Erster Fahreindruck der neuen Benelli TRK 702

Benelli hält mit der TRK 702 Einzug in die oberste Klasse der Adv

Nachdem Benelli den Adventurebike - Markt zum ersten mal mit der 502 attackiert hat, setzen sie jetzt mit der neuen 702 ordentlich nach. Die Benelli TRK 702 kommt zudem in einem noch offroadtauglicherem Kleid unter dem Modellnamen TRK 702 X. Wir haben erstmal die straßen orientierte 702 getestet!

Ein Blick auf die Zahlen - kann die TRK 702 mit den anderen Adventurebikes mithalten?

Mit 17-Zoll-Rädern sowohl vorne als auch hinten, einem Gewicht von 235 kg und einem 698-Kubikzentimeter-Reihen-Zweizylindermotor, der bei 9000 Umdrehungen pro Minute 70 PS und bei 6000 Umdrehungen pro Minute 70 Newtonmeter produziert, ist die Benelli TRK 702 eher für den Einsatz auf der Straße ausgelegt. Mit 140 Millimetern Federweg vorne und 154 Millimetern hinten erscheint die TRK 702 auf den ersten Blick vielversprechend als straßentaugliche Reiseenduro.

Die Optik und Verarbeitung der Benelli TRK 702

Ich bezeichne diese Art von Motorrädern gerne als 'Scheidungskinder'. Das Design stammt aus Italien, wird jedoch in China von Qjian Jiang hergestellt. Die Kombination aus italienischem Design und chinesischer Herstellung mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, aber sie hat sich als beeindruckend erwiesen. Die aggressive Optik verspricht viel Fahrspaß und verleitet dazu, sich nach dem Parken des Fahrzeugs nochmals umzudrehen und es zu bestaunen. Die scharfen Kanten und aerodynamischen Elemente verleihen dem Motorrad einen unverwechselbaren Look.

Doch Optik allein reicht nicht aus. Wenn man genauer hinschaut, wird deutlich, dass sowohl das Aussehen als auch die Verarbeitung überzeugen. Die Verarbeitung wirkt qualitativ hochwertig, die Kunststoffteile knarren nicht, und die Schalter sind mit Hintergrundbeleuchtung ausgestattet, was eine einfache Bedienung auch bei nächtlichen Fahrten gewährleistet.

Das vollständig digitale Display der TRK 702 ist ein technisches Highlight, das zudem mit dem Mobiltelefon gekoppelt werden kann, um zusätzliche Funktionalität zu bieten. Praktischerweise findet sich am Cockpit auch eine USB-C-Ladebuchse ein bemerkenswerter Schritt in das neue Zeitalter, der von vielen Fahrern sehr geschätzt wird.

Das Fahrverhalten der TRK 702 ist nicht ihr stärkstes Argument

Beim Fahren der Benelli wird schnell deutlich: Der Motor liefert kein spektakuläres Leistungsfeuerwerk - und das ist in diesem Fall auch nicht notwendig. Die 698 Kubikzentimeter bringen das Motorrad zügig vom Startpunkt weg, und danach kann in Ruhe und Komfort durch alle sechs Gänge geschaltet werden. Die Kraftentfaltung fühlt sich dabei außerordentlich gleichmäßig an. Es gibt kein nervöses Ruckeln oder den Drang, das Hinterrad in die Höhe zu katapultieren. Allerdings muss man auf den Quickshifter verzichten, da er nicht serienmäßig eingebaut ist.

In den Kurven gibt es jedoch eine gewisse Unsicherheit, und das Feedback vom Hinterrad bleibt spürbar aus. Im Vergleich zu anderen Adventurebikes führt dies zu einem weniger sicheren Fahrverhalten in Kurven. Es ist schwer zu erkennen, wann die Grenze erreicht ist, an der das Hinterrad ins Rutschen geraten könnte.

Ergonomie und Komfort

Das Windschild der TRK 702 bietet ausreichenden Windschutz auf der Autobahn, ohne dabei übermäßig massiv oder protzig zu wirken. Das schlanke Design des Schildes sorgt sogar für überdurchschnittlich guten Schutz. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn man gelegentlich im Gelände unterwegs ist, da hier ein nicht zu großes Windschild viele Vorteile bietet.

Die Sitzposition ist eher sportlich, und der Kniewinkel ist dementsprechend recht steil. Dies war bereits bei meiner Größe von 180 cm der Fall. Daher kann die Benelli TRK auf längeren Touren bei besonders großen Fahrern zu Beinschmerzen führen. Dennoch ist die Gesamthaltung des Oberkörpers entspannt, und die Arme erreichen den Lenker leicht und aufrecht.

Die zweigeteilte Sitzbank ist eher hart. Für den Sozius gibt es integrierte Haltegriffe an der Seite des hinteren Sitzes, was den Komfort weiter erhöht. Zudem ist serienmäßig ein Gepäckträger montiert. Heizgriffe und ein beheizbarer Sitz können optional nachgerüstet werden. Leider ist weder ein Tempomat weder serienmäßig noch als Nachrüstoption für die Benelli TRK 702 verfügbar.

An wen richtet sich die Benelli TRK 702?

Die Benelli TRK 702 bietet viel Motorrad für vergleichsweise wenig Geld. In der Schweiz ist sie für CHF 8790 erhältlich, in Deutschland für 7599 Euro und in Österreich für 8449 Euro. Für Motorradfahrer, die den Schritt ins Adventure-Segment wagen möchten, jedoch größtenteils auf der Straße unterwegs sind, ist die TRK 702 eine ideale Option, um mit begrenztem Budget ein vollwertiges Motorrad zu erwerben. Der Motor, funktional und ohne überwältigende Leistungsansprüche, eignet sich auch für Fahranfänger oder Biker, die nicht nach Höchstleistungen, Schräglagenrekorden oder Adrenalinrausch auf dem Motorrad suchen. Größere Fahrer könnten jedoch durch das kleinere Windschild und den steilen Kniewinkel während des Fahrens an ihre Komfortgrenzen stoßen.

Mit der Einführung der TRK 702 hat Benelli zweifellos den Sprung in die obere Liga der Adventurebikes geschafft, und wir blicken gespannt in die Zukunft!

FunkyFrankee

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Fazit: Benelli TRK 702 2023

Die Benelli überzeugt mit ausreichender Qualität zum einem genialen Preis. Während Adrenalinjunkies und Kurvenjäger dieses Motorrad eventuell als langweilig Einstufen, bietet es für Einsteiger im Adventure Segment den perfekten Mix aus Komfort, Laufruhe und Standfestigkeit.


  • Sehr Preiswert
  • Beleuchtete Schalter
  • USB C Port
  • Komfort für Sozius
  • Für eine Reiseenduro sehr straßenorientiert
  • Der Motor und das Fahrwerk erwecken kein Wow-Effekt
  • Kein Tempomat verfügbar
  • Serienmäßig keine Griffheizung montiert

Bericht vom 16.11.2023 | 11.273 Aufrufe