CFMOTO 800 NK Sport und 800 NK Advance im Test

Technologieangriff in der Mittelklasse

CFMOTO bringt die 800 NK in zwei Varianten und mischt die Naked Bike Liga ganz schön auf! Test in Frankreich.

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Auf der EICMA 2022 hat uns CFMOTO mit dem NK C22 Vision Concept den Mund wässrig gemacht. Die exzessive Verwendung von Carbon, aufwändig gearbeitete Felgen, die Einarmschwinge und der coole SC-Project-Auspuff haben richtig Lust auf einen baldigen Marktstart gemacht. Dass es mit der 800 NK Sport jetzt aber schon ab Juli losgeht, hat uns dann doch etwas überrascht.

Technische Daten CFMOTO 800NK Sport und 800NK Advance

Was wiegt´s, was hats? Die Basis der CFMOTO 800 NK ist der aus dem Joint Venture mit KTM entstandene und bereits aus der 800MT bekannte Reihenzweizylinder mit 799 cm³ Hubraum. Der flüssigkeitsgekühlte Motor verfügt über eine DOHC-Konfiguration und bietet eine maximalen Leistung von 95 PS bzw. 70 kW bei 9.250 U/min und ein maximales Drehmoment von 79 Nm bei 8.000 U/min. Letzteres überrascht doch etwas, sind es in der Duke 790 doch 8 Newtonmeter mehr! Die Abstimmung des Aggregats inkl. Fahrmodi wurde zu 100% in China durchgeführt.

Der Radstand beträgt 1.468 mm, was für eine gute Mischung aus Stabilität und Agilität sorgt. Das Motorrad bietet eine zugängliche Sitzhöhe von 795 mm, um den Fahrerpräferenzen kleinerer Piloten gerecht zu werden, im Zubehör ist eine Sitzbank erhältlich, die die Sitzhöhe auf 820 mm anhebt. Mit einem Kraftstofftankvolumen von 15 Litern überflügelt die 800 NK die meisten Konkurrenten und ermöglicht Reichweiten von an die 300 km. Dennoch gibt CFMOTO das fahrfertige Gewicht der Sport-Variante mit nur 186 kg an, die besser ausgestattete 800 NK Advance bringt es auf 189 Kilogramm.

Eine Anti-Hoppingkupplung ist serienmäßig verbaut, das 6-Gang Getriebe lässt sich gut schalten. Ob der gut arbeitende Quickshifter der Advance-Variante auch für die Sport-NK als Extra zur Verfügung stehen wird, ist noch unklar. Das Kayaba-Fahrwerk der CFMOTO 800 NK will in der Grundauslegung ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit sein. Die Federgabel und das Federbein sind einstellbar, keine Selbstverständlichkeit in dieser Klasse. Die Federwege betragen 120 mm vorne und 130 mm hinten.

Die Bremsanlage des Motorrads ist stark dimensioniert. An der Vorderbremse arbeiten zwei 320 mm Bremsscheiben von J. Juan, während an der Hinterachse eine einzelne 260 mm Bremsscheibe verbaut ist. Das ABS-System von Bosch arbeitet mangels IMU nicht schräglagenabhängig, auf eine Traktionskontrolle muss man im Sattel der 800 NK (noch) verzichten.

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Design CFMOTO 800 NK - was blieb vom mutigen Konzept?

Die 800NK bietet einen absolut eigenständigen Auftritt. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen man den Chinesen einen starken Hang zum Kopieren attestieren musste. Das Design des Nakeds stammt - wie soll es anders sein - aus Italien: Eine scharfe Front mit spitzem LED-Scheinwerfer, eine aggressive Silhouette und ein elegant freischwebendes Heck, Piloten, die auf die Mitnahme eines Sozius verzichten wollen, können die Fußrasten für den Beifahrer leicht entfernen und so das hübsche Hinterteil noch besser wirken lassen.

Alle Leuchteinheiten sind in LED-Technologie ausgeführt. Insgesamt wirkt die CFMOTO äußerst modern, beinahe wie aus TRON entsprungen. Die Designsprache setzt sich auch im perfekt ablesbaren 5 Zoll TFT- Display fort. Flüssige Animationen werden gut dargestellt, hier ist man der Konkurrenz mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar voraus. Bei der Advanced Variante gibt es im Cockpit gar zwei LED-Streifen, mit denen sich ein aus dem Autobereich bekanntes Ambiance Light. Zum jeweils gewählten Modus passend leuchten die LEDs als Pre-Set in Grün (Rain) / Blau (Street) / Rot (Sport), können aber beliebig angepasst werden.

