Das erste Mal Rennstrecke - Mit der Z900 am MotoGP-Racetrack

Fahrtechnik lernen bei Hochgeschwindigkeit!

Das erste Mal auf die Rennstrecke ist ein großer Schritt in der Biker-Karriere. Haltung, Fahrtechnik, Blicktechnik, Sitzposition und Fahrlinie unterscheiden sich stark von der Straße. Bei den 1000PS Trackdays in Brünn schnupperte ich zum ersten mal in die Racing-Welt - Und das gleich auf einem MotoGP-Track! Von Instruktoren an der Hand geführt, geht es ab ins tschechische High-Speed-Winkelwerk.

Es beginnt immer mit dem allgemeinen Fahrer-Briefing um 08.30 Uhr. Die Piloten aller Gruppen versammeln sich, während unser 1000PS Rennfahrer Matthias Meindl die Regeln auf der Strecke erklärt. Um die Sicherheit aller Teilnehmer zu erhöhen, muss jeder wissen, welche Fahne was bedeutet und wie man sich auf der Rennstrecke zu verhalten hat. Die altgedienten Racer-Veteranen kennen zwar die Richtlinien schon in- und auswendig, doch gerade die neuen Fahrer hören konzentriert zu und versuchen sich alles zu merken. Zum Rennstreckenfahren gehört so einiges dazu, wie ich auch später noch am eigenen Leib erfahren werde.

Das Kennenlernen der Ideallinie - der erste Turn

Mein Zugang zu dem Ganzen war ein eher unbedachter. In der Früh hab ich mir einfach unsere Dauertester Kawasaki Z900 geschnappt und bin in Richtung Brünn aufgebrochen. Deshalb nutze ich auch die knappe Stunde zwischen dem Briefing und dem ersten Turn, um die Z900 Rennstrecken-tauglich zu machen. Die Lichtelemente gehören abgeklebt, die Spiegel runtergeschraubt und der Luftdruck in den Reifen abgesenkt. Zwar gibt es auf unseren Trackdays immer die Möglichkeit sich beim Zweiradprofi Pauer neue Schlappen für den Track aufzuziehen, doch für mein erstmaliges herumgeeiere in der grünen Gruppe sollte auch der aufgezogene ContiRoad absolut ausreichen. Mit leicht zittrigen Knien und schon voller Adrenalin fahre ich schließlich zum finalen Treffpunkt meiner Gruppe. Auf den 1000PS Trackdays sind die Fahrer in 4 Gruppen-Klassen, Grün, Blau, Gelb und Rot, nach Fahrkönnen und Geschwindigkeit eingeteilt. Die grünen Gruppen fahren die Turns am Vormittag mit Instruktor. Im ersten Turn geht es um das Kennenlernen der Ideallinie.

In unserer kleinen Gruppe fahren wir zu Acht dem Instruktor, Johannes aus Tirol, sozusagen im Entchenmarsch nach und nähern uns der Boxenausfahrt. Im großen Pulk warten dort auch schon die anderen Grünlinge. Schließlich geht der Schranken auf und unter großem Getöse fahren die Gruppen eine nach der anderen hinaus. Das Wissen, dass es im ersten Turn nur darum geht die Strecke bei moderatem Tempo kennenzulernen und sich die Linie einzuprägen, beruhigt meine gespannten Nerven. Der Racetrack in Brünn ist eine waschechte MotoGP-Rennstrecke und dementsprechend nicht sehr einfach. Es geht hinab und hinauf, in extrem langen Radien kann man hohe Kurvenspeeds fahren und die Ideallinie wird in den Wechselkurven richtig kompliziert. Nach 20 Minuten Fahrt ist der Turn zu Ende und es geht zurück in die Box. Hier folgt eine Nachbesprechung und der nächste Batzen Theorie.

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Fahrtechnik auf der Rennsstrecke - der zweite Turn

Wie schon vorher gesagt, es gehört verdammt viel zum Rennstreckenfahren dazu. Abgesehen von der grundsätzlichen Bedienung des Motorrads per Gasgriff und Lenker ist nämlich alles anders als auf der Straße. Man sitzt anders, man schaut anders und man bewegt sich komplett anders. So viel Neues muss auch erst einmal verarbeitet und begriffen werden. Deshalb kommt die Theorie auch in kleinen Portionen. Beim zweiten Turn beschäftigen wir uns mit der richtigen Blicktechnik. Am Track muss man noch viel weiter in die Kurve hineinblicken und den Oberkörper auch noch mitdrehen. Macht man es richtig, so folgt das Motorrad den Bewegungen von Kopf und Körper und kippt wie von selbst in die richtige Schräglage. Im zweiten Turn gilt es dann diese Theorie in der Praxis anzuwenden. Wir schleichen für Rennstreckenverhältnisse zwar geradezu über den Ring, doch das gibt uns Zeit überhaupt erst zu überlegen was wir tun und das Gelernte umzusetzen. Ich selbst fühle mich wie der erste Mensch als ich die ungewohnten Bewegungsmuster umzusetzen versuche. Doch Runde um Runde werden die Bewegungen runder und das Selbstbewusstsein, und damit auch der Fahrspaß, steigt mit jeder Kurve.

