Die besten Eisen zum Reisen! Drei Japan-Tourer im Vergleich 2022

Honda NT1100 vs. Kawasaki Versys 1000 SE vs. Yamaha Tracer 9 GT

Wer gerne mit dem Motorrad reist, hat klarerweise andere Ansprüche an die Maschine, als jemand, der sie nur bei Schönwetter vor den Eissalon rollt. Windschutz, Komfort und Ergonomie müssen stimmen, idealerweise ist auch noch der Motor kräftig genug für ambitioniertes Heizen. Drei Japanerinnen stellen sich dieser Aufgabe - Honda NT1100, Kawasaki Versys 1000 SE und Yamaha Tracer 9 GT steigen in den Ring. Aber welche macht es am besten? Wir fanden es auf unserer Oberösterreich-Tour heraus!

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Natürlich, alles klar, wir waren mit drei Tourern auf Tour - was soll da schon schief gehen? Alle drei sind ausgezeichnete Reisemotorräder, die sich für weite Strecken nun mal ausgezeichnet eignen. Zusätzlich noch die perfekten Touren-Tipps von unserem MoHo-Wirten Rocky vom Hotel Rockenschaub im oberösterreichischen Liebenau und schon hat man als Tourenfreund alles, was man braucht! Stellt sich dennoch die Frage, mit welcher der drei man wohl am liebsten weite Strecken zurück legen würde. Denn auch wenn unsere drei Japanerinnen von außen jeweils schon mal mit den Verkleidungen und hohen Scheiben so aussehen, als könnten sie bestimmt weite Reisen tadellos unter die Räder nehmen, sind sie doch in gewissen, wichtigen Aspekten sehr unterschiedlich.

Honda NT1100: Der Tourer unter den Tourern

Für die gaaanz weite Reise, wenn es größtenteils weite Radien und lange Geraden gibt, würde ich jedenfalls zur Honda NT1100 greifen. Sie ist nun mal die gemütlichste mit dem besten Wetterschutz, deren Reihen-Zweizylindermotor mit 1084 Kubik Hubraum und 102 PS bei 7500 Umdrehungen zwar der schwächste im Trio ist, der dank seinem ordentlichen Drehmoment von 104 Newtonmeter bei nur 6250 Touren aber in allen Lebenslagen herrlich kraftvoll ans Werk geht und überaus angenehm dahin blubbert. Das Doppelkupplungsgetriebe DCT, mit dem unser Testbike ausgestattet war, schaltet auch noch ganz von selbst in den exakt passenden Gang, wenn man es möchte. Bequemer und entspannter geht es ja wohl nicht!

Der D-Mode des DCT auf der Honda NT1100 ist als Spargang ausgelegt

Einzige Kritik an der NT1100 betrifft aber gerade dieses DCT, im Speziellen den D-Mode, der von Honda offensichtlich als Spargang ausgelegt wurde. Binnen kürzester Zeit sind alle sechs Gänge durchgezappt und selbst bei 50 km/h tuckert die Honda mit nur 1800 Umdrehungen durch die Gegend, wobei die gesamte Verkleidung und das große 7 Zoll-TFT-Farbdisplay scheppern und vibrieren. Zum Glück gibt es ja mit einem Tastendruck den S-Mode, der dann sportlicher, aber weitaus praxistauglicher schaltet.

Unter den dicken Tourern ist die NT1100 die Sportlerin!

Dass sie als einzige im Trio kein elektronisch verstellbares Fahrwerk besitzt, fällt gar nicht mal so stark auf, denn die gesamte Abstimmung der Federelemente ist, zum Stil der Honda passend, eher komfortabel als sportlich, aber dennoch stabil und keineswegs zu schwammig. Schließlich passen auch die Bremsen zu dieser Auslegung, sie sind zwar die unsportlichsten, aber auf der NT1100 würden brachial zupackende Zangen auch am wenigsten zum distinguierten Charakter passen. Und falls nun jemand glaubt, die Honda wäre mit ihren 254 Kilo fahrfertig ein unbewegliches Dickschiff: Unter den echt guten Tourern, die in der Regel um einiges mehr wiegen, ist die NT1100 immer noch eine der Sportlichsten!

Kawasaki Versys 1000 SE: Die eierlegende Wollmilchsau

Dass etwas Speck auf den Hüften nicht immer in Unsportlichkeit resultiert, beweist die Kawasaki fast noch besser. Auf der Versys 1000 SE müssen sogar noch 7 Kilo mehr Eigengewicht als auf der Honda geschleppt werden, aber die 120 PS bei 9000 Umdrehungen aus dem, bereits von der nackten Z1000 bekannten und geschätzten Reihen-Vierzylindertriebwerk mit 1043 Kubik Hubraum lassen erstaunlich sportliche Ausbrüche zu. Das ist aber gar nicht das Einzige, das dieses Triebwerk kann, denn auch das schmalzige Drehmoment von 102 Newtonmeter liegt bereits bei 7500 Umdrehungen an und sorgt auch noch für einen herrlichen Durchzug in allen Lebenslagen. Einzig die spürbaren Vibrationen des sonor brummenden Vierzylinders sind nicht jedermanns Sache.