Unterschiede zwischen CFMOTO 800 NK Sport und 800 NK Advanced - Verfügbarkeit

Während die 800 NK Sport, wie bereits erwähnt, quasi ab sofort in den Schauräumen der CFMOTO Händler stehen wird, dauert es bei der Advanced-Variante noch bis Ende diesen/ Anfang nächsten Jahres bis sie verfügbar sein wird. Wir zählen sie zu den 2024er Modellen. Wer also in den Genuss der folgenden Upgrades im Vergleich zur Standard-NK kommen will, muss sich noch etwas gedulden. Den Aufpreis für die Advanced Variante konnte man noch nicht genau nennen, er wird sich vermutlich je nach Markt zwischen 500 und 800 Euro bewegen.

  • Quickshifter
  • Lenkungsdämpfer
  • Keyless go
  • 8 Zoll TFT Display Touchscreen
  • Apple Carplay

CFMOTO 800 NK Features: Zwischen Highend und Überraschung

Eines gleich vorweg: Die 800 NK Advanced lässt einen Hammer, nicht nur durch die Klasse, sondern durch den gesamten Motorradmarkt rauschen. Wireless Apple Carplay kennt man auf zwei Rädern noch nicht, auch ein 8 Zoll großes Touch-Display im Hochformat erinnert eher an Tesla, als an einspurige Konkurrenten. Bravo CF! Dabei ist schon die Sport-Variante mit serienmäßig 3 Fahrmodi, 5 Zoll TFT Screen samt Connectivity, Emergency Brake Lights und Tempomat überkomplett ausgestattet.

Mittels der CFMOTO App sollen künftig neben dem Auslesen diverser Daten (Verbrauch, Route, Füllstand des Tanks, Schräglage, Höchstgeschwindigkeit) und der Möglichkeit Einstellungen am Bike via Smartphone zu erledigen, sogar "over the air"-Updates für das Bike möglich sein. Die Fahrt zum Händler erspart man allen Usern also. Die Advanced Variante erlaubt es gar das Fahrzeug via Smartphone zu entsperren und zu starten. Außerdem lässt sich ein virtueller Zaun Geo-Fence genannt um die NK spannen. Eine Push-Benachrichtigung am Handy warnt den Fahrer dann, sobald im Fahrzeug eine Bewegung registriert wird, oder sich das Fahrzeug aus dem abgezäunten Bereich entfernt. All diese Features und auch die Integration von Apple Carplay funktioniert bereits gut, konnte aufgrund der begrenzten Zeit am Fahrtag aber noch nicht ausgiebig getestet werden. Hier muss eine ausgedehnte Testfahrt in heimischen Gefilden zeigen, wie ausgereift die umfangreiche Ausstattung im Detail ist.

Aber auch abseits der Elektronik glänzt die Nackte mit schlauen und seltenen Lösungen. So sind bereits verstellbare Kupplungs- und Bremshebel in der Klasse eine Seltenheit, dass aber auch Fußbremshebel und Schalthebel zwei Positionen zulassen, kennt man auch von deutlich hochpreisigeren Motorrädern nicht. Etwas überrascht war die Meute an geladenen Journalisten, dass man auf eine Traktionskontrolle in beiden Modellvarianten verzichten muss, zumal diese heuer in der 800MT Explorer bereits in einem CFMOTO Modell Einzug gehalten hat. Auf Nachfrage wurde eingestanden, dass man an der Integration dieses Sicherheitsfeatures in der 800 NK arbeitet, aber die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Nächstes Jahr schaut die Geschichte dann vermutlich schon wieder anders aus.

Fahreindrücke CFMOTO 800 NK Sport und Advanced

Schon beim Aufsteigen vermittelt die 800 NK ein gutes Gefühl, man nimmt auf einem erwachsenen Motorrad Platz. Das geringe Gewicht macht sich schon beim Rangieren bzw. im niedrigen Geschwindigkeitsbereich positiv bemerkbar, die CFMOTO ist sehr handlich. Ein paar hundert Meter lang sucht die Elektronik nach dem richtigen Gemengeverhältnis zwischen Sprit und Luft, in dieser Phase ist das Ansprechverhalten leicht ruppig, was sich allerdings innerhalb der ersten 60 Fahrsekunden legt. Danach dreht der Motor willig hoch, einzig ganz tiefe Drehzahlen mag er nicht, hier ist den Mattighofenern die Abstimmung des Reihenzweiers runder gelungen als den chinesischen Kollegen.

