Sie ist wieder da! KTM 790 Duke 2023 im 7er Naked Bike Vergleich

Federleicht und bärenstark, aber kein Budgettipp mehr!

Ein lang erwartetes Comeback findet endlich statt. Aber kann die 790 Duke die deutlich erstarkte Konkurrenz noch so in die Schraken weisen, wie früher? Der 7er Vergleich bringt die Antwort!

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Ein urknallgleicher Ruck ging durch die Naked Bike Mittelklasse als 2018 die 790 Duke Weltpremiere feierte. Plötzlich gab es eine leichte Duke mit zwei Zylindern, 105 PS und vollem Elektronikpaket zu einem unglaublich attraktiven Preis.Viele fürchteten (zu Recht), dass das Ende der ikonischen 690 Duke naht. Und tatsächlich, der Erfolg war groß und auch wir bei 1000PS konnten nicht anders, als uns eine anzuschaffen und eines unserer reichweitenstärksten TuneUp-Projekte damit zu realisieren. Nach souveränen Saisonen machte die Umstellung auf Euro 5 den 790er Modellen den Garaus. Nun ist sie als A2-taugliche Einstiegs-Duke zurück.

The elephant in the room, ja die 790 Duke kommt aus China

2023 dürfen wir also endlich wieder eine 790 Duke fahren. Der auf den ersten Blick größte Unterschied zur alten 790er, der sich auf den zweiten Blick aber gar nicht als so groß erweist, ist, dass die Fertigung der 790 Duke 2023 vollumfänglich in China erfolgt. Die 790er ist das erste Ergebnis, des seit 2015 bestehenden Joint Venture mit CFMOTO. Kurz umrissen, hat KTM über Jahre hinweg die Fertigungsstraße für die 790er 1:1 in China aufgebaut, Mitarbeiter dorthin entsandt, die den Prozess überwachen und penibel an allen Schrauben gedreht, um ein zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Auch die vollständige Umsetzung dieses Prozesses war ein Grund, warum wir auf die Rückkehr der 790 Duke nun doch noch etwas länger warten mussten, ursprünglich war sie ja bereits für das zweite Halbjahr 2022 angekündigt. In Summe hat sich dieses Warten ausgezahlt, die Verarbeitung bzw. das Look & Feel ist von den nach wie vor in Österreich gefertigten (teureren), 890er Modellen nicht zu unterscheiden. Eine kleine Abweichung stellt das Startverhalten bei eingelegtem Gang unserer Testmaschine von der Motothek in Ternitz (Danke noch einmal an dieser Stelle) dar, aber dazu mehr in Vaulis Meinung zur Duke.

Motorisch ist gar nichts beim alten, aber der LC8c ist nach wie vor ein grandioses Triebwerk

Das sich hartnäckig haltende Gerücht, man hätte den alten 790er Paralleltwin einfach über die Euro 5 Hürde gehoben und ihm nebenbei 10PS abgezwickt, ist gänzlich falsch. Vielmehr hat man das bereits Euro 5 taugliche 890er Aggregat genommen und ihm 100 Kubikzentimeter entzogen. So wuchs das maximale Drehmoment gar um einen Newtonmeter im Vergleich zum 2018er Modell. Die maximale Leistung ist auf 95 PS festgesetzt, um eine Drosselung auf A2-taugliche 48PS zu ermöglichen. In der Praxis traut man dem Motor aber deutlich mehr zu, er ist der eindeutig potenteste in unserem 7er Vergleich.

Ausstattung KTM 790 Duke 2023 - immer noch vorbildlich aber nicht mehr überkomplett

Die bewährten Komponenten bleiben im Vergleich zur alten 790er unverändert. Die WP APEX-Federung sowohl vorne als auch hinten sowie das umfangreiche Elektronikpaket mit schräglagenabhängiger Traktionskontrolle (MTC), Kurven-ABS mit SUPERMOTO-Modus, 3 serienmäßigen Fahrmodi und einem Trockengewicht von 169 Kilogramm - auf der 1000PS Viehwaage haben wir 187 kg vollgetankt ermittelt- ermöglichen ungetrübten zugänglichen Fahrspaß. Das Fahrwerk ist von durchschnittlicher Güte, das können Konkurrentinnen wie die Suzuki GSX-8S mittlerweile besser.

