Ducati Multistrada V4 S Grand Tour 2024 im Test

Volle Hütte gegen die Konkurrenz von morgen

Wie gut ist Ducatis Reiseendurokönigin auf den bevorstehenden Angriff aus Bayern vorbereitet? Die neue Ducati Multistrada V4 S Grand Tour im Test auf den Traumrouten um Bologna.

20 Jahre Multistrada schreien nach einem Sondermodell: Ducati erhört den Ruf mit der Multistrada V4 S Grand Tour

Mit der Multistrada V4 S Grand Tour stellt Ducati die luxuriöseste Ausformung der Großreiseenduro vor. Ein Motorradmodell, das speziell für Langstreckenreisen entwickelt wurde und höchsten Komfort und Sicherheit bietet. Der Zeitpunkt der Einführung 20 Jahre nachdem das erste Multistradamodell das Licht der Welt erblickt hat, ist wohl kein Zufall. Damals hat sich der Sport-Motorradhersteller Ducati wohl nicht träumen lassen, dass man zwei Jahrzehnte später knapp 150.000 Einheiten abgesetzt haben wird. Die Multistrada wurde zu einem der wichtigsten Modelle aus Bologna. Der größte Entwicklungsschritt erfolgte 2020 mit der Einführung der Multistrada V4. Ein Großteil der rund 50.000 seit 2019 verkauften Multistradamodelle wird vom fantastischen Vierzylinder angetrieben. Bedenkt man das hohe Preisniveau der Luxus-Reiseenduro ein wirklich beeindruckende Leistung. Somit ist klar, warum eine V4 als Basismodell für die Jubiläumsausführung herangezogen wurde.

Technische Basis: Die Ducati Multistrada V4 S

Fahrendes Motorrad

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Features und Ausstattung Ducati Multistrada V4 S Grand Tour 2024

Eines gleich vorweg: Kein einziges Feature an der Grand Tour ist wirklich neu, in der ein oder anderen Konfiguration oder Modellvariante gab es alles schon einmal. In der Vollzähligkeit, in der sie in der Grand Tour glänzen, ist das aber schon eine Hausnummer. Zudem spart man sich im Vergleich zur manuellen Konfiguration rund 700 Euro. Hier eine Übersicht:

  • Aluminium-Monocoque-Rahmen, Stahlrohr-Hinterrahmen und Aluminium-Zweiarmschwinge
  • Marzocchi Ducati Skyhook Suspension (DSS) Evolution semiaktive elektronische Federung mit Autolevelling, Mindestvorspannung und Easy Lift Funktionen. Federweg 170 bzw. 180 mm
  • 120/70/19 und 170/60/17 Pirelli SCORPION™ Trail II Reifen
  • Bosch-Brembo ABS 10.3ME Cornering Bremssystem
  • 330 mm Durchmesser Frontscheiben mit Brembo Stylema 4-Kolben-Radialbremszangen
  • Voll-LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlicht und Ducati Cornering Lights (DCL)
  • Freisprecheinrichtung zum Starten und Tankdeckel
  • Reifendruckkontrollsystem (TPMS)
  • Armaturenbrett mit 6,5" vollfarbigem TFT*Bildschirm
  • Ducati Connect mit Telefon, Musik- und Kartenanwendungen
  • Ducati Quick Shift (DQS) Up&Down
  • Fahrzeug-Haltekontrolle (VHC)
  • Bosch Inertial Measurement Unit (IMU)
  • Leistungsmodi
  • Fahrmodi
  • Ducati Wheelie Control (DWC)
  • Ducati Traktionskontrolle (DTC)
  • Seitenkoffer passend zur Motorradlackierung
  • LED-Nebelscheinwerfer
  • Radar mit adaptivem Tempomat
  • Toter Winkelwarner
  • Hauptständer
  • Beheizte Griffe
  • Beheizte Fahrer- und Beifahrersitzbank
  • Hitzeschild am Rahmen und an der Schwinge
  • Schließbare Winglets
  • Belüftetes Smartphonefach

Man sieht die Multistrada V4 S Grand Tour ist das umfassendste Modell in der Multistrada V4-Reihe und wurde für Liebhaber von Langstreckenreisen entwickelt. Sie bietet alles an Komfort und Sicherheit, was Ducati derzeit im Regal hat.

