BMW R 1200 GS 2018 im Gebraucht Test nach 50.000 km

Bietet die Vorgänger-GS den besseren Deal? Preis-Leistungs-Check!

Die BMW GS gehört nun schon seit Jahren zu den bestverkauften Motorrädern in Europa. Mächtiger Boxer, ausgereifte Technik und üppige Ausstattung sind nun einmal ein starke Kombination, die viele Piloten an GS-Modellen schätzen. Die Creme-de-la-creme der Motorradtechnik kostet aber auch eine Lawine, weshalb sich viele auf dem Gebrauchtmarkt nach GS Bikes umsehen. Wir haben uns eine 2018er BMW R 1200 GS angesehen und überprüft, ob sich der Griff zum Vorgängermodell lohnt.

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Die GS wird zwar grundsätzlich als ausgereiftes und zuverlässiges Reisemotorrad angesehen, doch auch sie hatte im Laufe der Jahre schon mit einigen Problemchen, Startschwierigkeiten und Mängeln zu kämpfen. Fehlerhafte Leuchten, sich lösende Standrohre, und, und, und... Fairerweise dürfen bei über 40 Jahren Modellhistorie auch Fehler auftreten, wie das bei allen Herstellern und langjährig produzierten Motorrädern der Fall ist. Das gute an der ganzen Sache: Meist schlagen sich Erstbesitzer mit den Kinderkrankheiten herum, bei einem guten Gebrauchtkauf ist die Wahrscheinlichkeit aber hoch, dass die Mängel beseitigt wurden. Damit man sich dessen aber sicher sein kann, dazu braucht es vor allem eines: Ein gepflegtes Serviceheft.

Spezielles Werkzeug für spezielle Probleme - Services bei gebrauchten BMW GS

Regelmäßige Services und Wartungen sind nicht nur für den allgemeinen Zustand des Fahrzeugs wichtig, sondern auch für die schon angesprochenen Mängel. Da geht es aber nicht nur um die großen Fehler, die dann Schlagzeilen schreiben und große Rückrufaktionen nach sich ziehen, sondern auch kleine Unstimmigkeiten und Problemchen. Diese können oft kaum oder nicht von Laien erkannt werden, dazu braucht es das Spezialwerkzeug von BMW. Wurden über die Jahre brav die Werkstättentermine bei BMW eingehalten, haben die BMW Mechaniker still und heimlich das Bike optimiert und Kinderkrankheiten beseitigt. Deswegen ist eine scheckheftgepflegte GS mit ein paar Jahren auf dem Buckel oft deutlich zuverlässiger, als eine nagelneue BMW.

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1200 oder 1250 GS? - Shift-Cam als Kauf-Argument?

Die 1200er GS gab es in zwei Phasen. Zuerst luftgekühlt und ab 2013 luft-wassergekühlt. Dabei wurde aber nicht nur der Wasserboxer eingeführt, auch Ride-by-Wire und vieles mehr an moderner Technik fand ihren Weg auf die GS. Diese üppige Ausstattung und modernste Technologien spielen auf GS-Modellen für die Kundschaft eine große Rolle und so stellt sich bei einem Gebrauchtkauf einer älteren GS oft die Frage, auf wie viel man denn im Vergleich zur Neuen verzichten müsste.

Kleine Unterschiede zwischen der aktuellen R 1250 GS und der R 1200 GS gibt es natürlich viele, für eine komplette Gegenüberstellung aller technischen Daten gibt es hier den Motorrad-Vergleich von BMW R 1250 GS und BMW R 1200 GS. Ein größerer Unterschied und damals bei der Einführung der neuen 1250er GS ein stark beworbenes Feature hat vor allem mit der verfügbaren Leistung zu tun.

Dabei geht es weniger um die Endleistung, denn 125 oder 136 PS machen in 99% der Fahrsituationen keinen Unterschied. Auch mit 18 Nm mehr Drehmoment drückt die aktuelle GS noch etwas brachialer aus dem Drehzahlkeller, aber in der Realität macht auch das kaum einen Unterschied. Sie unterscheiden sich aber in der Charakteristik! Beides sind Boxer und dadurch naturgemäß eher in der unteren Hälfte des Drehzahlbandes zuhause. Untenrum ist Kraft ohne Ende da, eine Eigenschaft die Fahrer seit den ersten GS-Modellen der 80er schätzen, ab ca. 5.000 Umdrehungen steigt nur mehr die Drehzahl, der Boxer knattert immer hochfrequenter, aber die Power wird nicht mehr. Das gilt zumindest für die 1200er. Mit der 1250er wurde allerdings das Shift-Cam-System, also eine variable Ventilsteuerung, eingeführt. Sie ermöglicht unter Teillast einen sauberen Motorlauf und höhere Effizienz, kann unter Volllast und im oberen Drehzahlbereich aber auf potentere Steuerzeiten umschalten und richtig Feuer geben. Bei einer gebrauchten 1200er GS muss man auf diesen extra Boost verzichten, dennoch hat sie mehr als genug Leistung, um auf der Landstraße ordentlich Stoff zu geben. Man muss nur vielleicht etwas öfter schalten.

