspiegel und vieles mehr bestellen.

Royal Enfield Continental GT (2014-2019) Gebrauchtfazit

Die Continental GT ist ein Relikt aus der Zeit, als Enfield von europäischen Motorradfahrern noch nicht so ernst genommen wurde. Sie hat einen einfachen Einzylindermotor, der eine kleine Leistungssteigerung erhalten hat und in ein gutes Chassis mit coolem Aussehen gesteckt wurde. Aber in vielerlei Hinsicht ist diese simple Natur auch ihre Hauptverkaufsargument. Wenn ihr ein Motorrad wollt, mit dem ihr mehr als nur kurze Strecken fahren könnt, kauft den 650er Parallel-Twin. Wenn ihr ein Motorrad wollt, das euch an die guten alten Zeiten erinnert, ist der 535er-Single in Ordnung, aber auch ziemlich eingeschränkt in seiner Verwendung.

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Über Jon Urry

Als begeisterter Motorradfahrer und Weltenbummler, der seit 2001 schon für Motorradmagazine in acht Ländern gearbeitet hat und jährlich über 30.000 Kilometer im Sattel verbringt, behauptet Jon von sich selbst zumindest seit 2003 jedes Modell von jedem (namhaften) Hersteller gefahren zu sein, das er kennt. 1000PS ist es gelungen ihm eine Reihe an Gebraucht-Berichten abzuluchsen, sodass ihr, von unserer Crew auf Deutsch übersetzt und da oder dort erweitert, in den Genuss seiner einzigartigen Erfahrungen kommt.

Autor

Bericht vom 03.02.2021 | 7.310 Aufrufe

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