Die Ducati Multistrada V4 S Grand Tour im Überblick
Die Ducati Multistrada V4 S Grand Tour im Überblick

Fahreindrücke Ducati Multistrada V4 S Grand Tour

Auf Einladung von Ducati durfte ich die Multistrada V4 S Grand Tour auf genau den Straßen in Bolognas Süden fahren, für die und auf denen sie entwickelt worden ist. Die Route habe ich natürlich mit Calimoto für euch mitgetrackt. Wundert euch beim Nachfahren also nicht, wenn der ein oder andere Prototyp an euch vorbeirauscht.

Die Tour hatte wirklich alles zu bieten, was einem auf (asphaltierten) Wegen begegnen kann: Enge Radien, weite Radien, aufgebrochener Asphalt und rennstrecken-ähnlicher Bodenbelag, breite Straßen und enge Pfade durchs hügelige Hinterland. Zudem öffnete der Himmel in der ersten Tageshälfte unvermuteter Weise seine Schleusen. Ein unfassbar kompakter Reisetag ermöglicht mir in Kombination mit der nächtlichen Anreise auf der Autobahn am Vorabend also ein umfassendes Urteil zum neuesten Mitglied der Multistradafamilie.

Es gibt so gut wie nichts, was dem in den zahlreichen Berichten zur Ducati Multistrada V4S /motorrad-testberichte-motorrad-ducati-multistrada-v4-s-5-10346 Geschriebenen hinzufügen könnte. Das großartige Fahrwerk (semi-aktiv, automatische Vorspannungsanpassung, der neue Minimun-Preload-Modus erleichtert das Hieven des Motorrads auf den Hauptständer) schafft den Spagat zwischen dem Gleiten auf einer Wolke und sportlich straffer Fahrmaschine (hier helfen auch die entfernten Gummis die den Lenkers bisher gelagert haben) wie kaum ein anderes Produkt am Markt. Das Ansprechverhalten des Motors ist kultiviert und die Drehfreude des V4 großartig. Die supdersportlichen Bremsen (Brembo Stylema auf 330 mm Doppelscheibe) machen den Einsatz der auf höchstem Niveau arbeitenden Assistenzsysteme selten erforderlich. Der, auch dank der herausragenden Ergonomie, hohe Komfort wird von akkurat arbeitenden Luxus-Features ideal ergänzt. Eine im wahrsten Sinne des Wortes spürbare Verbesserung bringen die neuen Hitzeschutzteile mit sich. Selbst im Stop&Go Verkehr durch die Rush-Hour Bolognas, heizt die Multistrada V4S Grand Tour deutlich weniger ein als ich es von unserem Dauertester in Erinnerung habe. Bei höheren Geschwindigkeiten führt die Steuerung des Luftstroms via der, von mir Windlets getauften, seitlich angebrachten Flügel zum gewünschten Ergebnis. In offener Position wird gekühlt, kappt man die Luftzufuhr entwickelt sich der V4 zum wärmenden Ofen für die Beine. Die Nähe zur Perfektion wird lediglich durch einen großen Punkt und ein paar Kleinigkeiten getrübt.

Die Hiobsbotschaft, die in jedem Bericht zur Multistrada zu finden ist, muss auch hier Einzug halten. Der Verbrauch ließ sich auch während unserer aufgrund des Regens gemächlich gefahrenen Vormittagsrunde nicht unter 6,8 Liter (laut Display) drücken, zieht man am Kabel können spielerisch deutlich höhere Werte produziert werden. Das kann die Konkurrenz einfach besser. Dazu gesellt sich, dass auf der Fahrersitzbank nach rund dreieinhalb Stunden durchgehender Fahrt zwei Kanten im Sitzpolster feststellen ließen, auch ein weiterer Kollege, der in etwa meine Statur (1,87 Meter und gut genährt) besaß konnte die Spürbarkeit im Gesäß bestätigen. Das restliche Testfeld - durchwegs kleiner und leichter - hatte damit keine Probleme.

Das belüftete Smartphonefach darf ebenfalls lediglich als Behelfslösung gelten. Die Mitarbeiter von Ducati versichern mir jedoch, es wird weiter daran gearbeitet, dass an der Verbesserung der Smartphone-Systemintegration (derzeit braucht man zwei Apps gleichzeitig und das Display des Handys muss dauerhaft eingeschalten sein) fieberhaft gearbeitet wird. Der Lüfter verkleinert das ohnedies fummelig zu beladende Fach zusätzlich. Ich hatte meine liebe Mühe mein Iphone 13 welches von der nicht sonderlich aufragenden Quad-Lock Hülle geschützt wird, im Fach zu platzieren. Erst danach konnte ich das USB-Kabel anstecken, um das Handy mit Strom zu versorgen. Die Multistrada unterstützt leider, im Gegensatz zur Quad-Lock MAG-Hülle, kein induktives Laden.