Lediglich optional erhältlich sind 2023 Features wie der TRACK-Modus und der Quickshifter+, letzterer ist eine echte Empfehlung, will man den sportlichen Aspekt des Motorrads in vollen Zügen genießen. Die KTM 790 Duke ist serienmäßig mit einer Bremsanlage von der Brembo-Tochter J.Juan ausgestattet. An der Vorderseite verfügt sie über eine Einzelbremsscheibe mit einem Durchmesser von 300 mm, die von einem radial montierten Vierkolben-Bremssattel verzögert wird. Hinten ist eine einzelne Bremsscheibe mit einem Durchmesser von 240 mm und einem Zweikolben-Bremssattel verbaut. Sie kommt den hohen Anforderungen, die der potente Motor stellt, nur unter Einsatz relativ hoher Handkraft nach. Andere, schärfere Bremsbeläge könnten diesen Umstand abmildern.

Hoch anzurechnen ist KTM, insbesondere im Hinblick auf die A2-Tauglichkeit der 790 Duke, dass man für sicherheitsrelevante Features, wie schräglagenabhängige Traktionskontrolle und Kurven-ABS, keinen Aufpreis zu zahlen hat. Überhaupt ist sie die einzige Maschine im Testfeld, die diese Features bietet. Bei Aprilia hat man zum Vergleich zwar die Tuono 660 Factory entsandt, die diese elektronischen Helferlein auch bietet, bei der auf A2 drosselbaren Standardvariante sucht man sie hingegen vergeblich.

Wenige Menschen, viele Kurven - Motorradparadies Wald- und Mühlviertel

Die Gegend rund um die 1000PS-Redaktion ist zweifellos ein wunderbares Terrain für Motorrad-Tests, aber hin und wieder verspüren auch wir das Bedürfnis, andere Orte zu erkunden! Wenn es um die Entdeckung des zauberhaften Waldviertels, einer Region voller Geheimtipps, geht, ist Gas(t)geber Andi Starkmann der perfekte Ansprechpartner für Genussbiker. Seine Spezialität besteht darin, unverfälschten Fahrspaß in dieser verkehrsarmen Gegend zu ermöglichen. Als zertifizierter Tourguide und erfahrener Koch verwöhnt er seine Gäste mit wöchentlichen Highlights und sorgt für eine unvergessliche Motorradreise im malerischen Yspertal. Die Wände des MoHo "Zu den drei Hacken" sind geschmückt mit kunstvollen Bildern von Motorrädern und historischen Maschinen, was die besondere Verbundenheit zu dieser Leidenschaft deutlich macht. Die Atmosphäre ist herzlich und familiär, und man spürt sofort, dass Motorradfahrer hier mit offenen Armen empfangen werden. Neben geführten Touren ist das entspannte Enduro-Wandern durch den idyllischen Weinsbergerwald Andis Spezialität. Genauso wie die Grillabende des herausragenden Genusswirts, die direkt am bezaubernden Marktplatz von Ysper stattfinden. Hier geht es darum, gemeinsam zu biken, nach Hause zu kommen, zusammenzusitzen und das Leben zu genießen. Das Fahrerlager des Motorradhotels Drei Hacken erstreckt sich vom Frühstückstisch über die Garage bis hin zum gemütlichen Gästezimmer, in dem abends der Bikerstammtisch stattfindet.

Am nächsten Tag geht es dann wieder auf eine der zahllosen Runden durch diese wunderbare Motorradgegend, eine kurze aber besonders feine Rundtour, die unsere Testroute darstellt, habe ich euch mit Calimoto mitgetrackt. Die KTM 790 Duke war hier unter den Testern besonders beliebt, da sie im kurvigen Geläuf kaum Gegener fürchten muss, aber lest selbst:

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Vauli

"Ich habe bereits beim Test der KTM 890 Duke GP bemerkt, dass mir ihre 115 PS reichen und ich gar nicht unbedingt die 890 Duke R mit noch mehr PS brauche. Nun muss ich auch diese Aussage revidieren: Mir reicht sogar die KTM 790 Duke! Einfach herrlich, wie kräftig der Reihen-Zweier von unten anschiebt, in der Mitte Kraft aufbaut und auch oben noch herrlich ausdreht. In diesem Septett ist er sogar der hubraum- und drehmomentstärkste - und für mich insgesamt der spaßigste Motor, der auch noch richtig geil klingt. Das Fahrwerk ist hochwertig, die Bremsen packen ordentlich zu und die Sitzposition ist sehr vorderradorientiert ohne unbequem zu werden. Bei all der Sportlichkeit wäre der Quickshifter+ grundsätzlich Pflicht, glücklicherweise hatte unser Testexemplar aber keinen verbaut und ich konnte mich wieder mal an der formidablen Leichtgängigkeit eines KTM-Getriebes erfreuen. Die 790 Duke ist nämlich auch ohne dieses aufpreispflichtige Feature teuer genug, in diesem Vergleich kostet nur die Aprilia Tuono 660 mehr. Da die Kante aber eigentlich in einer Klasse höher mitmischen kann, ist sie es durchaus wert! Ach ja, es sollte nicht direkt etwas damit zu tun haben, dass die 790 Duke komplett in China hergestellt wird, aber es war schon sehr skurril, dass das Starten mit eingelegtem Gang nur funktioniert hat, wenn der Lenker in eine gewisse Position gedreht wurde, im Leerlauf hat es tadellos geklappt. "

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NastyNils

"Die KTM punktet mit einem grandiosen Motor und einem hochwertigen Elektronikpaket. Die Optik spaltet die Motorrad-Community. Die Front gefällt nicht allen Motorradfahrern. Im direkten Vergleich mit anderen Bikes der Klasse wirkt der Preis nicht mehr so attraktiv wie früher!"