Gebrauchte BMW R 1200 GS in Bewegung

Neben der eindimensionaleren Motorcharakteristik der R 1200 GS fallen noch ein paar Unterschiede bei sportlicher Fahrt auf. Unsere Testmaschine haben wir vom Tourenveranstalter hispania-tours erhalten. Nach ausgiebigem Touring-Einsatz stehen bei der 2018er GS knapp unter 50.000 km am Tacho, aber auch nach so vielen gelaufenen Kilometern macht sie keine schlechte Figur. Das Handling ist GS-typisch extrem leichtgängig und einfach zu handhaben, das um 10 kg geringere Gewicht der 1200er merkt man nicht und der niedrige Schwerpunkt des Boxers macht auch große Massen äußerst zugänglich. Erst am Kurveneingang, wenn man vom massiven Drehmoment rasant herankatapultiert wird und in die Eisen greift, spürt man die Masse. Trotz gleicher Dimensionen braucht die Bremserei auf der gebrauchten GS mehr Kraft und Entschlossenheit am Hebel, um ordentlich zu Ankern. Auch relativ neue Bremsbeläge können 50.000 km halt nicht verstecken. Dafür profitieren ältere Modelljahre von weniger strengen Abgasvorschriften. Unsere Gebrauchtmaschine zieht deutlich satter bollernd aus dem Radius, im Vergleich zur von Euro5 gezügelten 1250er GS.

Elektronik-Vergleich BMW R 1200 GS 2018 vs R 1250 GS 2022

Gleich nach dem Aufsitzen auf der 1200er GS fällt das Fehlen des 6,5 Zoll großen TFT-Displays auf. Das mag für manche ein echtes Manko sein, denn das kleine, zwischen Analog-Anzeigen gepresste LC-Display ist nicht so hübsch anzusehen, vom praktischen Nutzen her aber nahezu gleichwertig im Vergleich zur modernen Alternative. Die Informationen sind gut ablesbar, die Steuerung läuft bekanntermaßen über den Drehregler am linken Lenkerende und die Bedienung ist ähnlich intuitiv. Nur auf elektronische Spielereien, wie zum Beispiel Smartphone Connectivity, und aufwendige Grafiken muss man verzichten. Mit etwas Glück findet man aber sogar eine R 1200 GS mit TFT-Display. Dieses wurde ab 2017 als aufpreispflichtige Sonderausstattung angeboten. Da aber serienmäßige GS-Motorräder sowieso seltener als Einhörner sind, stehen die Chancen dafür nicht schlecht.

BMW R 1200 GS 2017 Display
Die Kombination aus analogen Anzeigen und LC-Display sieht vielleicht nicht so schick aus, funktioniert im realistischen Betrieb aber genauso gut wie das neue TFT-Display.

Abgesehen vom fetten Mäusekino am Lenker brauchen sich 1200er Modelle ab dem Jahr 2017 nicht vor der jüngeren Schwester verstecken. Fahrmodi Rain, Road, Dynamic, Dynamic Pro, Enduro & Enduro Pro, schräglagenabhängige Traktionskontrolle und ABS, Hill-Start-Control, ein dynamisches Bremslicht, Quickshifter, Heizgriffe, Keyless Ride, Tempomat und zu guter Letzt noch das semi-aktive Fahrwerk von BMW, das Dynamic ESA. Diese besaß in der letzten Generation der R 1200 GS auch den automatischen Fahrlagenausgleich, das heißt ein Sensor misst den Beladungszustand des Motorrads und passt die Federung daran an.

Bekannte Probleme der BMW R 1200 GS

Durch die hohen Verkaufszahlen der GS tummeln sich heute auch viele gebrauchte GS-Bikes auf den Gebrauchtmärkten. Die kommen in allen Preisklassen, Variationen und auch Zuständen. Aber gibt es typische Fehlerherde, die bei einem Gebrauchtkauf besonders unter die Lupe genommen werden sollten?