Die Sitzposition auf der Kawa Versys ist richtig gelungen

Wirklich getrübt wird das Gesamtbild der guten Kawa dadurch aber nicht, denn auch die Versys 1000 SE bietet einen ähnlich guten Windschutz wie die Honda. Zwar ist dessen Verstellung während der Fahrt so wie bei der Honda kaum machbar, dafür ist die Sitzposition wiederum richtig gelungen und man fühlt sich richtig gut aufgehoben. Die Bremse packt zwar ordentlich zu, bietet aber immer noch eine gute Dosierbarkeit ohne etwa zu brachial zu Werke zu gehen.

Das elektronische Fahrwerk auf der Versys 1000 SE passt gut zum Touring-Charakter

In Sachen Elektronik hat die Kawa zwar kein Doppelkupplungsgetriebe, das so wie bei der Honda in einen Automatikmodus schalten kann, allerdings hat sie einen gut funktionierenden Quickshifter, der die Schaltvorgänge erleichtert und dadurch eigentlich nicht viel weniger komfortabel agiert. Anders als die Honda besitzt die Kawa aber in der SE-Version ein elektronisch verstellbares Fahrwerk, das sich auf der Touring-Maschine natürlich hervorragend dafür eignet, die Versys 1000 SE auf unterschiedliche Straßenzustände und Beladungen mit oder ohne Sozius/Gepäck einzustellen. Die Armaturen sind dafür die altbackensten, mit einem analogen Drehzahlmesser neben dem großen Farb-TFT-Display wirkt das Cockpit fast schon antiquiert was allerdings bei der Ablesbarkeit keinerlei Nachteile, sondern eher Vorteile mit sich bringt.

Yamaha Tracer 9 GT: Die Sportlerin im Touring-Outfit

Bezüglich sportlicher Ausbrüche, also falls sie überdurchschnittlich oft auftreten, kann ich wiederum die Yamaha Tracer 9 GT wärmstens empfehlen. Grundsätzlich ist auch sie eine hervorragende Reisebegleiterin, vor allem kann bei ihr im Gegensatz zu den beiden anderen Tourern der Windschild watscheneinfach mit einem schlauen Hebel in der Mitte über dem Cockpit höhenverstellt werden. Allerdings ist ihr Windschild insgesamt der kleinste und die schlankeste Verkleidung bietet eben auch den geringsten Schutz. Allerdings ist sie mit lediglich 224 Kilo fahrfertig auch die mit deutlichem Abstand leichteste Maschine und in Wahrheit hätte es das bombastische Triebwerk auch nicht verdient, lediglich gemütlich durch die Gegend zu flanieren. Das kleinste Triebwerk mit nur 889 Kubik Hubraum liefert mit 93 Newtonmeter Drehmoment bei 7000 Umdrehungen zwar am Papier das wenigste Schmalz, allerdings dreht auch die Yamaha bereits ab Standgas souverän hoch und macht beim beherzten Ausdrehen erst so richtig viel Spaß. Denn so wie bei den restlichen Yamsen mit diesem Motor (MT-09 und XSR900) fühlen sich die 119 PS bei 10.000 Touren eigentlich noch starker an.

Die geteilten Armaturen auf der Tracer 9 GT sind einzigartig

Die Elektronik ist so wie bei den beiden Kolleginnen auf aktuellem Niveau, auf der Tracer 9 GT darf man so wie auf der Versys 1000 SE sogar auf eine 6-Achsen-IMU bauen und bekommt eine schräglagenabhängige Traktionskontrolle sowie Kurven-ABS. Das elektronische Fahrwerk macht auf der Yamaha soweit auch alles richtig, allerdings immer mit einem kleinen Hang eher zur Sportlichkeit als zur Bequemlichkeit. Wer sich an den geteilten Armaturen mit zwei kleinen TFT-Farbdisplays stößt, tut dies vermutlich wegen der etwas unübersichtlichen Anordnung am linken Hauptdisplay. Die Schärfe an sich ist aber durchaus akzeptabel und einzigartig ist diese Lösung allemal.

