Triumph Tiger Sport 660 - Neuer Sporttourer für 2022 im Test

Wie schlägt sich die Reisevariante der Trident?

Lange war das Segment der Mittelklasse-Sporttourer schwach besetzt. Für 2022 bringt Triumph mit der Tiger Sport 660 einen möglichen neuen Klassenprimus. Erster Test in Portugal!

Wieviel Tiger steckt in der Triumph Tiger Sport 660?

Triumph sieht die 660 als Teil ihrer Adventure Sports Familie. Im Gegensatz zu allen anderen Tigern kommt sie allerdings mit einem rein straßenorientierten 17 Zoll Radsatz auf den Markt. Die Krümmer des herrlichen 3-Zylinders liegen zudem ungeschützt frei und die Bodenfreiheit ist aufgrund des Underfloor-Auspuffs sehr begrenzt. Kurzum: Die Tiger Sport 660 ist eindeutig auf befestigten Straßen zu Hause, womit sie eher der Sporttourer bzw, Cross-Over Kategorie zuzuordnen ist.

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Als Antrieb dient das aus der Trident bekannte Sahnestück

Als ich beim ersten Test der Triumph Trident 660 auf die Maschine aufstieg, hatte ich wenig Erwartungen an den Motor. Zu stark waren die Erinnerungen an den 3-Zylinder in der Street Triple mit seiner ewig langen Übersetzung und dem landstraßen-untauglich späten Leistungsfeuerwerk bei fünfstelligen Drehzahlen. Doch es sollte alles anders kommen. Der 660er Triple ist ein Gedicht und die (deutlich kürzer) gewählte Übersetzung für die flotte Kurvenhatz goldrichtig. Insofern kann ich mich an dieser Stelle nur wiederholen: Triumph hat den klassenbesten Motor mit einem unglaublich breiten Drehzahlband und hohem Spaßfaktor der sich aus dem ständig verfügbaren Drehmoment (mindestens 90% des maximalen Drehmoments liegen zwischen 3.600 und 9.750 U/Min an) speist. Dieses Aggregat macht sich auch in der Tiger Sport 660 wunderbar, schließlich bietet er ein hohes Maß an Laufruhe, was auf Reisen für entspannte Marathon-Sitzungen im Sattel sorgt.

Drehmomentverlauf Triumph Tiger Sport 660
mindestens 90% des maximalen Drehmoments liegen zwischen 3.600 und 9.750 U/Min an

Für alle Quartett-Spieler hier die technischen Eckdaten: Die Tiger Sport 660 wird von einem 660 ccm großen Dreizylinder befeuert. Die Maximalleistung beträgt 81 PS bei 10.250 Umdrehungen pro Minute und das maximale Drehmoment von 64 Nm steht bei 6.250 U/Min zur Verfügung. In der A2-Variante, die es mittels geänderter Elektronik und adaptiertem Gasgriff für unter 200 Euro Aufpreis gibt, bleiben knapp 48 PS und immerhin 59 Nm Maximal-Drehmoment übrig.

Freude für groß und klein: Sitzposition und Ergonomie auf der Tiger 660 Sport

Der Motor ist nicht das einzige Bauteil, das aus der Trident übernommen wurde, ebenso aus dem Nakedbike bekannt sind Bremsen, Auspuff, Raddimensionen und Bereifung. Auch der Rahmen ist großteils baugleich, allerdings wurde der Heckrahmen neu gefertigt und adaptiert um, vor allem für den Sozius/ die Sozia geräumigere Platzverhältnisse zu schaffen. Der Lenker ist in Höhe und Breite gewachsen und zudem etwas weiter Richtung Fahrer geneigt.

In Kombination mit der um 3 cm auf 835 mm angewachsenen Sitzhöhe ergibt sich eine sehr komfortable Sitzposition, in der es auch größere Piloten lange aushalten dürften. Durch die schmale Mitte des Sporttourers ergibt sich aber auch für kleinere Piloten nicht unbedingt die Notwendigkeit, auf die, im Zubehör erhältliche, niedrigere Komfort-Sitzbank (-20 mm) zurückzugreifen. Das für einen sicheren Stand erforderliche Schrittbogenmaß ist erfreulich gering. Der Kniewinkel ist sowohl für den Fahrer als auch für den Beifahrer entspannt.

Bereits die Standard-Sitzbank ist angenehm gepolstert, dennoch bietet Triumph auch für die reguläre Sitzhöhe eine Komfortsitzbank an. Kehrseite der starken Aufpolsterung da wie dort: Unter der Sitzbank herrscht Platznot, selbst das Verbandspäckchen sollte eher klein bemessen sein, um verstaut werden zu können.

Wind- und Wetterschutz am kleinsten Tiger

Die Tiger Sport 660 bietet durch die Verkleidung naturgemäß einen deutlich besseren Schutz vor unliebsamen Witterungseinflüssen, als ihre nackte Schwester. Durch die schmale Bauform des Cross-Over-Bikes sind die Unterschenkel allerdings auch hier dem Fahrtwind ausgesetzt. Oberschenkel und Körpermitte sind da schon besser geschützt. Mit meinen 1,87 Metern Größe bietet der (auch während der Fahrt bequem mit einer Hand) verstellbare Windschild jedoch keinen Schutz für den Helm. Der Winddruck macht sich auch in der höchsten Position an den Schultern bemerkbar.

