Michelin Reifen Neuheiten 2024 Test - Power 6, GP2 & Anakee Road

Ersteinsatz der neuen Michelin Pneus auf der Rennstrecke

Reifen werden auch das schwarze Gold genannt und sind mitunter das wichtigste Bindeglied zwischen Fahrer und Straße. Michelin hat uns nach Jerez, Spanien eingeladen, um ihre neuesten Entwicklungen im Straßenreifen-Segment zu testen. Dort konnten wir auf der Rennstrecke und öffentlichen Straße den Reifenneuheiten Michelin Power 6, Power GP2 und Anakee Road auf den Gummi fühlen.

Schwarz, rund und teuer – Michelin Power GP2 Erstpräsentation & Test

Wir befassen uns in diesem Artikel in erster Linie mit dem neuen Michelin Power GP2. Hier heißt es klar: von der Rennstrecke auf die Straße. Nicht umsonst engagiert sich Michelin seit Jahren in der Moto GP. Wäre ja fatal, würde man hier keine Erkenntnisse daraus gewinnen können. Dieser Reifen soll sowohl die ambitionierten Straßenfahrer als auch die Trackday Besucher bedienen. Vor allem solche, die ab und zu "Just for Fun" mit ihrem Bike auf der Rennstrecke angasen und nicht großartig Reifen wechseln wollen, keine Reifenwärmer besitzen oder ständig das Temperaturfenster und den Luftdruck beobachten wollen. Genau dafür ist der Michelin Power GP2 konzipiert.

Durch den Silica-Anteil ist der Reifen recht schnell auf Betriebstemperatur. Optimales Temperaturfenster liegt zwischen 30 und 50 Grad. Ich habe mich meistens genau in diesem Fenster bewegt. Damit der Reifen nicht so schnell überhitzt, ist es wichtig, wenig Negativprofil zu haben und das wurde beim GP2 beherzigt. Denn mehr Profil bedeutet weniger Auflagefläche, mehr Abrieb an der Profilkante und Einbußen bei der Laufleistung. Zu wenig bedeutet aber kaum Nassperformance. Ein schwieriger Spagat für die Entwicklungsabteilung. Zusätzlich kommen noch die gesetzlichen Voraussetzungen dazu, die ein straßenhomologierter Reifen haben muss. Der Michelin Power GP2 ist ein Voll-Silica-Reifen, was ein zweischneidiges Schwert ist. Zum Einen macht man den Reifen damit bei niedrigeren Temperaturen fahrbar, zum Anderen neigt er aber schneller zum Überhitzen. Darum haben wir den Power GP2 auf der Straße und auf der wunderschönen Moto GP Strecke in Jerez getestet. Zu meinen Fahreindrücken gleich mehr. Im GP2 steckt eine 2 CT+ Technologie, heißt, in der Mitte der Lauffläche wurde eine härtere Gummimischung verwendet als auf den Flanken, damit eine längere Laufleistung gewährleistet ist. An den Flanken, wo maximale Schräglage gefahren wird, wurde eine weichere Gummimischung darübergelegt. Am Vorderreifen ist das Verhältnis 48 % härtere Mischung auf der Lauffläche zu 2 x 26 % weichere Mischung an den Flanken. Am Hinterreifen sind es 44 % zu 2 x 28 %, was den Cornerspeed erhöht. Eine große Neuerung ist die Karkasse. Diese wurde runder gestaltet und soll das Handling verbessern.

Abriebbild Michelin Power GP2 Trackeinsatz
Abriebbild Michelin Power GP2 nach einigen flotten Runden am Track

Kommen wir zu meinen Fahreindrücken: Wir sind in Spanien bei 17 Grad Außentemperatur am Racetrack mit unterschiedlichsten Supersport und Naked Bikes gefahren. Ich schnappte mir als erstes die BMW S1000R, Luftdruck vorne 2,1 Bar, hinten 1,9 Bar. Keine Heizdecken, der Reifen war kalt. Von der ersten Runde an vermittelt der Power GP2 ein vertrautes Gefühl und ein gutes Einlenkverhalten. Natürlich ging ich das Ganze mit Hirn an und ich ließ den Reifen Zeit, etwas in ihr Temperaturfenster zu kommen. Das ging aber sehr flott und nach zwei Runden wurden ich und der GP2 warm, wurden zügiger und ich konnte vom Fleck weg den Speed steigern. Der Michelin Power GP2 arbeitet spürbar. Ich persönlich mag das, wenn ich den Reifen fühle und er Feedback gibt, wenn er den Haftkreis verlässt. Das Vorderrad wird dann etwas schwammig, es reißt aber nicht plötzlich der Grip ab. Hinten wird die TC aktiv, wenn wir den Reifen ordentlich warmhalten und das Gas schnell öffnen, aber auch hier in einem entspannten Maße. Zu erwähnen ist, dass wir bei keinem Bike das Fahrwerk verstellten, sondern ab Werk unterwegs waren. Bei Testrunden mit der Aprilia RSV4 pumpte das Fahrwerk anständig, aber der GP2 lies sich nicht beeindrucken und das Reifenbild blieb in Ordnung, sprich der Reifen riss nicht auf. Der Michelin Power GP2 ist definitiv ein straßenzugelassener Rennreifen. Für flotte Runden absolut geeignet, aber auch für ambitionierte Straßenfahrer. Die Nassperformance konnte ich leider nicht teste, es blieb trocken. Aber hier liegen sicher nicht die Stärken des Power GP2, da wären wir dann beim Michelin Power 6. Der Power 6 hat nämlich 11 % Negativprofil, wobei der GP2 nur mehr 6,5 % aufweist. Die Kurvenradien lassen sich gegenüber dem Power 6 besser halten und das Einlenkverhalten ist präziser.

