Warum Verbandsarbeit über das Schicksal der Branche entscheidet

Sind Motorrad Verbände bloß Papieriger

Die Motorradbranche steht vor großen Herausforderungen. In Deutschland übernimmt Uwe Seitz die IVM-Geschäftsführung, während sich in Österreich die Händler neu organisieren. Warum das jeden Biker betrifft und weshalb Verbandsarbeit wichtiger wird denn je.

Motorradbranche im Umbruch: Warum Verbandsarbeit jetzt entscheidend wird

Verbandsarbeit findet in Sitzungsräumen statt, in Gesprächen mit Behörden und in langen E-Mail-Ketten. Nach außen wirkt das oft nach zäher Bürokratie, die wenig mit der Realität am Markt zu tun hat. Entsprechend laut fällt die Kritik aus, sobald es schwierig wird. Das zeigte sich zuletzt in Deutschland rund um die Intermot besonders deutlich. Sowohl Messe als auch der Industrie Verband Motorrad "IVM" standen massiv in der Kritik, auffällig dabei: Ein großer Teil kam von Marktteilnehmern, die selbst nicht im Verband engagiert sind. Denn Verbände leben nicht von Funktionären oder Geschäftsstellen, sondern von einer breiten Mitgliederschaft, die sie trägt, legitimiert und mitgestaltet. Wer nicht mitmacht, überlässt das Spielfeld zwangsläufig jenen, die es tun.


Deutschland: Der IVM startet mit neuem Geschäftsführer

Im deutschen Markt ergibt sich aktuell eine bedeutende Chance. Mit Uwe Seitz steht seit Jahresanfang ein neuer Geschäftsführer an der Spitze des IVM (Industrie-Verband Motorrad). Deutschland zählt zu den zentralen Motorradmärkten Europas. Wenn dieser Markt nicht mit geeinter Stimme spricht, wird es schwierig, gegenüber Politik, Behörden und anderen Interessensvertretungen Gehör zu finden. Das gemeinsame Auftreten dient dabei nicht nur Herstellern oder Importeuren, sondern dem gesamten System aus Motorradfahrern, Händlern und Industrie. Gerade wenn andere Interessensverbände aktiv Lobbyarbeit gegen die Motorradbranche betreiben, bei Lärmthemen, Emissionsdebatten oder Einschränkungen der individuellen Mobilität, braucht es eine starke Stimme.


Uwe Seitz, Neuer IVM-Hauptgeschäftsführer
Uwe Seitz, Neuer IVM-Hauptgeschäftsführer

Österreich: Penible Detailarbeit und neue Händlervertretung

In Österreich zeigt die Arge2Rad unter der Leitung von Karin Munk seit Jahren, wie wirksam kontinuierliche, sachliche Verbandsarbeit sein kann. Bei Themen wie Fördermodellen, Führerscheinregelungen und rechtlichen Rahmenbedingungen wurden durch Detailarbeit auf politischer Ebene praxisnahe Lösungen erreicht.


Besonders spannend entwickelt sich derzeit der Verband der österreichischen Zweiradhändler. Damit formiert sich in Österreich erstmals eine eigenständige, markenunabhängige Interessenvertretung des Motorradfachhandels. Die Rahmenbedingungen verändern sich rasant: Einige Hersteller setzen künftig möglicherweise auf Direktvertriebsmodelle, Händler werden dann teilweise umgangen, die wirtschaftliche Basis vieler Betriebe gerät unter Druck. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 75 Euro pro Jahr.


Warum das auch Motorradfahrer betrifft

Ein stabiles, flächendeckendes Händler- und Servicenetz ist keine Selbstverständlichkeit. Wenn Händlern die Geschäftsgrundlage entzogen wird, verschwinden regionale Ansprechpartner, Werkstätten und kurzfristige Serviceleistungen. Motorräder brauchen Service, Betreuung und Menschen vor Ort. Bei Gesprächen mit Politik, Behörden oder anderen Interessensvertretungen zählt vor allem die Zahl derer, die dahinterstehen. Eine breite Mitgliederschar schafft Gewicht, Ernsthaftigkeit und Verhandlungsspielraum. Verbandsarbeit ist mühsam, bringt selten schnelle Erfolge, bleibt aber unverzichtbar, wenn eine Branche langfristig überleben will. Wer nicht mitgestaltet, wird gestaltet.


Bericht vom 02.02.2026 | 1.857 Aufrufe

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