Mex Meinung zur KTM 790 Duke 2023

Die kleine Schwester der 890 Duke GP ist zurück. 2023 mit Euro-5-konformem Motor, um in der Lücke zur 390 Duke ein konkurrenzfähiges Angebot zu haben. Ein Schritt den ich persönlich sehr begrüße, denn die Qualitäten der 890er wurde 1:1 auf die 790er übertragen. Sie kann sportlich und hart gefahren werden, ist dabei aber auch für längere Touren noch komfortabel genug. Der Begriff "quirlig" trifft es neben der neuen Honda Hornet für die KTM am besten. Der Motor hat eine unglaublich kräftige Mitte bei gleichzeitig sehr drehfreudiger Auslegung. Die Laufkultur geht bei all dem voll in Ordnung. Großgewachsene Fahrer erfreuen sich an einem entspannten Kniewinkel und generell sehr erwachsenen Abmessungen. In Summe für mich ein echtes Do-it-all-Gerät in dieser Klasse. Wer dann auch noch mit der polarisierende Optik und dem Attribut "Made in China" klar kommt, kann zugreifen und wird glücklich sein.

Bild von McGregor
McGregor

"Die 790 Duke ist ein Agilitätswunder, wie man es inzwischen von den Herzoginnen von KTM gewöhnt ist. Fahrradgleich lässt sie sich die Radien werfen und feuert dank des potenten, unfassbar drehfreudigen und antrittsstraken Zweizylinders aus der Kurve. Das Kurvenwetzen ist aber klar im Fokus der 790 Duke, für Alltagsfahrer ist sie recht hart und etwas ruppig. Bremsen und Fahrwerk sind in Ordnung, aber können in ihrer Güte nicht mit den besten Naked Bikes des Vergleichs mithalten. Auch ihre mittelmäßige Maxxis Serienbereifung hält sie zurück. Diese mäßige Ausstattung fällt besonders im Angesicht des Preises der 790 Duke auf, die in Österreich mit 10.499 € doch deutlich mehr als die Konkurrenz kostet. Das lohnt sich für Fans des superagilen Duke-Rezepts, doch für ausgeglichenere Anforderungen bieten andere besser geeignete Gesamtpakete. "

Philipps Gedanken zur KTM 790 Duke 2023

Ich bin sie zum ersten Mal gefahren und bin ehrlich etwas enttäuscht. Die Sitzposition ist typisch KTM etwas aufrechter, supermotoartiger, womit man gefühlt sehr gerade über dem Vorderrad sitzt. Bremst man sportiv an, taucht die Gabel deutlich ein und vermittelt mir kein sattes, vertrauensvolles Gefühl für die Front. Dazu hat mich die etwas lasch ansprechende Vorderradbremse instinktiv ausgebremst. Der Motor ist eine Wucht. Ich würde vermutlich dennoch gleich zur teureren 890 Duke GP bzw. 890 Duke R greifen. Dachte nicht, dass der Unterschied so groß ist.

Fazit: KTM 790 Duke 2023

Die 790 Duke ist nach wie vor ein wirklich knackiges Paket. Der Motor sticht deutlich aus der Konkurrenz heraus und darf als bester der Klasse bezeichnet werden. Im Vergleich zur Vorgängerin leider aufpreispflichtigen Features entziehen der 790er den Titel des Preis-Leistungswunders und das trotz China-Fertigung. Dennoch macht die leichte Herzogin im kurvigen Geläuf sehr viel Freude, lediglich die Bremse könnte noch etwas schärfer zubeißen.


  • Grandioser, starker Motor mit angenehmer Laufkultur
  • Hochwertige Elektronik
  • Gute Ergonomie für große Piloten
  • Frecher Sound
  • Straffes Fahrwerk für sportliche Fahrweise
  • Fahrwerk nicht einstellbar
  • Mittelmäßige Bremse
  • Im Vergleich zu anderen Bikes der Klasse relativ hoher Preis

Bericht vom 20.05.2023 | 28.572 Aufrufe