Mein Fazit: Mit dem Michelin Power GP2 kann man vom Stand weg zwischen Straße und Rennstrecke switchen, ohne großen Aufwand betreiben zu müssen und trotzdem gute Rundenzeiten erzielen.

Michelin Power 6 Test 2024

Die Weiterentwicklung des schon bekannten und durchaus beliebten Power 5 bedient in erster Linie die sportlichen Alltagsfahrer. Deutlich erkennbar ist bei Negativprofil, dass man hier weg von dem kurzkantigen Tropfendesign geht und mehr zu zackigeren, längeren Linien. Natürlich setzt Michelin weiterhin auf eine Voll-Silica-Mischung. Dies bedeutet, dass beide Laufstreifen mit Silica versetzt sind. Side Fact: Silica gibt der eigentlichen Gummimischung eine höhere Beweglichkeit auf Molekularebene, was zu einer besseren Haftung bei Nässe führt und mehr Sicherheit bei kühlen Temperaturen gewährt. Im Power 6 Reifen steckt eine 2 CT+ Compound Technology. Dies bedeutet, dass in der Mitte der Lauffläche eine härtere Gummimischung als auf den Flanken verwendet wurde, wodurch eine längere Laufleistung gewährleistet wird. An den beiden Flanken, wo mehr Schräglage gefahren wird, wurde eine weichere Gummimischung darübergelegt. Heißt, wir müssen nicht mehr den ganzen Tag wheelisieren, um den Vorderreifen zu schonen. Aber das überlasse ich euch, wie ihr mit eurem Material umgeht. Am Vorderreifen ist das Verhältnis 68 % härtere Mischung auf der Lauffläche zu 2 x 16 % weichere Mischung an den Flanken. Am Hinterreifen sind es 55 % zu 2 x 22,5 %, was Sicherheit in Schräglage gewährleistet. Optisch rückt der Power 6 nun etwas weiter weg vom Tourenreifen Road 6. Kommen wir zu meinen Fahreindrücken des Power 6: Meiner Meinung nach liegt der größte Unterschied beim Vorderreifen. Hier ist das Einlenkverhalten spürbar leichter, denn hier setzte die Entwicklungsabteilung ihre Hauptarbeit an. Die neue Karkasse ist rundlicher, was eben zu diesem Effekt führt.

Michelin Anakee Road Test 2024

Da in den meisten Fällen eine große Reiseenduro fast zu 100 % auf Asphalt bewegt wird, lenkte Michelin hier ein. Was meine ich damit? Big Enduros sind zwar auch für Offroad konzipiert, aber wer fährt denn wirklich mit einem Bike, das richtig fett Kohle kostet, in die tiefe Botanik, durch Wasserläufe und riskiert vielleicht sogar, sich am Granitstein niederzulegen? Meiner Erfahrung nach gibt es einige wenige, aber die breite Masse bleibt am Asphalt bzw. auf Schotterstraßen. Und dafür gibt es jetzt den Anakee Road, ein Straßenreifen mit größerem Negativprofil. Damit schließ sich der Kreis der Anakee Reifen und Michelin deckt mit Wild, Adventure und dem neuen Road nun alles ab. Auch hier haben wir eine Voll-Silica-Mischung und die bekannte Dual-Compound- Technologie. Technisch gesehen ist der Anakee Road dem Road 6 sehr ähnlich. Auch die Fahreigenschaft spiegelt dies wider. Den Road 6 gibt es nicht in Enduro-Dimensionen, den Anakee Road hingegen schon sogar bis 21 Zoll. Mit diesen Reifen fahren sich Big Enduros fast so spielerisch wie eine Supermoto.

Autor
Ewaldson

EWALDSON

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Bericht vom 17.03.2024 | 10.775 Aufrufe

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