Gangspringer sind ein schon fast berüchtigtes Problem unter BMW GS Modellen. Gerade die ersten Modelle des neuen "Wasserboxers" hatten große Schwierigkeiten mit unter Last herausspringenden Gängen und unpräzisen Schaltvorgängen. Mit den Jahren wurde von BMW zwar nachgebessert und optimiert, aber noch immer sollte man auf das Getriebe ein genaues Auge werfen. Auch bei unserer Gebraucht-GS kommt es immer wieder vor, dass zwischen dem zweiten und dritten Gang das Getriebe ins Leere rutscht. Deshalb unbedingt bei der Probefahrt nicht nur alle Gänge ausprobieren, sondern auch unter unterschiedlicher Last. Suboptimale Schaltvorgänge sind auf jeden Fall ein wichtiger Punkt bei der Preisverhandlung, denn Getriebe-Reparaturen sind teuer. Auch ein defekter Kardan kann ein großes Loch in die Geldbörse machen. An und für sich werden Kardans ja wegen ihrer Robustheit und Wartungsfreiheit geschätzt, aber dennoch sind sie nicht unzerstörbar. Vor allem die Gummidichtungen sollten genau auf Risse und Dichtigkeit überprüft werden.

BMW R 1200 GS im Gebraucht-Test
Das Getriebe sollte bei GS-Modellen immer ganz genau betrachtet bzw. durchprobiert werden.

Defekte Schalter, sich auflösende Tankdeckel, nervige Dröhngeräusche aus dem Antriebsstrang, oder sich lösende Standrohre des Telelevers - All das gab es auch schon bei BMW GS Modellen, sie zählten aber hauptsächlich zu jenen oben erwähnten Kinderkrankheiten, die bei regelmäßigen Wartungen behoben worden sein sollten. Also Augen offen halten und die bei Gebrauchtkäufen üblichen Überprüfungen durchführen. Falls ihr nicht wisst, worauf es grundsätzlich beim Gebrauchtkauf zu achten gilt, findet ihr hier unsere Tipps für den Motorrad Gebrauchtkauf.

Preisvergleich BMW R 1200 GS gebraucht vs. R 1250 GS neu

Aber selbst im Angesicht dieser vielen Problemchen darf man sich nicht täuschen lassen: BMW GS Motorräder sind schon langlebig! Und damit auch leider preisstabil. Für jüngere 1200er Modelle mit mittelmäßigen Laufleistungen zwischen 20.000 und 40.000 km muss man in Österreich noch immer 16.000 bis 18.000 € berappen, in Deutschland liegen wir bei 14.000 bis 16.000 €. Vergleicht man das mit den Anschaffungspreisen von 20.300 € in Österreich und 17.750 € in Deutschland, ist der Unterschied zwischen Neu und Gebraucht echt nicht übertrieben groß. Allerdings bezieht sich der Neupreis auf das nackte Serienmodell, während unter den teureren Gebrauchten auch Bikes mit Vollausstattung und in top Zustand zu finden sind. Alle aktuellen Angebote und Preise zur BMW R 1200 GS findet ihr hier. Mit etwas Geduld und Glück lässt sich so auch eine R 1200 GS finden, die es Preis-Leistungs-technisch locker mit den neuen 1250er GS-Modellen aufnehmen kann.

Fazit: BMW R 1200 GS

Seit über 40 Jahren baut BMW die Boxer-Palette weiter aus und arbeitet konsequent an der Evolution der GS. Neben dem EURO4-Update des Motors mit neuem Kat und Mapping, gibt es nun noch mehr Features wie das Dynamic ESA Next Generation mit automatischem Fahrlagenausgleich, der die Stabilität und den Komfort für den Fahrer weiter verbessert. Die Exklusive-Version ist mit ihrer dezenten Farbgebung für Freunde des gepflegten und gedeckten Auftritts gedacht und anders als die schrillere Rallye-Variante eher für die Straße ausgelegt. Viele Features sind aufpreispflichtig, aber das kümmert den GS-Kunden für gewöhnlich nicht - 90 Prozent werden mit Vollausstattung geordert.


  • gereiftes Konzept
  • starker Motor
  • einfaches Handling
  • kräftige Bremsen
  • einstellbare Modi und Traktionskontrolle
  • umfangreiches Ausstattungsangebot
  • gutes Image und Werterhalt
  • viele Features aufpreispflichtig
  • Boxer in richtig hartem Gelände exponiert

Bericht vom 20.05.2022 | 22.000 Aufrufe

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