Kaufberatung Yamaha XSR 700 vs. XSR 900

Welche Retro-Yamaha passt besser zu mir?

Retro-Nakedbikes liegen noch immer schwer im Trend: Coole, zeitlose Optik, moderne Fahreigenschaften und ausgereifte Technik wissen einen großen Kundenkreis zu verführen. Zurecht, wie wir finden. Yamaha hat gleich zwei sehr interessante Modelle in der Kategorie im Sortiment: Die XSR 700 und die „große“ Schwester XSR 900. Da lohnt sich eine umfangreiche Kaufberatung, um die Qual der Wahl zu schmälern.

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XSR 700 vs. XSR 900 – sehr unterschiedlich

Wie unterschiedlich Schwestern sein können, wissen nicht nur viele Eltern, sondern auch die Yamaha-Ingenieure: Bis auf den Namen teilen sich die beiden XSR-Modelle nämlich nicht viel. Wichtig zu wissen: Die Yamaha XSR 700 basiert überwiegend vor allem technisch - auf dem Nakedbike Yamaha MT-07. Die XSR 900 hingegen teilt sich die Basis mit der Yamaha MT-09, hat aber beispielsweise die Schwinge der Tracer 900 montiert oder die Bremspumpe der Yamaha MT-10. Weitere Details zur neuen Yamaha XSR 900 2022 findet ihr in unserem Testbericht von der Präsentation. Um es abzukürzen: Trotz der ähnlichen Bezeichnung, unterschieden sich die XSR-Schwestern fast wie Tag und Nacht voneinander. Hier die Unterschiede im Detail:

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XSR-Motoren – Twin vs. Drilling

Der größte Unterschied ist bereits das Herz des Bikes: der Motor. Während in der XSR 700 der Yamaha CP2-Motor zum Einsatz kommt (Parallelzweizylinder, 689 Kubikzentimeter Hubraum, 73,4 PS, 67 Nm Drehmoment), setzt die XSR 900 auf den bekannten CP3-Dreizylindermotor mit 890 Kubikzentimeter Hubraum, 119 Pferdestärken und 93 Nm-Drehmoment. Zwei- zu Dreizylinder machen einen bemerkenswert üppigen Unterschied aus: Der Twin in der XSR 700 tönt gänzlich anders - tiefer, bollender und fährt bereits vom Standgas weg für seine 73 PS überraschend bullig an. Der CP3-Drilling in der XSR 900 faucht dagegen mehr, fährt deutlich aggressiver durchs Drehzahlband und motiviert viel mehr zum Ausdrehen und Gasgeben als der samtige Twin-Motor der 700er. Während die XSR 700 den Piloten förmlich dazu einlädt, auf der breiten Drehmomentwelle zu surfen, wird im XSR 900-Sattel eher der Sportsgeist mit Drehzahlorgien im Reiter erweckt. Mitverantwortlich dafür: der sonore, heisere Klang aus der Airbox der 900er. Sowohl akustisch als auch in der Leistungsabgabe sind XSR-Schwestern nicht vergleichbar. So muss hier der Fahrer selbst entscheiden, ob er einen sanften, weichen und tief-blubbernden Zweizylindermotor bevorzugt oder lieber rapider mit dem Dreizylinder zwischen den Beinen die Welt erkundet. Fakt ist: Der CP2-Motor ist ein absolutes Sahnestück, hat eine großartige Laufkultur und klingt mit einem Zubehörauspuff sehr gut und voluminös. Der CP3-Motor deckt vermutlich einen noch breiten Einsatzzweck ab, fühlt sich auch auf einer Rennstrecke wohl und bietet genug Leistungsreserven, um es auch deutlich wilder anzugehen. Und obwohl die 900er in einer anderen Leistungsliga spielt, hat man im XSR 700-Sattel praktisch nie das Gefühl untermotorisiert zu sein. Das liegt vor allem an der homogenen und stets berechenbaren Leistungsabgabe, die der Fahrer ungefiltert und ohne elektronische Unterstützung abrufen kann.