Vaulis Fazit zu den Reisetourern Honda NT1100 vs. Kawasaki Versys 1000 SE vs. Yamaha Tracer 9 GT:

Geht es um die wirklich große Reise würde ich zur Honda NT1100 tendieren. Einfach zu bequem und gemütlich kann man auf ihr touren, ohne jegliche Anstrengung ertragen zu müssen. Doch auch im engeren Winkelwerk kann die Japanerin mit einzigartigem DCT durchaus sportlich um die Ecken gescheucht werden. Dass dies dennoch besser und agiler geht, beweist die Yamaha Tracer 9 GT. Mit 30 Kilo weniger und 17 PS mehr kann man schon am Papier erahnen, was sich dann auch wirklich während der Fahrt abspielt. Die Tracer 9 GT lebt tatsächlich von diesem unfassbar kräftigen Dreizylindermotor, der es ja auch gar nicht verdient hat, untertourig flanieren zu müssen - obwohl er es auch kann. Das elektronische Fahrwerk ist klarerweise eine nette Sache und macht die Tracer 9 GT noch universeller, wirklich notwendig ist es aber auf diesem Sporttourer nicht unbedingt. Irgendwo dazwischen findet sich schließlich die Kawasaki Versys 1000 SE, die tatsächlich in beide Richtungen benutzt werden kann. Trotz höchstem Gewicht kann sie sogar sportlich um die Ecken geworfen werden, lediglich die spürbaren Vibrationen sind vielleicht nicht jedermanns Sache. Will man es auf der Grünen aber eher gemütlich, kann sie ebenfalls voll überzeugen, die Sitzposition ist bequem und langstreckentauglich, der Windschutz sehr gut und das elektronische Fahrwerk kann auch ganz soft abgestimmt werden.

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Fazit: Kawasaki Versys 1000 SE

Die Kawasaki Versys 1000 SE ist mehr als gerüstet für die ganz große Reise: Die vielen Features ziehen an einem Strang, denn alles Gute an der SE zielt auf Komfort und Sicherheit. Sei es das semiaktive elektronische Skyhook-Fahrwerk von Showa, das KIBS Kurven-ABS, die Kawasaki Cornering Management Funktion (KMCF), das Kurvenlicht oder das gut ablesbare TFT-Farb-Display, die Elektronik lässt keine Wünsche offen. Gepaart mit der gemütlichen Sitzposition und dem hohen, verstellbaren Windschild sind lange Etappen ein Genuss. Der Motor ist bestimmt nicht der stärkste, das Gewicht bestimmt nicht das niedrigste, aber insgesamt stellt die Versys 1000 SE ein optimales Touring-Motorrad dar.


  • Sehr komfortable Sitzposition
  • kultivierter Reihen-Vierzylindermotor
  • volles Elektronikpaket
  • verstellbares Windschild
  • herrliches elektronisch verstellbares Showa-Fahrwerk
  • gut dosierbare Bremsanlage
  • unverwechselbare Optik
  • Windschild nicht mit einer Hand verstellbar

Fazit: Yamaha Tracer 9 GT

Die Yamaha Tracer 9 GT ist mit ihrem Reihen-Dreier äußerst agil und sportlich zu bewegen, die 119 PS benehmen sich schon im Naked Bike-Derivat Yamaha MT-09 äußerst potent, auf der tourentauglichen Tracer 9 GT kaum weniger. Klarerweise sind die Ingenieure in Japan auch bezüglich Touring-Qualitäten keine Anfänger, die Tracer 9 GT verwöhnt mit Komfort durch das elektronisch verstellbare Fahrwerk und eine sehr bequeme Sitzposition samt gutem Wetterschutz. Insgesamt ist sie trotzdem eine ziemliche Reise-Sportlerin. Die Optik ist eigenständig, lediglich die geteilten Mini-Displays sind Geschmackssache.


  • druckvoller und starker Motor samt toller Abstimmung
  • leichtes und stabiles Handling
  • elektronisch verstellbares Fahrwerk
  • umfassendes Elektronikpaket
  • guter Windschutz
  • toller Soziuskomfort
  • etwas ruppige Kupplung
  • gewöhnungsbedürftiges Display

Fazit: Honda NT1100

Wer auf die große Reise gehen möchte, macht mit der NT1100 nicht viel falsch. Lediglich die noch größeren und auch schwereren Tourer können noch besser reisen, in der Klasse mit rund 250 Kilo macht ihr aber kaum eine Konkurrentin etwas vor. Der Motor bollert schön dahin und passt mit seinem kernigen Antritt gut zur NT, deren DCT auf Wunsch die gesamte Schaltarbeit übernimmt. Das Handling geht in Ordnung, das Fahrwerk ist weich, aber nicht schwammig. Lediglich die Elektronik verzichtet auf eine moderne IMU, es gibt also kein Kurven-ABS und keine schräglagenabhängige Traktionskontrolle. Dennoch ist sie eine der besten Reisebegleiterinnen, die mit den drei allzu dezenten Farben etwas sehr unauffällig daher kommt.eisen


  • umfangreiche Serienausstattung
  • perfekter Wind- und Wetterschutz
  • toller Motor
  • langstreckentauglich
  • komfortabel
  • Apple Carplay und Android Auto Integration
  • Fahrwerkssetup stimmig
  • keine IMU
  • triste Farbvarianten
  • keine Option für E-Fahrwerk

Bericht vom 16.07.2022 | 23.680 Aufrufe

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