Einsatzfahrzeuge und du

richtiges Verhalten für Biker

Egal wo ihr euch mit eurem Bike befindet. Immer besteht die Möglichkeit, dass sich von vorne, hinten, links oder rechts Einsatzfahrzeuge den Platz auf der Straße mit euch teilen wollen. Dann ist Coolness und richtiges Verhalten elementar.

Sonntagnachmittag, Landstraße, bestes Wetter, unterwegs mit der CB300R. Plötzlich seht ihr im Rückspiegel nur rot und den Schriftzug Feuerwehr. Was nun? Anhalten? Platz machen oder weiterfahren? Es kommt darauf an. Und weil es so viele Einsatzfahrzeuge gibt und mehrere mögliche Verhaltensweisen je nach Situation, erklären wir euch auf den folgenden Zeilen die wichtigsten Grundlagen.

Ein bisschen Definition

Wenn wir dabei von Einsatzfahrzeugen sprechen, dann meinen wir damit das, was § 2 (25) der StVO als solche definiert, also „ein Fahrzeug, das auf Grund kraftfahrrechtlicher Vorschriften als Warnzeichen (§ 22) blaues Licht und Schallzeichen mit Aufeinanderfolge verschieden hoher Töne führt, für die Dauer der Verwendung eines dieser Signale“. Im praktischen Alltag erfüllen vier verschiedene Klassen diese Definition:

  • Rettungsfahrzeuge, sprich Krankenwagen, Notarzt-PKW und alles andere, was irgendwie „medizinisch“ ist.
  • Fahrzeuge der Feuerwehr
  • Fahrzeuge von staatlichen Sicherheitsorganen wie Bundespolizei, Sicherheitspolizei usw.
  • Sonstige Organisationen (Bergrettung, Unfallhilfsfahrzeuge…).

Die Reihenfolge wurde mit Absicht gewählt. Denn das ist die absteigende Reihenfolge der Wichtigkeiten. Träfen sich also ein Krankenwagen und ein Polizeiauto, hätte ersterer im Einsatz Vorfahrt. Doch hier kommt der wichtigste Knackpunkt: All diese genannten Fahrzeuge sind zunächst einmal nur ganz normale Verkehrsteilnehmer, bis der Besatzung aufgrund eines Einsatzes befohlen wird, Blaulicht und/oder Folgetonhorn einzuschalten. Erst zu diesem Zeitpunkt bekommt das Fahrzeug Sonderrechte, die Ihr als Biker wiederum beachten müsst.

Doch Vorsicht, bei uns ist das Einschalten des Horns nicht zwingend vorgeschrieben. Insbesondere nachts aber oft genug auch tagsüber fahren viele Einsatzfahrzeuge, gerade in bewohntem Gebiet, auch nur mit Blaulicht, um die Anwohner nicht aus dem Bett zu werfen oder anderweitig zu stören. Behaltet also euren Rückspiegel permanent im Auge. Und: Auch ohne, dass die volle „Festbeleuchtung“ eingeschaltet ist, dürft ihr immer davon ausgehen, dass die Besatzung dieser Fahrzeuge nicht so freiwillig auf der Straße unterwegs ist, wie ihr es vielleicht gerade seid. Im Sinne guten Bikertums und Anstands auf der Straße daher die Bitte, übt gerade deshalb maximale Rücksichtnahme und besteht nicht auf euer Recht.

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1. Rettungsfahrzeuge

Rettungsfahrzeuge lassen sich vergleichsweise leicht erkennen, sie sind in Österreich immer zweifarbig. In den allermeisten Fällen ist es eine auffällige Kombination aus Rot und Weiß – manchmal wird das Weiß allerdings gegen ein ziemlich leuchtendes Signal-Neongelb ausgetauscht oder diese Farbe kommt noch als dritte hinzu. Das ist allerdings die einzige Konstante. Ob zusätzlich ein rotes Kreuz vorne angebracht ist, und/oder da ein Schriftzug („Rettung“) steht, hängt davon ab, wer den Wagen betreibt.

Allerdings: Verlasst euch nicht darauf, auch nicht auf die Farbe. Auch das Privatauto eines Arztes kann ein Rettungsfahrzeug sein. Daher dürft ihr euch auch nicht darauf versteifen, dass es sich dabei immer um „Bullis“, also Minivans bis hinauf zu Sprinter-Größe handelt. Gerade Notärzte sind oft auch mit Kombis oder SUVs unterwegs.

Verhalten

Sofern kein Blaulicht eingeschaltet ist, könnt ihr euch entspannen und das Rettungsfahrzeug als ganz normalen Mit-Verkehrsteilnehmer betrachten. Allerdings: Bleibt bereit. Ein Einsatzbefehl kann jederzeit per Funk kommen und dann muss es schnell gehen. Wir empfehlen, falls die Situation es zulässt, einfach wenn möglich rechts anzuhalten und das Fahrzeug unbürokratisch passieren zu lassen. Passiert das Ganze auf der Autobahn und ist der Verkehr zudem ungewöhnlich dicht, macht euch bereit, eine Rettungsgasse zu bilden – das ist Pflicht.