Kein Nachteil ohne Vorteil: Die niedrige Position des Schilds erlaubt es dem Piloten bei wärmeren Temperaturen genügend Frischluftzufuhr zu erhalten. Auch kleinere Piloten finden eine Position, bei der sie problemlos über den Schild hinwegsehen können. Handguards sind für die Tiger Sport 660 nur gegen Aufpreis erhältlich.

Fahreindrücke zu Triumph Tiger 660 Sport 2022

Wir fuhren in Portugal eine rund 250 km lange Testrunde, die neben einigen Ortsdurchfahrten und einem rund 10%igen Schnellstraßen-Anteil glücklicherweise hauptsächlich aus einer nicht enden wollenden Aneinanderreihung engerer und weiterer Kurven bestand. Heimspiel für die Tiger Sport 660, die mit ihrem Beinamen die Erwartungshaltung an ihre fahrdynamischen Qualitäten durchaus in die Höhe schraubte. Der Lenkkopfwinkel ist mit 24,6 Grad ident mit dem der, für ihre Leichtfüßigkeit bekannten, Trident 660 und die Schwinge ist etwas in die Länge gewachsen, wodurch sich bei der Tiger Sport ein 16 mm längerer Radstand ergibt.

Fahrwerk und Bremse als Kompromiss aus sportlich und komfortabel

Entsprechend agil lässt sich die fahrfertig 206 Kilogramm schwere Maschine von einer Kurve in die nächste werfen, ohne dabei zu instabil zu werden. Die Federwege von 150 mm hinten und vorne ermöglichen zwar komfortables Gleiten, insbesondere die nicht einstellbare 41mm USD-Gabel von Showa sinkt beim starken Anbremsen aber doch merklich ein und wirkt bei forscher Gangart etwas überfordert. Das per praktischem Handrad hydraulisch verstellbare Federbein macht seine Sache da schon etwas besser und überzeugt mit sauberem Ansprechverhalten. Bei einem nicht einstellbaren Fahrwerk muss immer ein Kompromiss gefunden werden, die Orientierung in Richtung Komfort, erschwert bei der Tiger Sport 660 eine allzu sportliche Gangart.

Die 310 mm- Doppelscheiben-Bremsanalage kennt man - wie bereits erwähnt - ebenfalls schon aus der Trident 660. Der Initialbiss des Doppelankers ist durchaus forsch und die Bremsperformance der Fahrzeugkategorie grundsätzlich angemessen, jedoch nimmt bei starker Belastung die Bremskraft nicht in dem Maße zu, wie es der erste Biss vermuten ließe. Den transparenten Druckpunkt einer Renn-Bremsanlage darf man sich nicht erwarten. In Summe macht die Bremse (hinten werkt übrigens eine 255 mm Einzelscheibe) dennoch eine gute Figur. Das ABS regelt immer angenehm dezent, es ist nicht abschaltbar.

Als Erstbereifung setzt Triumph auf die bewährten Michelin Road 5, die sich im Test als wunderbar zum Motorrad passend präsentierten. So musste man Verschmutzungen auf der Fahrbahn richtiggehend suchen, um die Traktionskontrolle in den Regelbereich bringen. Die berechenbare und lineare Kraftentfaltung des Triple ist eben eine Klasse für sich.

Leistungskurve Triumph 660er Motor
Wie mit dem Lineal gezogen präsentiert sich die Leistungskurve der Tiger Sport 660

Einmal Alles: Ausstattung Triumph Tiger Sport 660

Bereits die Serienausstattung des kleinsten Tigers, stellt die Konkurrenz in den Schatten. Das Package aus Fahrmodi (Road und Rain - frei konfigurierbar), Traktionskontrolle und TFT-Display bietet kein anderer Mitbewerber. Ein cooles Feature sind auch die Komfortblinker, die beim Antippen 3x blinken, wie man es aus dem Automobilbau kennt. Drückt man den Hebel fester blinkt die Tiger dauerhaft.

Gegen Aufpreis lassen sich dann noch Spielereien, wie Connectivity, Lauflichblinker, Griffheizung und der stark empfehlenswerte bi-direktionale Quickshifter ordern. Die Empfehlung rührt, neben der bekannt perfekten Funktion. die die Triumph-Schaltassistenten bieten (wir durften einen solchen letztes Jahr auf unserem Trident Dauertester genießen), auch daher, dass der Kupplungshebel der Tiger nicht einstellbar ist. Zudem erforderte die Bedienung, zumindest an meinem Testbike, eine ordentliche Portion Handkraft und das, obwohl es sich um eine drehmomentunterstützte Anti-Hopping-Kupplung handelt.

