Kawasaki Versys 650 2022 Erster Test

Bleibt sie 2022 die versatile Alleskönnerin?

In der Nähe von Girona in Spanien konnten wir der neuen Versys 650 auf den Zahn fühlen. Gleiches Rezept, doch fokussierte Updates machen sie vielseitiger als je zuvor.

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Any road. Any time ist das Motto der Kawasaki Versys 650. Damit spielt sie auf ihre Vielseitigkeit an, die sie ja sogar schon im Namen trägt (Versys = Versatility + System). Den breiten Einsatzbereich der 650er Versys schätzen viele schon seit 2007. Mit dem letzten größeren Update im Jahr 2015 hat die gute Versys aber inzwischen etwas Staub angesetzt. 2022 gibt es nun wieder eine Überarbeitung, bei der ich mich allerdings nicht entscheiden kann, ob es als groß oder eher klein zu bezeichnen ist. Getan hat sich zwar einiges, im Kern ist sie aber immer noch ganz die Alte.

Zugängliches Alltagsgerät - Kawasaki Versys 650 2022

Motor, Rahmen, Fahrwerk und Bremsen sind gleich geblieben und haben dementsprechend auch den Charakter der Versys erhalten. Noch immer ist sie im Graubereich zwischen Tourern und Alltagsfahrzeugen positioniert. Manche bezeichnen sie deshalb vielleicht als bieder, doch im Sattel der Versys freut man sich einfach über ihre Zugänglichkeit und die Einfachheit mit der sie sich bewegen lässt. 2022 ist die Sitzhöhe zwar um 5 mm auf 845 mm gewachsen, dank der schmalen Taille bleibt sie aber auch für kurz geratene Menschen gut erklimmbar. Ein lockerer Kniewinkel, breiter Lenker und die daraus resultierende aufrechte Haltung machen die Sitzposition auf der Versys sehr entspannt. Mit meinen 1,85 m passt sie perfekt, aber selbst größere Piloten können die sich nach hinten verbreiternde Sitzbank ausnutzen und finden ausreichend Platz. Entspannt und mit Überblick über den Verkehr macht die Versys eine gute Figur als Daily-Driver. Aber nicht nur die Ergonomie hat ihren Anteil am zugänglichen Charakter der Kawasaki, auch der Motor spielt eine essentielle Rolle.

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Auch Fahrspaß im Sattel ist möglich - Kawasaki Versys 650 2022 im Test

Verbaut ist weiterhin der aus den bisherigen 650er-Modellen der Grünen bekannte 649 ccm Reihen-Zweizylinder mit 67 PS bei 8.500 Umdrehungen und 61 Nm Drehmoment bei 7.000 U/min. Dieser Motor ist äußerst zugänglich und smooth in fast jeder Lebenslage. Lediglich unter 3.000 Touren treten leichte Lastwechselreaktionen auf. Davon abgesehen liefert er seine Leistung aber sehr berechenbar und angenehm. Mit sanftem Schub ist man flüssig im Stadtverkehr unterwegs, irgendwann möchte man aber doch mal etwas Stoff geben. Denn auch das kann die Versys 650! Manch einer mag es dem pragmatischen Arbeitstier nicht zutrauen, doch auch im Sattel der Versys kann ordentlich Fahrspaß aufkommen. Dafür muss der Motor aber im richtigen Drehzahlbereich gehalten werden. Ab 5.000 Umdrehungen erhöht sich spürbar der Druck, sie fängt an brav nach vorne zu marschieren und schaufelt Leistung bis ca. 9.000 Touren nach. Darüber flacht die Leistungskurve schnell ab, sie bis zum Drehzahlbegrenzer auszudrehen bringt also eher wenig. Mit dem sehr sauber schaltenden 6-Gang-Getriebe gelingen auch die Schaltvorgänge flott und präzise, sodass nicht wertvolle Drehzahlen vergeudet werden müssen.

Im Kurvengeflecht macht sich noch etwas bemerkbar: Das grandiose Handling der Versys 650. Mit der 17-Zoll Bereifung fällt sie wie von selbst in die Kurve. Ein leichter Input am Lenker und schon kippen die fahrfertigen 219 kg willig in den Radius. Dort zieht sie dank des ausgeglichenen Fahrwerks auch sauber durch die Kurve. Die 41 mm USD-Gabel mit 150 mm Federweg und das direkt angesteuerte Monofederbein mit 145 mm Federweg bieten schon im Serientrimm einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Stabilität. Es ist natürlich auf der weicheren Seite, schafft es aber auch in Schräglage Bodenwellen zu schlucken, ohne Unruhe ins Fahrzeug zu bringen. Erst die Kombination aus Bodenwellen und härteren Bremsmanövern am Kurveneingang überfordern das Fahrwerk dann doch. Aber ganz untypisch für die Klasse, ist die Gabel in Zugstufe und Vorspannung einstellbar. So lässt sie sich noch an die eigenen Bedürfnisse individuell anpassen. Die Federvorspannung des Federbeins ist per Handrad verstellbar.