Besser als auf der 790 Duke, mit der sich die 800 NK übrigens neben dem Motor auch den Hauptrahmen und das Getriebe sowie die Maxxis Reifen teilt, ist das Sounddesign auf der CFMOTO gelungen. Der Sound aus dem säbelartig designten Endtopf macht richtig Laune und animiert dazu den Motor ordentlich zu drehen. Im Schiebebetrieb wird auch ganz gerne einmal gesprotzelt, vor allem in Kombination mit dem Quickshifter ergibt sich eine bemerkenswerte Klangkulisse im Sattel.

Die Abstimmung der einzelnen Fahrmodi ist unterschiedlich gut gelungen, 100% sauber arbeitet die 800 NK leider in keinem Modus, da sich bei gleichbleibender Gasgriffstellung mitunter Konstantfahrruckeln einstellt. Am sanftesten abgestimmt ist der Rainmodus auf der CFMOTO, er drosselt die maximale Leistung zwar nicht, aber die Leistungsentfaltung verläuft zurückhaltend und harmonisch. Wenn man es etwas sportlicher angehen lassen möchte empfiehlt sich der Modus Street. Er ist aber auch der beste Kompromiss für den Alltag und entfesselt die Kraft des 800er Aggregats zufriedenstellend. Der Sport-Modus ist radikal, beinahe digital abgestimmt. Auch Personen mit sehr viel Gefühl im Handgelenk fällt es schwer sanft Gas anzulegen. Die (zu) plötzlich einschießende Leistung bringt unnötig viel Unruhe ins Fahrzeug und verhagelt einem vor allem in engeren Radien gerne einmal die Linie.

Das Fahrwerk der 800 NK überzeugt mit solidem Ansprechverhalten in Front und Heck. Um noch ein (letztes) Mal den Vergleich zur KTM 790 Duke zu bemühen: Man merkt dass CFMOTO bei der Auslegung der NK einen deutlich breiteren Anspruch hatte, als es beim bockharten 790er Herzog der Fall ist. Die Grundabstimmung ist deutlich mehr auf Komfort und Alltagstauglichkeit gerichtet, was dem Naked aber gut steht. Man muss bei der Vorderradtransparenz minimale Abstriche machen und auch das Federbein gibt nicht jede Bodenrille direkt an die Lendenwirbelsäule weiter, hat aber ein Motorrad mit dem auch längere Etappen problemlos abgespult werden können. On top ist das Fahrwerk im Gegensatz zur orangen Stiefschwester einstellbar, kann also noch nach den persönlichen Vorlieben angepasst werden.

Bei der Abstimmung der Bremsen überfordert auch Novizen nicht, wobei die stattlichen 320mm durchaus Bremsleistung auf die Straße bringen, lediglich der erste Biss ist nicht so giftig, wie ihn sich sportliche Piloten eventuell wünschen würden. Auch das ABS regelt eher konservativ. Beim Hineinbremsen in Kurven registriert man im Sattel ein minimales Aufstellmoment, eventuell lässt sich hier mit einem Nachrüstreifen noch nachbessern. Das Einlenkverhalten der Maxxispneus ist berechenbar und neutral, es ist kaum Kraft erforderlich um die Maschine in den Radius zu werfen. Fährt man aber auf der letzten Rille, gibt es mit Sicherheit Reifen am Markt, die noch mehr Vertrauen spenden. Das wäre schön, denn die traumhaften Routen Südfrankreichs, die uns die Testfahrt näher bringt, laden durchaus zur ambitionierten Kurvenhatz ein. Wie immer habe ich sie euch auf Calimoto zum Nachfahren mitgetracked.

Sitzposition und Ergonomie auf der CFMOTO 800 NK

Motorräder dieser Klasse, vor allem solche aus asiatischer Erzeugung, erzeugen bei mir im Vorfeld der ersten Testfahrt stets zwei Sorgen: Erstens ich könnte darauf ausschauen, wie der berüchtigte Aff´ am Schleifstein und zweitens, ich muss mir am Ende der ganztägigen Ausfahrt einen Termin beim Osteopathen vereinbaren, damit er mich wieder fit knetet. Beide Sorgen haben sich im Sattel der 800 NK als vollkommen unbegründet herausgestellt. Die Fotos sind schön geworden (Danke an dieser Stelle an das gesamte CFMOTO-Team vor Ort, das erst den zweiten Press Launch auf europäischem Boden veranstaltet und sich sehr passabel geschlagen hat) und vor allem und noch wichtiger: Auch mit einer Größe von 187 cm findet man auf der stärksten CFMOTO aller Zeiten gut Platz, so konnte ich es mit Fassung tragen, dass wir vor Ort leider keine Gelegenheit hatten, die höhere Sitzbank aus dem Zubehör auszuprobieren. Interessant wäre auch gewesen, ob diese etwas weicher gepolstert ist, als der Standardsitz, der durchaus als straff bezeichnet werden darf. Im Gegensatz zum Sozius-Prellbock darf er aber immer noch als komfortabel gelten, in Reihe zwei werden bereits Kurzstrecken zur echten Beziehungsprüfung.