Optional gibt es eine USB- oder 12 Volt Steckdose zu ordern. Leider werden die Energiespender unpraktischer Weise unter der Sitzbank positioniert. Möchte man das zu ladende Gerät am Lenker platzieren, muss das Kabel über den Tank gelegt werden. Hier wäre ein Ausgang im Cockpit wünschenswert, Platz genug dafür gäbe es.

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Die Tiger 660 Sport als Reisemotorrad mit Koffern und Topcase

Die Triumph-Ingenieure hatten das Thema Tourentauglichkeit bei der Entwicklung der Tiger Sport 660 wohl fett im Lastenheft stehen. Eine Zuladung von 223 Kilogramm kann sich nicht nur in der Mittelklasse sehen lassen. Da passt zusätzlich zum Sozius noch ordentlich Gepäck auf den Sporttourer. Hierzu hat Triumph in Zusammenarbeit mit dem Gepäck-Experten GIVI ein passendes Kofferset entwickelt. Das System lässt sich mit dem Fahrzeugschlüssel versperren und ist extrem dezent in das schlanke Heck der kleinen Britin eingepasst. Wem die 57 Liter Fassungsvermögen der beiden Seitenkoffer nicht ausreichen, kann zusätzlich zum 47 Liter bzw. zwei Integralhelme fassenden Topcase greifen. Dieses kommt mit einer Rückenlehne für die Sozia. Auf Wunsch können alle Koffer mit Akzenten in Fahrzeugfarbe geordert werden.

Ein höherer Windschild, ein Hauptständer oder Tempomat, alles Features, die für viele Piloten mittlerweile zu einem Reisemotorrad gehören gibt es im Originalzubehör nicht. Fairer Weise muss man sagen, dass es letzteren derzeit auch bei keinem Konkurrenzmodell (die BMW F 750 GS ausgenommen) gibt.

Triumph Tiger Sport 660: Verbrauch, Reichweite, Standgeräusch, CO² Ausstoß

Auch die technischen Daten, die nicht so sexy sind, wollen besprochen werden. 107 Gramm CO² Ausstoß verzeichnet die kleine Britin pro gefahrenem Kilometer. Umgewandelt in einen Wert mit dem man auch etwas anfangen kann, sind das 4,5 Liter Super auf 100 Kilometer, soweit die offiziellen Angaben von Triumph. In der Praxis stand nach 250 Kilometern ein Durchschnittsverbrauch von exakt 5 l/ 100 km im Display. Mit dem 17 Liter fassenden Tank ergeben theoretisch 380 km Reichweite, selbst bei flotter Gangart sind jederzeit 300 km drin, bevor man die nächstgelegene Tankstelle aufsuchen sollte. Das homologierte Standgeräusch der Tiger Sport 660 beträgt 94 dBA, somit steht der Pass-Jagd-Saison 2022 auch in Tirol nichts im Wege.

Die Konkurrenz der Tiger Sport 660 im direkten Duell

Triumph Tiger Sport 660 Preis, Verfügbarkeit, Farbvarianten

Die Tiger 660 Sport kommt neben der von uns bewegten (und um 100 Euro teureren) Farbvariante Korosi Red/Graphite, in der Farbgebung Lucerne Blue/Sapphire Black oder als dezente Farbkombination Graphite/Black auf den Markt. Der Verkaufsstart ist für Februar 2022 geplant. Die Preise der Tiger Sport 660 gestalten sich wie folgt: In Deutschland ab 8.700 Euro (zzgl. Nebenkosten) und in Österreich ab 9.895 Euro (inkl. Nebenkosten und NOVA). Dazu gibt es in beiden Ländern eine Garantie von 4 Jahren ab Kauf und auch die Servicekosten halten sich durch Intervalle von 16.000 Kilometern und eng bemessene Arbeitsstunden bei den Services in einem angenehm niedrigen Rahmen. Aktuelle Angebote in eurer Nähe zur Triumph Tiger Sport 660 findet ihr natürlich auch bei uns am Marktplatz.

Fazit: Triumph Tiger Sport 660

Triumph tut es schon wieder! Die Tiger 660 Sport kommt neu auf den Markt und setzt sich sofort an die Spitze des Segments. Mit vollwertiger Ausstattung und einem herrlichen Motor gesegnet, greift der Mittelklasse-Sporttourer nach den Sternen der nächsthöheren Preisklasse. Die Performance von Fahrwerk und Bremsen holen den Piloten dann doch auf den Boden der Tatsachen zurück. In Summe ein Top-Paket zu einem angemessenen Preis!


  • brillanter Motor
  • gute Serienausstattung
  • agiles Handling
  • (aufpreispflichtige) klassenfremde Features
  • hohe Zuladung
  • universelle Ergonomie
  • komfortabel
  • reichhaltiges Zubehör
  • Kupplung etwas schwergängig und Hebel nicht einstellbar
  • Fahrwerk kommt bei sportlicher Fahrweise an die Grenzen
  • keine Stromquelle im Cockpit
  • Windschutz für große Piloten nicht optimal

Bericht vom 15.12.2021 | 21.362 Aufrufe

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