Multistrada Erfahrungen

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Der Ex-Kawakeiler Matthias Durst verkauft nun keine Motorräder mehr sondern ist in die Streusalzbranche gegangen. Damit ihm sein Salz in der Suppe nicht fehlt, steigt er dann und wann auf ein Testeisen und berichtet uns wie langsam man damit fahren kann. Nicht "Vollgassss" sondern "Standgassss" lautet die logische Devise...

Eigentlich wollte ich ja am Wochenende mit Nils in Saalbach das 6h-Rennen fahren, aber dann hat mir keiner seine Enduro leihen wollen. Irgendwie eh verständlich, wenn man sich die Bilder vom Rennen so ansieht. Trotzdem war ich enttäuscht. Aber was soll's - hab' eben im Frühjahr meine Enduro gegen eine 600er Monster getauscht und man kann anscheinend wirklich nicht alles haben im Leben. Als mich Nils aber dann am Donnerstag anrief und mir erzählte er hätte eine Multistrada für mich zum Testen, war der Frust natürlich schnell vergessen. Die Multistrada zu probieren, hat mich schon seit ihrer Vorstellung schwer gereizt. Ist für einen Fahrer wie mich, der die aufrechte Sitzposition von der Enduro gewöhnt ist, aber etwas sucht das auf der Straße perfekt geht, fast einzigartig. Die TDM geht vielleicht am ehesten in diese Richtung. Und natürlich sind die ganzen großen 2-Zylinder Reiseenduros wie die BMW GS, die Varadero, die V-Strom, Tiger etc. irgendwie auch vergleichbar. Aber nur irgendwie.
   
Die Multistrada ist anders. Schon im Stehen. Klassische Ducati Elemente, wie Einarm-Schwinge und die Schalldämpfer unter dem Heck, steht das extrem futuristische Design der Frontpartie gegenüber. Mir gefällt's - ist aber sicher nicht jedermann's Sache. Tom meint, sie sieht aus wie die Bikes aus Kampfstern Galactica. Gut die haben mir damals schon auch gefallen...
   
Nett find ich auch, dass das Windschild in eine andere Richtung schauen kann, wie der Scheinwerfer - das hat mein kindliches Gemüt erfreut. Das Schild sitzt nämlich, so wie auch die Armaturen, am Lenker, während der Scheinwerfer am Rahmen befestigt ist. Die digitalen, blau beleuchteten, Armaturen bieten selbst dem anspruchsvollen Tourenfahrer alle Infos und der Drehzahlmesser, analog, groß, weiss - schön, erfreut den Sportler!
   
Multistrada-mäßig wollte ich natürlich an dem Wochenende möglichst viele Straßen ausprobieren, und sehen wo sie sich am wohlsten fühlt. Obwohl das irgendwie ohnehin von vornherein auf der Hand lag. Zunächst einmal 30km Autobahn. Geht tadellos: Das Schild hält zwar nur die Brust frei und der Helm steht voll im Wind. Das finde ich aber angenehmer, als Windschilder, die die Luft genau beim Helm verwirbeln. Danach Sonderprüfung auf der Tangente: ungefähr 15 km Stau. Angenehm ist die hohe Sitzposition, die einem beim Durchschlängeln ein guten Überblick verschafft. Weniger angenehm ist die etwas strenge Kupplung, und dass infolge dessen, wenn man die Kupplung nicht ganz durchzieht, der Motor beim Stop&Go manchmal abstirbt. An sich ist der Motor sensationell. Im niedrigen und mittleren Drehzahlbereich der typische V2 Punch. Legt aber im oberen Bereich nochmals mächtig nach. Für mich ein absolut perfekter Motor. Geht auch gut auf's Hinterrad... ich hätte ihn am liebsten ausgebaut und in meine Monster gesteckt...
   
Nach der faden Autobahnetappe und dem mühsamen Stau war ich schon richtig gierig auf Landstraße. Denn, es war ja klar, dort gehört sie wirklich hin. Die ersten langgezogenen Kurven - perfekt. Straffer als die großen Reiseenduros, aber deutlich komfortabler als Supersportler. Die ersten engeren Kurven und Kehren - zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Wobei das von Kurve zu Kurve besser wurde und schließlich die ganz große Stärke der Multistrada offenbarte. Das 17" Vorderrad fällt regelrecht in die Kurven, was - wenn man sich mal dran gewöhn hat - extrem leiwand ist. Sie ist dadurch viel wendiger als die Groß-Enduros mit den 19" Rädern, wie z.B. Tiger und GS im Hintergrund.
   
Ich denke speziell Fahrer mit Supermoto-Erfahrung werden auf der Multistrada extrem schnell extrem schnell sein. Aber nicht nur die - auch ich als "alter" Enduro-Semmler hatte meinen Spass und jagte meine Begleiter durch den Wienerwald. Ab und zu gönnte ich Ihnen eine Pause, wobei ich die Zeit nutzte um auch noch eine Forststraße zu probieren. Da gehört sie aber definitiv nicht hin. Schon gar nicht mit fast glatter Supersport-Bereifung, die übrigens vom feinsten ist.
   
In die hab' ich dann übrigens ein paar Stunden später eine Schraube eingefahren, womit meine Testerei leider vorzeitig beendet war. Ich wäre so gerne nochmals die "Gefährliche Unfallstrecke" bei Klausen-Leopoldsdorf gefahren, und dann nochmals den Exelberg - aber was soll man machen. Angeblich ein typisches Testfahrer-Schicksal - soll heuer schon der vierte Nagel bei den RW/1000PS Tests gewesen sein.
   
War aber trotzdem ein gelungenes Wochenende auf einem absolut gelungenen Bike. Egal ob auf winkeligen Bergstraßen, bei langgezogenen, schnellen Kurven, in der Stadt, auf der Autobahn - die Multistrada passt! P.S. Danke an Tom und Rudi für den Begleitschutz und die Fotos! Danke an Tibor für den Kaffee und den Reifenspray - Ersterer war echt gut...
Autor
Salzbaron

SALZBARON

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Bericht vom 10.10.2003 | 12.603 Aufrufe

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