Ducati Roadside Assistance: Luxus selbst wenn nichts mehr geht

Zwar zeichnen sich die Multistrada V4 Modelle seit ihrem Marktdebut durch ihre Zuverlässigkeit aus, Ducati lässt die Treiber seiner Luxus-Enduro jedoch auch nicht im Stich, wenn doch einmal ein ungeplanter Werkstattaufenthalt ansteht. Das Roadside Assistance Programm bietet Pannenhilfe, Transport für Fahrer und Beifahrer, ein Ersatzfahrzeug und eine Übernachtung in einem Vier-Sterne-Hotel im Falle von Problemen, die während der Fahrt innerhalb des Standardgarantiezeitraums von 4 Jahren auftreten sollten. All dies mit der Gewissheit, die ein Netzwerk von mehr als 800 offiziellen Ducati-Händlern in über 90 Ländern weltweit bietet.

Zubehör Multistrada V4 Grand Tour

Nicht, dass noch sonderlich Bedarf bestünde, aber auch für die Ducati Multistrada V4 S Grand Tour gibt es noch Zubehör: Darunter verschiedene Satteloptionen, eine Motorrad-Tieferlegung und verschiedene Windschilder. Zusätzliche Gepäcklösungen für Tank und Heckplatte sind ebenfalls erhältlich, wahlweise ein Topcase oder eine Softtasche. Das Motorrad kann auch mit verschiedenen Carbonelementen, Aluminiumhebeln und Fußrasten, dynamischen LED-Blinkern und aus massivem Aluminium gefertigten Brems- und Kupplungsflüssigkeitsbehältern ausgestattet werden.

Verfügbarkeit und Preis Ducati Multistrada V4 S Grand Tour

Die Ducati Multistrada V4 S Grand Tour ist ein in Deutschland zu einem Preis von 26.690 Euro erhältlich ist. Im Vergleich dazu liegt der Preis für die Standardvariante, die Ducati Multistrada V4 S, bei 23.290 Euro. Konfiguriert man alle Optionen, die bei der Grand Tour Variante serienmäßig sind, auf eine Standard V4 S landet man bei einem um 700 Euro höheren Preis. In der Schweiz ist die Ducati Multistrada V4 S Grand Tour zum Preis von 27.990 Schweizer Franken erhältlich. Die Preise für Österreich stehen aktuell noch nicht fest.

Die Ducati Multistrada V4 S Grand Tour wird im Laufe der nächsten Wochen bei den ersten Ducati Händlern eintrudeln. Offizieller Marktstart der, nur in der Speziallackierung erhältlichen, Luxusenduro ist Ende September 2023.

Fazit: Ducati Multistrada V4 S Grand Tour 2024

Schon bei zahlreichen Tests musste sich die Multistrada auf extrem vielseitigem Terrain gegen viele Gegner behaupten und war dabei meistens das schnellste und insgesamt auch beste Motorrad. Mit der V4 S Grand Tour packt Ducati jetzt alle Hightech-Features serienmäßig zusammen und ergänzt das Modell um sinnvolle Upgrades beim Temperaturmanagement. Viel besser kann eine Reiseenduro nicht sein - viel teurer auch nicht.


  • Unfassbar tolles Fahrverhalten - neutral, harmonisch, handlich aber trotzdem stabil
  • Echtes Reiseenduro Feeling im Sattel
  • großartige Bremsen
  • Faszinierender, beeindruckend starker Motor
  • Motorleistung durch grandioses Ansprechverhalten wunderbar zu dosieren
  • Angenehme Sitzposition
  • Gute Ergonomie auch beim Stehend fahren
  • faszinierendes Radarsystem, welches man in der Praxis auf der Autobahn gerne einsetzt
  • Toller Windschutz
  • Hohe Stabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten
  • Kräfteschonend und
  • überdurchschnittlicher Verbrauch
  • Smartphone-Connectivity nicht perfekt

Bericht vom 19.09.2023 | 23.289 Aufrufe

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