Vespa 125 GTS Test 2021 75 Jahre Version

Eine Legende wird 75

Vespa ist für Mopeds, was UHU für Klebstoffe ist. Seit 75 Jahren gibt es den flotten Roller nun schon. Kein anderes Modell vermittelt die Unbeschwertheit des Dolce Vita so sehr wie die Vespa. Woran liegt der Dauererfolg? Zeit für einen Test!

Auch bei 1000PS musste die Legende ran - Ehrensache

Für so einen Test musste auch bei uns Testern die Top-Riege antreten. Dabei spreche ich natürlich nicht von mir, sondern vom altehrwürdigen Großmeister Zonko. Er hat zwar noch nicht ganz so viele Jahre am Buckel wie die Vespa, aber auch an ihm sind sie beinahe spurlos vorübergegangen. Zudem hat Zonko in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder gerne Vespas bewegt, selbst am Knie war er mit dem italienischen Kultroller schon unterwegs, kurzum Idealbesetzung.

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Schönheit Vespa im 21. Jahrhundert: Kultiger Klassiker - Hightech inklusive

In Zeiten von Euro 5 ist an der Vespa, trotz klassischem Kleid natürlich einiges an moderner Technik verbaut. So kann die 125 GTS mittlerweile, neben ABS auch eine Traktionskontrolle, Start-Stop Automatik, LED-Tagfahrlicht und Blinker, Bluetooth-Konnektivität (mittels eigens designter App) und ein TFT Farbdisplay bieten. Zu Gute halten muss man den Ingenieuren und Designern, dass die klassischen Formen des Kultrollers nahezu unangetastet geblieben sind. Die Integration der modernen Technik erfolgte sehr behutsam, sodass auf den ersten Blick nicht sicher ist, um welches Baujahr der GTS es sich hier handelt.

Der Jubiläumsfarbton Giallo 75th Metallic orientiert sich an einer der Trendfarben der 1940er Jahre und ziert neben der 125 GTS auch die große 300er Schwester. Die 75-Jahre-Edition zieren zudem dünklere Akzente in Pyritgelb. Auf den Kotflügeln und an der Seite ist jeweils die Zahl 75 abgebildet und die vespatypische Krawatte ist ebenfalls in dieser Farbe gehalten. Die Sonderlackierung ist übrigens auch für die Vespa Primavera Modelle - 50, 125 und 150 - erhältlich. In Natura und vor allem in der Nachmittagssonne kommt der Farbton noch etwas besser zur Geltung, als auf den Studiobildern - wir sind begeistert.

Fahrdynamische Überraschung bei der 125 GTS dank Vespa-Importeur Faber

Mit ihren 14 PS Spitzenleistung und 12 Nm Maximaldrehmoment aus 125 Kubikzentimetern reißt die Vespa traditioneller Weise keine Bäume aus, ist aber für das A1 Segment brauchbar motorisiert. Die Performance reicht durchaus aus, um im Stadt- und Landstraßenverkehr mitzuschwimmen. Zonko konnte ein schelmisches Grinsen nach unserer kurzen Autobahnetappe nicht verbergen, zeigte die im TFT-Display gespeicherte Maximalgeschwindigkeit doch den beachtlichen Wert 118 km/h an. Somit sollte die magische Landstraßenhürde von 100 km/h auch für stämmigere Piloten kein Problem darstellen.

Doch beim Rollerfahren geht es um mehr als die reine Geschwindigkeit. Die serienmäßig verbauten 12 Zoll Räder an Vespas scheiden seit Jahren die Geister. Zum einen ermöglichen sie das spielerische, beinahe kippelige Handling, das in der Stadt so wichtig ist, zum anderen machen sie oben beschriebene Höchstgeschwindigkeitsfahrten auf der Vespa zur Mutprobe. Es fehlt schlichtweg an Stabilität im Geradeauslauf.