Kaufberatung Yamaha XSR 700 vs XSR 900
Die bandneue Yamaha XSR 900 ist ein sehr sportliches Retrobike

XSR 900 mit tollem Elektronikpaket

Apropos Elektronik: Auch hier könnte der Unterschied kaum größer sein. Die Yamaha XSR 700 kommt nur mit ABS thats it. Keine Traktionskontrolle, kein Quickshifter, keine verstellbaren Fahrmodi oder anderes Gedöns. Warum? Weil sie es schlicht nicht braucht. Die XSR 700 hat eine perfekte Motorabstimmung, deren Leistungscharakteristik man gar nicht verstellen braucht. Ist die nicht vorhandene Traktionskontrolle ein fehlendes Sicherheitsfeature? Überhaupt nicht. Durch den weichen und stets berechenbaren Leistungseinsatz geht einem die Traktionskontrolle auch im Nassen nicht ab einen guten Reifen vorausgesetzt. Ganz anders die Rahmenbedingungen bei der XSR 900: Hier hat Yamaha alles reingepackt, was state of the art ist: ride by wire (elektronischer Gasgriff), dreistufige, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Quickshifter (hoch und runter mit Blipperfunktion), Kurven-ABS, Anti-Wheelie-Control und verschiedene Fahrmodi. Sogar einen Tempomaten gibt es bei der 900er serienmäßig. Für den aufgerufenen Preis ist die Elektronikausstattung schlicht der Hammer. Stellt sich nur die Frage: Brauche ich all das? Meine persönliche Meinung: Nein, wenn man die Grenzen im Sattel der Yamaha XSR 900 nicht ausloten möchte. Ja, wenn man sie so sportlich treiben möchte, wie es Motor und Fahrwerk ermöglichen. Dann sind vor allem Quickshifter und Traktionskontrolle eine echte Bereicherung. Auch beim ABS spürt man den Unterschied: Während das Antiblocksystem in der XSR 700 etwas präsenter eingreift, regelt das System in der XSR 900 spürbar sanfter und auch einen Tick später.

XSR 700 vs XSR 900 – Fahrwerk macht den Unterschied

Neben dem potenteren Motor und der üppigen Elektronikausstattung, punktet die XSR 900 augenscheinlich auch mit dem besseren Fahrwerk: Die USD-Gabel an der Front ist voll verstellbar und bietet für diese Preisklasse eine solide Performance. Das Federbein im Heck ist in der Zugstufe und Vorspannung verstellbar. Yamaha selbst bezeichnet die XSR 900 als Roadster, als landstraßenorientiertes Nakedbike mit Retrocharm. Das beschreibt auch haargenau die Fahrwerksabstimmung: Straffer als bei der XSR 700, aber weit nicht so straff oder gar hart wie im Sattel moderner Hyper-Nakedbikes. In Verbindung mit der Originalbereifung Bridgestone S22 bekommt der XSR 900-Reiter viel Grip zur Verfügung gestellt und eine im Vergleich zur Vorgängerin deutlich gesteigerte Stabilität. Geblieben ist das leicht kippelige Einlenkverhalten. Das Fahrwerk der XSR 700 ist im direkten Vergleich sehr unspektakulär geraten: Eine nicht verstellbare Telegabel, ein nur in der Vorspannung stufenweise einstellbares Federbein ultra basic. Aber: In Summe funktioniert das Fahrwerk bzw. das gesamte Chassis der XSR 700 sehr harmonisch und gut. In meinen Augen auch harmonischer als die XSR 900 jedoch mit einem anderen Fokus. Natürlich fehlt die Präzision der großen Schwester, wenn man flotter / sportiver fährt. Dafür lässt sich aus dem XSR 700-Fahrwerk mit etwas Investment beim Fahrwerksprofi viel rausholen und man schließt spürbar zur großen Schwester auf. Dennoch ist ganz klar: In der Kategorie Fahrwerk gewinnt die XSR 900 nicht nur am Papier.