How to Knieschleifen - Der dritte Turn

Turn Nummer 3, der letzte Turn vor der Mittagspause und mit Instruktor, steht ganz im Zeichen der richtigen Kurvenfahrt im Rennbetrieb. Nicht nur lernen wir die richtige Haltung, sondern mit dem Hineinbremsen in die Kurve steht uns auch eine Herausforderung bevor. Zusätzlich zum weit in die Kurve hineinblicken, sollen wir nun auch das Knie ausklappen. Bei korrekter Ausführung aller Schritte ist es nicht schwer das berüchtigte Knieschleifen zu schaffen. Dieses ist nicht nur zum Posen gut, sondern dient eigentlich als Schräglagenindikator. Denn bei korrekter Blicktechnik schaut man dermaßen weit und schief in den Radius hinein, dass die Schräglage mit den Augen nicht mehr erkennbar ist. Das Hineinbremsen verlangt vor allem Überwindung und Mut. Auf der Straße beendet man die Verzögerung meist, bevor man sich in Schräglage haut. Doch auf der Strecke würde man so viel Zeit und Speed liegen lassen, deshalb bremst man viel später an und verzögert bis zum Kurvenscheitel. Dieses in der Kurve Bremsen, noch dazu mit der Vorderradbremse, fühlt sich für mich als Enduro- und Straßenfahrer komplett widernatürlich an. Doch man hat so sogar mehr Grip, da die Vorderradgabel eintaucht und das Vorderrad mit mehr Druck auf den Boden presst. Gibt man stattdessen in Schräglage zu früh Gas, kann es so auch zum Sturz kommen da das Vorderrad leichter wird und wegrutschen kann. Bei unseren langsamen Geschwindigkeiten besteht diese gefahr zwar nicht, aber dennoch versuchen wir die richtige Fahrtechnik anzuwenden. Der dritte Turn beweist, dass das nicht einfach ist und man bekommt unweigerlich noch mehr Respekt vor den wirklich guten Rennfahrern.

Am Nachmittag gibt es noch drei Turns für die grüne Gruppe, diesmal ohne Instruktor. Ich lasse die schnellen Grün-Fahrer vorfahren und ordne mich unter den hinteren Amateur-Racern an. Ich versuche weniger schnell zu sein, sondern konzentriere mich auf eine möglichst gute Umsetzung der neuen Fahrtechnik. Obwohl sich noch immer alles ungewohnt anfühlt, spüre ich wie langsam der Knopf aufgeht. So geht es weiter, Runde um Runde und Kurve um Kurve. Naturtalent bin ich definitv keines. Aber trotzdem macht es Spaß und mit dem neuen Wissen und genügend Training kann eines Tages vielleicht ein halbwegs passabler Racer aus mir werden. Übung macht ja bekanntlich Meister.

Trackday Saison 2020 - Die neuen Termine

Die Saison 2020 ist zwar schon vorbei, doch auch nächstes Jahr gibt es wieder die Möglichkeit auf den 1000PS Trackdays den inneren Rossi und Marquez zu celebrieren. Ich werde auf jeden Fall da sein und in der grünen Gruppe die Technik verbessern und den Ring unsicher machen. Alle Interessierten können sich ab 1. Dezember 2020 auf 1000PS.com die neuen termine ansehen und sich anmelden. Die Tickets werden nach dem "First come first serve"-Prinzip vergeben. Für alle Rennstreckenanfänger zum Schluss noch ein exklusiver Tipp: Grundsätzlichz eignen sich alle Strecken zum Anfangen. Doch MotoGP-Tracks, wie in Brünn oder am Red-Bull-Ring, sind naturgemäß schneller und schwerer. Soll jetzt nicht entmutigen, ich habe es ja auch überlebt. Aber als Anfänger-freundlichste Strecke unserer Trackdays gilt gemeinhin der Pannoniaring in Ungarn. Mit seinen wenigen High-Speed-Passagen und langsameren, leichteren Kurvenkombbinationen ist er ideal für blutige Anfänger.

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Bericht vom 18.09.2020 | 6.354 Aufrufe

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