2. Feuerwehrfahrzeuge

Rein optisch sind Feuerwehrfahrzeuge in Österreich noch am leichtesten zu erkennen. Bei denen herrscht nämlich Feuerrot (selten ein ins Rötliche stechende Signalorange) mit wenigen weißen Akzenten vor. Und immer steht vorne groß und markant „FEUERWEHR“. Allerdings müsst ihr mit dem aufräumen, was ihr vielleicht über Feuerwehrfahrzeuge im Kopf habt: Es ist eben nicht immer nur der große Lösch-LKW mit Leiter drauf. Das zeigt euch ein Blick auf das Portfolio eines der wichtigsten Feuerwehrfahrzeug-Herstellers der Firma Rosenbauer. Da gehören Unimogs ebenso dazu wie Einsatzfahrzeuge auf SUV-Basis und sogar Quads. Verlasst euch also nicht nur auf die Merkmale „groß und rot“ im Rückspiegel.

**Verhalten ** Ohne Blaulicht empfiehlt sich eine ähnliche Vorgehensweise wie bei den Rettungsfahrzeugen. Allerdings mit einem besonderen Passus, falls es sich tatsächlich um den großen klassischen Lösch-Laster handelt. Dem begegnet man auf der Straße so, wie man jedem anderen Lastwagen dieser Größenordnung begegnen würde.

Genau diese Tatsache hat auch Folgen, falls Blaulicht im Spiel ist: So ein großes Fahrzeug hat eine enorme Menge an Bewegungsenergie, wenn es erst mal in Fahrt ist. Damit die Lebensretter nicht wegen euch bremsen müssen, empfiehlt es sich, kurz mal am Hahn zu drehen, mit dem Bike etwas Abstand zu gewinnen und dann schnellstmöglich nach rechts aus dem Weg zu fahren. Übrigens: Feuerwehrfahrzeuge sind oft Rudeltiere. Soll heißen, begebt euch nicht gleich wieder auf die Bahn, nachdem das erste vorbeigefahren ist. Oft genug folgen noch weitere. Das gilt ganz besonders, wenn das erste Auto ein PKW war. Im Zweifelsfall Motor ausschalten, Helm ausziehen und einfach mal lauschen.

3. Polizeifahrzeuge

Die „Rennleitung“ gehört wohl zu denjenigen Fahrzeugen, denen wir Biker am wenigsten gern begegnen. Hand aufs Herz, irgendwie fühlt man sich doch immer direkt ein wenig schuldig, wenn man den Herrn und Damen in Dunkelblau unterwegs begegnet. Klar, bei einer Zivilstreife hat man Pech, die kann man auf der Straße nur sehr schwer erkennen. Ansonsten ist die Sachlage natürlich klar: Gemäß der EU-Vorgaben, die auch hierzulande für die Cops gelten, sind Polizeifahrzeuge immer in blau gehalten, meistens mit Silber (viel seltener Weiß) als zweiter Farbe.

Verhalten

Wenn die Polizei hinter einem ist und kein Blaulicht im Spiel ist, gelten die bisherigen Regeln nicht mehr. Dann gilt nur maximale Coolness. Das bedeutet, genau so weiterfahren, wie man es bisher getan hat. Wer zu fix unterwegs war, geht vom Gas – aber nicht bremsen, das wirkt gleich schon wieder verdächtig. Und dann schön weiterrollen, bis man selbst abbiegt oder die Gesetzeshüter es tun.

Ist hingegen die Signalanlage an, kommt es auf die Situation an. Kommt der Wagen von hinten mit Karacho angeschossen, so schnell wie möglich nach rechts ausweichen. Das gilt nicht euch, sondern irgendeinem anderen Einsatzzweck. Anders schauts aus, wenn der Wagen eine gewisse Zeit schon hinter euch war und sich dann meldet. Dann wollen sie wahrscheinlich einen genaueren Blick auf euch und euer Bike werfen. Dann ist wieder Coolness vonnöten:

  1. Blinker nach rechts setzen, um zu zeigen, dass ihr sie bemerkt habt, ggf. Handzeichen geben.
  2. Bei einer günstigen Gelegenheit (Rastplatz o.Ä.) anhalten
  3. Motor ausschalten, Helmvisier hoch, Ständer runder, Hände am Lenker

In den meisten Fällen wird die Zulassungsbescheinigung und euer Führerschein gescheckt und geschaut, ob an eurem Bike etwas illegal verändert wurde. Falls nicht: Entspannt euch und wünscht anschließend einen schönen Tag.

Bildquelle: Pixabay.com © christels

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Bericht vom 02.06.2018 | 1.346 Aufrufe

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