Die 300 mm Doppelscheiben-Bremse mit Zweikolben Bremszange an der Front und die 250 mm Einzelscheibe hinten sind ähnlich wie das Fahrwerk positioniert. Zugänglich, sprechen präzise an, bei ambitionierter Fahrweise und spätem Anbremsen bräuchte es aber mehr. Da die Versys 650 aber kein Heizereisen ist, geht das auch in Ordnung. Die letzte nützliche Neuheit während der flotten Kurvenfahrt kommt zwar nur selten bis kaum zum Einsatz, wenn sie aber aktiv wird, ist man vermutlich sehr froh darüber. Die Versys 650 besitzt ab 2022 auch eine zweistufig verstellbare und abschaltbare Traktionskontrolle. Bei 67 PS muss sie zwar nicht oft eingreifen, doch gerade auf den oft recht dreckigen Straßen Kataloniens ist sie ein Sicherheitspolster. Stufe zwei regelt dabei sehr vorsichtig, hier blinkt es auch im Trockenen schnell im Display auf. Stufe 1 wiederum schaffe ich nicht auszulösen, egal wie radikal ich in Schräglage am Gas reiße.

Reisetauglichkeit der Kawasaki Versys 650 2022

Statt Radikal ist man mit der Versys meist aber eher gemütlich und entspannt unterwegs. Das komfortable Gefühl im Sattel kommt auch auf langen Strecken zu Gute. Mit einem Verbrauch von 4,5 L/100km bei einem 21 Liter fassenden Tank sind die auch problemlos möglich. Die Front wurde nicht nur designtechnisch überarbeitet und sieht nun der Versys 1000 zum Verwechseln ähnlich, auch der Windschutz wurde überarbeitet. Das neue Windschild ist nun in 4 Stufen bzw. um 80 mm verstellbar. In der untersten Stufe trifft mich der Wind schon unterhalb des Kinns, in höchster Stellung ca. auf Augenhöhe. Das nimmt den Winddruck schön von der Brust, erzeugt aber recht laute Verwirbelungen am Helm. Langstreckenfahrer werden vermutlich zum 10 cm höheren Tourenwindschild im Zubehör greifen müssen. Direkt unterhalb des Windschilds leuchtet nun ein 4,3 Zoll TFT-Display dem Fahrer entgegen. Nicht nur ist es deutlich zeitgemäßer als das bisherige LC-Display, auch die Ablesbarkeit hat sich stark verbessert. Selbst Smartphone-Connectivity kann die neue Anzeige, dafür braucht es allerdings noch die Rideology App von Kawasaki am Handy.

Neben der Front ist im Zubehörkatalog der Einfluss der großen Versys am deutlichsten zu sehen. Nicht nur werden viele Bauteile 1:1 übernommen, auch die Aufteilung in vier Zubehörpakete hat sich die 650er Versys von der großen Schwester abgeschaut. Das Urban Paket beinhaltet ein 40 Liter fassendes Topcase und steht für sich allein. Die Pakete Tourer, Tourer Plus und Grand Tourer greifen hingegen auf das runde, 47-Liter fassende Topcase und die Seitenkoffer mit jeweils 28 Liter Volumen zurück. So kann die Versys in Stufen mit Koffern, Handguards, Heizgriffen, Zusatzscheinwerfern und mehr ausgestattet werden. Einzig einen Tempomaten würde man sich noch wünschen. Dieser ist, wie leider oft in dieser Hubraum-Klasse, aber auch für gutes Geld nicht zu haben. Neben der Anzeige finden eine 12V-Steckdose und ein USB-Ausgang Platz, die bis zu 100 W Strom liefern können. Viele der Zubehörteile, wie zum Beispiel die Heizgriffe, kennt man von der Versys 1000, was die Versys 650 sehr erwachsen wirken lässt.

Kawasaki Versys 650 2022 mit A2-Drosselung

Dabei ist die Versys auch für sehr junge Piloten und Einsteiger geeignet. Sie ist für die A2-Führerscheinklasse auf 48 PS drosselbar. Dank der elektronischen Motorsteuerung geht das auch noch sehr schnell und einfach über die Bühne. Dem Steuergerät wird lediglich per Kabel eine neue Abstimmung aufgespielt und schon ist die Maschine ge- oder entdrosselt. In der A2-Variante leistet die Versys 650 2022 48 PS bei 7.900 U/min.

Preis der Kawasaki Versys 650 2022

Für die Vielseitigkeit der Versys 650 ist der Preis sehr fair. Weniger als 9.000 € muss man in Österreich für die Allrounderin auf den Tisch legen. In Deutschland ist sie sogar für unter 8.300 € zu haben. Alle aktuellen Angebote und Preise der Kawasaki Versys 650 findet ihr hier.

Route des Tests

Hier könnt ihr die Route des Tests herunterladen. Zwischenstopps sind darin nicht enthalten.
Datei hier herunterladen

Fazit: Kawasaki Versys 650

Die Versys 650 ist auch 2022 weiterhin die seit vielen Jahren geschätzte Allrounderin, wurde aber in wichtigen Punkten verbessert. Das Elektronik-Update und LED-Lichtelemente machen sie zeitgemäßer, im Kern bleibt sie aber ganz die Alte und begeistert weiterhin mit ihrer Zugänglichkeit. Egal ob als Alltagsfahrzeug, Reise-Eisen, oder für spaßige Ausfahrten im Winkelwerk - Nur wenige Motorräder schaffen es einen dermaßen breiten Einsatzbereich abzudecken, wie die Versys 650. Und das auch noch zum top Preis!


  • Agiles Handling
  • Einstellbares Fahrwerk
  • Zugänglicher Motor
  • Angenehme Sitzposition
  • Top Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Geringer Verbrauch, hohe Reichweite
  • Lastwechsel unter 3000 U/min
  • Windschutz des Serienwindschilds ok, aber könnte besser sein
  • Tempomat im Zubehör wäre wünschenswert

Bericht vom 09.04.2022 | 6.683 Aufrufe

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