Beide Lenkervarianten (die Advanced nutzt einen anderen Lenker, da der irre 8 Zoll Screen beherbergt werden will) bieten eine sehr gute Position und Breite, um das Bike zielgenau durch enge Radien zu dirigieren. Die Schalter und Knöpfe überzeugen durch solide Verarbeitung und ansprechende Haptik. Einzig die Positionierung des Blinkerschalters direkt unter dem Steuerkreuz kann am Anfang für etwas Verwirrung sorgen.

Preise und Farben CFMOTO 800 NK Sport und 800 NK Advanced

Wie heißt es so schön: Das Beste kommt zum Schluss! Mit einem echten Kampfpreis für die Sport-Variante 800 NK von 7390 Euro in Deutschland, 7390 Franken in der Schweiz und 8190 Euro in Österreich setzt CFMOTO ein starkes Zeichen. Den Aufpreis für die Advanced-Variante will man so gestalten, dass die nächste 1000er Hürde in keinem Markt genommen werden muss. In Anbetracht der doch zahlreichen und besonderen Features, ebenfalls ein wirklich verlockendes Angebot.

Etwas mehr Mut hätte ich mir persönlich bei den Farbvarianten, in denen die 800 NK verfügbar ist gewünscht. Schwarz, genannt Zircon Black und Weiß, auch als Nebula White bezeichnet stehen zur Wahl. Die jeweils zugehörigen Felgen sind sehr schön designt und verleihen insbesondere der schwarzen Variante mit den bronzefarbenen Akzenten einen edlen Auftritt. Die weiße Variante zieren schwarze Felgen mit roten Felgenbändern, trimmen den Look also eher in Richtung Sportlichkeit.

Fazit: CFMOTO 800NK Sport 2023

Da kommt ein echter Kracher aus China auf den Markt! Die 800 NK glänzt mit überkompletter Ausstattung, es finden sich in diesem Bike Features, die man in dieser Klasse sonst nicht bekommt. Der Motor ist ein Freudenspender mit Charisma, das Fahrwerk ausgewogen und die Bremsen richtig dimensioniert. An kleineren Abstimmungsbaustellen muss noch getüftelt werden und die Traktionskontrolle ist im kommenden Modelljahr vermutlich dabei. Das Paket ist aber auch schon in der aktuellen Konfiguration mehr als verlockend, wenn man den niedrigen Einstiegspreis bedenkt.


  • Ausstattung deutlich über Klassenschnitt
  • Preis-Leistung top
  • kräftiger Motor
  • toller Sound
  • eigenständiges modernes Design
  • gute Materialanmutung
  • einstellbares Fahrwerk
  • Abstimmung der Fahrmodi ausbaufähig
  • keine Traktionskontrolle

Fazit: CFMOTO 800NK Advanced 2023

Da kommt ein echter Kracher aus China auf den Markt! Die 800 NK Advanced glänzt mit überkompletter Ausstattung, es finden sich in diesem Bike Features, die man nirgends sonst bekommt. Wireless Carplay und Ambiance Light, um nur zwei Highlights zu nennen, grenzen beinahe an Dekadenz. Der Motor ist ein Freudenspender mit Charisma, das Fahrwerk ausgewogen und die Bremsen richtig dimensioniert. An kleineren Abstimmungsbaustellen muss noch getüftelt werden und die Traktionskontrolle ist im kommenden Modelljahr vermutlich dabei. Das Paket ist aber auch schon in der aktuellen Konfiguration mehr als verlockend, wenn man den niedrigen Einstiegspreis bedenkt.


  • Ausstattung unerreicht
  • Preis-Leistung top
  • kräftiger Motor
  • toller Sound
  • eigenständiges modernes Design
  • gute Materialanmutung
  • einstellbares Fahrwerk
  • Abstimmung der Fahrmodi ausbaufähig
  • keine Traktionskontrolle

Bericht vom 29.06.2023 | 27.802 Aufrufe

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