Kaufberatung Yamaha XSR 700 vs XSR 900
Die Yamaha XSR 700 Modelljahrgang 2022

Die Ergonomie der XSR-Modelle

Bereits nach wenigen Kurven spürt man, dass die beiden XSR-Modelle sehr unterschiedliche Charaktere haben: Auf der XSR 700 sitzt man einen Tick höher (Sitzhöhe 830 Millimeter), der Oberkörper ist aufrechter, der Kniewinkel entspannter, der Sitz breiter und weicher. Man könnte auch sagen: entspannt und kompatibel. Die XSR 900 hingegen integriert den Reiter mehr, das Sitzpölsterchen ist knackig und nur 810 Millimeter vom Boden entfernt. Der Lenker ist tiefer montiert, der Oberkörper deutlich sportiver über das Vorderrad gebeugt, der Kniewinkel etwas sportiver aber nicht übertrieben. Sofort bekommt man einen anderen Bezug zum Vorderrad, ist verleitet etwas spitzer und später in den Radius zu bremsen. Die Sitzposition ist aktiver und passt damit wiederum gut zur Charakteristik des CP3-Motors. Windschutz gibt es auf beiden keinen. Der Soziusbetrieb dürfte auf der XSR 700 aufgrund der einteiligen Sitzbank mit niedrigerem Anstieg kommoder ausfallen.

Fahreindruck XSR 700 vs. XSR 900

Anderer Motor, andere Ergonomie, unterschiedliche Ausstattung: Welches XSR-Modell passt nun besser zu mir? Eine Frage, die vor allem von zwei Antworten abhängig ist: Welches Motorkonzept ist mir lieber? Und wie motiviert bin ich im Sattel meiner Yamaha XSR unterwegs? Grundsätzlich ist die Yamaha XSR 900 das deutlich sportlichere Motorrad, nicht nur wegen der Leistung, sondern aufgrund der gesamten Abstimmung, Ergonomie und Ausstattung. Sie ist wilder im Auftritt, motiviert mehr zum Anrauchen und tut sich etwas schwerer, ganz gemütlich von Kurve zu Kurve zu schwingen. Cruist man im XSR 900 Sattel, wird man das Gefühl nicht los, das Motorrad zu langweilen und nicht artgerecht zu bewegen. Als Fahrer der Yamaha XSR 700 kennt man dieses Gefühl überhaupt nicht. Auf sie setzt man sich drauf, findet sich sofort zurecht und versteht auch ihr Fahrverhalten binnen weniger Kilometer. Sofort bildet man mit ihr eine Einheit und kann sowohl entspannt und sanft fahren, als auch deutlich sportlicher, bis der Fußraster sanft den Asphalt küsst. Mit der XSR 700 fährt man unspektakulär flott, weil es so einfach und selbstverständlich ist. Mit der XSR 900 ist man spektakulär unterwegs und fühlt sich oft schneller, als man tatsächlich ist. Ein Ass hat die große Schwester noch im Ärmel: Ihr Preis-Leistungsverhältnis ist attraktiver als jenes der XSR 700. Außer man braucht das Plus an Sportlichkeit nicht, dann kann man bedenkenlos zur kleineren Schwester greifen und wird über viele Jahre, gleich ob als Anfänger oder Veteran, viel Freude mit dem Sport Heritage-Motorrad aus dem Hause Yamaha haben.

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Fazit: Yamaha XSR700 2022

Ausgewogen, unkompliziert, absolut berechenbar - das ist die Yamaha XSR 700. Ihr superber Zweizylindermotor überzeugt vor allem auf der Landstraße und sie bietet viel Potenzial durch Zubehörteile, um in verschiedene Richtungen zu optimieren.


  • tolle abgestimmter Zweizylindermotor
  • guter Sound
  • sehr neutrales, ausgewogenes Fahrverhalten
  • bequeme Ergonomie
  • magere Ausstattung
  • nicht verstellbares Fahrwerk
  • etwas schlechteres Preis-Leistungsverhältnis als XSR 900

Fazit: Yamaha XSR900 2022

Wer seine Yamaha XSR sportlich bis sehr sportlich bewegen will, der muss praktisch zur XSR 900 greifen: Fahrwerk, Motor, Elektronik sind deutlich performanter. Wer die Optik der 1980er-Jahre mag, den Charakter des Drillings und das etwas spezielle Einlenkverhalten, der kann kaum etwas falsch machen mit dem Motorrad.


  • starker, drehfreudiger Motor
  • besseres, verstellbares Fahrwerk
  • sensationelle Elektronikausstattung
  • optionale Pakete für Individualisierung
  • sehr attraktives Preis-Leistungsverhältnis
  • leicht kippeliges Einlenkverhalten
  • eigenwillige Optik des Höckers
  • sehr straffe Fahrersitzbank

Bericht vom 25.06.2022 | 4.278 Aufrufe

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