Diesem Problem hat man sich beim Vespa-Experten Faber angenommen. Auf Wunsch verbaut man hier anstatt der 12 Zoll Räder welche in der Dimension 13 Zoll vom Zulieferer Fabioni, auch die Reifenbreite wächst etwas an. Das Ergebnis - selbstverständlich samt Eintragung - ist beachtlich. Die GTS ist kaum weniger agil, die Stabilität beim Geradeauslauf und auch in schneller gefahrenen Kurven spürbar gesteigert. Auch der eleganten Optik tun die sportlichen 13 Zöller keinen Abbruch, persönlich würde ich sie mir jedoch nicht auf ein Jubiläumsmodell montieren. Für echte Connaisseure wird zudem noch ein Fahrwerksupgrade angeboten, das man im Zuge des Felgentauschs gleich miterledigen kann.

Vespa GTS 125 in der Praxis: Unerbittlicher Alltagstest

Im echten Leben dient die GTS 125 bei aller Schönheit, als praktisches Fortbewegungsmittel von A nach B. Der Wind- und Wetterschutz für die untere Körperhälfte ist ebenso gegeben wie im Patent vom 23.4.1946 beschrieben. Schmutz und Feuchtigkeit werden erfolgreich von den Beinen und Füßen, die vermutlich in eleganten Hosen und Schuhen stecken ferngehalten. Oben herum sieht es mangels Windschild natürlich etwas anders aus, das Zubehör schafft Abhilfe. Nichts desto trotz kann man der Vespa 125 GTS in diesem Punkt ein gewisses Maß an Alltagstauglichkeit attestieren.

Das Thema Stauraum ist traditionell keines, wo sich Vespas stark hervortun. Die 75 Jahre Edition mach hier keine Ausnahme. Unter der 790 mm hohen Sitzbank findet ein Jethelm und etwas Kleinzeug Platz, mehr nicht. Das Fach vorne im Fußraum nimmt Handy, Schlüssel, Geldbörse und Co. auf. Ersteres lässt sich über die im linken Teil des Faches vorhandenen USB-Steckdose wunderbar laden. Nachdem man eine solche Schönheit tunlichst nicht mit einem Topcase - sei es auch noch so praktisch - verschandelt, hat Piaggio sich dazu entschlossen einen in Chrom gehaltenen ausklappbaren Gepäckträger zu montieren. Dieser ist bei der Jubiläumsvariante ebenso serienmäßig wie die an das historische Reserverad angelehnte kreisrunde Tasche. Daran sollen laut Zonko vor allem Damen, aber auch sehr selbstbewusste Männer Gefallen finden. Spätestens beim Seidenschal in der Tasche waren Zonko und ich dann aber raus.

Umwelteinfluss und Verbrauch gehören heutzutage auch besprochen. Offiziell nimmt die 125er nur 2,4 Liter Super auf 100 km zu sich, das entspricht einem CO²-Ausstoß von 59 g/km. In der Praxis kommt man mit dem 7 Liter Tank jedenfalls deutlich weiter als 200 Kilometer, was absolut ausreichend ist.

Preis Vespa 125 GTS 75th Anniversary: Nicht günstig aber preiswert!

In Anbetracht der Rekordpreise die 125er Vespas auf dem 1000PS Marktplatz erzielen relativiert sich der hohe Anschaffungspreis. Berücksichtigt man den Umstand, dass Sondermodelle tendenziell wertstabiler sind und im konkreten Fall bei der 75 Jahre-Jubiläumsversion im Vergleich zur Standard-Supertech kein Aufpreis fällig ist, wird die GTS 125 beinahe ein Schnäppchen. Von der Lederhandtasche und dem Seidenschal spreche ich hier noch gar nicht.

Fazit: Vespa GTS 125 75th

75 und kein bisschen leise. Die Vespa GTS 125 ist ein ganz besonders heißes Eisen in der A1-Klasse, wie ein Blick auf die Zulassungsstatistiken belegt. Voll mit modernen Features, aber klassisch im Auftritt. Sonder-Versionen, wie die von uns getestete 75th Anniversary bieten oft das gewisse Etwas, das einen die italienische Lebensfreude im Sattel noch mehr genießen lässt. Geiz-ist-geil-Jünger sind hier jedoch definitiv an der falschen Adresse.


  • Designikone
  • wertstabil
  • Fahrleistungen ansprechend
  • Verbrauch niedrig
  • hoher Anschaffungspreis
  • kippeliges Fahrverhalten

Bericht vom 01.10.2021 | 5.931 Aufrufe

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